Beamer mit 4K tricksen mit Pixel-Shift: Das musst du wissen

Wenn ein Hersteller seinen Beamer mit einer 4K-Auflösung bewirbt, steckt oft die Pixel-Shift-Technologie dahinter. Das ist kein natives 4K, aber gut genug.

Beamer mit 4K tricksen mit Pixel-Shift: Das musst du wissen

Obwohl 4K-Beamer bereits seit einigen Jahren regulär erhältlich sind, so ist ein „echtes 4K“ noch immer eine Seltenheit. Projiziert ein Projektor ohne Einschränkungen die hohe Auflösung von 3840 x 2160 Pixeln an die Wand, ist meist von einem nativen Ultra-HD die Rede. Doch die Technik dahinter ist komplex und vor allem eines: extrem kostspielig. Eine clevere Technologie sorgt für günstigere Preise bei trotzdem sehr guten Resultaten: Pixel-Shift.

Warum sind 4K-Beamer so teuer?

Das Hauptproblem bei der Fertigung von 4K-Beamern ist für alle Hersteller moderner Projektoren, rund 8 Millionen Pixel auszuleuchten, damit diese die Leinwand erstrahlen lassen. Der dafür nötige Chip, auf dem das Bild entsteht, ist sehr kompakt und aufwändig zu produzieren. Denn er ist rund 1 cm² bis 1,4 cm² klein. Für Full-HD-Auslösungen mit zwei Millionen Pixeln sind solche Chips ausreichend bemessen. Bei 4K ist das schwierig.

Projektoren mit nativem 4K sind vor allem eines: Komplex und versehen mit hochwertiger Technik. (Foto: Sony)
Projektoren mit nativem 4K sind vor allem eines: komplex und versehen mit hochwertiger Technik. (Foto: Sony)

Zur Verdeutlichung: Ein (nativer) 4K-Beamer muss die vierfache Menge an Bildinformationen gegenüber einem Full-HD-Beamer erzeugen und an die Wand projizieren – und das am besten bei gleicher Chipgröße. Das Gerät soll schließlich transportabel bleiben.

Vom Eingangssignal bis zur Ausgabe bleibt die 4K-Auflösung erhalten. In der Regel kommen drei 4K-Panele für die Grundfarben Rot, Grün und Blau zum Einsatz, die der Beamer gebündelt über die Linse ausgibt. Dafür sorgen hochwertige UHP-Lampen oder Laser.

Das derzeitige Maß aller Dinge im Bereich der Beamer ist komplex und kostenintensiv. Aber die Resultate sind im besten Fall über jeden Zweifel erhaben. 4K geht aber auch günstiger, wenn Du bereit bist, ein paar verhältnismäßig kleine Kompromisse einzugehen. Das Zauberwort heißt Pixel-Shift.

Was ist Pixel-Shift?

Bei Pixel-Shift, gelegentlich auch e-Shift oder 4K-Enhancement genannt, kannst Du schon von Trickserei sprechen. Die 4K-Inhalte, zum Beispiel von einer Xbox Series X, einem 4K-Streamingplayer oder einem UHD-Blu-ray-Player, verarbeiten die Projektoren so, dass interne Chips gar nicht mit 4K-Auflösungen und 8 Millionen Pixeln umgehen müssen.

Der JVC DLA-N5B D-ILA ist ein nativer 4K-Beamer - und entsprechend teuer. (Foto: NEC)
Der JVC DLA-N5B D-ILA ist ein nativer 4K-Beamer – und entsprechend teuer. (Foto: NEC)

Abhängig vom Hersteller ergeben sich verschiedene Ansätze: Mal rechnet ein Beamer ein 4K-Signal in Full-HD herunter, ein anderes Mal kommen 2K-Chips zum Einsatz. Stets gleich ist die Vorgehensweise, bei der sich ein spezielles Glas zwischen Pixelraster und Linse 120 Mal pro Sekunde um ein halbes Zoll bewegt. Durch die Trägheit unserer Augen verschmelzen die so entstandenen zwei Pixelraster zu einem – die Auflösung bis 4K entsteht.

Der Epson EH-TW7100 ist ein 4K-Beamer mit Pixel-Shift. Der Hersteller verspricht native 1080p-Auflösung mit 4K-Enhancement. (Foto: Epson)
Der Epson EH-TW7100 ist ein 4K-Beamer mit Pixel-Shift. Der Hersteller verspricht native 1080p-Auflösung mit 4K-Enhancement. (Foto: Epson)

Der Trick ist also, dass sich ein Pixel verdoppelt und der Beamer am Schluss 4K ausgeben kann, obwohl die Bildverarbeitung intern mit niedrigerer Auflösung erfolgt. Nötig dafür sind – ebenfalls abhängig vom Hersteller – einzelne oder mehrere Full-HD- bzw. 2K-Chips.

