Senioren mit Emporia-Handy (Bild: Emporia)

Seniorenhandys: Diese Funktionen sollten sie haben

Die Tasten sind bei Seniorenhandys wichtiger als ein großes Display. Insbesondere bei der Tastensperre sollte aufgepasst werden.

Hilfe holen im Notfall – das ist die wichtigste Funktion eines Seniorenhandys. Dafür muss es nicht leistungsfähiger sein als ein Computer und nicht einmal gut aussehen. Es muss den Bedürfnissen älterer Menschen gerecht werden, genau genommen sogar nur des jeweiligen Nutzers. In diesem Artikel haben wir deshalb Kriterien zusammengetragen, die bei der Auswahl wichtig sind – an die viele Enkel aber nicht denken würden.

Warum denn kein Smartphone?

Wo beginnt die Suche? Der Gedanke ist verlockend, auch ein Smartphone anzuschaffen, wenn schon die ganze Familie darüber kommuniziert. Doch wenn die Augen schlechter werden, die Finger mitunter zittern und es schwer fällt, sich bei der Bedienung an die einzelnen Schritte zu erinnern – dann wird die Bedienung eines Touchscreen-Handys zur Qual.

Auch wenn in einem ruhigen Moment alles noch tadellos funktioniert: Bei einem Sturz kann es dennoch passieren, dass der rettende Hilferuf nicht getätigt werden kann. Daher ist es ratsam, rechtzeitig zu einem Gerät zu wechseln, das zumindest per Facebook die Kommunikation mit den Kindern und Enkelkindern ermöglicht – vor allem aber in Notsituationen intuitiv zu bedienen ist.

Klein und leicht muss es sein

Ein Seniorenhandy sollte gut in der Hand liegen. Nicht nur beim Ausprobieren zuhause, sondern auch unterwegs – wenn eine Tasche dabei ist oder ein Stock. Es sollte deshalb klein und leicht sein, vor allem aber rutschfest. Einige Geräte haben deshalb die Ränder oder die Rückseite gummiert.

AEG Voxtel M800: Sollte ein Seniorenhandy wirklich auf fast alle Tasten verzichten? (Bild: AEG)

AEG Voxtel M800: Sollte ein Seniorenhandy wirklich auf fast alle Tasten verzichten? (Bild: AEG)

Die Tasten dürfen dagegen groß ausfallen und einen Druckpunkt aufweisen, der sich gut spüren lässt. Falls ein Touchscreen vorhanden ist, sollte die Bedienung darüber nur optional sein. Fast alle Seniorenhandys locken mit einem günstigen Preis, weshalb dann in der Produktion an einigen Stellen gespart wird. Die Empfindlichkeit des Touchscreens gehört meist dazu.

Alle Tasten sollten gut zu erreichen sein. Das gilt insbesondere für Tasten mit besonderen Funktionen – zum Beispiel für die Taschenlampe. Bestenfalls lässt sich diese auch aktivieren, wenn die Tastensperre aktiv ist.

Worauf bei der Tastensperre zu achten ist

Eine schlecht funktionierende Tastensperre ist einer der Gründe, weshalb ältere Menschen ihr Seniorenhandy nach einiger Zeit nicht mehr nutzen. Wenn diese nicht aktiv ist, kommt es leicht zu ungewollten Anrufen – aus der Tasche heraus. Statt einer PIN-Nummer, die leicht vergessen werden kann (gerade auch im Notfall), verfügen viele Seniorenhandys über einen Schieberegler an der Seite.

Dieser sollte nicht zu leichtgängig sein. Problematischer ist jedoch der umgekehrte Fall: Wenn die Kraft in der Hand fehlt, ist die Funktion schlichtweg nicht mehr zu nutzen. Schlimmstenfalls kann das Telefon sogar für einen Anruf nicht mehr entriegelt werden.

Beim Bildschirm zählt nicht die Größe

Der Bildschirm sollte nicht zu klein sein – so lautet zumindest der erste Gedanke. Doch je größer dieser ausfällt, desto weniger Platz bleibt für die Tasten. Oder das Gerät wird groß und schwer. Was ebenfalls gegen einen riesigen Bildschirm spricht: Es passt zuviel darauf. Das lenkt oft ab und verwirrt sogar in Notsituationen.

