Ultra HD Blu-rays und -Player mit Dolby Vision-HDR könnten schon 2017 kommen

Kaum jemand weiß bislang, dass es auch bei HDR verschiedene Variationen gibt. Aktuell wird bei Fernsehern und Ultra HD Blu-rays der offene Standard HDR10 verwendet. Mit seinem eigenen HDR-System will aber auch Dolby schon bald die Wohnzimmer weltweit erobern.

Hellere, kontrastreichere und farbintensivere Bilder – High Dynamic Range wird bei der Bildwiedergabe sowohl Hard- wie auch Software-seitig immer relevanter. Die meisten der bislang auf dem deutschen Markt erhältlichen Ultra HD Blu-rays sind bereits HDR-fähig, und auch bei den Fernsehern hält das System zur detailreichen Darstellung großer Helligkeitsunterschiede zunehmend Einzug, wenn auch vorerst nur in den Premiumklassen. Dabei handelt es sich bislang immer um den 2015 vom Industrieverband CTA verabschiedeten HDR10-Standard. Die Dolby Laboratories setzen jedoch lieber auf ihr eigenes System Dolby Vision-HDR. Schon im Verlauf des kommenden Jahres könnten erste Ultra HD Blu-rays sowie Geräte mit Dolby Vision auch in Europa verfügbar sein.

Erste Hollywood-Studios bekennen sich zu Dolby Vision

Bislang werden die dynamischen HDR-Metadaten von Dolby Vision allerdings ausschließlich von den TV-Herstellern LG Electronics, TCL und Vizio unterstützt. Weitere Anbieter könnten jedoch in absehbarer Zeit folgen, zumal die bislang öffentlich gewordenen Lizenzkosten für den Einsatz des Systems auf Fernsehgeräten mit zwei bis drei Dollar verhältnismäßig gering ausfallen. Auf der anderen Seite konkurriert Dolby mit seinem lizenzpflichtigen Verfahren eben mit dem offenen HDR10-Standard. Laut Angaben von Dolby haben sich außerdem die Chip-Hersteller Mediatek, Realtek und Sigma zu Dolby Vision bekannt. Auch die Hollywood-Studios MGM, Sony, Universal und Warner haben eine prinzipielle Unterstützung des Systems bereits in Aussicht gestellt.

Dolby Vision-Fernseher: Die hellsten TV-Panels aller Zeiten

Erst Ultra HD Blu-ray-Player künftiger Generationen sind jedoch in der Lage, die Metadaten von Dolby Vision zu lesen, denn dafür müssen die Geräte die zusätzlichen Informationen von einem speziellen Enhancement Layer auf der Disc wiedergeben können. Angeblich entwickelt LG derzeit bereits einen entsprechenden Ultra HD Blu-ray-Player. Erste Dolby Vision-Fernseher des Anbieters gibt es in den USA bereits.

Ein Problem ist bislang aber, dass aktuell noch kein HDR-Fernseher auch nur annähernd die maximale Helligkeit von 10.000 nits darstellen kann, die theoretisch mit Dolby Vision-HDR möglich sind. Heutige Geräte schaffen zwischen 1000 und höchstens 2000 nits. HDR10 begnügt sich daher auch mit einer maximalen Helligkeit von 1000 nits. Bei der Farbauflösung hat Dolby ebenfalls die Nase vorn: Gegenüber dem 10-Bit-Maximalwert von HDR10 erreicht Dolby Vision-HDR zwei Bit mehr und damit eine Darstellung von unglaublichen 68 Milliarden Farben. Zum Vergleich: Gerade einmal 16 Millionen Farben sind es beim Standard-HD-Fernsehen.

Die Premium-Version von HDR: Mit der UH7700-Reihe verkauft LG in den USA bereits Fernseher mit Dolby Vision-Panels.

Die Premium-Version von HDR: Mit der UH7700-Reihe verkauft LG in den USA bereits Fernseher mit Dolby Vision-Panels.

Dolbys HDR-Prinzip der dynamischen Metadaten

Von den technischen Werten her ist Dolby Vision-HDR dem Konkurrenzsystem HDR10 also ohne Zweifel überlegen. Neben der höheren Bildhelligkeit und den sensationellen Möglichkeiten der Farbabstufungen ist es auch das Prinzip der dynamischen Metadaten, das am Ende entscheidend sein könnte. Dadurch nämlich können einzelne Aufnahmen, selbst einzelne Frames eines Films, im Mastering-Prozess gezielt auf das gewünschte Endergebnis angepasst werden. Bei den statischen Metadaten des HDR10-Systems ist dies nicht möglich und es muss immer eine einzige Einstellung des Videomaterials als Kompromiss für alle Bilder eines ganzen Films gefunden werden.

Netflix als Dolby Vision-HDR-Vorreiter

Vor einer wie auch immer gearteten weltweiten Marktrelevanz für das Dolby Vision-System bereits in 2017 stehen aus heutiger Sicht trotz aller technischer Vorteile des Standards noch einige Fragezeichen. Die Konsumenten werden nur dann bereit sein, in wohl deutlich teurere Geräte mit dem technisch äußerst aufwändigen Dolby Vision-HDR zu investieren, wenn die noch helleren und noch besseren Bilder auch tatsächlich auf Fernsehern nativ dargestellt werden können und dann auch ein sichtbarer Unterschied zu HDR10 zu erkennen ist.

Ist Dolby Vision-HDR aufgrund bislang fehlender Hard- und Software also doch erst in drei bis fünf Jahren ein Thema? Möglicherweise ja, aber immerhin tut sich in dem Bereich bereits etwas Konkretes an der Streaming-Front: Netflix hat die erste Staffel der Eigenproduktion „Marco Polo“ bereits in Dolby Vision-HDR hergestellt. Und so müssen die physischen Datenträger und das lineare Fernsehen einmal mehr aufpassen, dass sie nicht auch bei Dolby Vision-HDR von den VoD-Anbietern überholt werden.

Das LG G6 und das Sony Xperia XZ Premium sind die ersten beiden Smartphones mit HDR und Dolby Vision, die Netflix unterstützt.

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