ZTE Axon 20 im Test: Mehr als nur Kamera unterm Display

Im neuen ZTE Axon 20 befindet sich die Selfie-Kamera hinter dem Display. Und es gibt weitere Neuerungen unter dem Bildschirm, die das Gerät attraktiv machen.

ZTE Axon 20 im Test: Mehr als nur Kamera unterm Display

Fazit: mehr als nur die unsichtbare Selfie-Kamera

Das ZTE Axon 20 sticht durch seine Unter-Display-Kamera aus der Masse heraus. Ist es das einzige Kaufargument? Mitnichten. Ein flotter Prozessor, ordentliche Speicherausstattung, ein guter Bildschirm und eine lange Akkulaufzeit machen das Axon 20 alltagstauglich. Abzüge gibt es für Kleinigkeiten: Ein Monolautsprecher ist zu wenig, die 3,5-mm-Buchse glänzt durch Abwesenheit. Trotz alledem ein schönes Gerät zum niedrigen Preis.

Comeback aus Fernost

ZTE ist in der Smartphone-Welt ein unerwartetes Comeback gelungen. Mit zeitgemäß ausgestatteten Geräten zum fairen Preis.

Dabei eifert das Unternehmen nicht der Konkurrenz nach, sondern setzt Trends. Das war beim tollen Gesamtpaket Axon 10 Pro mit seiner außerordentlichen Leistung schon der Fall. Nicht weniger spannend war die Hardwarekomposition der 5G-Premiere ZTE Axon 11 5G, die uns überzeugte.

Die Unter-dem-Bildschirm-Kamera

Kommen wir direkt zum derzeitigen Alleinstellungsmerkmal des ZTE-Flaggschiffs. Die Selfie-Knipse seht ihr nicht, da die Ingenieure sie unter dem Display verstecken. Keine störende Notch, kein deplatziert wirkendes Punchhole. Wie das geht?

Mal gaaaanz nah rangezoomt. Dort, wo ZTE die Kamera versteckt, löst ist der Bildschirm gröber auf. Der „Trick“ dahinter ist simpelste Physik.

Mit Magie hat das nichts zu tun. ZTE bedient sich einfachster Fotografie-Tricks. Anhand eines Beispiels können wir dies erklären. Möchtet ihr Tiere im Zoo fotografieren, kommt das Gatter oder der Maschendrahtkäfig in die Quere. Die Streben versperren die Sicht. Nutzt ihr eine Kamera mit Zoomobjektiv, stellt euch nahe an den Käfig und fokussiert mit offener Blende weit hinter den Zaun, „verschwindet“ das Gitter und es wirkt, als stünde nichts zwischen euch und dem Tier.

Bewegt den Slider! So funktioniert der ZTE-Trick. Offene Blende + weit hinter das Display-Gitter gelegter Fokus = ein Resultat fast ohne Gitter. (Cliparts: Clipart-library | Fotos: Daniel Wendorf)

Ein Blick auf den ZTE-Bildschirm bestätigt dies. Dort, wo die Kamera versteckt ist, löst das Panel gröber auf und sie kann dank offener Blende durch die Pixel hindurchsehen.

So viel zur Physik. Die Resultate sind gut, es kann aber vorkommen, dass bestimmte Bereiche krass überstrahlt wirken. Hier sollte ZTE ein Software-Update nachschieben.

Selfie anno 2020, Nur echt mit Maske. Hier besonders auffällig: Der Überstrahleffekt.

Das rückseitig verbaute Kamera-Array spielt in der Top-Liga. Mit den Bordmitteln sind die Resultate schon sehr gut. Konturen und Details sind fein herausgestellt, die Farben wirken natürlich. Tele-Objektiv und Hauptkamera sind in der Preisklasse ohne Tadel, die Makro-Linse eine Spielerei, die ZTE meiner Einschätzung nach hätte weglassen können.

Das Kamera-Array im Detail. Drei Foto-Linsen und ein Tiefenmesser sind verbaut, eine Dual-LED als Blitzlicht hinzugefügt. Die Foto-Eigenschaften des Axon 20 können mit der Konkurrenz locker mithalten.

Wie immer teste ich die generelle Foto-Qualität vor der Dresdner Frauenkirche. Details sind in Ordnung, die Farben natürlich bis satt.

Die Weitwinkellinse produziert zwar stürzende Linien, das liegt aber in der Natur der Sache. Bei niedrigerer Auflösung ist die Abbildungsqualität okay. Vielleicht bemängelt ihr die etwas gedämpfteren, blassen Farben. Letztlich ist das Geschmackssache.

Zu guter Letzt noch ein paar Filter, die in der Google-API schöne Lichtstimmungen erzeugen. Das ZTE Axon 20 wendet diese in Echtzeit an, weshalb Foto-Enthusiasten öfter zu diesen Stilmitteln greifen dürften.

Wie immer gilt, dass ihr mit einer anderen App wie der kostenlosen Open Camera für Android noch mehr aus den Sensoren kitzeln könnt.

