Bosch-KI-Backofen

IFA 2019: Der Backofen wird intelligent

Bosch, Miele und weitere Hersteller arbeiten am Backofen der Zukunft. Neue Sensoren bauen sie ein, auch eine Kamera, um per KI das beste Ergebnis zu finden.

Wie lange muss der Braten im Ofen bleiben? Zur IFA 2019 werden einige Lösungen gezeigt: Auf jeden Fall soll Künstliche Intelligenz die optimalen Einstellungen finden. Die Frage ist lediglich, woher die Daten stammen. Von weiteren Sensoren im Backofen oder von einer Kamera?

Der Koch spricht: Siemens, öffne dich

Doch vorneweg ein Hingucker: Technisch kein Wunderwerk, aber dennoch eine Funktion, die viele zu schätzen wissen werden, die schon einmal mit einem heißen und schweren Bräter in beiden Händen vor dem Backofen standen. Siemens hat zur IFA 2019 ein Gerät vorgestellt, dessen Tür sich auf Sprachkommando öffnen lässt.

Siemens-Backofen mit sprachgesteuerter Türöffnung

Siemens-Backofen mit sprachgesteuerter Türöffnung (Bild: Siemens)

Schaltzentrale ist die neue Home-Connect-App. Dort können sich aber verschiedene Systeme andocken, die ihr vielleicht schon in eurem Haushalt nutzt. So werdet ihr die Backofentür über Amazon Alexa steuern können, aber auch über eine Smartwatch von Fitbit.

Bosch zeigt ersten KI-Backofen

Nun aber zum eigentlichen Thema: Bosch hat seinen ersten Backofen mit KI angekündigt. Die Sensor-Backöfen der Serie 8 messen bereits den Feuchtigkeitsgehalt im Ofen, um dann die Temperatur anpassen zu können. Zu diesem PerfectBake-Backsensor kommt jetzt noch das PerfectRoast-Bratenthermometer. Über drei Messpunkte ermittelt es die Kerntemperatur im Braten.

Die KI kommt erst dann ins Spiel, wenn daraus etwas komplexere Schlüsse gezogen werden. Bosch führt sogar die Werte aus allen anderen Backöfen mit dieser Technik zusammen, um zu ermitteln, wie lange zum Beispiel der perfekte Schweinebraten braucht. Die KI berücksichtigt aber auch eure persönlichen Vorlieben, wenn ihr den Braten zum Beispiel besonders kross mögt.

Bosch-KI-Backofen

Dem neuen KI-Backofen von Bosch sieht man die Intelligenz nicht an (Bild: Bosch)

Daraus wird dann alle 30 Minuten berechnet, welche Eigenschaften euer Lieblingsbraten haben muss und wie entsprechend die Konditionen im Ofen angepasst werden müssen. Gleichzeitig erhaltet ihr eine Nachricht, wie lange es noch dauern wird.

Eigene Rezepte entwickeln

Ihr habt auch die Möglichkeit, aus bestehenden Rezepten neue zu entwickeln. Ihr könnt zum Beispiel einen neuen Belag für den Flammkuchen wählen. Der Backofen findet trotzdem die richtigen Einstellungen, damit der Teig am Ende so wird, wie ihr ihn am liebsten mögt.

Bosch hat seinen ersten KI-Backofen zur IFA 2019 gezeigt. Im Frühjahr 2020 sollen alle Serie-8-Backöfen nachträglich mit Künstlicher Intelligenz ausgestattet werden, die über entsprechende Sensoren und Home Connect verfügen sowie Teil des Accent-Line-Programms sind.

Kamera statt Bratenthermometer

Etwas einfacher machen es sich die Hersteller, die auf auswendige Sensoren im Backofen verzichten, sondern dort eine Kamera im platzieren. Deren Bilder werden dann per KI ausgewertet.

So hat Miele zur IFA 2019 den Miele H 7860 BPX mit FoodView gezeigt. Alle Backöfen der neuen Generation 7000 werden mit Kameras ausgestattet sein, die Bilder auf das Smartphone oder Tablet liefern.

