Live-Verkehrsdaten für die Stadt Bonn zum Feierabendverkehr mit Bing Maps...

Bing Maps vs. Google Maps: Was macht Microsofts Maps-Alternative besser?

Im Schatten von Google Maps betreibt Microsoft weiterhin eine Eigenlösung. Aber kann Bing Maps mit dem Marktführer mithalten? Wir wagen der Vergleich.

Microsoft genügt es, beim eigenen Kartendienst Bing Maps nur zweiter Sieger zu sein. Google investiert mehr Geld in Google Maps und hat schon ein paar Jahre mehr Erfahrung. Wer aber neugierige Google-Dienste nicht mag, der könnte auf die Idee kommen, sich einmal Bing Maps anzuschauen. Kann Microsofts Dienst zumindest teilweise als Alternative herhalten, einige Dinge vielleicht sogar besser machen? Lassen wir doch beide einmal gegeneinander antreten: Bing Maps vs. Google Maps…

Stadtkarten und Live-Verkehrsdaten: Auf Augenhöhe

Lässt man sich mit den Kartendiensten am eigenen Standort lokalisieren, zeigen diese zunächst einmal einen Ausschnitt der Umgebung an. Ich habe in meiner „Gebrauchsanweisung“ für Bing Maps bereits darauf hingewiesen, dass die Darstellung durchaus ihre Vorzüge hat – und einige kleine Macken. So wirkt die Beschriftung deutscher Straßen in dem Kartendienst holprig. Verkehrsdaten aber zeigt Microsofts Dienst zumindest ähnlich verlässlich an wie Google:

Live-Verkehrsdaten für die Stadt Bonn zum Feierabendverkehr mit Bing Maps...

Live-Verkehrsdaten für die Stadt Bonn zum Feierabendverkehr mit Bing Maps…

Und hier mit Google Maps. Auf beiden Karten zeigt sich – auf leicht unterschiedliche Weise und wenig überraschend – dass die Autobahnen mehr oder weniger dicht sind.

Und hier mit Google Maps. Auf beiden Karten zeigt sich – auf leicht unterschiedliche Weise und wenig überraschend – dass die Autobahnen mehr oder weniger dicht sind.

Die Legende, wofür die farbigen Markierungen stehen, findet sich bei Microsoft oben links, bei Google kleiner unten. Microsoft stellt die stark befahrenen Straßen deutlich stärker farbig dar.

Lokalsuche: Auf den Ausschnitt kommt es an

Beide Dienste bieten die Möglichkeit an, auf einem Kartenausschnitt nach Hotels, Restaurants oder Cafés suchen zu lassen. Bei einem Testlauf für den Ort Juist auf der gleichnamigen Insel kommen beide – je nach Kartenausschnitt – auf ein ähnliches Ergebnis. Google Maps lässt hier eigene Bewertungen einfließen, Bing Maps aggregiert Infos der Drittanbieter TripAdvisor und Yelp. Eine gleichwertige Lösung.

Lokalsuche mit Bing Maps

Lokalsuche mit Bing Maps

Dass Bing ausgerechnet hier Werbung einbaut, ist nicht hübsch. Würde sie doch wenigstens zur Gegend passen! Aber die Anzeige wirbt für Lokale im 900 Kilometer entfernten München…

Lokalsuche mit Google Maps

Lokalsuche mit Google Maps

Beide Dienste zeigten übrigens einen gar nicht mal so neuen, von mir kürzlich vor Ort besuchten Fischimbiss nicht an. Bing Maps fand ihn per Suche, Google Maps auch da nicht.

Routenplanung: Und wieder unentschieden

Bei einer Suche finden beide Dienste für die Navigation mit dem Auto die mehr oder weniger gleichen Strecken. Google Maps zeigt hier außerdem noch Baustellen und die aktuelle Verkehrslage an – etwas was beide Dienste auch in die Strecke einrechnen. Ähnlich wie Google zeigt Bing Maps Alternativen zur besten Route an und stuft diese farbig ab. Microsofts Lösung zeigt aber zumindest hier die Verkehrslage nicht an:

Routenplanung mit Bing Maps

Routenplanung mit Bing Maps

Schön ist dafür, dass Bing Maps die Fahrtdauer realistischer einschätzt. Auf der gesuchten 400-Kilometer-Strecke variiert die prognostizierte Fahrtzeit zwischen beiden Services um bis zu einer halben Stunde. In meinem Google Maps als Navi-Test kürzlich unterstellte ich Google, die Fahrtzeit etwas sehr optimistisch einzuschätzen. Auch nachdem ich die Strecke kürzlich gefahren bin, kann ich feststellen: Microsoft liegt hier näher an der tatsächlichen Fahrtzeit.

