Erfahrungsbericht 16 Mbit/s: Leben auf dem platten Land

Langsames Internet ist in Deutschland keine Seltenheit. Gerade in den ländlichen Regionen sind hohe Geschwindigkeiten kaum zu finden. Wie lebt es sich damit als Betroffener? Trendblogger Kay Nordenbrock erzählt aus seinem Alltag.

Erfahrungsbericht 16 Mbit/s: Leben auf dem platten Land

Wer auf dem platten Land lebt, weiß dass das Internet hier bei weitem keine Höchstgeschwindigkeiten erreicht. Das Tempolimit auf der Datenautobahn wurde einfach nie aufgehoben. Wenn ihr Glück habt und nicht nur von Wald und Feldern umgeben seid, könnt ihr aber sogar Geschwindigkeiten von bis zu 16 Mbit pro Sekunde erreichen.

Ich habe keine großen Hoffnungen, dass sich daran in den nächsten Jahren etwas ändern wird. Wenn ihr viel Zeit am PC verbringt, entweder zum Arbeiten, Zocken oder um andere Dinge zu erledigen, kann eine langsame Internetverbindung den Alltag stark beeinflussen. Darum möchte ich euch gerne die Erfahrungen eines Betroffenen schildern und eventuell anderen Landeiern hier und da ein paar Tipps geben.

Mein Alltag mit 16 Mbit pro Sekunde

Als Selbstständiger sitze ich meist acht Stunden oder mehr pro Tag vor dem PC zum Arbeiten oder Videospiele-Spielen. Für beide Aktivitäten brauche ich das Internet. Normalerweise reicht meine Leitung aus, um problemlos Webseiten zu laden, online zu spielen oder auch Streams auf Twitch zu schauen.

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Surfen im Internet sollte kein Problem darstellen

Ich wohne aber nicht allein hier. Insgesamt befinden sich fünf Personen in unserem Haushalt, die mal mehr, mal weniger das Internet nutzen. Bei einer relativ langsamen Leitung macht sich das schnell bemerkbar. Wenn alle im Haus sind, fangen Streams an zu stocken, die Qualität verschlechtert sich zeitweise oder das Internet verabschiedet sich kurz komplett.

Surfen im Internet, YouTube und andere Dinge

Für meine Arbeit stelle ich viele Recherchen im Internet an und bin auf den verschiedensten Internetseiten unterwegs. Das ist auch gar kein Problem, die Seiten laden in wenigen Sekunden. Selbst überladene Nachrichten-Websites, wie zum Beispiel Spiegel Online, bereiten meiner Internet-Verbindung keine Probleme.

Kritisch kann es werden, wenn ich versuche, mehrere Tabs auf einmal oder schnell hintereinander zu öffnen. Dann kann es unter Umständen sehr lange dauern bis die Seiten laden, oder sie laden gar nicht. In dem Fall muss ich die Seite manuell neu laden, um die Inhalte zu sehen.

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Auch YouTube stellt (meistens) kein Problem dar

YouTube-Videos brauchen ein paar Sekunden bis sie die höchstmögliche Qualität erreicht haben, und sie schwanken auch hin und wieder in der Qualität. In der Regel kann ich die Videos aber schauen, ohne dass YouTube mein Video anhalten muss um zu buffern.

Man muss also ein paar kleine Abstriche beim Surfen machen, vor allem wenn mehrere Leute das Internet nutzen. Im Großen und Ganzen behindert mich das in meinem Alltag aber nur wenig.

Spiele herunterladen und zocken

Dieser Abschnitt ist für die Gamer unter euch. Hier kann eine langsame Leitung nämlich zu ein paar Komplikationen führen. Ein Beispiel: Letzte Woche habe ich mir Call of Duty: Modern Warfare heruntergeladen. Ich wurde kurz stutzig, als ich die Downloadgröße gesehen habe. Mit rund 150 GB war es wahrscheinlich eines der größten Spiele-Downloads, die ich je gemacht habe.

Wie ihr euch vorstellen könnt, kann das mit 16 Mbit/s ein wenig dauern. Und es gibt noch einen Haken: ich kann das Spiel nicht mit der vollen Bandbreite herunterladen. Denn wenn der Download länger dauert, kann ich nicht die ganze Zeit warten. Ich will ja schließlich auch noch Twitch-Streams gucken und nebenbei arbeiten. Ich muss also die Download-Bremse anschalten und mit 700 Kbit/s herunterladen.

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So viele Downloads und so wenig Bandbreite

In der Nacht habe ich die Bremse wieder ausgeschaltet und habe insgesamt drei volle Tage gebraucht, bevor ich das Spiel zocken konnte. Natürlich ist das ein Extrembeispiel, aber auch bei normalgroßen Spielen von circa 10 bis 30 GB muss ich mich auf ein paar Stunden Download einstellen.

