Abos clever kündigen: So geht’s

Streaming-Abo, DSL, Stromtarif… Ihr seid mit eurem aktuellen Vertrag zufrieden? Dann kündigt ihn! Ja, richtig gelesen.

Abos clever kündigen: So geht’s

Am Ende konnte ich nicht mehr sagen, auf wen ich wütender war: auf den Provider oder mich selbst. Ich war zufriedener Nutzer einer schnellen Breitbandleitung für 25 Euro im Monat, bis auf einer Rechnung auf einmal 35 Euro standen. Der Grund: Der günstigere Preis war natürlich nur ein Angebot des Providers, das für zwei Jahre galt. Und ich hatte versäumt rechtzeitig zu kündigen. Ist euch das auch passiert, ist das aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn das könnt ihr tun.

Kündigung versäumt? Dann kündigt jetzt!

Geht es euch wie mir und habt ihr die Kündigung versäumt, ist es trotzdem meist noch nicht zu spät. Denn der Provider möchte euch mit dem regulären Preis nach 1 oder 2 Jahren nicht davon jagen. Er möchte euch an den Verhandlungstisch bringen. Wollt ihr weiterhin Kund:in bleiben, aber euch gefällt der reguläre Preis nicht, dann geht wie folgt vor:

  • Schickt eine Kündigung per Brief oder E-Mail und erteilt eurem Provider die Erlaubnis, euch für ein neues Angebot telefonisch zu kontaktieren. Die Einstellung könnt ihr meist im persönlichen Bereich eures Kundencenters aktivieren.
  • Nachdem eure Kündigung eingegangen ist, solltet ihr eine Kündigungsbestätigung erhalten. Hier gibt der Provider in aller Regel eine Telefonnumer der Kundenhotline an, bei der ihr euch für ein neues Angebot melden könnt.
  • Kluge Provider legen der Kündigungsbestätigung direkt ein besseres Angebot bei, auf das ihr wechseln könnt.
  • Ermittelt die Kündigungshotline eures Anbieters und ruft dort an. Das geht auch, wenn ihr noch nicht schriftlich gekündigt habt.

Seht es nicht als Kündigung, sondern als Neuverhandlung

Die meisten Provider wollen nicht, dass ihr geht. Ihr wart brav zahlende Kunden, und auf den konstanten Geldeingang verzichten sie nicht gerne. Zumal sie neue Kunden erst mit Angeboten und Rabatten locken müssen, was sie Geld kostet.

Breitband-Anschlüsse wie für DSL oder Kabelinternet werden manchmal nach Ende der regulären Laufzeit teurer.

Aus diesem Grund sitzen an der Kündigungshotline meist die besten Callcenter-Mitarbeiter. Menschen, die gut geschult sind, freundlich, hilfsbereit und nicht selten auch mit sich reden lassen. Sie werden versuchen, euch mit einem besseren Angebot zu halten.

Tipp: Bereitet euch vor diesem Gespräch vor, indem ihr die Website des Anbieters oder Angebotswebsites im Netz nach seinen aktuellen Tarifen und Angeboten absucht. Es ist gut, wenn ihr dem Mitarbeiter oder der Mitarbeiterin am Telefon gleich einen Tarif nennen könnt, den ihr wollt, falls er euch nichts Besseres anbietet.
Tipp 2: Bleibt höflich! Egal, wie sehr ihr euch zuvor geärgert habt: An der Kündigungshotline sitzen nicht die Menschen, auf die ihr böse sein solltet. Sie wollen euch helfen. Sagt offen und ehrlich, worüber ihr unzufrieden und dass ihr enttäuscht seid, aber formuliert das auf konstruktive Art und Weise.

Habt ihr einen neuen Tarif ausgehandelt, beginnt eure Vertragslaufzeit in der Regel von vorne. Auch Hardware, die er euch zur Verfügung gestellt hat, fordert der Provider nun eventuell zurück und ersetzt sie durch neue.

Ihr wollt nicht kündigen? Tut es trotzdem!

Die Verträge, die ein Provider euch anbietet, sind in seinen Augen meist zeitlich begrenzte Angebote. Es ist nicht vorgesehen, dass ihr sie für immer habt. Auch wenn es unlogisch klingt: Kündigt deswegen auch und möglichst rechtzeitig, wenn ihr eigentlich zufrieden seid.

Das tut ihr am besten, wenn sich das Vertragsende nähert, ihr aber noch vor der Kündigungsfrist seid. Dann haltet ihr alle Trümpfe in der Hand. Ruft ihr nun die Kündigungshotline an (wie oben beschrieben), müssen die Mitarbeiter dort euch ein gutes, neues Angebot vorlegen. Tun sie das nicht, könnt ihr mit der Kündigung drohen und die Drohung letztlich auch wahr machen.

Kündigungstermine nie wieder verpassen

Geht es euch wie mir, denkt ihr in einem solchen Moment wahrscheinlich an alles andere als die Kündigung. Doch der beste Moment, sich über das Kündigen Gedanken zu machen, ist tatsächlich der Tag des Vertragsbeginns.

Neben dem Rechnungsbetrag die spannendsten Infos auf einer Rechnung: Kündigungsfrist und letzter Kündigungstermin. Provider sind gesetzlich verpflichtet, diese Infos anzugeben.

Der Provider schickt euch meist eine ganze Zettelwirtschaft zu, ihr bekommt vielleicht Hardware, Begrüßungsmails, Passwörter. Ihr seid aufgeregt, voller Vorfreude auf euren Vertrag. Versüßt sie euch, indem ihr gerade noch einmal 5 Minuten die Kündigung im Voraus plant.

