Matter: So genial wird der neue Smart-Home-Standard

Matter möchte es dir einfach machen, deine intelligente Wohnung individuell zu gestalten. Viele Geräte in deinem Smart Home sind sogar schon kompatibel. Doch es gibt einiges zu beachten.

Matter: So genial wird der neue Smart-Home-Standard

Lampen von Ikea kommunizieren mit Küchengeräten von Samsung, Nest-Thermostate von Google funktionieren tadellos mit Alexa oder Siri, Dyson-Staubsauger harmonieren mit cleveren Eve-Steckdosen – alles kein Problem. Dank des neuen Standards Matter sollen Geräte und Dienste von über 200 Herstellern bzw. Anbietern bestens miteinander klarkommen und sich entsprechend einfach verwenden lassen.

Für etwas genervte Smart-Home-Fans mit ihren Alltagsproblemchen klingt das nach einem Segen. Und das Beste: Viele bereits erhältliche Geräte brauchen nur ein Update, um mit Matter kompatibel zu sein.

Welche Vorteile hat Matter?

Wozu braucht es einen neuen Standard? In erster Linie sollen in naher Zukunft Smart-Home-Geräte und Internet-of-Things-Plattformen (zum Beispiel Cloud-basierte Dienste) uneingeschränkt miteinander kompatibel sein. Für uns Anwender:innen heißt das: Im Optimalfall gibt’s keine Kompatibilitätsprobleme zwischen Smart-Home-Geräten unterschiedlicher Hersteller.

So beschreibt die zuständige CSA den neuen Standard Matter. (Foto: Connecitivity Standards Alliance)
So beschreibt die zuständige CSA den neuen Standard Matter. (Foto: Connecitivity Standards Alliance)

Weitere Vorzüge von Matter:

  • Leichtere Einrichtung: Teils auch ohne zusätzliche und Geräte-spezifische Apps
  • Security by Design: Verschlüsselte Übertragung der Signale und spezielle Schutzmechanismen bereits fest integriert
  • Integration beliebter und bestehender Sprachassistenten wie Siri, Google Assistant und Alexa
  • Für Anwender:innen transparentes, schnell verständliches sowie einheitliches Smart-Home-System
  • Für Hersteller und Entwickler offener, leicht zugänglicher Standard, ähnlich wie Bluetooth oder USB
  • Geräte verschiedener Hersteller arbeiten zuverlässig zusammen
  • Bereits vor dem offiziellen Start riesige Anzahl an unterstützenden Herstellern

Perspektivisch sind weitere Vorteile denkbar. Denn technisch ist Matter in der Lage, zum Beispiel mehrere Smart-Home-Systeme gleichzeitig zu verwenden – zum Beispiel den Google Assistant und Alexa parallel. Das nennt die CSA auch „Multi-Admin“. Ebenso erfolgt eine Kommunikation zwischen den Geräten auf Wunsch lokal und nicht ausschließlich über einen Cloud-Dienst. Ein Smart Home, das du ausschließlich offline nutzt, wäre somit denkbar.

Und: Matter könnte früher oder später Streaming-Lösungen wie Google Cast, Miracast oder AirPlay überflüssig machen bzw. vereinheitlichen. Zumindest ist der Standard darauf vorbereitet.

Wer steckt hinter dem Smart-Home-Standard Matter?

Matter geht auf die Bemühungen diverser Unternehmen zurück, die bereits der Zigbee Alliance angehörten und in der Vergangenheit bestrebt waren, Zigbee zu etablieren. In bestimmten Bereichen, allen voran bei smartem Licht, konnte sich Zigbee auch durchsetzen. Doch im gesamten Smart Home soll künftig Matter die Hauptrolle spielen.

Amazon, Apple, Comcast, Google und Smart Things (Samsung) riefen die Connecitivity Standards Alliance (CSA) ins Leben, der sich mittlerweile über 200 Unternehmen anschlossen. Darunter IKEA, Huawei, Deutsche Telekom, Dyson, Hisense, Honor, LG, Lifx, Logitech oder Panasonic. Das gemeinsame Ziel ist es, einen Verbindungsstandard für das Smart Home voranzubringen. Die Software-Basis ist Open Source und lizenzfrei, steht also allen Firmen weltweit offen. Trotzdem müssen Hersteller ihre Produkte bei der CSA lizenzieren, um so die Einhaltung des Standards sicherzustellen.

