Windows 10 S: Was soll das mit diesem neuen Betriebssystem?

Microsofts neuer Surface Laptop kostet mindestens 1.000 Euro, bringt aber nur das abgespeckte Betriebssystem Windows 10 S mit. Ist das ein Gewinn oder ein Verlust? Wir gehen mit euch die Details des neuen Systems durch.

Was bitte soll das? Da bringt Microsoft den attraktiven, leistungsfähigen, neuen Surface Laptop auf den Markt. Der kostet mindestens 1.150 Euro, hat aber noch nicht einmal ein vollwertiges Windows drauf, sondern das neue, abgespeckte Windows 10 S. Warum nur?

Zunächst ein kurzer Blick darauf, was Windows 10 S eigentlich ist. Nicht wenige sehen darin einen Angriff auf Googles Chrome OS und dem schließe ich mich an. Ein leichteres, schlankeres Windows 10, das sich an Schüler und Studenten richten soll. Mit dem System ist weniger möglich als mit dem vollwertigen Windows 10, dafür soll es auf schwächerer Hardware laufen, die weniger kostet. Sprich: Leute mit wenig Geld in der Tasche könnten sich für 200 bis 300 Euro einen ordentlich funktionierenden Laptop leisten.

Nur Edge und Bing, kein Firefox oder Google

Auf Windows 10 S lassen sich nur Anwendungen aus dem Windows Store installieren. Ähnlich wie Anwendungen auf Chrome OS sollen sie in einer geschützten Umgebung laufen. Der Windows Defender ist in die Anwendungen integriert, Microsoft will also selbst für die Sicherheit sorgen. Microsofts Cloud-Lösung OneDrive hält als virtueller Datenspeicher her, außerdem sind virtuelle Desktops möglich. Genau wie Windows 10 mit dem neuen Creators Update erhalten Nutzer des schlankeren Bruders Zugang zu Microsofts Lieblingstools wie den Sprachassistenten Cortana, Windows Ink und Windows Hello, die Möglichkeit, sich ohne Passwort anzumelden.

Auch Microsoft Office ist mit Windows 10 S-Geräten nutzbar, außerdem Bildbearbeitungsprogramme, komplexe Software-Umgebungen, Spiele – sprich: alles, was der Windows Store bereithält. Das ist zwar eingeschränkt gegenüber der Funktionalität eines vollwertigen Windows 10, geht aber immer noch deutlich über die Funktionen eines Google Chrome OS hinaus. Auch wenn etwa die Nutzung alternativer Browser (der Standard ist Edge) oder Suchmaschinen statt Bing nicht möglich sein sollen.

Google und sein „nervig-erfolgreiches“ Chrome OS

Google positioniert sein abgespecktes Cloud-Betriebssystem Chrome OS ebenfalls seit Jahren für den Bildungssektor. Die App-Auswahl ist allerdings nach wie vor überschaubar und musste für neuere Geräte um die Funktionalität von Android-Apps erweitert werden – etwas, was mehr schlecht als recht funktioniert. Ein vollwertiges Androidbook hat Google bisher nicht zustande gebracht.

Trotzdem waren Google Chromebooks in ihrer Nische durchaus erfolgreich – sehr zum Argwohn Microsofts. Redmond sah sich genötigt, Anti-Werbung zu schalten. Auch das reduzierte Windows 8.1 mit Bing für preiswertere Laptops kann als (misslungener) Versuch Microsofts gesehen werden, Chrome OS Konkurrenz zu machen.

Windows 10 S-Geräte lassen sich auf Windows 10 updaten

Mit dem ebenfalls abgespeckten Windows RT, vor allem für Tablets oder 2-in-1-Geräte mit ARM-Architektur, landete Microsofts aber vor einigen Jahren einen veritablen Flop. Die Frage, die viele Nutzer sich nun stellen dürften, ist: Warum sollten sie nicht gleich zum vollwertigen Windows 10 (Home oder Pro) wechseln? Denn, Überraschung: Microsoft beschreibt auf der offiziellen Produktseite, dass ein Wechsel zu Windows 10 Pro jederzeit problemlos möglich sei. (Es gebe dann nur kein Zurück mehr.) Das Standard-Windows 10 soll sich ja auch für schwächere, ältere Rechner eignen und eben mehr können als Windows 10 S. Warum sollte man sich dann mit einem reduzierten Betriebssystem zufrieden geben?

Wechsel von Windows 10 S auf Windows 10 Pro laut Microsoft problemlos möglich.

Wechsel von Windows 10 S auf Windows 10 Pro laut Microsoft problemlos möglich.

Meine Vermutung, auch wenn Microsoft das selbst natürlich nicht gerne so ausspricht: Weil das „normale“ Windows 10 eben doch nicht so flutscht, wie der Konzern es mal angekündigt hatte. Ich erinnere mich da schmerzlich an die Versuche mit meinen noch gar nicht einmal so alten und gar nicht einmal so billigen Windows-8-Laptop zurück, auf dem ich Windows 10 installierte. Schnell war da gar nichts. Das Ding zu benutzen, war ein Graus. Und ich vermute, dass es auf heutiger Einstiegshardware nicht viel anders aussähe. Jetzt ein neues, schlankes System anzubieten, das auch auf 200-Euro-Laptops funktioniert, ist also so unsinnig nicht.

Fehde mit Google auf dem Rücken der Nutzer austragen?

Und doch wird man das Gefühl nicht los, dass es Microsoft hier vor allem um Rivalität geht. Zu lange hat sich der jahrzehntelange Marktführer der Desktop-Betriebssysteme von Google und dessen Chrome OS auf der Nase herumtanzen lassen. Nun erfolgt der Gegenschlag. Und ganz ehrlich: Wenn ich 300 Euro Budget hätte und die Wahl zwischen einem offline kaum tauglichen Chrome OS mit mehr schlecht als recht funktionierenden Apps oder einem Windows 10 S mit vollem Zugang zum Windows Store, mit Office und Cortana und Apps, die auch ohne guten Netzempfang mal funktionieren. Dann würde mir die Wahl leicht fallen. Und euch?

Den Surface Laptop könnt ihr bereits jetzt im Microsoft Store vorbestellen. Erste Geräte mit Windows 10 S sollen noch in diesem Quartal auf den Markt kommen. Auch bei Euronics, wo ihr immer die Wahl habt zwischen Windows-Laptops natürlich auch Apple Macbooks.

Beitragsbild: Microsoft

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