Miele-App mit FoodView

FoodView: Miele lässt den Koch vom Sofa aus zuschauen (Bild: Miele)

Künstliche Intelligenz wird hier allerdings noch nicht angewendet. Doch ihr könnt nach einem Blick vom Sofa aus den Garvorgang stoppen und die Ofentür ein Stück weit öffnen. Beim Brötchenbacken mache ich das zum Beispiel, damit die Kruste schön kross wird. Die Temperatur kann dank Miele-Technik auch so schnell sinken, dass der Garvorgang unmittelbar gestoppt wird.

Der Miele H 7860 BPX hat auch keinen Griff mehr. Wenn ihr direkt davor steht, müsst ihr ein Sensorfeld berühren, damit sich die Tür öffnet. Das befindet sich jedoch sehr weit oben, inbesondere wenn sich der Ofen in Brusthöhe befindet. Die Siemens-Lösung (siehe oben) gefällt mir da schon besser.

June Oven verbindet Kamera und KI

Der US-Hersteller June ist da schon weiter. Meines Wissens wird er nicht im Rahmen der IFA gezeigt, aber sein June Oven gehört auf jeden Fall in diesen Beitrag.

Der June Oven ist kein Backofen, der in die Küchenzeile eingebaut wird, sondern ein Ofen im Mikrowellenformat. Er ist gleichzeitig Grill, Heißluftfritteuse, Schongarer, Dörrautomat und Toaster.

Auch hier könnt ihr per App und Kamera vom Wohnzimmer aus nach dem Essen schauen. Mithilfe dieser Bilder hat die KI aber auch erkannt, dass die Nutzer ihren Bacon sehr unterschiedlich mögen. Statt einem Programm für Bacon gibt es jetzt 64 verschiedene, die per Software-Update in den Ofen eingespielt wurden.

Was bringt die Zukunft?

Auch das Massachusetts Institute of Technology (MIT) stellt den Nutzer in den Mittelpunkt. Nicht: Was muss der beste Ofen können? Sondern: Wie lässt sich eine Pizza zuhause backen, die ihr bei Freunden oder im Restaurant gesehen habt? Ich macht einfach ein Foto. Den Rest erledigt die KI.

Die im Projekt PizzaGAN entwickelten Algorithmen liefern euch zum Pizzafoto das passende Rezept in Form einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Im besten Fall werden auch gleich die Zutaten bestellt und euch nach Hause geliefert. Oder ihr erhaltet eine Einkaufsliste. Und euer Backofen weiß auch, wie er die Pizza backen muss.

Pizza

Letztlich geht es doch nur darum, dass die Pizza schmeckt (Bild: Pixabay/igorovsyannykov)

Das wurde nicht zur IFA gezeigt und ist nicht einmal ein Produkt, das ihr jetzt oder bald kaufen könnt. Es ist ein universitäres Forschungsprojekt. GAN steht für Generative Adversarial Networks. Mit anderen Worten: KI. Etwas genauer: Machine Learning oder neuronale Netzwerke.

Um aus Pizzabildern komplette Rezepte zu machen, reichten dem Algorithmus 9.213 Instagram-Bilder. Manche Zutaten waren getaggt, andere wiederum nicht. Das System findet nicht nur sämtliche Zutaten in den Bildern, sondern auch die Reihenfolge, in der der Pizzateig belegt wurde. Das findet dann auch Eingang in die Schritt-für-Schritt-Anleitungen: Zuerst die Tomaten, dann der Mozzarella…

Fazit: Besseres hat die IFA nicht zu bieten

Richtig Tolles hat die diesjährige IFA nicht zu bieten. Wenn eine Technik, die bereits gut funktioniert, noch weiterentwickelt wird (wie Saugroboter mit Wischfunktion), ist das keine große Meldung wert (uns schon!). Wenn die Backöfen langsam intelligent werden, ist da noch nicht viel zu sehen. Die ersten Geräte sind für 2020 angekündigt und werden zudem recht teuer sein.

Wir sehen aber in diesem Jahr, wohin die Reise gehen könnte. Ich habe nie geglaubt, dass die Kamera im Kühlschrank ein Erfolg werden wird (ist sie ja auch nicht). Bei der Kamera im Ofen kann ich mir schon vorstellen, dass sie bald Teil der Mittelklasse sein wird wie die Pyrolyse. Das integrierte Bratenthermometer wird jedoch wohl eher der Oberklasse vorbehalten sein.

Ohne Künstliche Intelligenz wird es in der ambitionierten Hobbyküche aber wohl kaum noch gehen.

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