Garmin Drive Assist 51

Garmin Drive Assist 51 Test: Profi-Navi mit Stärken und Schwächen

Garmins Drive Assist 51 ist ein Navi aus der Profiliga mit integrierter Dashcam. Der Funktionsumfang ist famos, was in unserem Test weniger überzeugte, sind die letzten Details.

Navigieren kann heute jedes Smartphone mit der entsprechenden Software, und auch eine Dashcam-Funktion kann ein schlaues Telefon mit den passenden Apps mitliefern. Also warum sollte man noch knapp 300 Euro für ein Profi-Navigationsgerät wie den Gamin Drive Assist 51 auf die Theke legen?

Eine Antwort, die ich nach ein paar Wochen mit dem Garmin Drive Assist 51 geben kann, ist: Es ist ein Stück weit praktischer, als das Smartphone zum Navigieren zu benutzen. Zumindest hat er das Potenzial dazu – was er nicht an allen Stellen zu jeder Zeit ausschöpft.

Erstinbetriebnahme: Nicht alles funktioniert reibungslos

Das Gerät zum ersten Mal in Betrieb zu nehmen, beschwor Licht und Schatten herauf. Zunächst einmal koppelte ich den Garmin Drive Assist 51 über das mitgelieferte USB-Kabel mit meinem Laptop und aktualisierte auf die neueste Software. Auch ein wenig Ladestrom bekam das Navi so mit, und das sollte im nächsten Schritt noch wichtig werden.

Schön: Der Garmin Drive Assist 51 bekommt regelmäßig Software-Updates und "lebenslang" Karten-Updates.

Schön: Der Garmin Drive Assist 51 bekommt regelmäßig Software-Updates und „lebenslang“ Karten-Updates.

Die Halterung des Drive Assist 51 wird per Saugnapf hinter der Windschutzscheibe angebracht und hielt über die gesamte Dauer meines Tests bombenfest. Das Navi selbst hängt man über das mitgelieferte Kugelscharnier einfach ein und kann es nach Benutzung mit einer Drehung wieder abkoppeln. Das geht wunderbar.

In meinen Augen nicht ganz so schön: die von Garmin geforderte Dauerstromversorgung über den Zigarettenanzünder. Hier erlebte ich gleich während meiner ersten Fahrt, dass sich das Gerät nach einer kurzen Warnung ausschaltet, wenn es von der Stromquelle getrennt wird. Das lässt sich umgehen, wischt man die Ankündigung rechtzeitig weg. Besonders lange hält der integrierte Akku allerdings nicht. Hier hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Zumindest eine zweistündige Fahrt sollte ein Akku in meinen Augen überleben können.

Erste Fahrt mit dem Garmin Drive Assist 51

In Teufels Küche kam ich auf der „Jungfernfahrt“, als ich mich erdreistete, das Display des Drive Assist 51 vorübergehend auszuschalten. Das war ich von der Navigation mit dem Smartphone und Google Maps so gewohnt, weil es massig Strom spart. Gerade wenn die letzte Ansage „Folgen Sie der A1 für 200 Kilometer“ lautet, spricht nichts dagegen, das Display für einige Zeit ruhen zu lassen.

Garmin Drive Assist 51 Lieferumfang

Garmin Drive Assist 51 Lieferumfang

Der Drive Assist hingegen schaltete sich dabei gleich ganz aus, versagte folglich das Navigieren, ließ mich beim Neustart zunächst wieder alle Endnutzer-Lizenzverträge neu abschließen und erinnerte sich zu allem Überfluss nicht mehr an das gewählte Ziel. Ist in allen Fällen ärgerlich, wenn man dafür erst rechts ran fahren und alles neu eingeben muss. Wenn man dazu keine Gelegenheit hat, wird es gar gefährlich.

Zwei Verbesserungsvorschläge also an Garmin: Das Display vorübergehend ausschalten können, worauf das Navi trotzdem weiternavigiert. Und: Dem Gerät ein längeres USB-Kabel als das angebotene 50-cm-Kabel beilegen, so dass man eine alternative Stromquelle verwenden kann.

Das mitgelieferte USB-Kabel ist sehr kurz und eignet sich nur für das Verbinden des Navis mit einem Laptop.

Das mitgelieferte USB-Kabel ist sehr kurz und eignet sich nur für das Verbinden des Navis mit einem Laptop.

