Smartphone als Babyphone verwenden: Mit diesen Apps klappt es!

Ein gutes Babyphone ist nicht günstig. Könnte man das Smartphone nicht als ein solches verwenden? Ja, das geht. Wir haben einige Apps ausprobiert.

Smartphones sind für uns längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Auch wechseln wir diese ziemlich regelmäßig, sodass sich Altgeräte in Schränken ansammeln. Über 100 Millionen nicht mehr benötigte Mobiltelefone liegen so ungenutzt in den hiesigen Haushalten herum. Wäre es nicht praktisch, diese wieder zu beleben? Als Babyphone zum Beispiel?

(Altes) Smartphone als Babyphone

Tatsächlich könnt ihr betagte Smartphones mit iOS oder Android in ein Babyphone verwandeln. Nötig ist allerdings noch ein zweites. Das alte Telefon übernimmt die Aufgabe des Senders, der zum Beispiel die Geräusche eures Babys erkennt. Euer aktuelles Smartphone wiederum dient als Empfänger, der euch informiert.

Auch Feature Phones wie das Nokia 150 können als Babyphone genutzt werden - wenn zumindest ein Smartphone vorhanden ist. (Foto: Nokia)

Auch Feature Phones wie das Nokia 150 können als Babyphone genutzt werden – wenn zumindest ein Smartphone vorhanden ist. (Foto: Nokia)

Zwei Telefone also. Gut. Darüber hinaus braucht ihr unter Umständen eine aktive SIM-Karte für euer altes Smartphone. Denn manche Apps nehmen über das Mobilfunknetz via Internet, SMS oder Telefonanruf Kontakt zum zweiten Handy auf. Meist dann, wenn kein WLAN zur Verfügung steht.

Vorteile der App-Lösung

Ich habe es schon angedeutet: Manche Apps funktionieren über das Funknetz, was im Gegensatz zu herkömmlichen Babyphone-Lösungen sogar einen Vorteil hat. Ihr seid, sofern das Netz funktioniert und ihr euch nicht im Funkloch befindet, nicht auf Entfernungen beschränkt. Das ist beispielsweise sehr praktisch bei Aufenthalten in Hotels oder bei Freunden, bei denen kein WLAN zur Verfügung steht (Was sind das für Freunde? 🙂 ).

Zusätzlich sind die Apps in der Regel sehr viel günstiger als das billigste Babyphone. Dank der App-Familienfreigaben, sowohl für iOS als auch Android, müsst ihr eine Anwendung nicht einmal doppelt kaufen. Vorausgesetzt, die Entwickler bieten dies an.

Auch preisgünstige Babyphones sind in der Regel sehr viel teurer als Apps. (Foto: Watch & Care)

Auch preisgünstige Babyphones sind in der Regel sehr viel teurer als Apps. (Foto: Watch & Care)

Dass ihr so einem alten Smartphone ggf. wieder einen Sinn gebt, ist sicherlich auch als Vorteil zu sehen. Und meist ist die Technik für eine Audio-Übertragung mehr als ausreichend und zuverlässig.

Und: Das Smartphone als Babyphone ist für all diejenigen ideal, die so etwas nur selten benötigen. Beispielsweise im Kurzurlaub. Dafür muss man nicht gleich ein Gerät kaufen, das 100 Euro und mehr kostet.

Nachteile von Apps und Smartphones

Doch da sind auch etliche Nachteile, die ihr nicht ignorieren könnt. Ihr stellt ein Smartphone – egal, ob alt oder neu, direkt neben das Bettchen eures Babys. Bei 3G/LTE-Verbindungen ist mit zusätzlicher Strahlung zu rechnen, bei WIFI würde man vermutlich das ohnehin vorhandene WLAN in dem Raum nutzen.

Ebenso sind die Kameras der Telefone nicht für eine sinnvolle Nachtsicht ausgelegt. Moderne Babycams verfügen über Infrarotlicht, das bei Dunkelheit den Raum ausleuchtet. Dazu sind Smartphones nicht in der Lage.

Eine Babycam besitzt in der Regel sehr hochwertige Infrarot-Sensoren für eine gute Nachtsicht. (Foto: Philips)

Eine Babycam besitzt in der Regel sehr hochwertige Infrarot-Sensoren für eine gute Nachtsicht. (Foto: Philips)

Letztlich sind Babyphones auf eine Funktion spezialisiert, nämlich das „Überwachen“ des Nachwuchses. Ein Smartphone ist ein Allrounder, kann aber nie ein hochwertiges Babyphone perfekt ersetzen. Dazu fehlt es vorrangig an entsprechender Technik (Kamera, sensiblere Mikrofone).

Ich möchte aber betonen, dass die hier vorgestellten Apps sehr wohl eine Daseinsberechtigung haben. Trotz Einschränkungen, mit denen ich gerechnet hatte, eignen sie sich für einen gelegentlichen Einsatz.

Smartphone als Babyphone: Die besten Apps

Meine persönlichen Favoriten bestanden einen Praxistest mit einem neun Monate alten Baby.

Babyphone 3G

Bereits die Einrichtung ist schön gelöst: Entscheidet euch auf euren beiden Smartphones dafür, welches Gerät die Babystation und welche die Elternstation sein soll. Anhand eines generierten Zahlencodes werden die Telefone miteinander verbunden. Das klappt übrigens völlig unabhängig davon, ob ihr über WIFI oder 3G/LTE mit dem Internet verbunden seid – auch bezogen auf den gesamten Funktionsumfang.

