Foto: Evercade

Retro-Handhelds 2020: Rückkehr der mobilen Pixel

Kommt der gute, alte Gameboy zurück? Nicht ganz, aber tragbare Konsolen scheinen 2020 ihr kleines Comeback zu feiern. Mit diesen Retro-Handhelds habt ihr wieder klassisch-guten Spielspaß!

Vor vielen, vielen Jahren sorgte Nintendos Gameboy für Aufsehen: Trotz Monochrom-Display machte er die Spielkonsole mobil und begeisterte ein Millionenpublikum. Mittlerweile zocken wir auf Highend-Smartphones aufwändige Blockbuster. Wer braucht da noch ein weiteres Gerät, mit dem er in der Bahn oder der Parkbank vielleicht noch nostalgische Games erlebt? Zumindest einige Hersteller sind davon überzeugt, dass Spieler Retro-Handhelds wünschen. Und das Angebot neuer tragbarer Konsolen 2020 ist schon überaus verlockend.

Meine persönlichen Highlights 2020 im Bereich der Retro-Handhelds…

Evercade: Retro in Reinkultur

Eine schöne Idee für Retro-Fans: Evercade ist eine waschechte Handheld-Konsole, die ein klein wenig an den Gameboy Advance erinnert. Doch im Inneren steckt moderne Technik, darunter ein 4,3-Zoll-Display, ein Akku für bis zu fünf Stunden Laufzeit und ein HDMI-Ausgang zum Anschluss an einen Fernseher. Steuerkreuz, Buttons, Funktionstasten (Start, Pause..) – mehr braucht’s an sich nicht.

Auch die Verpackung weckt Erinnerungen. (Foto: Evercade)

Auch die Verpackung weckt Erinnerungen. (Foto: Evercade)

Richtig interessant ist das Konzept der Spiele: Diese liefert der Hersteller auf klassischen Cartridges aus. Der Fokus liegt letztlich auf Retro-Spielen bekannter Studios früherer Tage, darunter Namco, Atari, Data East, Interplay oder Technos. Ihr kauft auf Modul genau genommen Spiele-Kollektionen dieser Hersteller mit bis zu 20 Titeln pro Cartridge. Ein solche Karte zum Einstecken kostet 18 Euro, die Konsole selbst gibt’s für 70 Euro.

Was mir an Evercade gefällt, das ist das jetzt schon üppige Angebot an Spielesammlungen und die Ankündigungen weiterer Cartridges für den Jahresverlauf. Für Nachschub ist also gesorgt. Die Inhalte selbst emuliert das Retro-Handheld, trotzdem unterstützt das Gerät ausschließlich originale, lizenzierte Software. Auch das finde ich gut gelöst.

Erhältlich ist Evercade seit ungefähr Anfang Juni 2020, der Hersteller hat allerdings noch ein paar Lieferschwierigkeiten aufgrund der Corona-Krise.

Analogue Pocket: Einer der schönsten Retro-Handhelds 2020

Wow! Auf diese Handheld-Konsole freue ich mich 2020 besonders. Die Tüftler von Analogue erlangten in Retrogamer-Kreisen längst Bekanntheit, denn sie produzieren neue SNES- und MegaDrive-Konsolen in einem überaus schicken Gewand und technisch auf der Höhe der Zeit. Besonders spektakulär: Die Hardware emuliert nicht einfach „nur“ die Spiele, sondern es kommen sogenannte FPGAs zum Einsatz. Die Technik von damals bilden die Geräte hardwareseitig ab.

Sieht Analogue Pocket nicht schick aus? Das könnte ein spannender Retro-Handheld werden. (Foto: Analogue)

Sieht Analogue Pocket nicht schick aus? Das könnte ein spannender Retro-Handheld werden. (Foto: Analogue)

Genau das ist auch beim Analogue Pocket der Fall, der sogar über zwei solche programmierbaren Logikgatter verfügt. Dadurch kann die mobile Konsole zum Beispiel Gameboy, Gameboy Color, Gameboy Advance und sogar Sega Game Gear, Neo Geo Pocket Color oder gar Atari Lynx gleichermaßen sein – und das ohne Einschränkungen. Ganz im Gegenteil: Originale Gameboy-Module  erstrahlen auf dem 3,5 Zoll großen Bildschirm in einer Auflösung von 1600 x 1440 Pixeln – das ist 10x mehr als auf dem alten Nintendo-Backstein.

Akku, Stereo-Lautsprecher, USB-Type-C-Port und ein microSD-Kartenslot fehlen nicht. Ausgelegt ist Analogue Pocket darauf, nur die Module der damaligen Konsolen zu „schlucken“. ROMs oder Raubkopien laufen nicht. Dafür aber gibt’s noch ein Tool namens Nanoloop dazu, durch das Analogue Pocket zu einer Loopmachine mutiert. Für Spieler interessanter: Die separat geplante Dockingstation erlaubt das Verwenden am großen Fernseher. Dann nutzt ihr separate Bluetooth-Controller fürs Bedienen der Spiele.

Eine Dockingstation ist auch geplant. (Foto: Analogue)

Eine Dockingstation ist auch geplant. (Foto: Analogue)

Analogue nennt auf der eigenen Webseite nur den Releasezeitraum 2020. Präziser ist der Hersteller leider nicht. Aber die Technik klingt überaus spannend, das Design ist ansprechend. Dafür ist der Preis von anvisierten 200 US-Dollar nicht gerade gering.

