Das macht einen guten Wasserkocher aus: Design, Technik, Stromverbrauch

Mehr Watt sind besser, auch für die Umwelt. Edelstahl und Glas verlieren unnötig Energie. – Worauf du beim Kauf eines Wasserkochers achten solltest.

Das macht einen guten Wasserkocher aus: Design, Technik, Stromverbrauch

Mein eigener Wasserkocher ist kaputt. Acht Jahre hat er gehalten. Weniger als 40 Euro hat er seinerzeit gekostet, also 5 Euro im Jahr. Bei 3–4 Kannen Tee am Tag komme ich auf weniger als 0,3 Cent Anschaffungskosten pro Aufheizen.

Dann neulich in der Küche eines Freundes entdeckt: ein neuer Design-Wasserkocher mit speziellen Funktionen. Die machen gerade die Runde. Während andere, wie ich früher, beim Modell bleiben, das im Elektromarkt relativ nahe an der Kasse steht und vor allem günstig ist. Also die Frage: Worauf kommt es wirklich an?

Denn es gibt noch Faktoren, die sich kaum in Geld messen lassen: Unzählige Male etwa habe ich mir bei meinem alten Wasserkocher die Hand angedampft. Das Design war so wenig durchdacht, dass der heiße Dampf beim Ausgießen zwangsläufig zum Griff strömte. Jedes Mal.

In diesem Beitrag zeige ich dir, welche Kompromisse ich beim Kauf des Wasserkochers gemacht habe. Bislang freue ich mich jeden Tag darüber.

Ausguss am Wasserkocher leitet den Wasserdampf

Mein Leid habe ich bereits geschildert: Mein alter Wasserkocher mag zwar formschön sein, einschließlich Position von Griff und Tülle. Doch beim Ausgießen sollte der heiße Dampf nicht an die Hand gelangen. Gute Designer wissen: form follows function.

Keine Chance für heißen Wasserdampf, an die haltende Hand zu gelangen (Bild: Peter Giesecke)

Mein neuer Wasserkocher hat einen Griff, der groß genug ist, dass ich ihn auch weiter unten anfassen kann. Damit habe ich das Gewicht immer noch fest im Griff und kann bequem einschenken. Der heiße Wasserdampf strömt zwar weiterhin nach oben. Meine Hand befindet sich aber ganz woanders.

Zudem verfügt der Ausguss meines Wasserkochers über einen Deckel, der sich beim Ausgießen nur wenig öffnet und dadurch den Dampf etwas zurückhält.

Wasserstand am Wasserkocher gut ablesbar

Ebenfalls geärgert habe ich mich bei meinem alten Wasserkocher über den Wasserstandsanzeiger. Dabei handelte es sich um ein kleines Fenster im Edelstahlgehäuse, durch das ich den Wasserstand sehen konnte. Anfangs zumindest.

Bereitete mir Probleme: Wasserstandsanzeiger unter dem Griff: nur schwer abzulesen und nicht zu reinigen (Bild: Peter Giesecke)

Um weder Links- noch Rechtshänder zu benachteiligen, haben die Designer:innen den Wasserstandsanzeiger nicht auf eine der beiden Seite positioniert, sondern unterhalb des Griffs. Da war er allerdings verdeckt, sodass ich jedes Mal leicht in die Knie gehen musste, um den Wasserstand erkennen zu können.

Zudem zeigte das Fenster nicht in das Innere des Wasserkochers, sondern bloß in eine Röhre, in der das Wasser genauso hoch stand (Prinzip der kommunizierenden Röhren). Das Problem war lediglich, dass das Fenster mit der Zeit trüb wurde und ich die Röhre nicht reinigen konnte.

Mein neuer Wasserkocher hat auf beiden Seiten ein Fenster, das den Blick ins Innere freigibt und sich auch von innen wie außen leicht putzen lässt.

So ist es besser: Wasserstandsanzeiger auf beiden Seite, gut abzulesen durch das Gegenlicht (Bild: Peter Giesecke)

Klassisch liegt der Wasserstandsanzeiger innen. Deckel auf, Wasser reinlaufen lassen und dabei auf die Einteilung schauen, die sich auf der Innenwand befindet. Doch oft verblasste die Messskala mit der Zeit und ließ sich nicht mehr gut ablesen. Gut gemacht hätte das auch für mich funktioniert.

Keine Energie verschwenden mit dem Wasserkocher

Ein weiteres Problem folgt aus einem nicht funktionierenden Wasserstandsanzeiger: Aus Furcht, zu wenig Wasser zu erhitzen, fülle ich oft zu viel ein. Doch wenn ich Wasser erhitze, dass ich nicht brauche, geht die Wärme letztlich an die Raumluft über. Mit dem Wasserkocher heize ich dann meine Küche. An der Gradzahl merke ich das nicht, auf der Stromrechnung am Ende des Jahres sehr wohl.

Auf die richtige Füllmenge solltest du auch achten, wenn du einen anderen Energiespartipp beherzigst: beim Kochen das Wasser im Wasserkocher zu erhitzen und nicht auf dem Kochfeld.

Wasserkocher Graef WK 502
Wasserkocher mit Temperaturwahl sind ideal für Teetrinker (Bild: Graef)

Teetrinker aufgepasst: Wenn du häufig Wasser für nur einen Becher erhitzt, suche nach einem Wasserkocher mit einer geringen Mindest-Füllmenge von 250–300 ml. Bei vielen Modellen liegt diese schon bei 500 ml.

