Umgeschaltet: 18 Prozent der DVB-T-Nutzer sind weg

2,2 Millionen DVB-T2-Geräte wurden bislang verkauft. Auf 1,7 Millionen lassen sich die Privatsender kostenpflichtig freischalten. Da ist es doch egal, dass einige Kunden abgesprungen sind, oder?

Umgeschaltet: 18 Prozent der DVB-T-Nutzer sind weg

Viel Lärm wurde um DVB-T2 HD gemacht. Die Umstellung auf eine neue Antennentechnik sollte Fortschritt bringen. Doch die Nutzer waren bloß daran interessiert, nach dem Wechsel genauso fernsehen zu können wie vorher. So einfach war das aber nicht. In den meisten Fällen war neue Hardware erforderlich, und sofern man nun private Sender schauen will, muss auch ein kostenpflichtiger Vertrag mit Freenet TV abgeschlossen werden. Da auf jeden Fall eine Umstellung anstand, dachten sich offenbar viele: dann auch gleich richtig. 18 Prozent der bisherigen Nutzer habe sich eine Alternative zu DVB-T2 HD gesucht.

Mehr Einnahmen mit weniger Kunden

Für Freenet TV ist es dennoch ein lohnendes Geschäft. 1,7 Millionen Empfangsgeräte wurden verkauft, die gegen Aufpreis von monatlich 5,75 Euro auch private Sender empfangen können. Hinzu kommen noch 500 bis 600 Tausend DVB-T2-Empfänger, die nicht Freenet-TV-fähig sind. Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar TNS, durchgeführt im Auftrag des Freenet-TV-Betreibers Media Broadcast, sollen 400.000 neue Haushalte hinzugekommen sein, aber auch 18 Prozent der bisherigen DVB-T-Zuschauer die Umstellung nicht mitgemacht haben. Noch unklar ist, was passiert, wenn die Gratisphase von Freenet-TV Ende Juni endet.

Ein Beispiel: Meine Schwiegermutter ist kurz vor der Umstellung umgezogen. Neuer Fernseher, neue Stadt: DVB-T2 war erst einmal die sichere Variante, um möglichst schnell ein Bild zu erhalten. Doch dann fehlte ein gewünschter Sender im Programm und es kam zutage, dass bereits ein Kabelanschluss in der Wohnung lag und auch über die Nebenkosten bezahlt wurde. Das Kabel war schnell umgesteckt und die Antenne im Freundeskreis weitergegeben, wo sie nun ein älteres Modell ersetzt. Von den 1,7 Millionen verkauften Geräten war dieser Fernseher einer.

Was passiert zur Fußball-WM?

Welche Alternativen gibt es denn noch? Eine eigene Satellitenanlage schien bislang attraktiv (sofern sich die Schüssel irgendwo installieren ließ), denn über Astra lassen sich die öffentlich-rechtlichen Sender in HD- und die privaten Sender in SD-Qualität noch kostenlos empfangen. Allerdings gibt es Pläne, die privaten Sender nicht mehr in SD und somit nicht mehr ohne Zusatzkosten über den Satelliten zu schicken.

Ich persönlich schaue kaum noch Fernsehen, mal den einen oder anderen Tatort über die Mediathek. Stattdessen streame ich Serien über Netflix und Fußball über Sky Ticket. Für gute Qualität zahle ich auch gerne. Erst zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 werde ich mich wohl wieder fragen, wie ich erstens verlässlich ein Spiel sehen kann, ohne dass der Stream abbricht, und zweitens vor dem Nachbar die Toren sehe (oder zumindest zeitgleich).

Die Umstellung auf DVB-T2 hat dennoch etwas Gutes gebracht. Im Bereich um 700 MHz sind Frequenzen frei geworden, die in Zukunft für dem Mobilfunkstandard LTE genutzt werden. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche Frequenzen, sondern um einen Bereich der große Funkzellen abdecken und eine bessere Signalstärke in gut abgeschirmten Gebäuden bringen kann. Der Bereich um 800 MHz (LTE-Band 20) wurde seinerzeit genau deshalb den Mobilfunkern zugeschlagen – um ländliche Gebiete zu versorgen. Wer in Zukunft sein Smartphone wechselt, sollte darauf achten, dass diese Frequenzbereiche unterstützt werden. Die China-Handys können das meist nicht.

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3 Kommentare zu “Umgeschaltet: 18 Prozent der DVB-T-Nutzer sind weg

  1. Schade, dass nicht alle den Mist boykottieren, so wie ich es tue. Für mich sind die privaten Sender für immer gestorben, solange sie nicht mehr gratis angeboten werden.
    Nur 18% ? Ihr wollt mir erzählen, dass alle freiwillig von ihrem Geld diese Werbekanäle angucken und finanzieren? Unfassbar!
    Das ist eine absolute Frechheit, dass keiner gefragt wurde ob wir das überhaupt haben wollen, sondern es wurde einfach so entschieden.
    GEZ+ Freenet, ihr habt das Geld wohl alle sehr locker sitzen, unfassbar.

  2. Hallo ich habe Geduld gehabt und es hat sich gelohnt. Ich wohne in Emmerich am Rhein und mittlerweile besten und Störungsfreien Empfang aller TV Sender in HD sogar über eine stinknormale Zimmerantenne von Technisat die am Fenster steht.Ich sag nur Sat Schüssel Wind, starker Regen in der Regel kein Signal mehr soviel dazu

  3. Nach der Abschaltung von DVBT hatte ich mir einen neuen Fernseher gekauft. Als ich dann feststellte, dass ich für über 100 € nachrüsten muss (Modul + Monatsgebühren), um das werbefinanzierte Programm von RTL usw. zu sehen, habe ich darauf verzichtet. 20 öffentliche Programme reichen mir.

    Die Zusatzkosten neben den GEZ Zwangsgebühren werde ich nicht bezahlen.

    Es lebe die werbefreiere Genügsamkeit!

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