ARD-Text Teletext Videotext

Teletext: 5 Gründe, warum ihr ihn heute noch nutzen solltet

Teletext oder Videotext hat bis heute heute überlebt und ganz nebenbei den Sprung ins mobile Zeitalter geschafft. Zu Recht, wie unsere Bestandsaufnahme zeigt.

Vor gar nicht all zu langer Zeit hielt mir ein Kollege sein Smartphone rüber und zeigte mir eine interessante Sport-Schlagzeile. Ich staunte nicht schlecht: Was er auf seinem Smartphone geöffnet hatte, war der ARD Text, also Teletext. Nicht nur hatte es dieser ins mobile Zeitalter geschafft, es gab auch Menschen, sogar Journalisten, die ihn heute noch nutzen.

Aber welche Gründe sprechen heute noch dafür? Schauen wir uns das doch einmal an.

Grund 1: Die erlernte Struktur

Die Startseite 100 liefert einen schnellen Newsüberblick, auf den nächsten Seiten folgen News vom Tage, auf 160/170 das Wetter, auf 200 der Sport, auf 300 das TV-Programm. Danach weitere vermischte News, gerade auf dem Teletext von Privatsendern auf den hinteren Seiten auch obskure Dating- und Erotikangebote.

ZDF-Text Teletext Videotext

ZDF-Text

Die Struktur zumindest ist klar und über mehrere Jahrzehnte gewachsen. Der Nutzer weiß, was er wo findet, er kann sich schnell orientieren und ohne viel Schnickschnack das finden, was er sucht.

Grund 2: Schnelle Ladezeiten ohne Schnickschnack

Viele Webseiten sind heute überfrachtet und können auch schon einmal 5 MB groß sein. Tracker, Bilder, Werbung. Es lädt und lädt. Teletext-Angebote – zumindest im Web – können da erheblich schneller arbeiten. Eine unverfälschte Videotext-Seite enthält sehr einfache Grafiken, sonst nur Text mit maximal 1.000 Zeichen (25×40 Zeilen) und ist deswegen nicht größer als 80 KB.

Grund 3: Alle News direkt auf den Punkt

Nur 25 Zeilen à 40 Zeichen, maximal also 1.000 Zeichen pro Beitrag, stehen den Newsredakteuren zur Verfügung. Das äußert sich meist in prägnanten Texten und Überschriften. Hier ist wenig Platz für Kommentar und Schnickschnack. Der von vielen geforderte objektive Nachrichtenjournalismus im Stile der Tagesschau: im Teletext gibt es ihn.

ARD-Text Teletext Videotext Nachrichtenauswahl

Teletext: Kurze, prägnante Überschriften, weil es anders nicht geht.

Grund 4: Multiplattform

Auch das hat man nicht oft: Ein Nachrichtenmedium, das es in kaum abgewandelter Form auf mehreren Endgeräten zu sehen gibt. Videotext und Teletext gibt es natürlich noch auf dem klassischen Träger, dem Fernsehen. Dann aber auch im Internet, also im Browser. Zu finden etwa über ARD-Text.de, Teletext.zdf.de oder auch einen Text-Aggregator wie der Teletext Viewer mit allen der ProSiebenSat.1-Tochter Seven One Media vermarkteten Texten.

Teletext-Viewer Eurosport

Teletext-Viewer Eurosport

Dann aber hat es der Videotext auch in das mobile Zeitalter geschafft. Seiten wie ZDF-Text oder Teletext Viewer lassen sich zum einen in einem mobilen Browser wie Safari oder Chrome öffnen. Einige Sender wie die ARD und der SRF (Schweiz) und ORF (Österreich) bieten ihren Text aber auch als App für iOS und Android an. Ferner gibt es Apps, die mehrere Teletexte sammeln, zum Beispiel TxtVideo für Android und – das kostenpflichtige – „Teletext-Videotext“ von oxorr für iOS.

Grund 5: Teletext online ist besser als auf dem TV

Viele erinnern sich beim Teletext an das mühsame Eintippen der Seitennummern, dann langes Warten, dann wieder langes Warten auf die nächste Unterseite.

Diese Probleme sind bei den modernen Videotext-Angeboten weitestgehend gelöst. Moderne TV-Geräte laden die Teletext-Angebote in den Speicher und machen Seiten damit schneller verfügbar. Online und mobil ist es ähnlich: Angewählte Seiten laden sofort, zu Unterseiten kann man mit einem Tastendruck sofort skippen und dann weiterlesen. Besonders schön: Die meisten Online-Teletext-Angebote arbeiten mit Hyperlinks. Man muss also auf einer Übersichtsseite keine Nummer mehr eingeben, sondern kann einfach auf die Zielseite klicken.

RBB-Text-Teletext-Mobil-Testseite

Ja, das ist eine Teletext-Seite des RBB, optimiert für die mobile Darstellung.

Viele mobile Seiten, etwa vom ZDF oder ARD Text sind außerdem optisch angepasst. Sie folgen etwa im mobilen Browser nicht mehr der vom Videotext her bekannten Klötzchengrafik auf schwarzem Hintergrund, sondern einer für mobil angepassten Darstellung.

