Spotify: Wo ist der Haken?

Spotify hat Musikstreaming erst groß gemacht. Unbegrenzt Musikhören für nur 10 Euro im Monat. Da muss es doch einen Haken geben, oder? Kommt darauf an, von welcher Seite man es betrachtet.

Kaum ein Dienst hat unseren Musikgenuss in den letzten Jahren so sehr verändert wie Spotify. Und kaum ein Service ist gleichzeitig bei Musikliebhabern so umstritten. Für den Durchschnittsverbraucher zumindest lässt sich aus Spotify eine Menge herausholen; ein wunderbarer Zusatz zum Medium Radio. Aber so einfach geht das doch nicht, oder? Wo ist der Haken an der Sache, oder gibt es am Ende gar keinen?

Was bietet Spotify?

Spotify Premium bietet eine Menge: 30 Millionen Songs verschiedenster Labels, von denen ihr so viel hören könnt, wie ihr wollt und so oft ihr wollt. Das ist der große Unterschied zu Radio-Diensten wie Last.fm. Aber auch zu Spotify Free: in dieser werbefinanzierten Version könnt ihr Songs nur in zufälliger Reihenfolge hören. Für Spotify Premium zahlt ihr einen festen Beitrag im Monat von rund 10 Euro.

Neben Millionen von Songs und Alben gibt es auf Spotify inzwischen auch Hörbücher, Hörspiele, Podcasts und sogar einige Videos. Um neue Musik kennenzulernen, bietet der Service einen persönlichen Mix der Woche, öffentliche Playlists und einen Release Radar an. Apps des Dienstes stehen auf fast jedem erdenklichen Endgerät zur Verfügung und Premium-Kunden kommen in den Genuss, den Service überall zu nutzen: auf dem Rechner, auf dem Multiroom-System, dem Smartphone, der Spielkonsole, der Smartwatch, …

Spotify lässt sich überall hören: Zu Hause, unterwegs oder beim Sport. Neuerdings auch auf ersten Smartwatches. Bild: Spotify

Spotify lässt sich überall hören: Zu Hause, unterwegs oder beim Sport. Neuerdings auch auf ersten Smartwatches. Bild: Spotify

Was geht mit Spotify nicht?

Man findet auf Spotify beinahe jeden Song, der jemals veröffentlicht wurde, was ein fantastischer Service ist. Das „beinahe“ sollte dabei aber nicht überlesen werden. Denn einiges fehlt dann doch. Manchmal sind ganze Künstler nicht aufzufinden, manchmal fehlen einzelne Alben, manchmal einzelne Songs. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein: Manchmal haben Spotify und ein Label keine Einigung erzielt; die entsprechenden Künstler fehlen dann.

Manchmal geht die Initiative von den Künstlern aus, die dem Modell Streaming kritisch gegenüber stehen oder standen. Prominente Beispiele hierfür sind etwa Radiohead oder The Black Keys, die ihre neuesten Alben nicht für Musikstreaming zur Verfügung stellen, ältere aber doch. Popsternchen Taylor Swift machte vor drei Jahren ihr Album „1989“ medienwirksam nicht über Spotify zugänglich, einigte sich aber später doch noch mit dem Dienst. Und selbst Metallica – lange ein erklärter Gegner von Online-Musik – ist mittlerweile mit dem Komplettkatalog sowie der eigenen Doku-Videoserie „Landmark“ auf Spotify zu finden.

Ist Apple Music nicht besser als Spotify?

Apple Music hat nach eigenen Angaben sogar noch ein paar Millionen Songs mehr im Angebot als Spotify. Weitere Vorteile liegen in der nahtlosen Integration von iTunes. Songs, die nicht im Abo enthalten sind, kann man sich also schnell dazu kaufen. Das geht mit Spotify nicht mehr. Und natürlich fügt sich Apple Music auch besser in das Apple-Universum ein. Die Nutzeroberfläche ist dafür ähnlich, der Preis ist der gleiche, aber anders als Spotify steht Apple Music auf nicht einmal annähernd so vielen Endgeräten zur Verfügung.

Werbung für Apple Music, Apples späte Antwort auf Spotify

Werbung für Apple Music, Apples späte Antwort auf Spotify

Als Apple seinen Service im Sommer 2015 der Öffentlichkeit vorstellte, sorgte außerdem für Verwunderung, dass man den Dienst als neue Musikrevolution ausrief. Dabei gab es Spotify und damit Musikstreaming zu dem Zeitpunkt schon fast ein ganzes Jahrzehnt. Ein Trend, den Apple schlicht verschlafen hatte und nun nur durch den Zukauf des ähnlichen Dienstes Beats Music auf eigene Faust realisieren konnte, der dann in Apple Music umfunktioniert wurde.

Welche Spotify-Alternativen gibt es?

