Dolby vs DTS: Alles, was du über Raumklang wissen musst

Dolby und DTS sind die Surround-Sound-Platzhirsche. Obgleich sie 3D-Raumklang erzeugen, gehen sie unterschiedliche Wege und haben jeweils ihre Vor- und Nachteile.

Dolby vs DTS: Alles, was du über Raumklang wissen musst

Audio ist für viele nicht greifbar – dabei zieht dich richtig guter Klang noch stärker ins Geschehen, als es das Bewegtbild allein kann. Ob du nun Surroundsound für deine Soundanlage suchst, deinen neuen Beamer audiotechnisch upgraden oder dich für zünftige Gaming-Partien mitten ins Geschehen beamen willst: Irgendwann bist du mit Dolby und DTS konfrontiert. Wir sagen dir, was beide Marken voneinander unterscheidet.

Inhalt:

Grundsätzliches: Was haben Dolby und DTS gemein?

Dolby Labs und DTS (kurz für Digital Theater Systems) bieten Audio-Kompressionstechnologien. Sie erlauben es Filmemachern, vollwertigen Surroundklang speicherplatzsparend auf Blu-ray, DVD oder im Online-Streaming auf Netflix, Amazon Prime und Co. zu quetschen.

Dolby im Kino.
Dolby ist eine Hausmacht im Kino – und liefert neben Ton- auch proprietäre Bildformate. (Foto: Dolby Labs)

„Okay“, magst du jetzt denken, „das ist also wie bei MP3 – es wird einfach etwas an Klang weggenommen und dadurch ist die Datei kleiner. Fall geschlossen.“ So einfach ist es dann aber doch nicht. Der Teufel steckt in technischen Details.

Die beiden Unternehmen komprimieren Tonspuren nämlich unterschiedlich.

DTS kodiert mit einer höheren Bitrate, weshalb es bei vielen Audiophilen als das bessere Kompressionsformat gilt. Das ist zunächst einleuchtend, denn je mehr Audioinformationen vorhanden sind, desto näher ist der Klang an der originalen Tonspur.

Dolby Labs argumentiert hingegen, dass die eigenen Audio-Technologien bei geringerem Speicherplatzbedarf einen mindestens ebenbürtigen Klang lieferten. Man habe eben die effizienteren Audio-Codecs.

DTS Studioaufnahme.
DTS möchte über die hohe Bitrate nahe an Studio-Qualität liegen. (Foto: Pexels)

Weil Dolby und DTS sich in einem Wettstreit miteinander befinden, überbieten sie sich auch in Sachen neuer, immersiver Audioformate. Das 5.1-Surround-System ist längst passé, abgelöst von mehr Lautsprechern, Klang von oben oder neuer Live-Tonabmischungen für Kinosound im Wohnzimmer.

Da stellt sich natürlich die Frage: Musst du dich für eines der Formate entscheiden? Und muss es immer das neuste Klangformat sein?

Sind Dolby und DTS kompatibel zueinander?

Dolby und DTS sind direkte Konkurrenten und konsequenterweise nicht kompatibel.

Für dich als Filmfreund ist das aber womöglich nicht entscheidend. Zum einen führen eigentlich alle Filme auf Blu-ray und DVD als auch die Streamingdienste ein freies Stereo-Signal.

Zum anderen sind die meisten im Handel erhältlichen Blu-ray-Player sowohl zu Dolby als auch zu DTS kompatibel. Bei einer Neuanschaffung reicht ein flüchtiger Blick ins Datenblatt, um festzustellen, ob der neue Player beides unterstützt.

DTS kommt übrigens auch auf der Xbox Series S|X zum Einsatz. Für Gamer besitzt dieses System also den Vorzug gegenüber Dolby.

Welche Filme und Serien unterstützen welches Format?

Einen Player zu kaufen/besitzen, der beide Konkurrenzformate unterstützt, schont im nächsten Schritt deine Nerven. Denn je nach Studio, Filmteam und manchmal sogar von der Disc-Auflage ist abhängig, ob eine Blu-ray oder DVD nun Dolby- oder DTS-Audiotracks für Raumklang verwendet.

