Apples ARM-Strategie und Intels Antwort

Apple setzt künftig auf eigene Chips. Was das für die Nutzer, Apple selbst und den bisherigen Platzhirsch Intel bedeutet, sagen wir euch in Trendcast-Folge #3.

Apples ARM-Strategie und Intels Antwort

Apple setzt künftig auf selbstentwickelte Prozessoren. Die sind neben iPhones und iPad auch in den Macs zu finden. Warum der Tech-Konzern die Plattform wechselt und was das für euch bedeutet, erklären wir in diesem Trendblog-Beitrag. Und liefern euch passend dazu einen neuen Trendcast.

Ein kalkuliertes Risiko?

Die Nachricht vom Juni erstaunte weite Teile der Technikwelt. Auf der WWDC 2020 kündigte Apple an, binnen zwei Jahren alle Mac-Rechner von Intels x86-Architektur auf hauseigene ARM-Prozessoren umzustellen.

Einen Technologiewechsel vollziehen Hersteller, um ihre Produkte stärker auf ihre Vorstellungen zuzuschneiden. In diesem konkreten Fall stand Apple vor der Wahl: Leistung oder Laufzeit?

ARM-Chips haben in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten die mobile Kommunikationstechnologie revolutioniert. Sie nutzen einen effizienten Befehlssatz, der Anfragen flott verarbeitet. Die rohe Rechenkraft liegt bei aktuellen ARM-Prozessoren wie dem Qualcomm Snapdragon 865+ mit 8 Kernen bei 3 GHz oder mehr. Auf dem Datenblatt liegen Intel- und AMD-Mikroprozessoren gleichauf.

Außerdem ist die Stromaufnahme von ARM-Chips gering und beträgt den Bruchteil der x86-Leistungsaufnahme. Aus diesem Grund sind sie in nahezu allen Smartphones zu finden. Ganz gleich, ob sie von Apple, Samsung oder Huawei kommen. ARM ist für den iPhone-Konzern keine Unbekannte.

Von »Nachteilen«…

Apples Weg zum M1-Chip in den neuen Macs war lang. Seit 2008 modifizierte das Unternehmen zunächst CPUs anderer Hersteller, entwickelte dann Teile eines System on a Chip in Eigenregie und befreite sich aus der Entwicklungsabhängigkeit führender Tech-Firmen. In dieser Zeit konnte sich Apple mit den Nachteilen der ARM-Architektur auseinandersetzen und darauf reagieren.

Apple M1-Chip Schema
Das Design-Schema des M1. (Bild: Apple)

Ohne zu technisch zu werden: ARM-Prozessoren rechnen anders als ihre X86-Pendants. Entwickler müssen ihre Software daher anpassen oder neu entwickeln. Und auch wenn Microsoft längst eine ARM-Variante von Windows in petto hat (die etwa im Surface Pro X zum Einsatz kommt), ist diese anfangs nicht mit den neuen Apple MacBooks und Mac mini kompatibel.

… über Umgewöhnungen…

Für das Apple-Ökosystem stehen den Entwicklern Werkzeuge zur Verfügung, um diese Anpassung zu erleichtern. Microsoft bringt sein Office-Paket auf die ARM-Macs. Auch Apples Video-Schnittprogramm Final Cut Pro wird von Anfang nativ darauf laufen. Kreativ- Platzhirsch Adobe lässt sich bis kommendes Jahr Zeit, Photoshop, Premiere und Co. in einer ARM-optimierten Fassung zu veröffentlichen.

… bis hin zu den Vorteilen

Dafür sind von Tag 1 an Millionen von iOS-Apps lauffähig. Weil der M1-Prozessor mit den aus iPhone bekannten A-Bionic-CPUs kompatibel ist. Als Desktop-Ersatz ist das iPad durchaus brauchbar, die MacBooks perfektionieren den Ansatz einer einheitlichen Nutzererfahrung über iPhone, Tablet und Notebook hinweg.

Apple iPad Air 4
Über das iPad als Notebook-Ersatz berichteten wir. Der ARM-Wechsel ist Apples nächster Schritt zu einer ganzheitlichen Nutzererfahrung.

Künftig dürfte Apple an der Performance-Schraube drehen. Neben den Chips kommen sämtliche Geräte inklusive Betriebssystem, Compilern und Treibern aus einer Hand. Es ist im Eigeninteresse, die Produktpalette immer weiter zu optimieren. Und das, wo erste Benchmarks darauf schließen lassen, dass der M1 anderen ARM-Mikrochips überlegen ist.

Intel und Co.: Unter Zugzwang?

Und Intel? Der weltweit bekannteste Chiphersteller verliert Anteile am Apple-Erfolg. Zwar bestückt der Primus auch künftig die potentesten MacBooks und die Standrechner aus Cupertino. Dass die Partnerschaft aufgekündigt werden könnte, wusste Intel übrigens seit 2019. Weder ist der Plattformwechsel abrupt, noch überraschend gekommen. Intel konnte deshalb vorbauen, muss aber zweigleisig fahren. Bei Servern sind sie gut dabei, im x86-Segment auf Desktop und Notebook unangefochtene Nummer 1.

Intels 10. Generation Comet-Lake-H-Chip
Intel steht unter Zugzwang? Noch nicht – denn die Entwickler dürften bereits für ARM vorbauen. (Foto: Intel)

Trotz ARM-Lizenzen ist Intel im Mobilsegment durch Abwesenheit aufgefallen. Das dürfte sich ändern. Denn sollte Apple nach dem ARM-Wechsel einen stabilen oder gar wachsenden Macbook-Absatz verzeichnen, ist die versammelte Konkurrenz unter Zugzwang. Microsoft könnte die ARM-Kompatibilität für Windows als notwendig ansehen. HP, Lenovo und andere Notebook-Hersteller könnten sich nach ARM-Alternativen umschauen und dann wäre es folgerichtig, wenn auch Intel einen solchen Chipsatz im Sortiment führt. Abgeschrieben ist Intel noch lange nicht, aber der Reise muss reagieren.

Es bleibt dabei: Das »one more thing« aus Cupertino ist der Treiber ganzer Technologie-Branchen. Der Release der neuen ARM-MacBooks ist der Startschuss einer neuen Revolution.

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