  • Ermittelt in eurem Vertragswerk die Kündigungsfrist, das Ende der Mindestvertragslaufzeit und den letzten Kündigungstermin, den der Anbieter dort angeben muss.
  • Tragt diesen Termin in euer Kalender-Tool ein, das euch über bevorstehende Termine informiert. Möglich sind hier etwa Outlook, Google Kalender, Apple Kalender oder ein Kalender eures Mailproviders.
  • Habt ihr einen solchen Kalender nicht, gibt es auch Erinnerungsalarme/Kündigungswecker im Internet wie Remind.me. Tragt hier einen Termin ein, an den ihr erinnert werden wollt und der Service benachrichtigt euch rechtzeitig per Mail.
  • Noch einen Schritt weiter gehen Kündigungsdienste wie Aboalarm, die für euch auch direkt die Kündigung übernehmen. Hierbei spart ihr eventuell Zeit und habt bessere Chancen, euch gegen aggressive Anbieter zu wehren. Dafür kosten solche Dienste meist ein wenig Geld.

Und das ist es schon. 5 Minuten eurer Zeit, die euch viel Geld und Ärger sparen können. Jetzt müsst ihr euch nur noch informieren lassen und dann rechtzeitig die Kündigungshotline anrufen, wie oben beschrieben.

Tipp: Laut Gesetz müssen Provider euch den letzten Tag der Vertragslaufzeit und den spätestmöglichen Kündigungstermin nennen. Schaut dazu am besten einfach in eurem Kundenportal in die Vertragsdaten oder – noch einfacher – in eure letzte Rechnung.
Keine von uns platzierte Werbung, sondern ein Beispiel für ein Angebot, das ich erhielt, nachdem ich für 1 Monat Sky Sport gebucht hatte.

Spotify- oder Sky-Abo verbessern? So geht’s

Wenn ihr sagt: Schön und gut für meinen Handy-, DSL- oder Strom-Tarif, aber was ist, wenn ich mein online erstelltes Abo zu besseren Bedingungen verlängern will? Das geht im Grunde genauso. Achtet dabei nur auf ein paar Dinge:

  • In den letzten Jahren sind Apple und Google dazu übergegangen, eure laufenden Abos an zentraler Stelle auf dem iPhone oder einem Android-Smartphone zu sammeln, damit ihr die Kontrolle darüber behaltet.
  • Was auf den ersten Blick sehr anwenderfreundlich klingt (nie wieder eine Kündigungsfrist verpassen!), hat einen anderen Nachteil: Euer Abo-Anbieter kann euch so kein neues Angebot mehr machen.
  • Schließt ein Abo also nur dann über die App ab, wenn ihr mit den Konditionen zufrieden seid oder ihr das Abo nur für einen kurzen Zeitraum nutzen wollt.
  • Schließt ihr ein Abo auf der Website eines Anbieters ab, so hat der hinterher bessere Optionen, euch neue Angebote zu machen als in seiner mobilen App.

Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich besitze eine Ukulele, aber kann noch nicht mehr als ein paar Akkorde darauf klimpern. Kürzlich stieg ich deswegen für einen Probemonat bei Fender Play ein, um das endlich einmal zu ändern. Schon wenige Tage nach Aboabschluss merkte ich aber: jetzt gerade fehlt mir einfach die Zeit dafür. Ich kündigte über meinen Fender Online-Account – und erhielt noch während der Kündigung das Angebot für ein Jahresabo zum halben Preis.

Beispiel für ein Angebot, das mir ein Musiklerndienst machte, nachdem ich meinen Probemonat gekündigt hatte.

Kluge Anbieter bauen bessere Angebote direkt in die Kündigung ein und/oder versuchen euch auf dem Weg dahin noch umzustimmen. Sky etwa macht das auch ganz gerne. Eventuell erhaltet ihr noch weitere Angebote per Mail. Für die einen ist das lästig. Für euch kann das willkommen sein, wenn ihr es explizit auf bessere Angebote anlegt.

Selbstverständlich? Na ja…

Vielleicht sagt ihr jetzt: Diese Tipps sind doch selbstverständlich? Mein Glückwunsch, wenn es so ist! Leider gibt es sehr viele unorganisierte Menschen da draußen, zu denen auch ich sehr lange gehörte. Und böse gesprochen, würde es mich nicht wundern, wenn der eine oder andere Anbieter auf genau solche unorganisierte Menschen hofft.

Vielleicht helfen euch unsere Tipps ein wenig, eure Vertragslaufzeiten zu managen. Ich schreibe das übrigens alles nicht, um den Anbietern zu schaden. Ich würde nur beide Seiten gerne auf Augenhöhe bringen, damit es ein fairer Austausch ohne Ärger wird und Provider ihre Kunden behalten können.

Um meine eigene Schusseligkeit zu besiegen, erstellte ich bei Zeiten eine Liste aller meiner Abos auf einem Blatt Papier. Ich ermittelte für alle die Restlaufzeit und trug die letzten Kündigungstermine in mein Kalendertool ein. Einige, die ich nicht mehr brauchte, kündigte ich, bei vielen anderen erwirkte ich zu besseren Konditionen eine Verlängerung.

Das klingt superspießig, aber ab einem gewissen Alter ist einem das egal. Mittlerweile macht mir das sogar Spaß, mit Anbietern neue Konditionen auszuhandeln. „Kündigen“ ist ein hartes Wort und vielleicht auch das falsche. „Optimieren eines Abos“ finde ich passender.

Im Falle meines Breitbandanbieters vom Anfang kam übrigens jede Hilfe zu spät. Die beiderseits geführte Schlammschlacht sorgte für Gräben, die nicht mehr zu überspringen waren. Ich habe gekündigt – und das zumindest in diesem einen Falle auch so gemeint.

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