Second Ride mit Elektro-Nachrüst-Kit: DDR-Mopeds erleben zweiten Sommer

Das Berliner Start-up Second Ride holt DDR-Mopeds in die elektrifizierte Gegenwart. Das Nachrüstset ist alltagstauglich – aber leider nicht ganz günstig.

Second Ride mit Elektro-Nachrüst-Kit: DDR-Mopeds erleben zweiten Sommer

In der spätesten DDR geboren, erinnere ich mich noch gut an ungezählte stillgelegte Trabbis und Wartburgs in unserer Berliner Plattenbausiedlung zur Nachwendezeit. Einzig Ost-Mopdes brausten noch über die nun bundeseinheitlichen Straßen und hielten die Fahne der Ost-Fahrzeugindustrie hoch. Das sollen sie auch in Zukunft noch tun – denn mit einem Nachrüst-Set von Second Ride kannst du die alten Liebhaber-Stücke elektrifizieren:

Second Ride trifft 6 Millionen Ost-Mopeds

Bis heute sind um die 6 Millionen (!) intakte Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen unterwegs. Deren Zweitakter-Technik ist zwar robust und unkompliziert zu warten. Doch umweltfreundlich sind die knatternden Verbrenner nicht.

Um das zu ändern, hat das Berliner Start-up Second Ride an der TU Berlin ein Umbau-Kit entwickelt, das die ikonischen DDR-Zweiräder zu zu modernen Elektro-Mopeds umrüstet. Es sind nicht alle DDR-Zweiräder kompatibel. Die Simson S50 und S51 als auch die Schwalbe KR51/2 aber sind dabei.

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Schneller Umbau auch für Laien

Für die Transformation fliegt zunächst der gesamte Zweitakt-Motor aus dem Chassis. Ein neuer Gasgriff mit kleinem Display wandert auf den rechten Lenkergriff, der 18 kWh starke Akku steckt in der mitgelieferten Sitzbank. Den alten Sprit-Tank kannst du danach ruhigen Gewissens in den Sondermüll geben.

Dem Umrüstset liegen außerdem eine 12-Volt-Lampe und selbstredend der E-Motor bei. Dieser flüsterleise Gleichstrommotor bietet eine Nennleistung von 3 kW und in der Spitze maximal 4 kW – gehört also schon zur besser motorisierten Gruppe der elektrischen 50-ccm-Klasse. Die Reichweite beträgt bis zu 50 km, was für den Stadtalltag ausreicht.

Die Akkuleistung unterliegt jedoch den üblichen Schwankungsfaktoren. Fahrzeuggewicht, die Umgebungstemperatur, Höhenprofil der Strecke und die Durchschnittsgeschwindigkeit gehören dazu.

3.000 Euro – ohne Moped

Für die erste Charge seines Umrüstkits ruft Second Ride einen Preis von 2.690 Euro auf. Bist du interessiert, dein Ost-Moped noch diesen Herbst zu verstromern, kannst du das Kit vorbestellen, musst aber 190 Euro anzahlen.

Renderbild des Second Ride Umbau-Kit
Im Renderbild zeig Second Ride, was das Umrüst-Kit bietet: Motor, Akku, neuer Gashahn sind inklusive. (Abbildung: Second Ride)

Kommendes Jahr steigt der Preis auf 2.990 Euro. Nicht im Kaufpreis enthalten ist das Moped, das du bereits besitzen oder zusätzlichen erwerben musst. Das Second-Ride-Set richtet sich demnach eher an Moped-Liebhaber, die ihrem altgedienten Zweirad einen zweiten Sommer bescheren wollen.

Nachhaltige Mobilität als Trend

Govecs E-Schwalbe als Reminiszenz an die DDR.
Die Govecs E-Schwalbe sieht aus wie das DDR-Original – steckt aber voller moderner Technik. (Foto: Jürgen Vielmeier)

Elektrifizierte Ost-Zweiräder? War da nicht was? Richtig, im vergangenen Jahr brachte der Münchner Hersteller Govecs eine in Lizenz gefertigte E-Schwalbe heraus. Diese bietet das ikonische DDR-Design, setzt aber unter der Verkleidung auf modernste Technik.

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Govecs produziert seine rollenden Schwalben neu, andere Unternehmen bieten Nachrüstmöglichkeiten für bereits vorhandene motorisierte oder mit Pedalen betriebene Zweiräder. Neben dem hier vorgestellten Start-up Second Ride sei Pendix erwähnt.

Das Zwickauer Unternehmen stellt flotte E-Motoren für Fahrräder her, die dank umfangreicher Modellpalette zu den meisten Bikes kompatibel sind.

Fahrrad zum E-Bike machen
Nachrüstsets wie dieses von Pendix sind schlicht gehalten – so elegant wie ein „echtes“ E-Bike sind sie nicht. (Foto: Pendix)

Eine ganz ähnliche Lösung zu Pendix bietet das niederländische Unternehmen Zehus. Es zeichnet sich der Trend ab, nicht alles neu zu fertigen und stattdessen im Sinne der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes auf Nachrüstsets zu setzen. Denn in Deutschland sind 96 Prozent der 50 Millionen zugelassenen Fahrzeuge klassische Verbrenner – und damit viele Rohstoffe, die bereits im Einsatz sind.

All diese Autos und Zweiräder durch neu produzierte Wasserstoff- und Elektrofahrzeuge zu ersetzen, würde der Idee einer grünen Zukunft zuwiderlaufen. Also setzen erste Start-ups, Firmen und Werkstätten auf Umbaumöglichkeiten, welche die Treibhausgasemissionen reduzieren und Ressourcen schonen.

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2 Kommentare zu “Second Ride mit Elektro-Nachrüst-Kit: DDR-Mopeds erleben zweiten Sommer

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