Der Bildschirm eines Seniorenhandys muss nicht groß sein – sofern alles Wichtige darauf zu erkennen ist (Bild: Pixabay/sabinevanerp)

Der Bildschirm eines Seniorenhandys muss nicht groß sein – sofern alles Wichtige darauf zu erkennen ist (Bild: Pixabay/sabinevanerp)

Es darf also auch eine kleine Anzeige sein. Wichtig ist nur, dass dort die wirklich wichtigen Informationen angezeigt werden: die Telefonnummer oder der Name des Anrufers, die Uhrzeit und ob eine SMS eingetroffen ist – mehr muss oft gar nicht sein.

Worauf beim Display zu achten ist

Vor allem ist wichtig, dass sich alles gut ablesen lässt. Die Buchstaben dürfen nicht zu pixelig sein und auch nicht zu groß. Denn dann würden auch die Worte länger und der Text abgeschnitten, weil er nicht mehr auf das Display passt. Oder er verhält sich wie ein Laufband, sodass immer etwas Zeit dabei verloren geht, bis alle Informationen gelesen sind.

Wichtig ist auch eine gute Hintergrundbeleuchtung, damit sich der Bildschirm bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen gut ablesen lässt – zum Beispiel bei direkter Sonneneinstrahlung. Auch ein hoher Kontrast hilft. Zudem sollte ein Display aus Glas einem aus Kunststoff vorgezogen werden, damit dieses nicht allzu leicht zerkratzt.

Unverständliche Menüs sind eine Hürde

Wichtig ist auch eine gut strukturierte und übersichtliche Menüführung. Dort wird die Größe der Schrift eingestellt und eventuell auch der Kontrast verbessert. Dort lässt sich ebenso der Klingelton wählen und dessen Lautstärke erhöhen. Einige Seniorenhandys verbinden sich sogar mit Hörgeräten.

Die Menüführung sollte verständlich sein. Leider ist das oft nicht der Fall. Dann müssen Angehörige die Einstellungen vornehmen, sodass das Gerät genutzt werden kann, ohne das Menü aufzurufen. In diesem Fall würde auch auf das Empfangen und Verschicken von SMS verzichtet werden. Alle wichtigen Nummern befinden sich jedoch im Adressbuch, das sich über die Tastatur einfach durchblättern lassen sollte.

Wie wird ein Notruf ausgelöst?

Viele Seniorenhandys besitzen einen Notfallknopf, der sich meist auf der Rückseite befindet und gut zu ertasten ist. Darüber wird automatisch eine Verbindung aufgebaut – zu einem Angehörigen, zu einer Hilfseinrichtung oder direkt zur Polizei. Meistens lassen sich fünf Rufnummern hinterlegen, die nacheinander abtelefoniert werden. Und das auch bei aktiver Tastensperre.

In der konkreten Umsetzung unterscheiden sich die Seniorenhandys dann aber doch. Manchmal reicht es nicht, den Notfallknopf nur einmal zu drücken, denn so könnte leicht ein Fehlalarm ausgelöst werden. Stattdessen muss die Taste länger gedrückt gehalten oder mehrmals gedrückt werden. Das jedoch setzt eine gewisse Geistesgegenwart voraus.

Einige, wenige Geräte wollen deshalb auch selbst erkennen, ob ein Notfall eingetreten ist – zum Beispiel einen Sturz. Das jedoch führt immer wieder zu Fehlalarmen, wenn zum Beispiel das Gerät nur aus der Hand gefallen ist.

Was passiert im Notfall?

Auf jeden Fall sollte im Notfall der Freisprechmodus automatisch aktiviert werden. Denn dann lässt sich auch noch kommunizieren, wenn das Gerät nicht mehr ans Ohr gehalten werden kann. Einige Geräte übermitteln sogar die Standortdaten, wenn denn ein GPS-Empfänger eingebaut ist. Hilfreich kann auch ein lauter Ton sein, der Menschen in der Nähe aufmerksam macht.

Es gibt sogar reine Notruf-Handys, die nur einen Notfallknopf haben, zwei Tasten zum Annehmen eines Gesprächs und zum Auflegen sowie bis zu vier Tasten für vordefinierte Nummern. Ein x-beliebiger Anschluss lässt sich dann allerdings nicht mehr anrufen.