Wenn ich Online-Games wie Call of Duty oder auch Hearthstone spiele, habe ich eher selten Probleme. Hier und da gibt es schon mal einen Lag, aber da ich vom Profi-Niveau weit entfernt bin, stört mich das eher weniger. Auch Spiele wie MMOs, die eine konstante Internetverbindung erfordern, sind in der Regel kein Problem.

Allerdings habe ich am Wochenende das neue Need for Speed: Heat im Online-Modus gespielt und habe zweimal die Verbindung zum Server und somit jeweils rund eine halbe Stunde Fortschritt verloren. Daran muss nicht zwingend meine Verbindung Schuld sein, da EA-Server erfahrungsgemäß nicht die stabilsten sind, aber es ist durchaus möglich.

Netflix, Twitch und andere Streams

Weiter oben habe ich bereits erwähnt, dass ich gerne Twitch-Streams schaue. Wenn ich allein im Haus bin, kann ich auch ohne Probleme mit 1080p und 60 Frames pro Sekunde gucken. Das ist die höchste Qualität auf Twitch.

Testweise habe ich drei Streams gleichzeitig laufen lassen: Twitch, Netflix und eine Liveübertragung mit dem NFL-Gamepass. Das ist durchaus möglich, allerdings müsst ihr hier bei der Qualität Abstriche machen. Manchmal bekommt ihr die volle Qualität, manchmal stocken einzelne Streams und manchmal springt die Qualität wild umher. Nun ja, wirklich praktisch im Alltag ist das sowieso nicht, aber wenn drei unterschiedliche Menschen mit der gleichen Leitung Streams schauen, kann es Probleme geben.

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Viele Geräte belasten die Leitung schnell

Mit meiner Verbindung kann ich auch meinen 4K-Fernseher voll ausnutzen. Manchmal. Zumindest bei Formaten, die überhaupt 4K anbieten, ansonsten wird halt hochskaliert. Native 4K-Inhalte gucke ich hauptsächlich auf Netflix und dort funktioniert es auch mit meiner Verbindung ganz gut. Zu Problemen kommt es allerdings, wenn jemand einen Download laufen hat oder die Leitung anderweitig belastet.

Was schließen wir daraus?

Auf dem platten Land ist das Internet langsam und wenn ihr, so wie ich, dort lebt, könnt ihr da auch herzlich wenig gegen tun. Langsame Downloads, stockende Streams und Kompromisse bei der Internetnutzung gehören da zur Tagesordnung. Vor allem mit mehreren Menschen im Haushalt.

Gamer sollten ihre Downloads sorgfältig planen. Wenn ihr zum Beispiel am Wochenende ein neues Spiel zocken wollt, könnt ihr es am besten bereits am Donnerstag kaufen und in der Nacht herunterladen, damit ihr tagsüber das Internet ohne Probleme nutzen könnt.

Außerdem könntet ihr Streams oder Netflix-Inhalte zusammen schauen. So müsst ihr euch zwar auf den Inhalt einigen, aber zumindest stimmt die Qualität.

Alles in allem muss ich ein paar Abstriche bei der Internutzung machen. Hätte ich eine 100-Mbit/s-Leitung, würden ein paar Dinge schneller und einfacher gehen. Dennoch ist eine langsame Leitung nicht das Ende der Welt und kein Grund in die Stadt zu ziehen, wenn ihr das Landleben bevorzugt.

Wenn ihr nicht auf dem Land lebt, aber trotzdem langsames Internet habt, kann das verschiedene Gründe haben. Der verlinkte Beitrag kann euch beim Finden der Ursache helfen. Habt ihr das Problem auch im Garten, dann hilft vielleicht folgender Beitrag:

WLAN im Garten: So bekommt ihr das Internet ins Grüne

Welche Erfahrung habt ihr mit dem Internet auf dem Land gemacht? Welche Geschwindigkeit habt ihr zur Verfügung? Sagt es uns in den Kommentaren!

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8 Kommentare zu “Erfahrungsbericht 16 Mbit/s: Leben auf dem platten Land

  1. Hallo…es gibt doch Internet über ne SAT Schüssel …bis zu 50MBit….nur der Ping ist abartig hoch was bei Netflix und co. ja egal ist. Mein Vorschlag wäre für Streaming und Downloads die Schüssel und zum zocken ( wegen dem Ping) die 16K Leitung….wenn sie bereit sind 2 Tarife zu zahlen…aber bei mehreren Personen im Haushalt sollte das ja kein Problem sein.

    1. Hallo Andre,

      danke für den Tipp! Das ist sicherlich eine gute Alternative für Netflix, Downloads und Co. Wenn man bereit ist für zwei Leitungen zu zahlen ist das wahrscheinlich die Beste Lösung für Landeier wie mich.

