Foto: Samsung

So benutzt du dein Smartphone als Desktop-PC

Ihr braucht größtmögliche Flexibilität? Mit diesen Lösungen verwendet ihr euer Smartphone als Desktop-Rechner für den Schreibtisch.

Keine Frage: Ein Highend-Desktop-Rechner kann nicht so einfach durch ein handliches Smartphone ersetzt werden, stecken in dem Tower-Gehäuse doch meist leistungsstarke Prozessoren und Grafikkarten für Profi-Anwendungen oder Spiele. Doch geht’s euch um Internet, Tabellenkalkulation, etwas Bildbearbeitung und nicht allzu aufwändige Programme, kann heutzutage ein mobiles Gerät nahezu alles abdecken, was ihr für Freizeit und etwas Homeoffice benötigt. Welche Lösungen gibt es hier?

Samsung DeX

Zu den bekanntesten Systemen der letzten Zeit gehört sicherlich DeX von Samsung. Seit der Veröffentlichung des Galaxy S8 ist der koreanische Konzern bemüht, eine Art Desktop-Oberfläche für die hauseigenen Top-Smartphones (Galaxy S8/S8+, Note 8, Note 9, Galaxy S9+) und neuerdings auch das Samsung Galaxy Tab S4 zu schaffen.

Das Smartphone wird häufig zum Touchpad. (Foto: Samsung)

Das Smartphone wird häufig zum Touchpad. (Foto: Samsung)

Samsung spricht bei DeX von einer „PC-ähnlichen Erfahrung“, was heißt: Nutzt ihr beispielsweise die DeX Station (Shoplink), das DeX Pad oder das spezielle Adapter-Kabel (Shoplink), um euer Mobiltelefon oder Tablet mit einem Monitor zu verbinden, erscheint auf dem Display ein auf Android basierendes System, das dezent an Windows erinnert.

Derzeit sind schon viele Android-Apps für DeX optimiert, darunter allerlei Spiele und Anwendungen wie Microsoft Word, Excel, Outlook, Skype, Adobe Photoshop Express, YouTube, Gmail, Chrome, Google Drive oder Spotify. Ihr seht also – das Angebot ist durchaus beachtlich und könnte manchen Leuten genügen, um hin und wieder mal einen Brief zu schreiben oder ein Foto zu bearbeiten.

Für ein paar Office-Anwendungen wohl völlig ausreichend. (Foto: Samsung)

Für ein paar Office-Anwendungen wohl völlig ausreichend. (Foto: Samsung)

Ein paar Haken hat die Sache aber doch: Einerseits benötigt ihr besagte Samsung-Geräte und im besten Fall auch eine DeX-Station. Zusätzlich sind viele Apps ungeeignet und werden nicht optimal oder wie gewünscht dargestellt. Unter Umständen könnte auch die Performance bei anspruchsvolleren Programmen nicht zufriedenstellend sein, reden wir hier ja letztlich über Smartphone-Technik, die einen Desktop-PC ersetzen soll. Aber: Es funktioniert, dank Mehrfachanschluss-Adapter sogar mit Maus und Tastatur.

Huawei Easy Projection (2.0)

“Was Samsung kann, können wir schon lange!“. So etwas in der Art müssen sich die Verantwortlichen bei Huawei gedacht haben. Herausgekommen ist der Dienst Easy Projection, der in eine ähnliche Richtung wie DeX geht. Allerdings benötigt ihr hierfür nur einen günstigen USB-Typ-C- auf HDMI-Adapter und keine spezielle Station. Solche Kabel sind nicht mehr teuer. Huawei selbst bietet auch das Matedock 2 mit zusätzlichen Anschlüssen (VGA, USB, HDMI) an. Für die meisten Anwender ist auch das normale Matedock (Shoplink) in Ordnung.