Mit Matter soll das vernetzte Smart Home deutlich besser funktionieren. (Foto: CSA)
Mit Matter soll das vernetzte Smart Home deutlich besser funktionieren. (Foto: CSA)

Bis zum Mai 2021 hieß Matter noch Project CHIP (Connected Home over IP), im Frühsommer 2021 erfolgte die Umbenennung. Ebenfalls änderte die Zigbee Alliance bereits Ende 2019 ihren Namen in besagte Connectivity Standards Alliance (CSA), um fortan sowohl Zigbee als auch Matter weiter zu entwickeln. Das heißt also auch: Matter ist nicht der Nachfolger von ZigBee, sondern ein parellel laufender Standard.

Wie funktioniert Matter?

Wichtig zu wissen: Matter ersetzt keine bestehenden Smart-Home-Systeme wie Homekit, Philips Hue, Alexa oder Google Home. Vielmehr handelt es sich um eine Technologie zum unkomplizierten Verbinden von Geräten. Die eigentliche Steuerung dieser erfolgt nach wie vor auf dem gewohnten Weg – also über die Angebote, Apps, Bedienoberflächen oder Smart Speaker der Hersteller.

Aktuelle Echo-Lautsprecher werden in Zukunft mit Matter kompatibel sein. (Foto: Amazon)
Aktuelle Echo-Lautsprecher werden in Zukunft mit Matter kompatibel sein. (Foto: Amazon)

Matter gibt vielmehr die Regeln vor, wie Geräte miteinander kommunizieren (dürfen). Der Standard regelt die Datenübertragung und geht hier über die Möglichkeiten der Standards Z-Wave oder Zigbee hinaus. Die beherrschen nämlich keinen IP-Transport der Datenpakete.

Die Kommunikation zwischen smarter Lampe, Kühlschrank, Smartphone, Tablet, Thermostat und dergleichen ist also IP-basiert. Abhängig vom Produkt und dem Hersteller können die typischen Funkstandards…

  • Ethernet (IEE 802.3)
  • WiFi (IEEE 802.11)
  • Bluetooth Low Energie (BLE)
  • Thread (IEEE 802.15.4)

… zum Einsatz kommen. Letztgenannter ist bisher vermutlich den wenigsten Nutzer:innen bekannt. Dieser Standard hat eine moderne IPv6-basierte Mesh-Netzwerktechnologie, besitzt einen geringeren Energieverbrauch und gilt als sehr sicher. Beliebt ist er bei IoT-Produkten.

Einfach ausgedrückt könnte Matter Bluetooth für die Einrichtung neuer Geräte benutzen, WiFi sowie Ethernet dann, wenn hohe Bandbreiten benötigt werden (Streaming, Videoübertragung durch Kameras) und Thread bei der Übertragung geringer Datenmengen (Sensoren, Lampensteuerung etc.).

Sind meine Geräte mit Matter kompatibel?

Da Matter noch immer nicht offiziell gestartet ist (Stand Mai 2022), lässt sich derzeit nicht klar sagen, ob Hersteller für dein verwendetes Smart-Home-Equipment Aktualisierungen veröffentlichen wird. Theoretisch lassen sich sehr viele Produkte nachrüsten; diverse Firmen kündigten schon Firmware-Updates an.

Die Arlo-Kameras von Netgear werden zu Matter kompatibel sein. (Foto: Arlo)
Die Arlo-Kameras von Netgear werden zu Matter kompatibel sein. (Foto: Arlo)

Eine Auswahl an Unternehmen, die Matter-Updates bereitstellen wollen:

  • Netatmo (Smart Security Sensor)
  • Belkin (Wemo-Reihe)
  • Yeelight (Yeelight Pro)
  • Eve (Smart-Home-System & Komponenten)
  • LG (u.a. 2022er Smart TVs mit ThinQ AI)
  • Arlo (Sicherheitskameras)
  • Amazon (die meisten aktuellen Echo-Modelle, Eero-Router)
  • Samsung (neuere Geräte ab 2022, die SmartThings unterstützen, Family Hub, Kühlschränke, Galaxy-Geräte, SmartThings Hub)
  • Aqara (Smart-Home-Hubs)
  • Google (Android-basierte Geräte, Nest)
  • WiZ (gesamtes Smart-Home-System)
  • Signify (Philips Hue)
  • Apple (iOS-Geräte)

