Foto: Sven Wernicke

Wiko View3 im Test: Was taugt das Schnäppchen-Smartphone mit Triple-Kamera?

Dreifach-Kameras sind nur etwas für Smartphones im höheren Preissegment? Das Wiko View3 beweist das Gegenteil. Für unter 200 Euro bekommt ihr viel Hardware. Kann es auch im Test überzeugen?

Ein erster Blick aufs Datenblatt des Wiko View3 ist beeindruckend: Triple-Kamera, starker Akku, riesiges Display, Octacore-Prozessor. Künstliche Intelligenz verbessert Fotos, einen Fingerabdruck-Sensor bekommt ihr auch. Beim Überfliegen der technischen Angaben könnte man meinen, ein Telefon aus der Oberklasse oder zumindest guten Mittelklasse in den Händen zu halten. Dabei kostet das neueste Modell aus der View-Reihe von Wiko deutlich unter 200 Euro. Die unverbindliche Preisempfehlung liegt bei 179 Euro. Wo ist der Haken?

Wiko View3 im Test: Dem Preis angemessene Hardware

Gewissermaßen hat der Preis seinen… Preis. Doch auch in dieser Einsteiger-Klasse möchte euch der französische Hersteller etwas bieten. Sparen musste er trotzdem an einigen Stellen. Das Display mit Notch-Einkerbung verfügt über eine verhältnismäßig niedrige Auflösung, zumindest Full HD hätte ich mir gewünscht. Wiko setzt auf einen Helio P22 Prozessor des taiwanischen Unternehmens MediaTek. Der Budget-Chip besitzt zeitgemäße Features und Unterstützung für mehrere Kameras.

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Apropos: Das Highlight des Wiko View3 sollen neben dem 4000 mAh starken Akku vor allem die Kameras sein. Die Hauptkamera erhielt sogar einen IMX486-Sensor von Sony, den besonders gerne Xiaomi und Asus in ihren Telefonen verbauen.

Wiko View3: wichtigste technische Daten

6,26 Zoll Display (1.520 x 720 Pixel)
Helio P22, Octacore-Prozessor (8 x 2GHz)
Triple-Kamera Rückseite: 12 MP + 2 MP + 13 MP
Frontkamera: 8MP
Zusätzliche Features: Superweitwinkel, AI-Artistic Bokeh, AI-Portrait Bokeh, AI-HDR, AI-Face Beauty, Panorama, Live Filter, Professioneller Modus, Videostabilisierung, Nachtmodus, Zeitraffer, Zeitlupe, Google Lens, Motion Photo, Google Assistant Actions
Akku: 4000 mAh
64 GB Speicher bei 3 GB RAM.
LTE, WIFI, Bluetooh 4.2, Micro-USB
Fingerabdrucksensor auf Rückseite, Kopfhöreranschluss, Dual-SIM, microSD-Speicherkartenslot (maximal 256GB)
Android 9.0

Ausgepackt und losgelegt

Beim Auspacken des Wiko View3 könntet ihr (positiv) überrascht sein. Das Gerät ist erstaunlich groß. Zwar dürften auf der Glas-Rückseite recht schnell zahllose Fingerabdrücke zu finden sein, aber sie sieht echt stylisch aus. Der zentriert platzierte Fingerabdruck-Sensor ist für meinen Geschmack gut erreichbar, die Triple-Kamera ragt nur geringfügig aus dem Gehäuse heraus.

Sonst hält sich das View3 an typische Konventionen: Rechts befindet sich der Power-Button, darüber ist der Lautstärke-Regler platziert. Auf der linken Seite gibt’s den kombinierten Dual-SIM/Speicherkarten-Slot. Und auf der Oberseite entdeckt ihr den regulären Kopfhörer-Anschluss.

Persönlich bin ich kein großer Notch-Liebhaber, und beim View3 ist sie doch sehr präsent. Das ist freilich eine Frage des Geschmacks. Noch auffälliger ist meines Erachtens aber die darüber liegende Einkerbung für den Lautsprecher, in der sich schon nach den ersten Minuten der Verwendung sichtbar der Staub sammelt.

