Schöne Geschichte: Vor 20 Jahren ging das erste Smartphone-Foto um die Welt

Wie konnte ein Ingenieur schon 1997 das erste Smartphone-Foto seiner neu geborenen Tochter verschicken, wenn Kamerahandys erst Jahre später auf den Markt kamen? Unternehmer Philippe Kahn hat es geschafft und erzählt die erstaunliche Geschichte in einem Video und einem Blogbeitrag.

1997. Das World Wide Web war gerade mal vier Jahre alt, E-Mails kannte die große Masse da draußen noch nicht, Handys waren was für Manager und selbst Digitalkameras und Laptops für den Endverbraucher waren etwas Neues. Und da behauptet der Unternehmer Philippe Kahn, das erste Smartphone-Foto der Welt verschickt zu haben?

Das Bild der neugeborenen Tochter unbedingt sofort mit der Welt teilen

Liest man sich seinen Blogbeitrag dazu durch und schaut sich das rührende Video an, dass Conscious Minds über die Geschichte gedreht haben, dann geht das so in Ordnung. Kahn war ein Tüftler, wohl mehr Nerd als Geek, wenn man bedenkt, dass bei seiner Frau gerade die Wehen einsetzen und Kahn lieber erstmal Handy und Laptop einsteckt, anstatt augenblicklich ins Krankenhaus zu fahren:

Der Vorteil, wie er schreibt, war, dass seine Frau noch früh dran war. Kahn wollte das Bild seiner neu geborenen Tochter unbedingt auf einem Digitalfoto festhalten und sofort mit Freunden „sharen“. Was heute gängig ist, gab es damals noch nicht. Kahn hatte auf jeden Fall genug Zeit, um die notwendige Hardware zusammenzubasteln und Programm zu schreiben, um diese miteinander kommunizieren zu lassen.

Digifoto an Laptop gekabelt und Modem irgendwie mit Handy verbastelt

Das Setup sah schließlich wie folgt aus: Die Digitalkamera, eine Casio QV, verband er mit seinem Toshiba-Laptop und schickte das Foto mittels einer eigens programmierten Software dorthin. Nun musste es aber noch an seinen Server verschickt werden, von wo aus er eine Massen-E-Mail starten wollte. Hierzu kam sein Mobiltelefon zum Einsatz, ein Motorola StartTac Flip Phone. Mit einem Stecker aus seinem Autotelefon und vielen Zeilen Code ließ er schließlich das Handy mit dem Modem auf seinem Laptop kommunizieren. Das Bild ging an seinen Server und wurde dort an 2.000 Kontakte verschickt – laut Kahn 15 Minuten nach der Geburt.

Minuten später bekam er der Geschichte nach dutzende Antworten mit Fragen wie „Wie hast du das denn gemacht? Das möchte ich auch!“ Und Kahn hatte demnach die Erleuchtung, dass das schnelle Teilen von Bildern mit Dingen, die man erlebt hat, ein großes Ding der Zukunft werden würde. Rund zehn Jahre, bevor Facebook und Twitter richtig durchstarteten und das erste iPhone Smartphones massentauglich machte.

Kamerahandy? Die Leute wollen doch nur telefonieren!

Kahn versuchte daraufhin, seine Idee zu vermarkten und Mobiltelefon-Herstellern die Idee eines Kamerahandys mit mobilem Internetanschluss zu verkaufen. Polaroid und Kodak winkten ab, ebenso NTT DoCoMo in Japan. Gutachter, denen die Manager dieser Firmen die Idee vorlegten, waren der Meinung, dass Mobiltelefone doch nur zum Telefonieren gedacht seien. Erst beim kleinen japanischen Carrier J-Phone stieß Kahn auf Interesse. Zusammen mit Sharp entwickelten sie den Prototypen des „Instant-Picture-Mail Phone“ Ende 1999. Erst drei Jahre vorher war das erste Smartphone auf den Markt gekommen, der Nokia 9000 Communicator. Nokia wiederum war der Hersteller, der Kamerahandys mit dem Nokia 7650 zu einem Massenmarkt machte. Nicht als allererster und auch erst im Jahr 2002.

Philippe Kahn ist heute immer noch Tüftler und machte sich einen Namen als derjenige, der „den Menschen vermisst“, um intelligente Hard- und Software wie einen Schlafsensor zu entwickeln und den Menschen ein wenig intelligenter zu machen. Klingt auf mich – ein wenig gruselig. Das berühmte Foto wurde im vergangenen Jahr vom „Time Magazine“ in die Top 100 der einflussreichsten Fotos aller Zeiten aufgenommen. Kahns Tochter Sophie, die an jenem Tag zur Welt kam, geht übrigens inzwischen aufs College.

Bild: Philippe Kahn

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*