Ersteindruck und Lieferumfang

ZTE-Telefone der vergangenen zwei Jahre sind handschmeichelnde Geräte. Das Axon 20 ist da keine Ausnahme. Es folgt dem Immer-größer-Trend anderer Hersteller. Trotz seiner Abmaße von 18 mal 7,6 cm und einer Dicke von knapp 8 mm liegt es dafür erstaunlich gut in der Hand. Die abgerundeten Kanten mögen nicht jedermanns Sache sein. Mir gefallen sie gut, zumal sich die drei Bedienknöpfe wohltuend abheben.

ModellZTE Axon 20 (4G / 5G)
Maße172,1 x 77,9 x 8 mm
Gewicht198 g
Display6,92 Zoll, 2.460 x 1.080 Pixel, OLED mit 90 Hz
ProzessorUnisoc UMS512T (4G) / Qualcomm Snapdragon 765 (5G)
Arbeitsspeicher6 GB (4G / 5G) / 8 GB (5G)
Interner Speicher128 GB (4G / 5G) / 256 GB (5G)
Speicher erweiterbarja, via microSDXC
Kamera64 MP, 8 MP (Tele), 2 MP (Makro), 2 MP (Tiefenmesser)
Selfie-Kamera32 MP, unter dem Display verbaut
KonnektivitätWiFi 802.11 a/b/g/n/ac, Bluetooth 5.1, NFC, USB-C 3.1
Radionein
Akku4.220 mAh
Weitere BesonderheitenFast Charging 30 W, Fingerabdrucksensor unter dem Display,

Nach wie vor bin ich kein Fan herausstehender Kamera-Arrays. Und da greift ZTE in die Vollen. Drei Kameras (64 MP, 8 MP Telelinse, 2 MP Makro) samt Abstandsmesser und LED-Flash sind in einem kompakten Modul verstaut. Nur: Es steht heraus, weshalb das Telefon nicht plan auf einer Oberfläche liegen kann. Da es dazu noch geschmeidig ist, rutscht es bei einer kleinen Unebenheit schon herunter.

Am Lieferumfang gibt es nichts auszusetzen.

Dem Axon 20 liegt deshalb eine Schutzhülle aus Silikon bei. Ein Schnellladenetzteil, ein USB-C-Kabel und kabelgebundene In-Ear-Kopfhörer mit Mikrofon und Lautstärkewippe sind ebenfalls inklusive. Kurzanleitung, Garantiehinweis und SIM-Slot-Nadel komplettieren die Dreingaben.

Startet ihr das ZTE Axon 20, geht es wie gewohnt durch die Android-Ersteinrichtung. Im Homescreen angekommen, erwartet euch Android 10 in einer nahezu Bloatware-freien Version. Vorinstalliert sind abseits der bewährten Google-Bordmittel BestWeather, WPS Office und ZTE Cares.

System-Updates kommen direkt von Google. Bei Design und Benutzerführung orientiert sich ZTE am Vanilla Android.

Performance und Alltagsgebrauch

Eine Überraschung verbaut ZTE als Herzstück des Axon 20 in der von uns getesteten LTE-Variante: den Prozessor UMS512T (12 nm) aus dem Hause Unisoc. Das Unternehmen firmierte von 2011 bis 2018 als Speadtrum. Und gilt in Fachkreisen als Monopolkandidat für Einsteiger-Smartphones und kommende Mittelklasse-Devices.

Die Leistung ist im Alltag und Benchmark durchweg gut. App-Wechsel funktionieren flott. Die grafische Performance in bekannten Spielen wie Fortnite, Asphalt und Co. ist zufriedenstellend. Der Akku mit seinen 4.220 mAh liefert für mehr als einen Tag Energie. Dann muss das Telefon an die Steckdose – und bleibt dort dank Quick Charge 4+ nicht lange hängen.

Wahlweise 6 GB oder 8 GB stehen als Arbeitsspeicher zur Auswahl. Die Bestückung des internen Speichers ist mit 128 bzw. 256 GB im akzeptablen Rahmen. Eine Speichererweiterung von bis zu 2 TB ist via microSD-Karte möglich.

Greift ihr zum Axon 20 5G, werkelt darin der bewährte Qualcomm Snapdragon 765 (7nm), der den neuen Funkstandard beherrscht.

Abzüge in der B-Note gib es für die teils unlogische Hardware-Zusammenstellung. Das 6,92-Zoll-Panel löst mit 2.460 x 1.080 Pixeln auf und bietet dank OLED satte Farben und eine Bildwiederholfrequenz von 90 Hz. Der Monolautsprecher dämpft allerdings den Genuss, damit Audio und Video zu streamen. Und dass ein 3,5-mm-Anschluss fehlt, ist für mich schwer erträglich, da ich einen verwenden möchte. Einher mit der fehlenden Klinkenbuchse geht die Abwesenheit eines eingebauten UKW-Radios. Kleinigkeiten, die mich doch stören.

Verfügbarkeit und Preise

Das ZTE Axon 20 ist bereits erschienen. Die 4G-Version mit 128 GB liegt bei etwa 400 Euro, die 5G-Version (128 GB) sogar noch etwas darunter. Mit 256 GB internen Speicher kostet sie in etwa so viel wie das LTE-Modell – 400 Euro.

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