Wichtig ist auch die Wahl des Mobilfunknetzes, damit ein Notruf jederzeit durchkommt. Dabei geht es aber nicht nur um den Netzbetreiber, denn viele Seniorenhandys funken ausschließlich im GSM-Netz. Dieses bietet zwar die höchste Netzabdeckung. Doch wenn es einmal ausfällt, kann nicht auf das parallel installierte UMTS-Netz zugegriffen werden.

Am besten in der Ladechale parken

Voraussetzung ist natürlich, dass das Seniorenhandy auch geladen ist, wenn das Haus verlassen wird. Dessen Laufzeit ist viel länger als bei einem Smartphone, aber es liegt oft auch lange in der Schublade. Wenn der Ausflug dann ansteht, ist der Akku leer. Hinzu kommt noch, dass ältere Menschen Probleme haben können, das kleine Ladekabel richtig anzustecken.

Abhilfe schafft eine Ladeschale, womit die meisten Seniorenhandys mittlerweile ausgeliefert werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass das Gerät ständig im Blick sein kann. Wenn dann eine SMS per LED-Licht angezeigt wird, wird keine Nachricht mehr verpasst. Wenn dort nur wenig ankommt, kann es anderenfalls schnell passieren, dass das Handy in der Schublade verschwindet: „Mir schreibt ja eh keiner“.

Welche Möglichkeiten eröffnet eine Kamera?

Das waren die Kriterien, um abzuklären, was ein Seniorenhandy alles leisten muss. Im Anschluss daran stellt sich die Frage, was es noch können soll. Das hängt zum Beispiel davon ab, was bereits am Computer genutzt wird: Wenn dort über Facebook schon Familienfotos angeschaut werden, warum nicht auch auf dem Handy?

Dieses bietet sogar die Möglichkeit, erstmals selbst Fotos zu verschicken oder auch über rein mobile Dienste wie WhatsApp zu kommunizieren. Dafür benötigt dann das Seniorenhandy eine Kamera und einen Internetzugang.

Die Kamera auf der Rückseite ermöglicht in der Regel aber nur Schnappschüsse, die auf dem Display noch halbwegs okay aussehen, nicht aber ausgedruckt. Dennoch bekommen Kinder und Enkelkinder mehr vom eigenen Leben mit. Ein wichtiges Schreiben kann auch schnell abfotografiert und den Angehörigen geschickt werden.

Was bringt ein Internetzugang?

Auch das Internet fühlt sich auf einem Seniorenhandy nicht so an wie auf einem Smartphone, zumal nur ganz wenig Modelle über einen Zugang verfügen. Oft handelt es sich um ein Feature Phone, auf dem die Apps der gängigen Dienste vorinstalliert sind, aber nicht viel mehr: E-Mail, Facebook, ein einfacher Browser.

Die Apps werden auch nicht den gleichen Funktionsumfang haben wie auf dem Smartphone – und auch nur spärlich aktualisiert werden. Die Grundfunktionen werden sich aber nutzen lassen. Allein das ist für viele schon ein Gewinn.

Oder doch ein Smartphone?

Einen WLAN-Chip lassen die meisten Seniorenhandys ebenfalls vermissen, sodass der Internetzugang über Mobilfunk erfolgen muss. Das setzt allerdings einen entsprechenden Tarif voraus. Schnelles Internet über LTE wird es aber auch hier nicht geben, sondern bloß vergleichsweise langsames über UMTS. Beim Verschicken oder Empfangen von Fotos sind damit Wartezeiten vorprogrammiert.

Eine Alternative wäre Senioren-Smartphones, die zwar unter Android laufen, aber mit einer eigenen Oberfläche ausgestattet wurden. Oder ein Smartphone, wenn es über die richtige Größe verfügt. Kollege Sven Wernicke hat hier im Trendblog beschrieben, wie er ein passendes Gerät für seine Mutter fand.

Allen Überlegungen zum Trotz, die im Vorfeld eines Kaufs erörtert werden: Das Seniorenhandy muss zum Menschen passen – sonst wird es nicht genutzt.

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