E-Scooter Lime

E-Scooter: 8 Gründe für einen zweiten Anlauf

Der Start der E-Scooter in Deutschland war von Problemen begleitet. Nicht wenige fordern bereits wieder deren Abschaffung. Wir erklären euch, warum das keine gute Idee wäre.

Seit dem Sommer rollen E-Scooter auf Deutschlands Straßen, und nicht gerade alles ging glatt mit dem neuen Verkehrsmittel. Es gab Unfälle, den Vorwurf der geförderten Faulheit und dann noch eine umstrittene Ökobilanz. Doch der Abgesang kommt verfrüht. Wir sagen euch, warum es sich lohnt, E-Scootern noch einmal eine Chance zu geben.

1. Besser über Risiken von E-Scootern aufklären

Das neue Verkehrsmittel sorgte für Unfälle, aber auch für Missverständnisse. Die Polizei erwischte alkoholisierte Menschen auf E-Scootern, viele auch zu zweit auf einem Gefährt. Eventuell hatte sich da noch nicht herumgesprochen, dass für sie die gleiche Promillegrenze gilt wie für Autos und auch dass nur eine Person auf einem Scooter fahren darf. Das sollten die Leihfirmen im zweiten Versuch besser machen, etwa mit einer deutlichen Aufklärung in der App vor jedem Fahrtantritt. Denn Sicherheit steht über allem.

E-Scooter, wie hier von Lime

E-Scooter, wie hier von Lime

2. Neues braucht Zeit

Wer in diesem Sommer einen E-Scooter gefahren ist, der sah anfangs viele überraschte Gesichter. Das Bild von einem stehend heranrollenden Menschen war schlicht noch nicht in die Köpfe der meisten Verkehrsteilnehmer eingespeichert. Schon im Laufe des Sommers aber hat sich das geändert. Die Leute sind durchaus in der Lage, sich an Neues zu gewöhnen. Je länger es die Scooter geben wird, desto eher werden sie Alltag und dann wird auch die Zahl der Unfälle abnehmen.

3. Weniger Bewegung? Es kommt darauf an

Zwei Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die meisten Menschen statt einer E-Scooter-Fahrt eher zu Fuß gegangen wären. Der Vorwurf, die Geräte würden die Faulheit unterstützen, war da schnell gemacht. Nicht ganz zu Recht, es lohnt sich zu differenzieren und den guten alten Verkehrsmittelmix noch einmal zu bemühen: So füllen E-Scooter charmant eine Nische. Wer schnell zu einem Termin in der Nähe muss und danach noch präsentabel aussehen will, der nimmt sich eher einen Scooter. Wem es um Bewegung geht, der geht zu Fuß oder fährt Rad. Es kommt also auf die Situation an.

Frauen auf E-Scootern. Machen die Dinger wirklich faul? Bild: Tier

Frauen auf E-Scootern. Machen die Dinger wirklich faul? Bild: Tier

4. Der Reiz des Neuen wird verfliegen

Im Sommer 2019 waren die E-Scooter etwas Neues, viele wollten das einfach einmal ausprobieren. Dass Leihscooter mehr als eine interessante Nische bleiben werden, ist indes fraglich. Denn auch die Kosten stellen sich bei genauer Betrachtung als gar nicht so niedrig heraus. Eine 10-minütige Fahrt kostet bei den gängigen Leihservices 2,50 bis 3,00 Euro. Das ist äquivalent zu einer Bus- oder U-Bahnfahrt und teilweise sogar teurer. Nutzer werden die Scooter künftig gezielter einsetzen.

5. E-Scooter ist nicht gleich E-Scooter

Leihscootern wird keine besonders gute Ökobilanz nachgesagt. Durch starke Beanspruchung und teils auch Vandalismus ist der Ausschuss hoch, nachts sammeln Sprinter mit Benzin- oder Dieselmotoren die Scooter wieder ein, laden sie auf und fahren sie morgens wieder aus.

