Warum „Lite“-Smartphones keine gute Idee sind

Abgespeckt und weniger als gewohnt? Mit dem Begriff „Light“ verbinden wir hierzulande seltener etwas Positives. Umso unverständlicher, dass Smartphone-Hersteller ihre „Lite“-Produkte freiwillig abwerten.

Ganz ehrlich: Ich kapiere nicht, wieso vor allem Huawei und Honor seit Jahren ihre eigenen Smartphones deklassieren, indem sie als Namensanhängsel „Lite“ wählen. Auch Alcatel beim Shine Lite, ZTE beim Blade V7 Lite oder Wiko beim Upulse Lite haben nachgezogen, um Konsumenten zu verwirren. Denn „Lite“ wird gerne mit „Light“ gleichgesetzt. Und genau das möchte doch niemand bei einem Smartphone haben: Ein abgespecktes Gerät mit geringerem Funktionsumfang und geschmälerter Leistung.

Bei fettarmen Speisen und Getränken kann ich den Wunsch nach „weniger“ durchaus nachvollziehen, bei elektronischen Geräten sagt mir mein Gehirn: „Light“ bzw. „Lite“ ist nichts Gutes. Ich will schließlich keine Kompromisse eingehen. Der Clou ist, dass diese Skepsis unangebracht ist.

Viel Technik trotz „Lite“

Ein Blick auf aktuelle „Lite“-Smartphones von Huawei und Honor (gehören ja eh auf gewisse Weise zusammen) verdeutlicht: Da ist nichts wirklich „Light“. Das Huawei Mate 10 Lite (Shoplink) beispielsweise ist auf der Höhe der Zeit und ein prächtiges Mittelklasse-Smartphone: Octacore-Prozessor, 4GB RAM, 64GB Flash-Speicher und sogar zwei Dual-Kameras (Rückseite und Vorderseite) verdeutlichen, dass niemand mit Einschränkungen rechnen muss.

Wo ist da das Lite? (Foto: Huawei)

Wo ist da das Lite? (Foto: Huawei)

Auch das Honor 9 Lite (Shoplink) glänzt mit technischen Daten, die in der Preisklasse um die 250 Euro mehr als erstaunlich sind. Was soll das „Lite“ denn in diesem Fall bedeuten?

Ich verstehe, wieso sich die Firmen für Abstufungen entscheiden: Vom Huawei MediaPad M3 Lite (Shop) existiert eine teurere Version ohne Lite, die mehr Performance und bessere Komponenten besitzt. Ähnliches gilt für das Honor 9. Und das Mate 10 wird in Lite und Pro differenziert. Auch gibt’s teils deutliche, teils marginale Unterschiede zwischen dem ZTE Blade V7 und dem V7 Lite sowie dem Wiko Upulse und dem Upulse Lite. Ziel ist es also, dem Kunden zu zeigen, dass die höherpreisigen und die billigeren Modelle zur Verfügung stehen. Sinnvoll, klar. Nur wäre es nicht hilfreicher, zwischen „Pro“ und „Standard“ zu wählen, statt zwischen „Standard“ und „Lite“?

Flaggschiff-Psychologie: Größere Nummer, besseres Smartphone?

Psychologie?

Ich bin kein Experte, der die Psychologie und das Marketing-Potential dahinter studiert hat. Allerdings bin ich ein Konsument, bei dem beim Begriff „Lite“ die Alarmglocken läuten. Das ist unnötig, wie gerade das Mate 10 Lite und das Honor 9 Lite beweisen. Hinter „Light“ verbirgt sich längst die Smartphone-Mittelklasse, was euch beim Kauf bewusst sein sollte. Denn unter Umständen verpasst ihr sonst echt attraktive Vertreter zu guten Preisen.

Auch das Honor 9 Lite ist nicht Light. (Foto: Honor)

Auch das Honor 9 Lite ist nicht Light. (Foto: Honor)

Mein Wunsch ist es dennoch, dass die Anbieter von „Lite“-Smartphones einmal darüber nachdenken, ob das Wort wirklich gut geeignet ist. Eigene Produkte abzuwerten – das kann doch nicht im Interesse eines Herstellers sein, oder?

Besitzt ihr zufällig ein „Lite“-Telefon? Wie steht ihr zu dieser Bezeichnung? Oder ist sie euch sogar egal?

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