Routenplanung mit Google Maps

Routenplanung mit Google Maps

ÖPNV-Navigation: Besser nicht mit Bing Maps

Kommen wir zum ersten großen Nachteil von Bing Maps: Die Reiseplanung mit dem öffentlichen Nahverkehr in etwas weiter entfernte Orte ist bei dem Dienst nicht zu gebrauchen. Um es etwas schwerer zu machen, wollte ich die Strecke von einer beliebigen Straße in Bonn (nicht den Hauptbahnhof) bis zum Bahnhof Norddeich-Mole berechnen lassen. Bing sagt hier schlicht, das gehe nicht:

Bing Maps ÖPNV-Routenplanung

Bing Maps ÖPNV-Routenplanung

Zunächst halte ich die gewählte Uhrzeit für das Problem – ich suchte für 1800 Uhr abends; die lange Fahrt würde erst am nächsten Tag enden. Aber als ich die Strecke für den nächsten Morgen suchen will, meldet Bing Maps das gleiche. Google Maps ist hier konstruktiver, zeigt verschiedene Verbindungen an und warnt direkt davor, dass die Fahrt erst am Folgetag enden würde:

Navigation mit Bus und Bahn und Google Maps

Navigation mit Bus und Bahn und Google Maps

Um Bing Maps noch eine Chance zu geben, suche ich eine nicht ganz so weit entfernte Strecke von Bonn HBF nach Frankfurt-Höchst. Und immerhin: Hier findet Bing etwas, aber…

Bing Maps ÖPNV-Planung Bonn-Frankfurt

Bing Maps ÖPNV-Planung Bonn-Frankfurt

Es wird mir nicht klar, warum. Aber Bing Maps sucht für die Strecke Verbindungen heraus, mit denen ich doppelt so lange unterwegs wäre wie nötig. 3:44h Stunden wäre ich hier auf Achse und soll mit der Regionalbahn den Rhein entlang tuckern. Google Maps „schafft“ die gleiche Fahrt in etwas über 2 Stunden:

Google Maps mit Bus und Bahn

Google Maps mit Bus und Bahn

Auch Bahn.de, wo ich die Verbindung gegenchecke, kommt auf ein ähnliches Ergebnis wie Google. Wie kommt Bing auf diese Idee? Es bleibt unklar. Im Menü zumindest sind alle Verkehrsmittel ausgewählt, auch EC/IC und ICE. Als Fazit bleibt hier nur: Bing besser nicht für Bahnreisen zu Rate ziehen.

Satellit: Auf Augenhöhe

Lasst mich euch kurz wunderschöne Satellitenaufnahmen der Insel Juist (sowie der Nachbarinseln Memmert und Kachelotplate) zeigen:

Juist, Memmert und Kachelotplate. Satellitenaufnahme mit Bing Maps

Juist, Memmert und Kachelotplate. Satellitenaufnahme mit Bing Maps

Und mit Google Maps

Und mit Google Maps

Satellitenbild von Juist mit Bing Maps

Satellitenbild von Juist mit Bing Maps

Und Google Maps

Und Google Maps

Hier treffen sich beide Dienste absolut auf Augenhöhe. Google hat die Bilder offensichtlich bei Ebbe aufgenommen, Bing bei Flut. Details und Darstellung sind aber ebenbürtig. Ein kleiner Nachteil bei Bing Maps betrifft das Scrollen: Hier gibt es keine stufenlose Darstellung, sondern nur bestimmte Ausschnitte; das handhabt Google deutlich flüssiger.