Schön: Die ARD Text-App

Wohl kaum ein anderer Text wird derzeit noch so gehegt und gepflegt wie der der ARD. Während das ZDF das Uralt-Medium nicht mehr weiterentwickelt, werkelt die ARD munter weiter daran. Beim Tatort etwa lassen sich passende Tweets als Untertitel einblenden. Damit ist man dem viel beschworenen Second Screen näher als mit einem Smart TV. Auch eine Integration des Texts in mobile Sprachassistenten wie Alexa könne sie sich vorstellen, sagte ARD-Teletext-Chefin Frauke Langguth kürzlich noch dem Branchendienst Meedia.

ARD-Text Teletext-App iOS

Herrlich aufgeräumte, Videotext-unübliche Darstellung der ARD-Text-App für iOS.

Vorbildlich ist zumindest ARD-Text-App: In einer für mobil optimierten Darstellung mit angenehm weißem Hintergrund springt man in Sekundenschnelle von Seite zu Seite. Auf der Startseite ist die klassische Ordnung aufgebrochen. Der viel gefragte Sport etwa erscheint noch vor den Wirtschaftsnachrichten oder „Aus aller Welt“. Die klassischen Seitennummern sind noch vorhanden, aber an den Rand gerückt. Hyperlinks vereinfachen die Navigation.

Teletext: Eine 40 Jahre alte Erfolgsgeschichte

Teletext ist heute ein Medium, das immer weniger genutzt wird, aber trotzdem noch erstaunlich hohe Reichweiten erzielt. Laut einer ARD-Befragung nutzten 12 Prozent der Deutschen, also rund 10 Millionen Menschen, im Jahr 2017 mehrmals wöchentlich den ARD Text. 40 Prozent der Befragten nutzten ein Teletext-Angebot auf einem beliebigen Sender zumindest gelegentlich.

Teletext Videotext Niederlande 1980. Quelle: Nationaal Archief der Niederlande

Teletext-Präsentation in den Niederlanden 1980. Bildquelle: Nationaal Archief der Niederlande

Ob sich die Erfinder einen solchen Zuspruch hätten vorstellen können? Teletext wurde in den frühen 1970er Jahren in Großbritannien erfunden. ARD und ZDF adaptierten die Technik, zeigten sie 1977 erstmals auf der Internationalen Funkausstellung IFA und gingen 1980 damit in den öffentlichen Dauertestbetrieb. Entsprechende Fernsehgeräte mussten her, die mit einer Fernbedienung (was damals noch nicht alle Geräte hatten!) den Text aufrufen konnten.

Nachfolger HbbTV: Videotext 2.0

Mit HbbTV ist der Teletext-Nachfolger in modernen TV-Geräten längst da. Die Textangebote von HbbTV können mehr Zeichen enthalten und eine viel moderne Darstellung verfolgen. Auch ein elektronischer Programmguide ist darüber aufrufbar.

ARD HbbTV

HbbTV-Angebot der ARD: Der „Videotext 2.0“ besteht meist aus einem Schnellzugang in die Mediathek und einem elektronischen Programmguide.

Zusätzlich bietet HbbTV eine Schnittstelle in die Mediatheken. TV-Sender werben mit dem roten Punkt für Zusatzclips oder ganze Spielfilme und Serienfolgen, die sich über HbbTV abrufen lassen. Hierfür ist allerdings eine Verbindung des Fernsehers mit dem Internet (LAN und WLAN) notwendig.

Verfügbare Online-Videotext-Angebote

Folgende Teletext-Angebote in Deutschland, Österreich und der Schweiz könnt ihr auch online nutzen:

Immer weniger Menschen nutzen lineares Fernsehen und damit auch Teletext

Ein besonderes Problem der aktuellen TV-Landschaft könnte allerdings auch dem Teletext letztendlich zum Verhängnis werden: der Niedergang des linearen Fernsehens. Schon seit Jahren ist zu beobachten, dass das klassische Einschaltfernsehen immer weniger genutzt wird. Die Nachfrage nach On-Demand-Fernsehen steigt. Hier profitieren Online-Videotheken mit Abomodellen, wie Netflix und Amazon Prime, zuletzt nicht nur mit Komfort, sondern auch mit hochattraktiven Inhalten.

TV-Ereignisse, die das Publikum zu einem bestimmten Zeitpunkt vor die Geräte holen, werden immer weniger. Entsprechende Unterhaltungsshows gibt es kaum noch, lediglich Sportereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft erfordern ein zeitgleiches Einschalten. Schaut man sich aber immer weniger am Fernseher direkt an, leidet darunter auch die Nutzung des Videotexts.

Ein Drittel weniger Teletext-Nutzer zwischen 2010 und 2016. Andererseits: Immer noch über 10 Millionen täglich. Grafik: Statista

Ein Drittel weniger Teletext-Nutzer zwischen 2010 und 2016. Andererseits: Immer noch über 10 Millionen täglich. Grafik: Statista

Statista wertete Zahlen der AGF/GfK Fernsehforschung aus und ermittelte für 2016 noch etwa 10,4 Millionen tägliche Teletext-Nutzer in Deutschland. Das ist durchaus beachtlich; im Jahre 2010 war es mit 15,5 Millionen Nutzern allerdings noch ein Drittel mehr.

Mittelfristig ist noch alles in Ordnung. Und wie die aktuellen Angebote zeigen: nicht zu Unrecht. Direktinfos auf Knopfdruck, kurze, prägnante Nachrichten, eine Nutzung am TV, auf dem Rechner oder auch mobil. Teletext bietet auch in den ausgehenden 2010er Jahren einen enormen Komfort für Millionen von Menschen in Deutschland. Gut 40 Jahre nach seiner Erfindung ist das ein grandioser Erfolg.

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