Navigation mit dem Garmin Drive Assist 51

Vier längere Fahrten unternahm ich mit dem Garmin Drive Assist 51. In den meisten Fällen brachte mich das System pflichtschuldig ans Ziel. Zweimal wollte es mich jedoch über gesperrte Straßen schicken. Einmal kannte das System eine Baustelle nicht, ein anderes Mal sollte die Route über eine Straße führen, die mit einem Schlagbaum abgesperrt war. Immerhin: Als ich daraufhin umdrehte, errechnete Garmin sogleich eine neue, diesmal funktionierende Route.

Garmin Drive Assist 51 Oberfläche

Garmin Drive Assist 51 Oberfläche

Eine neue Fahrt anzulegen oder eine neue Route zu berechnen, geht vertretbar langsam von der Hand. Der Drive Assist verlangt die getrennte Eingabe von Ort und Straße, es lassen sich allerdings auch Fixpunkte angeben, zum Beispiel „Aachener Weiher“. Je nach Entfernung braucht das Gerät 2 bis – auch schon einmal – 30 Sekunden, um eine Route zu berechnen. Das ist erheblich langsamer, als etwa Google Maps bei bestem mobilen Internet-Empfang auf einem Smartphone neue Routen berechnet.

Dafür funktioniert der Drive Assist 51 offline. Und er hat Google Maps voraus, dass er auch direkt zu Parkplätzen navigieren kann. Außerdem, dank Integration dieser Dienste, zu bekannten Lokalitäten auf Foursquare oder Trip Advisor.

Schön, dass der Drive Assist einen WLAN-Chip integriert hat. So lassen sich im heimischen Netzwerk Over-the-Air-Updates für das System und das Kartenmaterial einspielen. Weniger schön, dass Garmin hierfür nicht mit ausreichend internem Speicher vorgesorgt hat. 16 GB Speicher für ein Update zur Verfügung zu haben, wäre schon toll, moniert das Gerät. Leider finde man dafür nicht genug vor. Ach…

Garmin stattet den Drive Assist 51 von Haus aus mit wenig internem Speicher aus. Man muss mit einer MicroSD-Karte aufrüsten, um überhaupt vernünftig updaten zu können.

Garmin stattet den Drive Assist 51 von Haus aus mit wenig internem Speicher aus. Man muss mit einer MicroSD-Karte aufrüsten, um überhaupt vernünftig updaten zu können.

Auch nicht ideal: Dass Garmin dem Gerät neben dem Stecker für den Zigarettenanzünder nur ein USB-Kabel ohne Netzstecker beilegt. So muss man das Navi über den Laptop aufladen und die Stromzufuhr darüber herstellen, weil das geplante, dreistündige Update eine solche natürlich voraussetzt.

Sprachsteuerung im Drive Assist 51: Geduld ist gefragt

Der Drive Assist 51 lässt sich auch per Sprache steuern. Das funktionierte bei mir im Test mal so, mal so. Manchmal verstand mich das Gerät sehr gut und fand Ergebnisse schnell. Manchmal wollte es so gar nicht gelingen, ich musste Befehle dreimal sagen, Funktionen wie die Parkplatzsuche wollten nicht gelingen oder eine Streckenberechnung dauerte etliche Sekunden. Mein Beispielvideo beschreibt den Zustand leider schon recht gut:

Dashcam mit Audio: Hat was Meditatives

Ich sage es gleich: Die Dashcam-Funktion im Garmin Drive Assist hat mich positiv überrascht. Sie startet bei einer Navigation automatisch, sie bietet in den Standard-Einstellungen eine gute Bild- und Tonqualität. Und sich Videos von seinen eigenen Fahrten in der Landschaft anzuschauen, während unten GPS-Daten, Uhrzeit und Geschwindigkeit angezeigt werden, hat etwas Hochmeditatives. Fast so wie die Videos der Eisenbahnromantik, die früher im Fernsehen liefen.

Dashcam auf der Rückseite des Garmin Drive Assist 51

Dashcam auf der Rückseite des Garmin Drive Assist 51

Die Bildqualität war bei mir tagsüber und auch in der Abenddämmerung ausreichend. Der Ton lässt sich auf Wunsch abschalten.

Mitte Mai 2018 fiel der Bundesgerichtshof ein Urteil zum Thema Dashcams, das mehr Fragen aufwarf als es beantwortete. Grundsätzlich sind Videos aus einer Dashcam vor Gericht nun erlaubt, die einen Unfallhergang zeigen. Dauerhaft anlasslos aufzeichnen darf man mit einer Dashcams allerdings nicht. Wie soll das funktionieren? Die Kamera nur dann einzuschalten, wenn der Unfall schon passiert ist, ist ja zu spät.

