ZTE Blade V10 im Test: Wertige Mittelklasse mit Selfie-Expertise

Ein gutes Jahr war ZTE fast von der Bildfläche verschwunden. Nun aber ist das chinesische Unternehmen zurück und bietet mit dem Blade V10 ein tolles Mittelklasse-Smartphone. Wir haben es getestet.

Patentstreitigkeiten, ein US-Handelsembargo: ZTE hatte es nicht leicht in den vergangenen Jahren und unter einer ähnlichen Sperre gelitten wie derzeit Huawei. Aber ZTE ist zurück mit einem kraftvollen Lebenszeichen und einigen ernst zu nehmenden neuen Smartphones. Darunter das ZTE Blade V10 im Preissegment bis 300 Euro. Wir haben es uns genauer angeschaut.

Kräftemessen mit der Konkurrenz

Das Datenblatt des ZTE Blade V10 ist eine Kampfansage an andere Hersteller. Ein moderner Achtkernprozessor sowie 4 GB Arbeitsspeicher bilden das Herzstück. Ordentliche 64 GB interner Speicher (erweiterbar mit microSD-Card) und das randlose 19:9-Display mit einer kleinen Einkerbung am oberen Rand folgen den Trends der vergangenen Jahre. Der 3.200 mAh starke Akku ist für den Alltag ausreichend dimensioniert.

Maße157,8 x 75,2 x 7,8 mm; 156 Gramm
Gewicht156 Gramm
ProzessorMediaTek Helio P70
Display6,3 Zoll (2.280x1.080 Pixel, FHD+)
Speicher4 GB Arbeitsspeicher, 64 GB interner Speicher (erweiterbar via microSD-Karte)
BetriebssystemAndroid 9.0 Pie
Akku3.200 mAh, Standby bis zu 26 Tage, Sprechdauer bis zu 20 Stunden
SensorenKompass, Beschleunigung, Näherung, Umgebungslicht, Gyroskop, Fingerabdruck
Hauptkamera16 MP + 5 MP
Frontkamera32 MP
USB-AnschlussUSB-C
ExtrasFM-Radio, 3,5mm-Buchse

Das technische Innenleben hebt sich vor allem durch die Frontkamera von der Konkurrenz ab. Sie löst mit 32 Megapixeln auf – selbst Samsungs Spitzenmodell Galaxy S10 bietet da nur 10 Megapixel. Die Bildpunkte-Anzahl allein entscheidet nicht darüber, ob die Frontkamera nun besser oder schlechter ist. ZTE stürzt sich dennoch in das Megapixel-Wettrüsten und platziert das Blade V10 als Selfie-Smartphone für Instagram und Co.

Nahezu ironisch ist, dass mit dem Radio-Tuner und der 3,5mm-Buchse für Kabelkopfhörer zwei Funktionen verbaut sind, die insbesondere im hochpreisigen Segment als antiquiert verschrien sind. Ich hingegen genieße es, unterwegs Radio hören zu können ohne mein Datenvolumen antasten zu müssen.

Lieferumfang: Chinesisch umfangreich

„Chinesisch umfangreich“? Aber ja! Es ist mittlerweile gute Tradition, dass chinesische Hersteller neben Smartphone und Ladekabel auch ein paar weitere Extras beipacken.

Im Karton steckt mehr als nur das Smartphone.

Neben dem Telefon liefert ZTE zwei Handbücher, einen AC-Adapter (5 V/1,5 A), ein USB-C-Kabel, In-Ear-Kabelkopfhörer und ein Rückseiten-Case aus weichem Kunststoff bei. Letzteres ist besonders fein, da ihr das Gerät ohne Zusatzkauf vor Stürzen schützen könnt. Eine Display-Schutzfolie fehlt leider.

Design mit wenigen Ausrufezeichen

Das beinahe schon generische Blade-V10-Design überzeugt erst auf den zweiten Blick. Nämlich dann, wenn ihr das Smartphone erstmals in die Hand nehmt. Die Kunststoff-Rückseite fühlt sich unglaublich wertig an. Der Hersteller spricht von einem Fertigungsverfahren, in welchem viele Lagen Kunststoff aufeinander aufgetragen werden, um eine Keramikhaptik zu erzeugen.

