Netflix-Videos für die Offline-Nutzung speichern: kostet natürlich Speicherplatz und erfordert bei wenig Speicher eine microSD-Karte schnellen Typs. Bild: Netflix

Offline

Netflix hat eine Offline-Funktion für iOS- und Android-Geräte veröffentlicht. Fans hatten sich das lange gewünscht, der Netflix-Chef sie lange nicht für nötig gehalten. Die Meldung offenbart allerdings auch Gruseliges über den Stand des mobilen Internets im auslaufenden Jahr 2016.

Fast könnte man meinen, sie hätten sich abgesprochen: Netflix hat seinen Apps für iOS und Android einen Offline-Modus spendiert – nur einen Tag, nachdem auch die Deutsche Bahn mit einem Offline-Modus vorgeprescht war. Halt nein, Letzteres nennt sich eigentlich „WLAN im ICE„. Da dies allerdings für Nutzer auf 200 MB pro Gerät und Tag beschränkt und die Bandbreite unterwegs immer noch an die schwache Versorgung der drei großen Provider gekoppelt ist, bedeutet das: vorerst kein Netflix-Streaming in der Deutschen Bahn!

Also jetzt offline. Netflix-Kunden weltweit, also auch in Deutschland, haben fortan die Möglichkeit, Serien, Shows oder Filme auf ihr Gerät herunterzuladen, um endlich auch unterwegs Videos zu streamen. Sie brauchen dafür nur ein iOS-Gerät aber der Version 8.0, also ein iPhone, ein iPad oder einen iPod Touch, oder ein Android-Smartphone oder Tablet mit mindestens der Version 4.4.2.

Offline – ein Zauberwort im Jahr 2016

Um in den Genuss vom Netflix-Offline-Modus zu kommen, müssen Nutzer lediglich ihre Netflix-Apps via App Store oder Google Play auf die neueste Version aktualisieren. Netflix rät, natürlich, die gewünschten Titel in einem WLAN herunterzuladen. Und nicht im Bahn-WLAN, besser zuhause. 😉 Je nach Vertrag gibt es Beschränkungen. Nicht alle Serien und Filme auf Netflix lassen sich herunterladen, teilweise soll auch die Menge der downloadbaren Folgen begrenzt sein. Aber für viele aktuelle Serien geht es.

Ein Offline-Modus. Dem Nutzer lange entgegen gefiebert haben. Das ist also eine Sensationsmeldung im bald endenden Jahr 2016, die Jubelstürme auslöst. Wie kann das eigentlich sein?

  • Anfang Januar 2017 feiert das Apple iPhone seinen 10-jährigen Geburtstag, also der Prototyp des Multitouch-Smartphones, wie wir es heute kennen. Das erste iPad ging im Frühling 2010 an den Start. Mediennutzung unterwegs gibt es also nicht erst seit gestern.
  • Das erste LTE-Netz in Deutschland mit theoretischen Download-Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s ist bei Vodafone bereits seit Ende 2010 in Betrieb. Die Telekom folgte 2011, O2 im Jahr 2012. LTE begleitet uns nun also schon ein paar Jahre und die Übertragungsrate für Videostreaming wäre theoretisch groß genug.
  • Die tatsächliche Durchschnittgeschwindigkeit der LTE-Datenraten liegt laut einem Test der Zeitschriften „Chip“ und „Connect“ deutlich darunter, aber mit 34,8 Mbit/s (Telekom), 28,6 Mbit/s (Vodafone) und 13,6 Mbit/s (O2) würden die Datenraten immer noch für Videostreaming in Full-HD-Qualität ausreichen.
  • Die Telekom bringt es laut selbem Test auf eine LTE-Netzabdeckung von bundesweit 95 Prozent, Vodafone auf 91 Prozent und O2 immerhin noch auf 74 Prozent.
  • Die Anbieter brüsten sich mittlerweile mit gar noch höheren LTE-Geschwindigkeiten von 200 Mbit/s und mehr dank LTE Max. Vodafone hat 2016 gar zum Gigabit-Jahr ausgerufen.
  • Auch die Datenvolumina werden immer größer: Alle drei großen Provider bieten mittlerweile stattliche Pakete von 6, 10 oder noch mehr GB pro Monat an, teilweise sogar einige GB davon im Ausland. Für das Streaming einer Miniserie und eines Spielfilms eigentlich genug.

Also eigentlich müsste doch alles super sein, eigentlich dürfte es überhaupt keinen Bedarf an einer Offline-Nutzung geben. Trotzdem offenbarte der Test von „Chip“ und „Connect“ eklatante Mängel im deutschen Mobilfunknetz, gerade nach wie vor auf dem platten Land. Und da sich die Bahn bei ihrem WLAN im ICE-Angebot auf die großen drei Netzbetreiber verlässt, ahnt man, dass das so viel besser auch nicht werden wird.

Netflix-Serie "Narcos": Streaming bald auch unterwegs möglich

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Dass Netflix nun also einen Offline-Modus anbietet, verdeutlicht die große Schwierigkeit der Netzprovider weltweit: Die Menschen wollen gerade unterwegs gerne mit Serien- und Spielfilmstreaming unterhalten werden. Unterwegs heißt aber eben meistens: zwischen Städten und nicht in der Stadt. Auf dem Land aber sind die Netze meist unterversorgt, weil ein engmaschiger Aufbau sehr kostspielig ist. Nutzer in Deutschland fordern schon lange, dass die Netzbetreiber lieber aufhören, sich über ihr angeblich schlecht laufendes Geschäft zu beklagen, dafür gar noch die Netzneutralität zu untergraben, als ihre tatsächlich vorhandenen Milliardenüberschüsse in einen weiteren Netzausbau zu investieren.

Bei 5G dann bitte keine Ausreden mehr!

Zumindest das aber muss man den deutschen Netzprovidern nun wohl zugestehen: Zwar mag die Netzabdeckung in fast allen unseren Nachbarländern besser sein, anderswo auf der Welt scheint es aber durchaus ebensolche Probleme zu geben wie hier. Sonst hätte sich Netflix kaum dem Druck gebeugt, einen Offline-Modus anzubieten. Selbst im „Technik-Wunderland“ USA, Netflix‘ Heimatland, wird es ähnliche Probleme geben – natürlich auch der geringeren Bevölkerungsdichte geschuldet.

Also nutzen wir Netflix jetzt erstmal offline. Das ist ein fairer Kompromiss, denn anders geht es momentan nicht. Eins muss aber klar sein: Bei der nächsten, der 5. Mobilfunkgeneration, müssen die Versprechen endlich mal gehalten werden, die man uns schon beim Start der LTE-Netze gemacht hat. Der Breitbandzugang für unterwegs, er muss kommen – bundesweit verfügbar, ohne Datenbeschränkung, kompatibel mit datenhungrigen Techniken wie Ultra HD, ohne Ausreden. Ein Offline sollte es dann eigentlich nicht mehr geben.

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Ein Kommentar zu “Offline
  1. Gestern mal – für alle Fälle – einen Film heruntergeladen, knapp 600 MB sind nun im Speicher belegt. Keine Ahnung, ob das abhängig von den Spezifikationen des Smartphones ist (der Auflösung zum Beispiel). Für ein paar weitere Filme hätte ich wohl noch Platz, aber eine ganze Sammlung könnte ich mir nicht herunterladen.

    Ich frage mich auch, ob sich ein Tablet voller Filme mit in den Urlaub nehmen ließe, also außerhalb des Lizenzgebietes. Vielleicht braucht das Gerät ja doch einmal täglich Netzkontakt, um zu verifizieren, dass es noch zuhause ist.

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