Rheinromantik: Ich fuhr 30 Kilometer auf einem E-Scooter von Remagen nach Bonn

Das gilt allerdings nicht für privat angeschaffte E-Scooter, die mitunter sogar deutlich bessere Fahreigenschaften besitzen als Leihscooter, wie die von uns getesteten Metz Moover und Kumpan 1950. Diese werden vom Nutzer natürlich nur nach Bedarf aufgeladen, pfleglicher behandelt und können so viele Jahre halten. Das bedeutet unterm Strich eine deutlich bessere Ökobilanz.

6. 2020 geht es erst richtig los

Wir könnten 2019 als Testphase für E-Scooter betrachten. Zum einen haben es noch nicht viele Anbieter mit einem eigenen E-Scooter mit Zulassung auf Deutschlands Straßen geschafft. Das dürfte sich bis zum Frühling 2020 aber ändern, wenn warmes Wetter das Spiel aufs Neue beginnen lässt. Die Erfahrungen vom Sommer 2019 dürften dann nützlich sein.

E-Scooter, wie hier von Lime, stehen öfter im Pulk. Hier aber an einer ganz und gar nicht störenden Stelle.

E-Scooter, wie hier von Lime, stehen öfter im Pulk. Hier aber an einer ganz und gar nicht störenden Stelle.

These: Es werden dann viel mehr privat genutzte Scooter auf den Straßen rollen, Fahrräder und E-Bikes werden sie dennoch nicht verdrängen. Vor allem aber werden weniger Unfälle passieren. Fahrer haben ihre ersten Erfahrungen damit bereits gesammelt und auch die übrigen Verkehrsteilnehmer wissen nun, was da auf sie zu rollt. Es wird weniger Neuland für alle sein.

7. Der Gesetzgeber kann noch einmal nachbessern

Eventuell ist auch der Gesetzgeber noch einmal gefragt nachzubessern. Höhere Auflagen an die Leihscooter-Dienste wären wünschenswert. Bessere Hinweise auf Gefahren und Verbote in der App und vielleicht auch die Veranlassung, neue Nutzer zu einer kurzen Einweisung einzubestellen. Aufwändig aber sinnvoll. Strafen für besonders schlecht abgestellte Scooter (auf Radwegen, mitten auf der Straße): ebenfalls denkbar.

Wild abgestellte E-Scooter in Köln: Muss es notfalls Verbote und Strafen geben?

Wild abgestellte E-Scooter in Köln: Muss es notfalls Verbote und Strafen geben?

Über ein höheres Mindestalter ließe sich zwar auch nachdenken, sinnvoller erscheint aber eine Helmpflicht. Zur Erinnerung: Es gibt auch Mofafahrer, die erst 14 sind und unfallfrei damit fahren. Wenn Helmpflicht, dann – persönlicher Wunsch – aber auch die Möglichkeit, auf langen, geraden Strecken mehr als 20 km/h damit zu fahren. Gerne über eine Steuerung, die zunächst auf 20 km/h beschleunigen lässt, und erst wenn diese Geschwindigkeit dauerhaft gehalten wird, langsam weiter bis 25 km/h beschleunigt.

8. Mehr Erfahrung macht E-Scooter besser

Schon die aktuelle Generation der Leihscooter ist besser als ihr Ruf. Robust, allwettertauglich, die Lebensdauer länger als frühe Modelle. Das bessert auch die Ökobilanz auf. Weitere Erfahrungen werden in die Konstruktionen einfließen. Ebenso wie für E-Scooter, die ihr euch privat kaufen könnt.

Metz Moover im Test: Held des Kopfsteinpflasters

Alles Neue gleich verteufeln? Das ist nur selten eine gute Idee. Die Bilanz nach dem ersten Sommer der E-Scooter fällt zufriedenstellend bis ausreichend aus, schlechter aber auch nicht. Sinnvoll genutzt, fügen sich die kleinen Roller elegant in den Verkehrsmittelmix ein.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*