Ganz an dieses Gefühl kommt die Oberfläche nicht heran, sie ist dennoch handschmeichelnd. Wie so oft bei Hochglanzoberflächen ist leider jeder Fingerabdruck zu sehen. Dafür überzeugt die Anordnung der Bedienelemente und Anschlüsse. Sämtliche Knöpfe sind rechts des Displays angeordnet.

Aufregendes Design? Das ZTE Blade V10 fühlt sich vor allem wertig an – was ein Foto nicht vermitteln kann.

Auf der Oberseite befindet sich der 3,5mm-Anschluss, unten die USB-C-Buchse. Links ist der SIM-/Speicherkarten-Schlitten untergebracht. Auf der Rückseite hat ZTE mittig den Fingerabdrucksensor angebracht. Die zwei Rückseitenkameras und der LED-Blitz sind in einem Modul zusammengefasst, welches etwas aus dem Gehäuse hervorsteht.

Android und Leistung: Schlank, puristisch, schnell

Ich persönlich bin es leid, wenn Hersteller Bloatware auf ihren Smartphones installieren. Das sind Apps, die direkt zum Service-Center eines Providers führen oder mir ein Abo für einen x-beliebigen Antivirus-Anbieter andrehen. Das Blade V10 zeigt sich hier nahezu mustergültig. Mit ZTE Cares ist exakt eine Anwendung drauf, die ich als überflüssig erachte.

Wobei der Purismus schon fast etwas zu weit geht. So fehlt im Auslieferungszustand eine Galerie-App. Schnappschüsse könnt ihr über Google Fotos anschauen oder aber über den Dateimanager. Das geht besser.

ZTE hat die Oberfläche von Android 9.0 Pie nicht angetastet. Der Hersteller werkelte dafür an einem KI-basierten Akku-Management, das sich in den Batterieeinstellungen als „Adaptive Batterie“ findet. Diese Funktion soll hervorsehen können, welche Apps wann aufgerufen werden. Um die Ladezeiten zu verkürzen, schaufelt sie die Anwendungen also zu einem zuvor errechneten Zeitpunkt in den Speicher.

In der Theorie klingt das wunderbar. In der Praxis bremst diese Funktion das Telefon öfter aus. Ist die Bremse gelöst, rennt das Blade V10 aber beinahe so schnell wie ein hochpreisiges Telefon.

Im AnTuTu-Benchmark erzielt das Blade V10 respektable 135.512 Punkte. Das ist zwar weit unter dem, was Geräte im nächsthöheren Preissegment bieten. Das Punktegefälle kommt aber durch die geringen 3D-Kapazitäten der Mali G72-Grafikeinheit zustande. Die CPU- und Arbeitsspeicher-Leistung hingegen liegen in einem sehr guten Bereich.

Smartphone im Alltag: Allrounder mit kleinen Abstrichen

Datenblatt und Benchmark schön und gut – wie aber schlägt sich das Blade V10 im Alltag? Erstaunlich gut! Sofern die schon benannte Akku-Optimierung ausgeschaltet ist. Telefonanrufe, Whatsapp und der fliegende Wechsel zwischen den Anwendungen gehen flott und ohne Ruckeln über den Bildschirm.

Apropos Bildschirm: Dessen Helligkeit ist so hoch, dass ihr auch im Sonnenlicht alle Displayinhalte betrachten könnt. Sprachqualität und -lautstärke von Telefonate sind nicht zu beanstanden. Die Medienwiedergabe über die integrierten Lautsprecher geht für die Preisklasse vollkommen d’accord, wenngleich sie etwas zu sehr die Mitten betonen und die Höhen auslassen.

Die Akkulaufzeit des Blade V10 ist gut und der Bildschirm so hell, dass auch bei Sonneneinstrahlung alle Inhalte zu erkennen sind.

Spiele gibt das Smartphone in der Regel ruckelfrei wieder. Dabei ist es egal, ob nun Star Wars: Galaxy of Heroes oder das grafisch fordernde Real Racing 3 auf dem Bildschirm läuft. Wermutstropfen für Fortnite-Spieler: Das Blade V10 wird nicht unterstützt.