Notch. Nicht jeder mag diesen "Tropfen". (Foto: Sven Wernicke)

Notch. Nicht jeder mag diesen „Tropfen“. (Foto: Sven Wernicke)

Abgesehen von dieser „Nörgelei“ macht das Wiko View3 was her. Es liegt gut in der Hand, wirkt wertig, ist angenehm schwer (ich sehe das als Vorteil in diesem Fall) und lässt sich bei größeren Händen einhändig bedienen. Dass es keine 200 Euro kostet, merkt ihr dem Smartphone äußerlich nicht an.

Performance & Display: Alltag vs. Theorie

Antutu, Geekbench, 3DMark – geht es rein um theoretische Benchmark-Ergebnisse, kommt das Wiko View3 in manchen Bereichen nicht einmal an das Samsung Galaxy S7 aus dem Jahr 2016 heran. Doch genau solch ein Vergleich ist im Alltag nicht unbedingt angebracht. Der sehr viel neuere Prozessor trumpft dann auf, wenn Apps mehrere Rechenkerne benötigen. Er verfügt über Künstliche Intelligenz, die selbständig Fotos optimiert. Und durch einen modernen Fertigungsprozess ist der Chip effizienter als zwei, drei Jahre ältere Hardware.

Was ich damit sagen will? Möchtet ihr das View3 als Smartphone für Internet, das eine oder andere Spielchen, Google Maps und andere „Standard“-Applikationen verwenden, genügen die 3GB RAM und der SoC von MediaTek. Beim Surfen, Schauen in den sozialen Netzwerken, beim Entsperren mittels Fingerabdrucksensor, Whatsapp, Fotobearbeitung und anderen Anwendungen konnte ich keine Performance-Einbrüche feststellen.

Sogar das Display, das gegenüber meinem Samsung Galaxy S8 eine deutlich geringere Auflösung besitzt, genügt vollkommen. Es ist hell, Inhalte sind gut lesbar und Videos sehen ordentlich aus. Spektakuläre HDR-Effekte gibt’s freilich in dieser Preisklasse nicht.

Alles in allem sei betont: Für die reguläre Verwendung ist das View3 ausreichend bemessen. Bei anspruchsvollen Spielen oder gar Video-Bearbeitung und Streaming würde ich dagegen zu mehr „Power“ in Form eines Highend-Prozessors und mindestens 6GB RAM raten. Doch dann sind wir bei drei- bis fünffachen Preisen angelangt.

Die Kamera – was taugt die Triple-Cam des Wiko View3?

Wiko bewirbt das View3 mit seiner Triple-Kamera. Und die klingt an und für sich gut: 12 Megapixel (Sony IMX486 mit 1.25µm Pixelgröße), 13 Megapixel 120-Grad-Superweitwinkel und 2 Megapixel für Bokeh-Effekte bekommt ihr geboten. In der Praxis bin ich allerdings nicht so ganz glücklich mit den Ergebnissen.

Drei Kameras auf der Rückseite. (Foto: Sven Wernicke)

Drei Kameras auf der Rückseite. (Foto: Sven Wernicke)

Gegenüber beispielsweise dem Gigaset GS280, das ich vor noch nicht allzu langer Zeit testete, gefällt mir beim View3 die schnelle Auslösezeit und Verarbeitung der Bilder. Der Autofokus könnte etwas flotter reagieren, aber das ist noch okay. Weniger zufriedenstellend ist die eigentliche Bildqualität, die sich vielleicht durch die KI-Features dezent erhöht, aber insgesamt an Schärfe und vor allem Detail vermissen lässt.

Solche Fotos sind keine Seltenheit - es fehlt an Farbe und Detail. (Foto: Sven Wernicke)

Solche Fotos sind keine Seltenheit – es fehlt an Farbe und Detail. (Foto: Sven Wernicke)

Klar, Bokeh und Weitwinkel sind nett, doch im Vergleich favorisiere ich die einzelne Kamera meines Galaxy S8, das knackscharfe, saubere Bilder produziert. Aber auch dieses Telefon ist nach wie vor eine Ecke teurer als das View3. Das kann immerhin stellenweise solide bis sogar gute Bilder erzeugen. Die Voraussetzungen sind optimale Lichtverhältnisse und die Motivation, etwas mit den Optionen der Standard-Kamera-App zu experimentieren. In diesen entdeckt ihr auch Zeitlupen-Features, HDR, Panorama-Aufnahmen und weitere Spielereien.