Easy Projection funktioniert ähnlich wie DeX. (Foto: Huawei)

Easy Projection funktioniert ähnlich wie DeX. (Foto: Huawei)

Ausgewählte Smartphones, genauer das Huawei Mate 10, das Mate 10 Pro, die gesamte P20-Serie, das Mate RS Porsche Design und das neue Mate 20 Pro, lassen sich so mit einem Display und Eingabegeräten zusammenbringen. Auch hier bekommt ihr eine Desktop-Oberfläche, die einen stationären Rechner ersetzen möchte. Allerdings ist die Anzahl der geeigneten Anwendungen gering. Browser und Mails abrufen, Bilder bearbeiten, Spotify verwenden oder twittern – das ist dagegen kein Problem. Für den sporadischen Gebrauch zum Tippen von Nachrichten könnte das manchen von euch vielleicht sogar schon reichen.

Das Easy Projection genannte Feature wird beim Mate 20 Pro durch Easy Projection 2.0 fortgeführt. Den PC-Modus könnt ihr dann sogar dank Miracast direkt auf einen Bildschirm streamen – kabellos. Einen entsprechend geeigneten Fernseher vorausgesetzt.

Sentio Desktop

Bei Kickstarter nahm das Startup Andromium fast drei Millionen US-Dollar ein, um einen ungewöhnlichen Laptop zu bauen. Mit dem Superbook soll euer Smartphone zu einem vollwertigen Laptop-System werden, bei dem Inhalte auf einem 11,6 Zoll großen Bildschirm dargestellt werden. Backer wie mein Kollege Jürgen Vielmeier warten aber seit nunmehr zwei Jahren auf die Lieferung des Superbooks, und in den Foren laufen die Supporter langsam Sturm. Gedacht ist es zumindest so, dass euer Android-basiertes Telefon die Berechnungen übernehmen soll, das mit dem  Superbook verbunden ist.

Das ist Sentio Desktop. (Foto: Sentio)

Das ist Sentio Desktop. (Foto: Sentio)

Das Herzstück dieses ungewöhnlichen Ansatzes ist die kostenfrei erhältliche App Sentio Desktop (Google Play Store), die ihr auch ohne Superbook auf eurem Telefon installieren könnt. Es sei ausdrücklich betont, dass die Verwendung eher dazu dienen dürfte, etwas zu experimentieren – vielleicht findet ihr so euren Desktop-Ersatz aufbauend auf der Software von Sentio. Praktisch stelle ich mir diese App auf Android-Tablets vor, die über ein ausreichend großes Display verfügen oder einen HDMI-Ausgang für den Monitor besitzen.

Das Smartphone als Desktop in Zukunft

Ein Smartphone so verwenden, als wäre es ein PC – die Idee hatte man bei Microsoft schon vor Jahren mit Continuum und Windows Phone. Der clevere Ansatz setzte sich nicht durch, doch Samsung und Huawei zeigen, dass der Gedanke noch lange nicht vom Tisch ist. Ich persönlich glaube daran, dass uns in Zukunft weitere Konzepte erwarten. Und das auch aus einem Grund: Smartphone-Technologie wird immer leistungsfähiger.

Das Huawei Mate 20 Pro ist enorm leistungsstark. Die Hardware kann sicher auch einen Desktop ersetzen. (Foto: Huawei)

Das Huawei Mate 20 Pro ist enorm leistungsstark. Die Hardware kann sicher auch einen Desktop ersetzen. (Foto: Huawei)

Perspektivisch könnten in Highend-Telefonen die gleichen Prozessoren wie in Mini-Laptops stecken – dann ist der Weg zu einem regulären Desktop-System wirklich nicht mehr weit. Dass das realistisch ist, zeigen ja schon jetzt Geräte wie die Always-Connected-Systeme diverser Hersteller. Ich für meinen Teil würde das ohnehin begrüßen, möchte am liebsten nur noch ein Device für alles besitzen. Unterwegs wäre es mein Smartphone, daheim ist es ein Arbeitstier für Job und Office. Ob der Markt letztlich groß genug für solche Konzepte ist? Das werden wir sicher in absehbarer Zeit erfahren.

Benutzt ihr ein Smartphone als Desktop-Ersatz? Welche Lösung verwendet ihr oder habt ihr ausprobiert? Schreibt mir gerne im Kommentarbereich.

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