Sega Game Gear Micro: Wirklich winzig klein

Zum 30. Geburtstag des Sega Game Gear veröffentlicht der japanische Sonic-Konzern eine Micro-Version der damals mit dem Gameboy konkurrierenden Handheld-Konsole. Die große Frage ist nur, ob die Neuauflage eher ein Spaß oder ein vollwertiges Gadget zum Spielen sein soll. Denn ihr müsst auf einem 1 Zoll kleinen Bildschirm (Auflösung: 240 x 180 Pixel) allerlei Sega-Hits aus den 1990ern spielen. Komfortabel klingt das nicht.

Vielleicht doch etwas zu klein? (Foto: Sega)

Vielleicht doch etwas zu klein? (Foto: Sega)

Seltsam mutet auch die Entscheidung an, vier Modelle des Game Gear Micro für jeweils um die 50 Euro in den Handel bringen zu wollen. Abhängig von der Farbe gibt’s nur vier (!) bestimmte Spiele, darunter „Sonic“, „Outrun“, „Sonic & Tails“, „Shining Force“ oder „Shinobi“. Wer alle Game-Gear-Werke noch einmal auf diese Weise genießen möchte, braucht alle vier Konsolen.

Anfang Oktober 2020 erscheint der Game Gear Micro in Japan. Ob es der Winzling nach Deutschland schafft, ist unklar.

Tiger Electronics: Rückkehr des klassischen LCD-Spiels

Die letzten Jahre beglückten uns diverse Hersteller mit allerlei Mini-Konsolen. 2020 steht offenbar mehr im Zeichen der Retro-Handhelds. Und so mancher Anbieter schreckt noch nicht einmal davor zurück, das fast vergessene LCD-Spiel wieder in die Ladenregale zu bringen. Den Kult der 1980er und 1990er Jahre beleben Tiger Electronics und Hasbro – mit Neuauflagen der Spiele „Sonic the Hedgehog 3“, „Disney’s The Little Mermaid“, „Transformers Generation 2“ und „Marvel’s X-Men Project X“.

Auch das noch - das Telespiel kehrt zurück?! (Foto: Hasbro)

Auch das noch – das Telespiel kehrt zurück?! (Foto: Hasbro)

Gegenüber den Originalen gibt’s minimale Anpassungen und veränderte Gehäuse-Details, ansonsten erwartet euch monochrome, simple Action für die Bahnfahrt. Oder für den nächsten Toilettengang. Moderne Features sind nicht vorgesehen. Dafür soll ein solches LCD-Game zirka 15 US-Dollar kosten – ab Herbst 2020 erst einmal in den USA.

Odroid-Go Advance: Basteln und Linux

Der Odroid-Go Advance sei exemplarisch für eine Vielzahl an Retro-Handhelds genannt, die sich auf dem Markt tummeln und vorrangig Bastler ansprechen. Mal steckt ein Raspberry Pi im Inneren, ein anderes Mal müsst ihr euch vor dem Spielen die Konsole erst einmal bauen. Genau das ist beim Odroid-Go Advance von Hardkernel der Fall.

Für knapp 60 US-Dollar bekommt ihr alles, was ihr braucht: Die Platine mit RockChip RK3326-Quadcore-Prozessor und 1GB RAM, ein 3,5 Zoll großes Display und ein 3000 mAh Akku gehören zum Standard. Als Betriebssystem nutzt ihr eine spezielle Linux-Version, um so eure Konsole individuell zu gestalten und mit Software zu füllen. Das heißt aber auch: Kenntnisse (in dem Fall Ubuntu) und Bastel-Lust sollten vorhanden sein. Trotzdem: Eine kreative Sache für Tüftler und Retro-Liebhaber.

Kommen noch mehr Retro-Handhelds?

Das bereits von mir vor einigen Monaten erwähnte Handheld-Experiment Playdate ist nach wie vor in Planung. Darüber hinaus können wir guter Dinge sein, dass uns weitere Produkte in dieser Richtung erwarten – und damit meine ich nicht nur Retro-Handhelds zum günstigen Schnäppchen-Preis wie zum Beispiel der ThumbsUp! mit 150 vorinstallierten Spielen für unter 20 Euro. Auch weitere Hersteller wollen die Retro-Liebe vieler älterer Gamer bedienen. Hier sehe ich noch sehr viel Potenzial.

Auf gewisse Weise auch eine Retro-Handheld-Konsole. (Foto: Nintendo)

Auf gewisse Weise auch eine Retro-Handheld-Konsole. (Foto: Nintendo)

Aber nicht nur das: Auch der Erfolg der mobilen Konsole Nintendo Switch könnte künftig weitere Konzerne anregen, Alternativen zu entwerfen. Davon abgesehen entwickelt sich die Switch mehr und mehr zu einer hervorragenden Retro-Handheld-Konsole. Mitglieder des kostenpflichtigen Nintendo Switch Online-Dienstes erhalten beispielsweise die Möglichkeit, auf einen wachsenden Katalog an NES- und SNES-Spielen zuzugreifen.

Programmieren lernen mit Raspberry Pi: 6 Empfehlungen

Darüber hinaus gibt’s längst zahllose aktuelle Games in nostalgischer Optik, darunter Hits wie „Shovel Knight“, „Street Fighter 30th Anniversary Collection“ oder „Blazing Chrome“. Die Switch ist also durchaus auch ein geeigneter Vertreter, solltet ihr mit den hier erwähnten Neuerscheinungen nicht ganz glücklich sein.

Wie spielt ihr denn unterwegs eure Retro-Spiele? Ich freue mich über Kommentare unter diesen Zeilen.

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