Google Wifi (Bild: Google)

Google Wifi: Der WLAN-Mesh-Router verzichtet auf einen Backbone

Sieht gut aus und ist einfach einzurichten. Zudem vergrößern mehrere Google Wifi die Reichweite, wenn die WLAN-Router ein Mesh-Netz bilden. Doch sie sollen auch die neuen Herzstücke im Smart Home von Google sein.

So komplex die Probleme im heimischen WLAN auch sind („1.000 Tipps erhalten, doch keiner hat geholfen“), so einfach müsste am besten auch die Lösung sein. Technisch betrachtet könnten Mesh-Netze Abhilfe schaffen, bei denen mehrere WLAN-Router genau so viele Funkzellen bilden, dass diese (leicht überlappend) die gesamte Wohnung abdecken.

Zugleich soll der Nutzer bei der Einrichtung nicht vor einem Desktop-Bildschirm voller Zahlen und Fachausdrücken verzweifeln, wenn es doch auch eine App tut. Der WLAN-Mesh-Router Google Wifi verspricht beides. Seit Herbst 2016 ist er in den USA verfügbar, jetzt aber auch in Deutschland. Technisch vielleicht nicht das Nonplusultra. Aber solange er tut, was oben versprochen wird, ist den meisten Haushalten schon geholfen.

Was genau ist ein Mesh-WLAN?

Da ein Mesh-Netz von mehreren WLAN-Routern aufgespannt wird, gibt es für Smartphone und Laptop auch mehrere Zugangspunkte oder Nodes, die allerdings alle unter dem gleichen Namen zu erreichen sind. Die Verbindung wird dabei automatisch hergestelllt und auch von einem Node zum anderen weitergereicht, wenn ihr euch durch die Wohnung bewegt. Einzelnen Berichten zufolge soll das beim Google Wifi nicht immer reibungslos klappen, so dass es bei einem VoIP-Telefonat schon mal einen kleinen Aussetzer geben kann. Im Alltag werdet ihr davon aber wohl nicht viel mitbekommen.

Mehrere Google Wifi bilden ein Mesh-Netz (Bild: Google)

Mehrere Google Wifi bilden ein Mesh-Netz (Bild: Google)

Um Datenstaus im Mesh-Netz zu vermeiden, bauen andere Systeme eine separate Verbindung für die interne Kommunikation zwischen den Nodes auf. Beim Netgear Orbi wird dieser Backbone per Funk umgesetzt, beim Eero 2.0 kann auch ein Kabel gelegt werden. Das ist sogar angeraten, wenn zwischen zwei Etagen eine Stahlbetondecke überwunden werden soll. Beim Google Wifi gibt es diesen Extra-Kanal nicht. Alle Daten konkurrieren um den besten Weg. Immerhin lässt sich einigen Geräten Priorität einräumen – zum Beispiel dem Fernseher oder der Spielekonsole.

Was kann der Google Wifi?

Der Google Wifi sieht für einen WLAN-Router recht schick aus. Das ist auch gut so, denn er soll sich ja nicht in der Ecke verstecken, sondern im Raum gut sichtbar sein und dadurch auch sein Funksignal besser verteilen zu können. Er erinnert an einen Eishockey-Puck – mit einer horizontalen Lichtleiste für Benachrichtigungen. Der Google Wifi beherrscht Dualband-WLAN, funkt also in den Frequenzbändern um 2,4 GHz und 5 GHz. Mangels DFS (Dynamic Frequency Selection) funkt er aber nur auf den unteren 5-GHz-Kanälen 36 bis 48. Das sollte kein Problem werden, solange ihr nicht viele Nachbarn mit modernen Routern habt, die das 5-GHz-Band verstopfen. Der Google Wifi beherrscht WLAN a/b/g/n/ac und 2×2 MU-MIMO. Über WLAN n werden die Daten mit maximal 300 MBit/s verschickt, über WLAN ac mit bis zu 867 MBit/s.

Um einen Drucker oder einen Fernseher anzuschließen, gibt es zwei Gigabit-Ethernet-Ports an jedem Google Wifi. Am primären Node steht nur ein LAN-Port zur Verfügung, da der andere die Verbindung zum Modem herstellt. Denn ohne dessen Hilfe gelangt der Mesh-Router nicht ins Internet, so dass der Stromverbrauch insgesamt einiges höher ausfallen wird als beim Betrieb einer einfachen Fritzbox. Zur Einrichtung wird der Google Wifi mit einem Smartphone verbunden, auf dem die zugehörige App und mindestens Android 4 oder iOS 8 läuft. Das sonst übliche Browser-Interface gibt es aus Sicherheitsgründen nicht. Ein Google-Konto ist ebenfalls Voraussetzung.

Günstiger Mesh-Router, teurer als andere

Die Einstellungen sind nicht sehr technisch, sondern praktisch gehalten. Es wird Hilfestellung gegeben, den Google Wifi so zu verschieben, bis eine ausreichende Verbindung hergestellt wurde. Die 360-Grad Antenne soll ersten Berichten zufolge nicht gleichermaßen in alle Richtung abstrahlen, sondern mit dem besten Empfang nach vorne. Mangels eigenem Backbone ist der Datendurchsatz am Haupt-Router höher als an den anderen. Google geht es aber auch mehr um Stabilität und eine einfache Bedienung, nicht so sehr um maximale Leistung. Sicherheitsupdates werden übrigens automatisch eingespielt.

Mit der Google-Wifi-App lässt sich das Mesh-Netz einfach einrichten (Bilder: Google)

Mit der Google-Wifi-App lässt sich das Mesh-Netz einfach einrichten (Bilder: Google)

Persönliche Daten der Nutzer sammelt Google nicht, sondern lediglich Informationen zur Funktionalität des Zugangspunktes und zur Stabilität des Netzes. Das ist eine reine Optimierungsaufgabe. Der Router Google Wifi ist Teil des Ökosystems, das um den Google Assistant herum im Zuhause geschaffen wird. Das Internet ist dann im Smart Home, das alles verbindet. Auf den Sprachassistenten Google Home könnte durchaus verzichtet werden. Doch es wird spekuliert, dass demnächst ein Google Home mit integriertem Google Wifi erscheinen wird oder zumindest beides in einem Set. Der Google Wifi funkt auch über den Funkstandard ZigBee und kann deshalb auch Philips-Hue-Lampen steuern.

Ein einzelner Google Wifi kostet 139 Euro. Doch allein lässt sich seine Mesh-Fähigkeit nicht nutzen. Ein Set mit zwei Routern kostet 249 Euro. Für drei werden 359 Euro fällig. Das ist günstiger als andere Mesh-Router wie zum Beispiel der Netgear Orbi. Allerdings leistet der auch mehr.

Titelbild: Google

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