Samsung macht das Chromebook zum Tablet

Zwei neue Chromebooks präsentiert Samsung zur CES 2017. Plus und Pro unterscheiden sich bloß im Prozessor, läuten aber eine neue Generation ein: Die beiden Convertibles lassen sich auch als Tablet nutzen und bringen einen Touchpen samt Handschriftenerkennung mit.

Früher war ein Chromebook ein robustes Notebook für die Schule, auf dem im Grunde bloß ein Browser lief und zahlreiche Google-Apps. Die beiden zur CES 2017 vorgestellten Modelle Samsung Chromebook Plus und Pro sind anders. Sie haben erstmals den Google Play Store vorinstalliert, so dass sich alle Android-Apps installieren lassen, also auch Spiele und die Netflix-App mit Offline-Modus. Samsung und Google sprechen von einer neuen Generation. Und die soll nicht weniger als eine Antwort auf das Microsoft Surface Pro und das Apple iPad Pro sein. Da haben sie sich aber viel vorgenommen.

Erstmals mit Touchpen und 360-Grad-Scharnier

Auch wenn Samsung gleich zwei neue Chromebooks vorgestellt hat, sie unterscheiden sich lediglich im Prozessor. Äußerlich sind sie identisch. Auf den ersten Blick fällt bereits auf, dass sie sich durch das 360-Grad-Scharnier zum Serien-gucken als Zelt aufstellen oder im Tablet-Modus zum Zeichnen mit der freien Hand nutzen lassen. Das Samsung Chromebook Plus und das Samsung Chromebook Pro verfügen dafür über einen Touchscreen sowie – erstmals in einem Chromebook – über einen Touchpen, der im Gehäuse versenkt werden kann und über eine 0,7 Millimeter feine Spitze verfügt. Äußerlich erinnert er an den Stylus des Galaxy Note 5.

Samsung Chromebook Plus und Samsung Chromebook Pro unterscheiden sich nur durch den Prozessor (Bild: Samsung)

Wird der Touchpen herausgezogen, poppt umgehend ein Menü auf, das mehrere Optionen anbietet. Auf diese Weise lassen sich recht fix Textstellen markieren oder komplette Screenshots erstellen. In der Samsung-App ArtCanvas können Zeichnungen erstellt, in der Google-App Keep handschriftliche Notizen festgehalten werden. Dort versucht eine Handschriftenerkennung auch zu erraten, wohin der Stift sich im nächsten Moment bewegt, um die Anzeige noch flüssiger zu gestalten – und zwar laut Samsung auch im direkten Vergleich mit dem Surface Pen, der beim Microsoft Surface Pro und Surface Book zum Einsatz kommt. Die Technik soll jedem Entwickler zur Verfügung stehen und somit auch später in weiteren Apps zu finden sein.

Wahlweise mit ARM- oder Intel-Prozessor

Die Specs sind weder überragend wie beim Google Chromebook Pixel, noch gehören das Samsung Chromebook Plus und Chromebook Pro ins Einsteigersegment. Das Metallgehäuse misst in der Grundfläche 281 x 222 Millimeter und ist zwischen 13 und 14 Millimeter dick. Die Verarbeitung soll ausreichend gut sein. Mit einem Gewicht von 1,08 Kilogramm passt es also in jede Tasche. Das ist gute Mittelklasse.

Die neuen Samsung-Chromebooks dienen Arbeit und Vergnügung gleichermaßen. Im Zelt-Modus und mit der Netflix-Android-App lassen sich bequem Serien vom Sofa aus gucken (Bild: Samsung)

Der 12,3-Zoll-Touchscreen zeigt 2.400 x 1.600 Pixel an und ist von Gorilla Glass 3 geschützt. Im Chromebook Plus steckt ein ARM-SoC mit zwei Cortex-A72-Kernen und vier Cortex-A53-Kernen, im Chromebook Pro der Intel Core M3 6Y30 mit zwei bis zu 2,2 GHz schnellen Kernen. Hinzu kommen in beiden Geräten 4 GB RAM und 32 GB Flashspeicher, der über eine Micro-SD-Karte erweitert werden sollte, da Betriebssytem und Apps einigen Platz belegen.

Keine Konkurrenz für Surface Pro und Apple iPad Pro

Bei den beiden neuen Chromebooks setzt Samsung ganz auf die neuen USB-Ports vom Typ C. Ob zwei reichen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Darüber wird der Akku geladen, es kann aber auch ein externer Monitor angeschlossen werden, der sogar 4K beherrschen darf. Drahtlos verbinden sich die beiden Geräte über WLAN ac und Bluetooth 4.0. Die Akkulaufzeit wird bei beiden Geräten mit acht Stunden angegeben, der Energieverbrauch des Prozessors scheint also gleich hoch zu sein, aber auch das muss sich später in den Tests erst bewahrheiten.

Das Chromebook Plus soll in den USA mindestens 449 Dollar kosten und ab Februar zu haben sein. Das Chromebook Pro soll noch im Laufe des Frühjahrs erscheinen, ein Preis wurde allerdings noch nicht genannt. Da sich Samsung aus dem europäischen Markt zurückgezogen hat, wird es hierzulande wohl nicht angeboten werden und damit auch kein Modell mit einer deutschen Tastatur geben. Aber Samsung zeigt mit den beiden Modellen, in welche Richtung sich Chromebooks weiterentwickeln werden. Ähnelten sie zuerst günstigen Netbooks, erinnern sie jetzt eher an die Yoga-Notebooks von Lenovo. Das wird wohl die Zukunft der Chromebooks sein.

Die Zukunft der ultra-mobilen Geräte für Arbeit und Unterhaltung sehen Microsoft und Apple jedoch woanders: Surface Pro und iPad Pro sind leistungsfähige Tablets, die per andockbarer Tastatur auch zum Erfassen von Texten taugen. Doch wie komfortabel das dann im Alltag ist, muss jeder selbst für sich beantworten. Ich sehe die neuen Chromebooks vielmehr als Konkurrenz zu den Einsteigermodellen der Convertible-Notebooks.

Nachtrag: Jürgen hat Anfang 2019 das Acer Chromebook 514 getestet und meint: Gebt Chromebooks noch einmal eine Chance!

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