  2. Die meisten Landbewohner lecken sich nach einer 16k-Leitung vermutlich die Finger.

    Ein netter Beitrag, aber nicht die typische Lebensrealität auf dem Dorf, eher die typische Kleinstadt, die seit 2004 auf VDSL wartet.

    1. Hi Alex, Ich kann hier nur von meinen Eigenen Erfahrungen Berichten. Dieser Artikel wurde aus einem Dorf mit rund 1.000 Einwohnern geschrieben. Für mein Verständnis ist das schon tiefstes Dorf. Aber kann gut sein, dass es da noch weitaus kleinere Dörfer mit weitaus weniger Bandbreite gibt.

      In dem Fall sollte ich mich glücklich schätzen 🙂

  3. Hallo,

    ich bin mir nicht sicher ob mein Kommentar nach so langer Zeit noch veröffentlicht wird, schreibe ihn aber trotzdem mal. Ich musste bei dem Bericht etwas schmunzeln um ehrlich zu sein. Bei uns ist es ähnlich – allerdings noch krasser 🙂
    Als wir hier her aufs Land gezogen sind war unser Haus mit O2 DSL “ beschaltet“. Die Leitung brachte ganze 0,4 Mbit!! Mit den 1000 Einwohnern bei dir ist schon viel. Wohnen hier in einer Bauernschaft mit 400 Menschen verteilt auf zig Kilometer. Mittlerweile haben wir von der Telekom das Hybrid Produkt welches DSL und LTE bündelt. Das funktioniert auch nur mit einer Richtantenne *gg*

    Die DSL Leitung schafft ganze 1,4 Mbit 🙂 Der Rest läuft dann über LTE. Je nach dem mit welcher Mobilfunkzelle er verbunden ist und wie deren Auslastung ist schwankt die Geschwindigkeit zwischen 4 – 30 Mbit. Im Durchschnitt kommen wir so auf 16 Mbit – ähnlich wie beim Erfahrungsbericht oben. Downloads machen wir nachts. Wir hätten Glasfaser haben können, was uns aber mehrere tausend Euro gekostet hätte um es legen zu lassen. Ganz zu schweigen von den Monatlichen Gebühren wo man noch nicht mal eine gescheite Telefon Flatrate für alles mit dabei hat.

    Wir kommen mit der Lösung wie sie jetzt ist gut klar. Es ist zwar nicht schnell aber es reicht. Als wir hergezogen sind war die Leitung so instabil, das man beim aufrufen einer Website Aussetzer beim telefonieren hatte.

    Alles in allem kann ich aber nur sagen das es kein Grund wäre um in die Stadt zu ziehen. Ich seh das gelassen….man kann halt nicht alles haben 🙂

    In diesem Sinne

    genüssliche Grüße aus dem Münsterland

    1. Hallo Marcel,

      Da stimme ich dir zu. Langsames Internet ist nicht das Ende der Welt. Man muss nur lernen damit umzugehen 🙂 Die Hybridlösung kenne ich so aber noch nicht. Das klingt auf jeden Fall interessant.

      Ich glaube ich hätte mir das Geld für die Glasfaserleitung auch gespart, da kann man sich schönere Dinge von kaufen als schnelleres Internet 😉

      Liebe Grüße,
      Kay

      1. Hallo noch mal. Falls du bei der Telekom bist dann geh mal auf die Verfügbarkeitsübersicht. Da kann man seine Adresse eintragen und es eventuell buchen. Mittlerweile kann es hier auch nicht mehr gebucht werden weil die Mobilfunkzellen “ ausgebucht“ sind. Wer es allerdings ein mal hat, der hat es 🙂
        Die Geschwindigkeit schwankt halt stark weil LTE ein Shared Medium ist. Um so mehr Leute sich auf der Zelle tummeln, um so langsamer wird es.

        Es handelt sich um einen Router der mit dem DSL verbunden ist und wo noch eine Simkarte eingelegt wird. Der Router bündelt dann Festnetz und LTE. Wie gesagt…bei dir geht es ja noch. Wir kommen auf durchschnittlich 16 Mbit mit Festnetz und LTE gebündelt. Das DSL bringt wie schon erwähnt ganze 1, 4 Mbit ^^

        Der einzige “ Nachteil “ am Hybrid ist der Routerzwang. Das System hat sich die Telekom sichern lassen und es gibt keinen anderen Router der das bündeln von DSL und LTE kann.

        Ich seh das auch recht gelassen das ganze….Highspeed ist hier halt nicht, dafür gucken wir direkt auf Wald und Felder ^^

        LG Marcel

        1. Hi Marcel,

          Danke für die Erklärung. Da ist das dann natürlich ein Vorteil, wenn nicht so viele Leute auf einem Haufen wohnen, sonst wären die Router schnell ausgebucht oder sehr langsam. Oder man bräuchte einfach viele Router. Klingt aber auf jeden Fall nach einer guten Lösung, um das Internet in ländlichen Regionen „anzuschubsen“.

          LG Kay

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