Bei genügsamer Benutzung reicht eine Akkuladung für etwa zwei Tage. Öfter mal eine Nachricht schreiben, im Web surfen, ein Video anschauen oder Musik genießen sind möglich, ohne dass ihr ständig den Ladestand im Blick haben müsst. Anders sieht es im Spielebetrieb aus. Da geht das Blade V10 nach zwei bis drei Stunden in die Knie.

Den Akku wieder vollständig aufzuladen braucht zwei Stunden. Die Schwankungen in der Akku-Laufzeit sind jedoch weder ZTE-exklusiv, noch ein großes Problem.

Was mich in der Alltagsnutzung enttäuscht, ist der Vibrationsmotor. Er soll beim Druck auf den Touchbildschirm ein haptisches Feedback senden, tut dies aber viel zu stark und laut. Das gilt auch für den Vibrationsalarm beim Wecker oder bei eingehenden Anrufen.

Fotoqualität: Schnappschüsse mit Defiziten

Die hochauflösende Selfie-Kamera des Blade V10 ist das Verkaufsargument schlechthin. Die 32 Megapixel allein machen jedoch nicht den Unterschied. ZTE spendiert einen Satz Selfie-Optimierungen. Mit Hilfe von Schiebereglern machen diese das Gesicht schlanker, die Augen größer und die Haut glatter. Ein Angebot an Liebhaberinnen und Liebhaber von Eigenporträts.

Der Autor dieses Beitrags – mit allen Selfie-Filtern des Blade V10 auf Anschlag.

Wollt ihr stattdessen die Umgebung ablichten, dürftet ihr mit der vorinstallierten Foto-Anwendung von Google jedoch nicht zufrieden sein. Die Testfotos vor der Dresdner Frauenkirche und im Zwinger offenbarten lediglich Schnappschussqualitäten.

Soll heißen: Auf den ersten Blick scheinen die Resultate brauchbar, doch beim Zoom-in offenbaren sich massive Defizite. Kanten besitzen einen Farbsaum, die Übergänge von Strukturen sind nicht sauber, Details verrauschen. Das ist im Übrigen unabhängig von der gewählten Auflösung. Die Testfotos könnt ihr hier als ZIP-Archiv herunterladen.

Die Frauenkirche in Dresden. Ein Schnappschuss, der bei genauerem Betrachten die Kameradefizite offenlegt.

Abhilfe schafft die App Open Camera, die sich allerdings nicht an den durchschnittlichen Smartphone-Anwender richtet. Die Kamera bleibt mit den Android-Bordmitteln weit hinter dem zurück, was technisch möglich wäre. Vielleicht hätte auch eine Dreifachkamera auf der Rückseite geholfen.

Fazit: Ein tolles Paket mit wenigen Kritikpunkten

Brauchbare, zeitgemäße Technik trifft auf ein etabliertes Design, nette Hardware-Extras und ein Android-System, das nahezu unangetastet blieb: Das ist das Blade V10. Nur die gut gemeinte Akku-Optimierung und die mageren 3D-Fähigkeiten bremsen das Smartphone aus, welches ansonsten rennt und rennt und rennt.

Die meisten Abstriche macht ZTE da, wo sie im Alltag nicht auffallen. Den Unterschied zwischen vier und sechs Gigabyte Arbeitsspeicher fällt nicht auf, die Prozessorleistung passt sich geschmeidig an die App-Anforderungen an. Einzig bei den Kameras zeigt sich, dass das Blade V10 mit Spitzenmodellen nicht mithalten kann. Scheinen Fotos auf den ersten Blick gut zu sein, zeigen sich in den Details deutliche Defizite. Dies ist nicht auf die verbaute Kamera zurückzuführen, sondern auf die fehlende Optimierung der Google-Kamera-API.

Dies gilt jedoch nicht für die Frontkamera. Mit 32 Megapixeln und attraktiven Filtern im Schlepptau ist sie wohl das Verkaufsargument schlechthin. Die Aufmerksamkeit von Selfie-Enthusiasten hat ZTE jedenfalls.

Mit dem Blade V10 erhaltet ihr ein aktuelles und wertiges Smartphone mit üppigem Zubehör einem klaren Fokus auf Selfie-Fotos. Doch selbst wenn ihr nicht dauernd Selbstporträts anfertigen wollt, ist der Gegenwert äußerst gut. Das Gerät ist ab sofort im Fachhandel erhältlich.

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