Eine technische Lösung wäre, wenn die Dashcam zwar dauerhaft aufzeichnen würde, die Bilder aber nach einem kurzen Intervall wieder löscht. Beim Drive Assist 51 ist das der Fall. Dauerhaft im Speicher bleibt nur die letzte Fahrt. Einzelne Videos können mit einem Befehl dauerhaft gespeichert werden. Zusätzlich gibt es eine automatische Ereigniserkennung, die die Kamera bei einer drohenden Kollision automatisch starten soll. Ob man sich darauf verlassen kann?

Ansonsten gelten für die Aufzeichnung mit einer Dashcam die gleichen Regeln wie beim Fotografieren. Sind Einzelpersonen und ihre Gegenstände (hier Fahrzeuge) klar erkennbar, dürft ihr diese nicht ohne deren Einwilligung aufzeichnen und schon gar nicht veröffentlichen. Erlaubt wären im Prinzip nur Videos wie in meinem Beispielvideo oben, auf dem keine anderen Personen und Fahrzeuge zu erkennen sind.

Und sonst?

Der Garmin Drive Assist 51 verfügt auch über einen Spur- und Auffahrassistenten. Dieser meldet sich wirklich recht dezent mit unterschiedlichen Warntönen, wenn man die Spur verlässt oder zu dicht zum Vordermann auffährt. Letzteres funktionierte nicht immer reibungslos. Ich fuhr testweise einmal etwas näher auf, nichts passierte… Schön auf jeden Fall, dass Garmin diese Funktion integriert hat.

Google Maps als Navi verwenden: Das müsst ihr beachten

Die geplante Live-Parking-Funktion kann natürlich nur mit einigen Parkhäusern und nur per App-Unterstützung funktionieren. Wer will, kann dank des integrierten Mikros und Bluetooth mit Smartphone-Kopplung über das Navi sogar frei sprechen.

Fazit: Licht und Schatten

Der Garmin Drive Assist 51 ist ein modernes Navigationsgerät mit einem tollen Funktionsumfang. In meinen Augen rechtfertigt dieser sogar den unverbindlichen Verkaufspreis von 329 Euro. Angenehme Benutzerführung, eine eingebaute Dashcam, Driver Awareness, Parkplatzsuche, WiFi und Bluetooth, Over-the-Air-Updates, Smartphone-Kopplung, Freisprecheinrichtung, Sprachsteuerung, Timelapse-Videos, lebenslang Kartenmaterial für ganz Europa, immer wieder Systemupdates und auch einige stimmige Details wie eine mitgelieferte MicroSD-Karte und eine unerschütterliche Halterung… Das ist eine Menge und das alles ist das Geld wert.

Dann wiederum stößt sauer auf, dass Garmin bei einigen Details geschlafen hat: Kein Netzstecker, ein viel zu kleiner interner Speicher selbst für das eigene Kartenmaterial, ein Zwangsbetrieb des Displays und das nur über den Zigarettenanzünder, ein Akku mit wenig Ausdauer. Da ist noch Luft nach oben und man hätte sich gewünscht, dass Garmin für diesen Verkaufspreis alle Details geschärft hätte. Und warum muss man je-des ver-damm-te Mal beim Einschalten des Geräts diese bescheuerte Warnmeldung bestätigen?

Dieser "Begrüßungsbildschirm" muss bei JEDEM Start des Drive Assist 51 bestätigt werden. Alternativ kann man 15 Sekunden warten. Mag rechtlich wichtig sein, nutzerfreundlich ist es nicht.

Dieser „Begrüßungsbildschirm“ muss bei JEDEM Start des Drive Assist 51 bestätigt werden. Alternativ kann man 15 Sekunden warten. Mag rechtlich wichtig sein, nutzerfreundlich ist es nicht.

Ein wenig sollte ein Nutzer noch investieren in eine ordentlich große MicroSD-Karte (ich empfehle 64 GB) und ein 2 Meter langes USB-auf-Mini-USB-Kabel. Den Rest löst Garmin hoffentlich über Softwareupdates. Dann sollte man insgesamt durchaus Freude am Drive Assist 51 haben können.

Für Einsteiger und Anspruchsvolle: Die richtige Dashcam für jeden Geldbeutel

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