Screenshot einer Blu-ray mit Dolby
blu-ray.com ist eine erste Anlaufstelle, wenn du dich über die unterstützten Audioformate deines neuen Films informieren willst. Dune ist im Dolby-Lager… (Mit Material von blu-ray.com)

Die Rückseiten der Hüllen geben Auskunft über die auf der Disc befindlichen Formate. Um Überraschungen beim Shopping vorzubeugen, kannst du auf blu-ray.com faktisch alle jemals erschienen Disc-Releases vorab durchforsten.

Die älteren Formate sind in der Regel aufwärtskompatibel. Heißt: Bietet ein Film nur 5.1-Klang, kann dein 7.1-kompatibler Player trotzdem den Raumklang ausspielen. Auf ein paar zusätzliche Kanäle und eine höhere Audio-Auflösung musst du dann allerdings verzichten.

Screenshot von Jurassic Park mit DTS
… während Jurassic Park als DTS-Pionier konsequenterweise dieses Format liefert. (Mit Material von blu-ray.com)

Umgekehrt gilt das nicht. Ein neuer Codec ist nicht zu alter Hardware kompatibel. Einzige Ausnahme sind frühe 5.1-Surroundformate, die noch einen unverschlüsselten, analogen Stereoklang mit sich führen. Diese haben aber faktisch keine Relevanz mehr.

Die prominenten Streamingdienste machen es Zuschauern hingegen nicht so leicht. Netflix bietet ausgewählte Filme und Serien in Dolby Digital Plus mit 5.1-Sound an. Disney+ unterstützt diesen Standard ebenfalls und zusätzlich Dolby Atmos. Amazon Prime ist ebenfalls im Dolby-Lager zu finden.

Surroundsysteme im Überblick

Doby und DTS kämpfen einerseits um die Kunden und andererseits gegen die Zeit. Viele der neueren proprietären Formate sind nur im hochpreisigen Segment zu finden. Dem gegenüber stehen ausgelaufene Patente, so dass viele Dolby- und DTS-Formate frei zugänglich sind.

Piktogramm 5.1-Surroundsound.
Das klassische 5.1-Setup aus drei Lautsprechern für links, mittig und rechts sowie hinten links und rechts. Plus Subwoofer. (Bild: Wiki Commons)

In der Folge bedeutet dies viele günstige Surroundsysteme und eine ganze Reihe an Dolby- und DTS-Formaten, die den Markt fluten.

Wie du herausfindest, welchen Surroundsound DVD, Blu-ray oder Streamigdienst konkret bieten, weißt du bereits. Zeit, kurz aufzuschlüsseln, welche aktuellen Formate die Industrie überhaupt nutzt.

Bei Dolby ist die Sache recht einfach gestrickt. Dolby Digital und Digital Plus sind die Basisformate. Doch Dolby True HD ist aber erheblich hochauflösender, weshalb es nur physisch auf Disc (oder nach Download eines Films) abrufbar ist. Dolby Atmos stellt die Speerspitze neuen Surroundklangs dar.

Formatname, KanalbelegungAbtastrate
Anmerkungen
Dolby Digital, 5.1max. 640 kb/s
auf DVD üblich
Dolby Digital Plus, 7.1
max. 1,7 Mb/s
Streamingdienste wie Netflix
Dolby True HD, 7.1max. 24,5 Mb/s
Blu-ray-Dics
Dolby Atmos, 7.2.11,5 Mb/s
Aktuelle Dolby-Sound-Formate

DTS – ein Konkurrent mit Vorzügen

Die DTS-Formate sind weniger prominent, zeichnen sich vor allem durch die höhere Bitrate ab, mit der sie den Ton speichern. DTS bietet mit Digital Surround eine Basisversion, die 5.1 Kanäle bespielt.

DTS-HD liegt in den Konfigurationen Hohe Auflösung und Master Audio vor. Die Lautsprecher sind eine klassische 7.1-Konfiguration, beide Varianten unterscheiden sich aber drastisch bezüglich der Klangauflösung. 6 Mb/s gegenüber 24,5 Mb/s ist ein enormer Sprung, den Dolby in beiden Fällen nicht bedient.

DTS:X ist das technisch fortgeschrittenste Format. Mit 30 Lautsprechern und 2 Subwoofern erzeugt es einen dynamischen Raumklang, an den Dolby derzeit nicht heranreicht.