Sehr viele Produkte anderer Hersteller dürften bis zum Startschuss von Matter folgen. Du kannst davon ausgehen, dass vor allem etablierte Smart-Home-Systeme mit eigenständigen Bridges bzw. Gateways (Philips Hue Hub, IKEA Tradfri Gateway etc.) mit von der Partie sind.

Der entscheidende Punkt: Ist eine Bridge mit Matter kompatibel, können die mit ihr verbundenen Geräte (Lampen, Türschlösser, Sensoren) weiterhin mit anderen Funkstandards wie Zigbee laufen.

Brauche ich neue Geräte für Matter?

Fakt ist: Wenn dein bisheriges Smart-Home-System funktioniert und es kein Matter-Update erhält, sollte es in Zukunft weiterhin laufen. Zur Anschaffung neuer Geräte zwingt dich kein Hersteller.

Die Hue-Bridge von Philips Hue erhält garantiert ein Matter-Update. (Foto: Signify)
Die Hue-Bridge von Philips Hue erhält garantiert ein Matter-Update. (Foto: Signify)

Aber steht eine Neuanschaffung an, ist es ratsam, zu Matter kompatible Geräte zu kaufen. Denn mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte sich der Standard etablieren. So bist du auf die Zukunft vorbereitet.

Vermutlich können einige Lampen, Thermostate und andere Smart Devices aufgrund technischer Beschränkungen oder Entscheidungen der jeweiligen Produzenten kein Matter-Update erhalten. Ob dann ein Neukauf nötig ist, lässt sich derzeit noch nicht einschätzen. Das zeigen die kommenden Monate und Jahre.

Worauf muss ich beim Kauf von Smart-Home-Geräten achten?

Bisher konzentrierten sich Hersteller von Smart-Home-Lösungen vorzugsweise auf ihre eigenen Ökosysteme und kennzeichneten ihre Produkte entsprechend. Ein „Works with Alexa“ oder „Works with HomeKit“ könnte allerdings bald der Vergangenheit angehören. Stattdessen signalisiert das Matter-Logo auf Verpackungen, dass eine Kompatibilität gewährleistet ist – und diese Geräte problemlos in dein Smart Home mit Matter einbinden kannst.

Das Matter-Logo dürftest du bald öfter sehen. (Foto: CSA)
Das Matter-Logo dürftest du bald öfter sehen. (Foto: CSA)

Möchtest du nicht darauf warten, dass erste Produkte mit Matter erhältlich sind, kannst du auch jetzt schon dein Smart Home auf- und ausbauen. Greife hier vorzugsweise zu Systemen, bei denen Hersteller ihre Unterstützung in Form von Aktualisierungen bereits ankündigten.

Wann wird Matter eingeführt?

Schon mehrfach verschob die Connecitivty Standards Alliance den Start von Matter. Ursprünglich war von Ende 2020 die Rede. Nun ist der Herbst 2022 angedacht. Ein Grund für die Verzögerung ist die laut CSA ungewöhnlich große Nachfrage seitens der Entwickler und Hersteller, die Matter gerne in ihre Produkte integrieren möchten. Hierfür nötig ist ein entsprechendes Entwickler-Kit, das Unternehmen erst im 2. Quartal 2022 erhalten.

Matter wird sich durchsetzen - das ist ziemlich sicher. (Foto: CSA)
Matter wird sich durchsetzen – das ist ziemlich sicher. (Foto: CSA)

Ein weiteres Problem: Bis zum Launch des Standards müssen alle Geräte, die über Matter verfügen oder ein Update bekommen sollen, zertifiziert werden. Und auch das dürfte viel Zeit in Anspruch nehmen. Im schlimmsten Fall verzögert sich Matter auf Ende des Jahres. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft 2022 sind dann erste Smart-Home-Neuheiten mit Matter-Support zu erwarten.

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