Wie viele braucht ihr? Spotifys Musikabo-Modell wurde von zahlreichen Diensten kopiert und neu aufgelegt. Mittlerweile hat sich der Markt schon ein wenig konsolidiert. Preise und Musikauswahl der verbliebenen Dienste sind meist ähnlich. Unterschiede gibt es im Funktionsumfang und in der Audioqualität. Alternativen sind etwa:

  • Apple Music
  • Google Play Music Unlimited
  • Amazon Music
  • Napster
  • Deezer
  • Juke
  • Tidal

Es ist eurem Geschmack überlassen, welches davon euch am besten gefällt. Nur wenige der anderen Dienste stehen allerdings auf derart vielen Plattformen zur Verfügung wie Spotify.

Wem gehören die Alben und Songs auf Spotify?

Die Musik, die ihr auf Spotify hört und auch die Sammlungen, die ihr euch dort anlegt, gehen nicht in euren Besitz über. Ihr habt lediglich das Recht, sie euch anzuhören. Wer jetzt allerdings meint, Songs, die ihr euch über iTunes kauft oder auf CD, wären euer Eigentum, der irrt auch. Ihr erwerbt beim CD-Kauf lediglich ein Nutzungsrecht, das auch nur auf den jeweiligen Datenträger beschränkt ist. Also gar nicht so viel mehr Vorteile bei einem Kauf. Ein Nachteil von Spotify allerdings: Endet euer Abo, ist auch eure Musiksammlung dort futsch. Ihr könnt sie lediglich mit ein wenig Aufwand exportieren.

Kann ich meine Spotify-Playlists exportieren?

Spotify-Playlists lassen sich mit Web-Tools als Text-Datei exportieren. Wenn ihr von einem Musikstreaming-Dienst zu einem anderen umzieht, erlauben manche, diese .txt-Datei einzulesen und eure Sammlung so neu wiederherzustellen. Mit Tools wie SpotMyBackup, Simple Playlist Export oder Exportify könnt ihr mit ein wenig Aufwand eure Playlists exportieren. Und dann gibt es noch Dienste wie PlaylistConverter und Soundiiz, die diesen Job übernehmen wollen. Soundiiz präsentiert sich mehr als Meta-Dienst unter den Streamingdiensten. Ihr könnt über die App mehrere Abos parallel verwalten und dann etwa Playlists zwischen Spotify und Deezer hin- und herschieben, wenn ihr Kunde beider Dienste seid – oder vom einen zum anderen Dienst umziehen wollt.

Soundiiz: Eine Art Meta-Tool für Streaming-Dienste, mit dem sich auch Playlists exportieren lassen.

Soundiiz: Eine Art Meta-Tool für Streaming-Dienste, mit dem sich auch Playlists exportieren lassen.

Ist Spotify teurer als CDs oder iTunes?

Es hängt von eurem Nutzungsverhalten ab. Hört ihr eigentlich nur Radio und kauft euch im Jahr zwei oder drei CDs und vielleicht mal ein paar Einzelsongs, dann sind die knapp 120 Euro, die ihr im Jahr für Musikstreaming ausgebt, natürlich mehr. Aber schon wenn ihr euch im Schnitt ein Album und ein paar Songs im Monat kauft, lohnt sich Spotify. Zumal ihr dort auch höchstwahrscheinlich die Alben wiederfindet, die ihr euch sonst gekauft hättet.

Entwertet Spotify die Musik?

Es ist ein Streit darüber entbrannt, ob Spotify die Musik nicht zu sehr zu einer Massenware gemacht habe. Das Zelebrieren einzelner Alben samt Vorfreude vor dem Kauf, der Kauf selbst und das genüssliche Anhören nur einer Scheibe auf einer professionellen Soundanlage, die Auseinandersetzung mit der Arbeit des Künstlers und nicht zuletzt der Sammlereffekt. All das gehe mit Musikstreaming ein Stück weit verloren, monieren Audiophile, und das gehe zu Lasten von Kunst und Künstlern.

PonoMusic: Geplantes Streaming-Angebot von Musiker Neil Young, das Audiophile mit einer deutlich besseren Audioqualität begeistern will.

PonoMusic: Geplantes Streaming-Angebot von Musiker Neil Young, das Audiophile mit einer deutlich besseren Audioqualität begeistern will.

Die andere Seite hält dagegen, dass es noch nie in der Geschichte so einfach war, neue Musik kennenzulernen und damit auch neuen Künstlern und Musikstilen eine Chance zu geben. Produzenten hätten sich mit so manchem Album herzlich wenig gedacht und jedem solle doch selbst überlassen bleiben, wie er Musik am liebsten höre. Ich persönlich höre viel mehr Musik und viel mehr verschiedene Künstler als früher, seit ich Spotify habe. Manchmal nur einzelne Songs, manchmal Alben in Dauerschleife. Wie vor 20 Jahren eigentlich auch…

Wie viel zahlt Spotify an Künstler?