Formatname, KanalbelegungAbtastrate
Anmerkungen
DTS Digital Surround, 5.1
[frei verfügbar]
max. 1,65 Mb/s
auf DVD auf 768 kb/s begrenzt
DTS-HD Hohe Auflösung, 7.1
max. 6 Mb/s
DTS-HD Master Audio, 7.1max. 24,5 Mb/s
Blu-ray-Discs
DTS:X, bis zu 30.21,5 Mb/s
Aktuelle DTS-Sound-Formate

Die Spitzenformate: Dolby Atmos vs DTS:X

Die aktuellsten Raumklang-Formate heißen Dolby Atmos und DTS:X. Beide haben zum Ziel, einen noch glaubwürdigeren Surroundsound zu generieren.

Und zwar so, dass die Geräusche nicht nur von vorn, von der Seite oder hinten zu kommen scheinen. Sondern auch von oben. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sitzen gewissermaßen in einer „Klangblase“. Dazu können die Formate Objekte in Echtzeit unabhängig der Klangkanäle „bewegen“.

Aufnahme Dolby Atmos
Eine Dolby Atmos-Aufnahme: Der Codec legt die Stimme als Objekt ab und kann diesen Klangkörper individuell verschieben. (Foto: Dolby Labs)

Ein Hubschrauber fliegt so über dich statt links oder rechts vorbei; ein herabstürzender Meteorit scheint von oben nach unten zu fallen. Hast du diesen immersiven Klang einmal erlebt, möchtest du wohl kaum zum „platten“ Surroundklang zurückkehren.

Beide Unternehmen erreichen das auf unterschiedliche Weise. Dolby Atmos fügt dem Surround-Setup neben den Lautsprechern auf Sitzhöhe auch noch solche hinzu, die zur Decke hin oder von dort aus ihren Sound abstrahlen. Das erzeugt den Eindruck, ein gewisser Klanganteil käme von oben.

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Was dort zu hören ist, berechnet Dolby Atmos in Echtzeit – und kann bis zu 128 Klangobjekte berechnen.

Der Vorteil?

Du kannst dein bestehendes 5.1- oder 7.1-Setup mit Dolby Atmos erweitern, was den Geldbeutel schont. Die beiden Zusatzlautsprecher finden sich in der Nomenklatur an zweiter Stelle wieder: 5.2.1 oder 7.2.1. Also fünf oder sieben Lautsprecher – ein nach oben gerichteter Lautsprecher – und ein Subwoofer.

DTS:X mit mehr Lautsprechern

DTS:X erzeugt diese Klangblase ohne zusätzliche Lautsprecher durch technisch geschicktes Abmischen der Surround-Kanäle. Diese kannst du – anders als bei Dolby Atmos – individuell einstellen und so das Klangerlebnis noch genauer auf dich zuschneiden.

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Die maximale Lautsprecherkonfiguration liegt bei 30 Lautsprechern plus zwei Subwoofern – so ausgestattet kann dein Heimkino mit jedem Lichtspielhaus konkurrieren. DTS:X schickt nicht stumpf die Soundspuren auf die Kanäle, sondern berechnet für jedes Objekt, wo es in welcher Lautstärke zu hören ist. Sprich: Je mehr Lautsprecher, desto genauer ist die Ortung.

Dolby oder DTS – was ist nun besser?

Wir sind keine Studiomusiker oder Musikproduzenten, sondern „nur“ Filmliebhaber mit Hang zum Technischen. Von daher können wir die Frage nach dem „besser“ zwischen DTS und Dolby lediglich salomonisch beantworten. DTS hat auf dem Papier die höhere Abtastrate und bietet mit DTS:X einen unkomplizierten immersiven Raumklang.

Dolby andererseits ist bei den Lautsprecher-Setups flexibler, bietet effizientere Audio-Codecs und hat mit Dolby Atmos den gegenwärtig wohl überzeugendsten Raumklang.

So oder so sei empfohlen, einen Receiver samt Abspielgerät zu besitzen, die beide Konkurrenten gleichermaßen unterstützen. Dann brauchst du dir den Kopf nicht zu zerbrechen und kannst das tun, was beide Hersteller wollen: Mit beiden Ohren regelrecht in den Film oder die Serie eintauchen.

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2 Kommentare zu “Dolby vs DTS: Alles, was du über Raumklang wissen musst

  1. Deine Nomenklatur ist falsch. Die 2. Stelle ist die Anzahl der Subwoofer.

    Ein Setup von z.B. 7.1.4 besteht aus 7 Boxen, 1 Subwoofer und 4 Overhead-Lautsprechern.

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