VW ID.Buzz: Ach wäre er doch nur…

Der VW ID.Buzz weckt nostalgische Gefühle – und könnte Volkswagen über Nacht zur zweitkultigsten Automarke machen. Doch es gibt ein Aber.

VW ID.Buzz: Ach wäre er doch nur…

„Deine Augen machen bling bling und alles ist vergessen“, schnalzte die Berliner Rock-Combo Seeed einst in Hoffnung auf eine abenteuerliche Liebesbeziehung. Schaue ich mir die Bilder des VW ID.Buzz an, reagiere ich ähnlich: Zeig mir ein wunderschönes Elektroauto und der gesamte Dieselskandal ist (zumindest für einen Augenbling) vergessen! Keine Frage: Volkswagen baut hier ein richtig schönes Auto und lässt ein ikonisches Design wieder auferstehen. Ähnlich wie der Münchner E-Hersteller Govecs mit seiner Neuauflage der Schwalbe.

Der elektrifizierte Buzz Bus soll nichts weniger als das Erbe einer Legende antreten. Der alte VW Bus T1 der 1950er und 1960er Jahre war eine solche, fuhr schon ganze Rockbands, Familien und Kommunen durch Europa oder auf dem Hippie Trail bis nach Afghanistan.

Symbol eines modernen Nomadentums

Nun haben sich die Zeiten bekanntlich geändert. In Europa herrscht wieder Krieg, den Hippie-Trail gibt es so nicht mehr, Afghanistan ist kein Reiseland. Und Vans vom Schlage eines VW-Bus (mittlerweile in der 7. Generation) sind zum Symbol eines modernen Nomadentums geworden. Und dass das auch seine Schattenseiten hat, stellte nicht nur Chloé Zhao in ihrem Oscar-prämierten Film „Nomadland“ wunderschön dar. Auch Betreiber von Campingplätzen und Anwohner touristisch attraktiver Innenstädte konnten gerade in der Corona-Pandemie ein Lied von wenig geliebten Vancampern singen. Der Trend ist jedoch ungebrochen: mit einem Campingbus durch die Weiten Europas zu ziehen, ist nach wie vor ein Traum. Und stimmt die Reichweite, kann der auch elektrisch in Erfüllung gehen.

VW ID.Buzz
VW ID.Buzz

Der Chipmangel, die nicht enden wollende Pandemie und der Krieg in der Ukraine klingen zwar nicht unbedingt nach den besten Voraussetzungen für den Verkaufserfolg eines (laut Hersteller) „vollvernetzten Lebensgefühls“. Vielleicht stimmt das Timing aber umso mehr angesichts astronomischer Spritpreise, Klimawandels und einer ungewisser Zukunft. Umweltbonus, Schnellladesäulen und mittlerweile zufriedenstellende Reichweiten lassen die Elektrifizierung des Autoverkehrs so attraktiv erscheinen wie nie zuvor. Und wenn es dann auch noch optisch ansprechende Autos zu kaufen gibt, dann umso mehr!

VW ID.Buzz Technik

Natürlich soll der VW ID.Buzz auch technisch einiges auf dem Kasten haben, wenn er denn im Herbst auch auf den deutschen Markt kommt:

  • 150 KW Leistung des Elektromotors (204 PS)
  • 77 KWh Akku
  • Lädt per Wechselstrom (AC) mit 11 KW oder mit 170 KW Gleichstrom an DC-Schnellladesäulen
  • Laut Volkswagen lädt der Akku an einer Schnellladesäule von 5 auf 80 Prozent in 30 Minuten
  • Das Warnsystem Car2X soll Signale anderer Fahrzeuge und der Verkehrsinfrastruktur nutzen können. Mit an Bord sind ein Notbremsassistent, ein Spurhalteassistent und optional ein Assistent für teilautomatisiertes Fahren
  • Die Produktion des ID.Buzz ist laut Volkswagen emissionsfrei und – nun ja – „vegetarisch“. Das Interieur soll komplett tierlederfrei sein und auch recyceltes Plastik verwenden
  • Länge, Höhe, Breite: 4,71 x 1,94 x 1,98m. Gewicht (leer): 2.300 kg
  • Ladevolumen: bis zu 2.205 Liter bei umgeklappten Rücksitzen oder 3.900 Liter bei ausgebauten Sitzen.
  • Reichweite nach WLTP: bis ca. 300km (bis 500 km bei größerem Akku)

Der Schwellenwert für eine attraktive Reichweite liegt reell bei 400 Kilometern. Die erreicht der ID.Buzz in der Standardversion nicht ganz. Es sollte also der besser ausgestattete Akku her, der nach WLTP 500km verspricht, reell also die 400 Kilometer schaffen sollte.

Das Innenleben des VW ID.Buzz
Das Innenleben des VW ID.Buzz

Das hat allerdings seinen Preis: 60.000 bis 70.000 Euro je nach Ausstattung sollen für den ID.Buzz über die Ladentheke gehen. Das ist viel. Das ist auch deutlich mehr, als die knapp 20.000 Euro, die das Original T1 inflationsbereinigt in den 1950er-Jahren noch gekostet hat. Wir haben heute eine höhere Kaufkraft in Deutschland, und der ID.Buzz bietet natürlich erheblich mehr fürs Geld als ein T1. Aber doch: billig ist das nicht gerade. Und wenn ich auch persönlich diesen Preis als zu hoch empfinde, wird sich auch für Volkswagen entscheiden, ob diese Neuauflage gelingt oder – wie damals der überteuerte New Beetle – eher floppt.

Mein Gefühl aber sagt mir: Doch, das wird gelingen. Sparen oder finanzieren, Umweltbonus nutzen, noch ein paar Jahre warten und dann in zweiter oder dritter Hand kaufen. So ist zwar nicht alles vergessen, was Volkswagen mal weniger gut gemacht hat, aber zur Ikone könnte – wenn die Technik funktioniert und der Marktstart gelingt – auch der ID.Buzz werden.

Bilder: Volkswagen/Martin Meiners

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