Gute Resultate schafft die Frontkamera bei Selfies. Auch hier hilft die KI des MedaTek-Chips etwas nach. Das manuelle Anpassen der Unschärfe kommt besonders gut zur Geltung, wenn das Smartphone euer Gesicht selbständig erkennt.

Unterwegs mit dem Wiko View3

Mich überrascht es immer wieder, wie viel heutige Einsteiger-Smartphones bereits von Haus aus bieten. Wiko installiert auf dem View3 das aktuelle und nahezu unveränderte Android 9 mit all seinen Eigenschaften. Zum Beispiel ist „Digital Wellbeing“ von Haus aus dabei. Praktisch für alle, die ihren Smartphone-Konsum etwas kontrollieren möchten.

Beim Testen fielen mir einige löbliche und einige weniger schöne Punkte beim View3 auf. So hält der 4000-mAh-Akku tatsächlich rund zwei Tage bei regulärer Verwendung – das bin ich mit meinem S8 gar nicht mehr gewohnt. Doch wieso verbaut Wiko einen veralteten Micro-USB-Port, statt dem Smartphone einen USB-Type-C-Port zu spendieren? Und eine Schnelllade-Funktion gibt’s leider auch nicht. Schade.

Schnell offenbaren sich Fingerabdrücke bei der Verwendung im Alltag. (Foto: Sven Wernicke)

Schnell offenbaren sich Fingerabdrücke bei der Verwendung im Alltag. (Foto: Sven Wernicke)

Diverse Apps (Kaspersky, ein paar Spiele…) sind vorinstalliert, die nicht zum Betriebssystem gehören. Glücklicherweise könnt ihr diese problemlos entfernen.

Bei der normalen Benutzung fällt euch immer wieder das leuchtstarke Display auf, das auch bei Sonneneinstrahlung noch gut lesbar ist. Nur kleine Schrift könnte hin und wieder Schwierigkeiten bereiten, was der Auflösung geschuldet ist.

An die Grenze bringt ihr das View3, indem ihr ein hochwertiges Spiel wie „PUBG“ installiert oder bei diffusem Licht ein Foto schießen möchtet. Da ist das Smartphone sichtlich überfordert. Bei Games im Stil von „Candy Crush Saga“ und Schnappschüssen am Tag bemerkt ihr dagegen nicht, dass ihr einen günstigen Vertreter in den Händen haltet. Und genau das ist es, was ich dem View3 zugutehalten muss: Es macht einen soliden Job.

Fazit Wiko View3: Ein sympathischer Begleiter

Obwohl die Triple-Kamera die größte Besonderheit des „Schnäppchen“-Smartphones ist, begeistert sie mich nicht. Weitwinkel ist zugegeben wirklich cool, aber hier hapert es an einer Qualität, die euch überzeugt. Und Das verdeutlicht dann doch, in welcher Preiskategorie sich das View3 bewegt.

Trotzdem möchte ich das Wiko View3 empfehlen: Die Verarbeitung ist sehr gut, der Akku hält angenehm lange, die Dreifach-Cam ist für Schnappschüsse geeignet und die Gesamtperformance für Normalsterbliche ausreichend. Wer mehr Leistung verlangt, muss mehr Geld ausgeben – so einfach ist das.

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Insgesamt gefällt mir das View3. USB-Type-C, Schnelllade-Funktion, höher aufgelöstes Display, etwas stärkere Kamera und schnellerer Prozessor wären schön gewesen, doch in Anbetracht der unverbindlichen Preisempfehlung war dies nicht zu erwarten. Und nicht ohne Grund bietet Wiko auch ein View3 Pro an, das in allen genannten Bereichen tatsächlich besser ist…

Das Wiko View3 ist auch bei Euronics erhältlich.

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