Gesicherte Zahlen gibt es nicht, wie viel Spotify an Künstler auszahlt, und das variiert wohl auch von Künstler zu Künstler. Rechnungen aufgrund von Offenlegungen zufolge gehen von den 9,99 Euro Monatsmietpreis für Spotify 68 Cent an Künstler. Das Unternehmen selbst gab einmal an, pro abgespieltem Stream zwischen 0,60 und 0,84 US-Cent zu bezahlen. Die Künstlerin Zoë Keating, die ihre Zahlen vor einigen Jahren offenlegte, errechnete für sich sogar nur 0,44 Cent pro abgespieltem Stream. Das wäre ein 160-stel von dem, was sie mit einem iTunes-Download verdienen könne (70 Cent).

Popsternchen Taylor Swift: Früher lag sie im Clinch mit Streaming-Diensten, ihr neues Album wird es aber auch auf Spotify geben. Screenshot: Euronics Trendblog

Popsternchen Taylor Swift: Früher lag sie im Clinch mit Streaming-Diensten, ihr neues Album wird es aber auch auf Spotify geben. Screenshot: Euronics Trendblog

Klingt erschreckend wenig, allerdings sind Künstler auch mit CD-Verkäufen selten reich geworden. Pro Album-Verkauf gingen meist nur Beträge um 50 Cent an die Künstler. Den Rest kassieren die anderen Beteiligten an einer Album-Produktion. Und Keating kann 70 Cent pro iTunes-Download auch nur dann bekommen, wenn sie sich selbst vermarktet. Spotify betont immer wieder, dass die Masse es mache. Je mehr Menschen Kunde des Dienstes würden, desto mehr hörten die Songs und desto mehr Geld springe dadurch auch für die Künstler heraus. Ob jemals wieder so viel wie zu den goldenen CD- und Vinyl-Zeiten – auch da hat es die Masse gemacht – sei einmal dahingestellt.

Wie gut ist die Spotify-Audioqualität?

Spotify verwendet in der Desktop-Version standardmäßig den Codec OGG-Vorbis mit 160 kbit/s. Dieser ist in der Free-Version ebenso voreingestellt wie in der Premium-Version. Premium-Kunden können aber in der Desktop-Version in den Einstellungen unter „Soundqualität“ mit einem Klick „hohe Qualität“ auswählen. Dann hören sie verfügbare Songs in OGG-Vorbis mit 320 kbit/s. OGG-Vorbis ist, ähnlich wie MP3, ein verlustbehafteter Codec, der eine bessere Audioqualität bietet und dabei weniger Speicher verbraucht. Für mobile Geräte mit iOS und Android ist die normale Bitrate mit 96 kbit/s deutlich kleiner – vor allem, um Speicherplatz zu sparen. Premium-Kunden können die Bitrate allerdings auch hier in mehreren Schritten auf maximal 320 kbit/s erhöhen.

Wer steht hinter Spotify?

Daniel Ek: Der Gründer und Chef von Spotify wollte eine legale Alternative zur Musikpiraterie etablieren. Bild: Spotify

Daniel Ek: Der Gründer und Chef von Spotify wollte eine legale Alternative zur Musikpiraterie etablieren. Bild: Spotify

Spotify entstand als schwedisches Startup im Jahre 2006 in Stockholm. Die beiden Musikliebhaber Daniel Ek und Martin Lorentzon wollten eine legale Alternative zu Raubkopien schaffen und sahen in Downloads nicht die Zukunft. Der Betreiber Spotify AB, deren Chef Ek ist, schreibt auch heute noch rote Zahlen. Anders als zu den besten Zeiten von Vinyl und CD hängt hier alles von einem einzigen Unternehmen ab und das wiederum von seinen hauptsächlich US-amerikanischen Investoren. Sollte die Spotify AB einmal insolvent gehen, wäre auch der Dienst betroffen. Weitere Möglichkeiten, die Kunden betreffen könnten, wären eine Übernahme durch einen anderen Dienst oder Preiserhöhungen.

Fazit: Einen Haken hinter Spotify machen

Der größte Haken bei Spotify ist tatsächlich, dass alles von einem Unternehmen abhängt, das immer noch nicht die Gewinnschwelle geschafft hat. Das kann sich auf lange Sicht in einer Verschlechterung des Angebots auswirken – einzelne Labels könnten ihre Zusammenarbeit aufkündigen, sollten Gelder nicht mehr gezahlt werden können. Oder in einem höheren Preis. Sollten noch mehrere Mitbewerber vom Markt verschwinden, ist vor allem das mittelfristig zu befürchten. Statt der wirklich fairen 9,99 Euro im Monat könnten es dann eher 12 oder 15 Euro werden.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Zahl der Mitbewerber aber hoch und damit auch der Preisdruck. Und so bietet Spotify derzeit ein in unseren Augen fantastisches Angebot zu einem fairen Preis.

Beitragsbild: Spotify

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