Wenn du kein 100 Grad heißes Wasser benötigst, sondern 70–80 Grad für bestimmte Teesorten, wähle besser einen Wasserkocher mit Temperaturwahl oder gleich einen Teebereiter wie den WMF Lono.

Wieviel Watt benötigt ein Wasserkocher?

Wie schnell das Wasser kocht, hängt von der Wattzahl ab. Üblicherweise haben Wasserkocher eine Leistung zwischen 500 und 3.000 Watt. Bei größeren Modellen mit einem Fassungsvermögen von 1,5 bis 2 Liter liegt diese oft zwischen 2.200 und 3.000 Watt.

Eine höhere Wattzahl bedeutet nicht einen höheren Stromverbrauch, sondern erst einmal nur ein schnelleres Erhitzen. Letztlich wird die gleiche Menge Energie in das Wasser gepumpt, nur in kürzerer Zeit.

Ein Wasserkocher mit 3.000 Watt benötigt etwa 2 Minuten, um 1 Liter Wasser von Raumtemperatur auf 100 Grad zu erhitzen. Ein Wasserkocher mit 1.500 Watt schon 4–5 Minuten, ein Gerät mit 500 Watt sogar 10–12 Minuten.

Stromkosten senken: Viele kleine Maßnahmen zusammen

Dabei werden etwa 0,1 kWh aufgewendet, wofür aktuell etwas mehr als 4 Cent auf der Stromrechnung erscheinen. Wasserkocher mit mehr Watt verbrauchen dabei geringfügig weniger Energie. Du kannst also ohne schlechtes ökologisches Gewissen zum Wasserkocher mit 2.000 Watt und mehr greifen.

Die Angabe zum Stromverbrauch bezieht sich auf einen Liter Wasser. Bei kleineren Mengen steigt der relative Energieverbrauch. Zweimal einen halben Liter Wasser zu erhitzen, verbraucht also mehr Energie als einmal einen ganzen Liter.

Auf die Wattzahl habe ich bei meiner Wahl nicht geachtet, sondern mir ein Modell herausgesucht, das schnell und leise arbeitet.

Ein Wasserkocher mit einer offen liegenden Heizspirale ist energieeffizenter als einer mit einer geschlossenen Bodenplatte (allerdings auch schwieriger zu reinigen).

Ein Wasserkocher aus Kunststoff ist energieeffizienter als Geräte aus Edelstahl oder Glas, weil diese die Wärme schneller nach außen leiten.

Nur wenige Wasserkocher tragen das Umweltzeichen Blauer Engel. Dann kannst du dich darauf verlassen, dass sie über eine höhere Effizienz verfügt. Doch dieses Label wird nicht automatisch vergeben, sondern muss von den Herstellern beantragt werden. Daher tragen es nicht alle derart energieeffizienten Geräte.

Welche Wasserkocher sich gut reinigen lassen

Schönes Design wird oft ein Problem beim Reinigen des Wasserkochers. Glas kann schnell unansehnlich werden. Geschwungene Formen hindern den Zugang zu den dreckigen Stellen im Inneren.

Statt den Wasserkocher regelmäßig auszuwischen, musst du dann zu Essig, Natron oder anderen Mitteln greifen, die das chemisch lösen, was sich mit der Zeit abgesetzt hat.

Wasserkocher halbhoch Kalk entfernt
Wenn das Innere des Wasserkochers nicht frei zugänglich ist, muss Chemie ran für die Reinigung (Bild: Peter Giesecke)

Ebenfalls schwer und nur mit Hilfsmitteln zu reinigen, sind Wasserkocher mit einer offen liegenden Heizspirale (wie ein fest eingebauter Tauchsieder). Dafür führt diese Bauart zu etwas weniger Energieverbrauch.

Ich habe mich deshalb für einen Wasserkocher entschieden, der eine zylindrische Form hat und nicht aus Glas oder Edelstahl gemacht ist, sondern aus einem hochwerigen Kunststoff. Dazu hat er eine Bodenplatte aus Edelstahl, die das Heizelement verdeckt. Und ich kann den Deckel abnehmen, statt ihn nur aufzuklappen.

Fazit: Wasserkocher besser praktisch als schön

Hersteller wie AEG, Bosch, KitchenAid, Krups, Severin, Siemens oder WMF bewerben ihre Wasserkocher häufig mit der Wattzahl. Auch Vergleiche im Internet zielen oft darauf ab. Dabei sind es andere Kriterien, die im Alltag wichtig werden: Funktionen, die durch das Design bestimmt werden, und der Stromverbrauch.

Die wirklich wichtigen Kriterien beim Kauf eines Wasserkochers:

  • großer Griff
  • sichtbarer Wasserstandanzeiger
  • schnelles und leises Aufheizen
  • zylindrische Form mit abnehmbarem Deckel

Verzichtet habe ich auf eine Temperaturwahl, weil ich schwarzen Tee trinke, aber keinen grünen.

Eigentlich spielt es keine Rolle, für welches Modell ich mich nun entschieden habe. Es gibt so viele Wasserkocher zu kaufen, die meinen Kriterien entsprechen.

Nur damit du nachvollziehen kannst, worüber ich tatsächlich gesprochen habe: Es ist der Krups BW 2448 geworden. Ich bin sehr zufrieden damit. Schön genug ist er auch. Und nicht teuer.

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