Vorteile von Beamern mit Pixel-Shift

Da Hersteller keine 4K-Chips für Beamer mit Pixel-Shift benötigen, sind die Geräte sehr viel billiger. Aber es gibt noch weitere klare Vorteile, die für diese Technologie sprechen:

  • Kleine, portable Beamer von der Größe bisheriger Full-HD-Beamer möglich
  • Im Vergleich zu Full-HD-Beamern erhöhte Bildqualität durch geringere Raster-Bildung (dank des sich bewegenden Glases)
  • Bildausgabe erfolgt in höherer Auflösung als bei Full-HD-Beamern
  • Im Gegensatz zu nativen 4K-Beamern höhere Helligkeits-Werte möglich

Nachteile von Pixel-Shift

Eigentlich gibt’s nur einen Nachteil, der gerade für anspruchsvoller Nutzer:innen relevant ist: Pixel-Shift bietet aufgrund der Funktionsweise nicht ganz die gleiche Detailfülle und den hohen Kontrast eines nativen 4K-Beamers.

Der Xgimi Horizon ist ein 4K-Beamer mit Pixel-Shift. Er verzichtet nicht auf zeitgemäße Features wie HDR und bietet allerlei Optimierungen namens X-Vue 2.0 Bildtechnologie. (Foto: Xgimi)
Der Xgimi Horizon ist ein 4K-Beamer mit Pixel-Shift. Er verzichtet nicht auf zeitgemäße Features wie HDR und bietet allerlei Optimierungen namens X-Vue 2.0 Bildtechnologie. (Foto: Xgimi)

Trotzdem: Intern verfügen gerade höherpreisige 4K-Beamer mit Pixel-Shift über allerlei Optionen zum Verbessern der Bildqualität, was softwareseitig gelöst ist. Algorithmen und KI-Funktionen kaschieren zusätzlich die Defizite im Vergleich zum viel teureren 4K-Projektor mit nativer Auflösung.

Wie erkenne ich, ob mein 4K-Beamer Pixel-Shift hat?

Hersteller verbergen gerne, dass ihre preislich attraktiven Beamer gar nicht in der Lage sind, ein natives 4K auszugeben. Daher achte auf folgende Aspekte vor dem Kauf, wenn du unsicher bist:

  • Prüfe im Datenblatt des Beamers, ob Pixel-Shift, 4K Enhancement oder e-Shift erwähnt sind.
  • Hersteller verzichten oft auf die Erwähnung „UHD“ bzw. „Ultra HD“, denn das sind geschützte Bezeichnungen, die nicht für Beamer mit Pixel-Shift gelten. Dann ist „nur“ von 4K die Rede.
  • Native 4K-Beamer wie der Sony VLP-VW290ES werben explizit mit dem Begriff „nativ“ und kosten weit über 3000 Euro. Für unter 1000 Euro gibt es derzeit (Stand August 2022) keine nativen 4K-Projektoren.
  • Native 4K-Beamer sind nicht selten größer, schwerer und „wuchtiger“ als Beamer mit Pixel-Shift.

Sollte ich mir einen Beamer mit Pixel-Shift kaufen?

Ja, klar! Für Beamer mit Pixel-Shift spricht ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis im Vergleich zu nativen 4K-Beamern. Und: Die ausgeklügelte Technik erlaubt auch eine bessere Qualität gegenüber herkömmlichen Projektoren mit Full-HD.

Pixel-Shift solltest Du nicht als Makel oder Schwäche wahrnehmen, sondern als guten Kompromiss zu fünf Mal teureren Beamern, die letztlich gar nicht so viel mehr bieten. Natürlich gibt’s bei genauer Betrachtung Unterschiede, doch für den Normalgebrauch rechtfertigen diese nicht unbedingt den höheren Preis für native Projektoren.

Ein Tipp: Auch bei Beamern mit Pixel-Shift gibt’s Unterschiede. Achte daher auf typische Qualitätsmerkmale wie maximale Helligkeit, verbautes Lichtsystem (DLP, LED, Laser) oder Anschlüsse.

Aber: Wenn du einen besonders hohen Kontrast liebst, das Gerät in seinem Heimkino fest verbaust und zudem das nötige Kleingeld mitbringst: Der Kauf eines nativen 4K-Beamers könnte dennoch für dich die richtige Wahl sein.

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