Bilder der Großstadt: Klickbar und in 3D

In einem Luftbild von Berlin Alexanderplatz spielt Bing Maps eine wahre Stärke aus. Einzelne Infos lassen sich anklicken und dann überblenden, zum Beispiel Fahrpläne, wenn man auf das Symbol einer U-Bahn-Station klickt:

Bing Maps Luftbild von Berlin Alexanderplatz

Bing Maps Luftbild von Berlin Alexanderplatz

Auch die Darstellung wirkt aufgeräumter als bei Google Maps – wobei hier beim Scrollen die dreidimensionale Darstellung der Gebäude imponiert, hier besonders der Fernsehturm:

Satellitenbild von Berlin Alexanderplatz mit Google Maps

Satellitenbild von Berlin Alexanderplatz mit Google Maps

Wechselt man zurück auf die Kartendarstellung, gefällt Bings 3D-Darstellung der Gebäude:

Bing Maps Karte Berlin Alexanderplatz

Bing Maps Karte Berlin Alexanderplatz

Google bleibt dem eigenen Konzept hier treu. Großer Vorteil: Man kann auf Wunsch auf Streetview umschalten.

Google Maps Karte von Berlin Alexanderplatz

Google Maps Karte von Berlin Alexanderplatz

Zumindest hier braucht sich Bing vor Google nicht zu verstecken.

Fußgängernavi: Mal ja, mal nein

Das alte Ziel Berlin Alexanderplatz noch eingegeben, wollte ich einen Fußweg von Bonn dorthin suchen lassen. Das geht natürlich keiner zu Fuß, der bei Trost ist, aber wäre doch schön zu sehen, ob zumindest die Möglichkeit bestünde. Bing Maps lässt die Strecke einfach gar nicht erst suchen.

Ich muss also etwas Kürzeres versuchen: Von Bonn nach Köln. Immerhin: einen Weg findet die Karte:

Bing Maps Fußgängernavi: Von Bonn nach Köln

Bing Maps Fußgängernavi: Von Bonn nach Köln

Google Maps findet zwei Wege und zeigt außerdem das Steigungsprofil an. Und, ach ja: auch einen Fußweg von Bonn nach Berlin findet Google…

Google Maps Fußgängernavi

Google Maps Fußgängernavi

Bing Maps als App?

Kurz gesagt: Bing Maps als App gibt es aktuell nicht. Und das ist die wohl allergrößte Enttäuschung an Microsofts Dienst. Was nutzen einem Standortdienste und Routenplanung, wenn man sie unterwegs nicht nutzen kann? Microsoft stellt lediglich eine Karten-App ohne Navi-Funktion für Windows 10-Rechner – und damit auch Windows-Tablets – zur Verfügung.

Dass Google Maps als App für nahezu alle erdenklichen Mobilfunkgeräte (Android-Smartphones, Tablets, Apple-Geräte) zur Verfügung steht und dort auch eine Navi-Funktion anbietet, brauche ich euch nicht groß zu erzählen. Eindeutiger Sieg hier also für Google.

Fazit: Nur in Teilen eine Alternative

Der Gesamtsieg in unserem Vergleich geht – wenig überraschend – an Google Maps. Der Marktführer hat eine funktionierende ÖPNV-Routenplanung, das bessere Fußgängernavi, StreetView, eine hübsche 3D-Darstellung in der Satellitennavigation – und ganz nebenbei eine App für mobile Geräte, die auch als Navi dienen kann.

Google Maps als Navi verwenden: Das müsst ihr beachten

Dann wiederum fällt Googles Sieg weniger hoch aus als gedacht. Bing Maps kann mithalten bei der Einschätzung der Verkehrslage, bei Luftaufnahmen, bei der Suche nach Lokalen und auch bei der KFZ-Navigation. Lediglich an der Suche nach einer vertrauenswürdigen Bahn-Verbindung scheitert Bing. Und dass Microsofts Dienst keine App für iOS und Android hat, ist im Jahre 2018 eigentlich ein Unding.

Aber kann ja vielleicht noch kommen. Abschreiben zumindest würde ich Bing Maps noch lange nicht. Und damit hin und wieder mal etwas auf der Karte suchen? Würde ich durchaus!

Alle hier verwendeten Bilder sind Screenshots von Kartenbildern, an denen Microsoft, Google und ihre Partnerunternehmen die Rechte halten.

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