Babyphone 3G ist mein persönlicher Favorit, obwohl die App ein paar Euro kostet. Dafür aber hat sie einen großen Funktionsumfang, erlaubt das Schießen von Momentaufnahmen, das Übertragen von Videos, das Justieren des Mikrofons der Babystation und das Aktivieren eines Nachtmodus. Damit ist das Display fast ausgeschaltet, die Babystation bleibt aber stets aktiv. Und wer will, nutzt noch die Gegensprechanlage, spielt Schlaflieder ab und lässt sich nur visuell informieren, wenn das Baby aufwacht.

Tipp: Babyphone 3G ist auch als kostenlose, aber eingeschränkte Testversion verfügbar, solltet ihr die App in Ruhe ausprobieren wollen.

Name: Babyphone 3G
Erhältlich für: iOS (4,49 Euro) und Android (4,99 Euro)
Vorteile: Plattformübergreifene Verwendung (iOS und Android), alle relevanten Funktionen
Nachteile: Sporadische Probleme bei Videoübertragungen festgestellt

Babyphon (Baby Monitor)

Die Oberfläche ist vielleicht nicht die attraktivste, aber Babyphon erfüllt seinen Zweck. Interessanter Ansatz hier: Nur eine Person braucht die kostenpflichtige App. Schlägt die Anwendung Alarm, weil Geräusche bemerkt wurden, ruft diese selbständig eine zuvor angegebene Telefonnummer für die Übertragung eines Livetons an. Das kann vielen schon vollkommen genügen.

Einfach, aber gut gelöst. (Foto: Screenshot)

Einfach, aber gut gelöst. (Foto: Screenshot)

Babyphon bietet darüber hinaus die Möglichkeit, zuvor aufgenommene Stimmen (von Mama und Papa) aufzunehmen sowie abzuspielen. Wählt optional eigene Schlaflieder aus oder aktiviert ein eher unnützes Nachtlicht. Das sind obligatorische Basiselemente, die ich persönlich nicht brauche.

Was ich sehr gut finde: Babyphon kann auch ein Feature Phone oder Seniorentelefon anrufen. Im Zweifel verschickt die App einfach nur eine SMS mit der Info, dass das Baby unruhig ist.

Name: Babyphon
Erhältlich für: Android (3,99 Euro)
Vorteile: Nur ein Smartphone nötig, das andere Telefon kann ein beliebiges sein (Festnetz, iOS, Feature Phone..)
Nachteile: Antiquierte Oberfläche

Dormi – Babyfon

Dormi ist ähnlich facettenreich wie Babyphone 3G, doch erstaunt die App durch kreative Ansätze. Der intelligente Audio-Modus erkennt den Geräuschpegel im Schlafzimmer des Kindes automatisch – sogar dann, wenn das Smartphone mehr als einen Meter entfernt vom Bett steht.

Was mir bei Dormi besonders gefällt, das ist die auf Wunsch sehr dezente Benachrichtigung via Vibration oder unauffälligen Ton. Im Direktvergleich war der Akkuverbrauch beim Babyteil niedriger als bei Babyphone 3G. Und ein experimenteller Nachtmodus sowie generell sehr aufgeräumte, moderne Menüs gibt’s auch noch.

Für mich gibt’s aber ein großes Minus: Vier Stunden pro Monat könnt ihr euer Baby mit Dormi „überwachen“, danach sollt ihr entweder monatlich, jährlich oder auf Lebenszeit zahlen. Das sind dann 69 Cent pro Monat oder einmalig (für unbegrenzte Verwendung) 6,99 Euro.

Name: Dormi – Babyfon
Erhältlich für: Android (kostenlos, In-App-Käufe)
Vorteile: Extrem umfangreich, professionell und gut zu bedienen
Nachteile: Monatliche Kosten bzw. hoher Preis, keine iOS-Version

BabyPhone Mobile

Die App BabyPhone Mobile glänzt nicht unbedingt mit einer modernen Gestaltung, aber mit anderen Stärken. Wichtig war den Entwicklern von Papenmeier Software die sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die ihr durch ein selbstgewähltes Passwort verstärken könnt. Es werden sogar Temperatur- und Luftfeuchtesensoren bei vorhandener Hardware berücksichtigt. Das ist dann aber eher etwas für Tüftler.

Das reguläre BabyPhone Mobile lässt sich über WLAN und mobiles Internet steuern. Nach dem Ausprobieren der Testversion müsst ihr jedoch zeitbasierte Lizenzen erwerben. Und das ist im Vergleich zu den Mitbewerbern ganz schön teuer: Für ein Jahr werden 15 Euro fällig, ein Monats-Abo liegt bei 1,35 Euro. Benötigt ihr nur eine Lösung fürs lokale WIFI, könnt ihr zum minimal abgespeckten WIFI Baby Monitor greifen, der einmalig 3,50 Euro kostet.

Zweifelsohne die größte Besonderheit von BabyPhone Mobile ist, dass ihr auch einen Laptop oder stationären Rechner mit Windows oder MacOS als Elternteil einsetzen dürft. Solltet ihr also nur ein Smartphone und einen Computer daheim als Babyphone-System parat haben, ist diese App ideal. Und beim Funktionsumfang bietet sie nicht weniger als die anderen.

Name: BabyPhone Mobile
Erhältlich für: Android (ab 1,35 Euro pro Monat), Windows XP oder höher, MacOS
Vorteile: Elterngerät kann Laptop oder Desktop-PC sein, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Unterstützung zusätzlicher Sensoren
Nachteile: Keine iOS-Version, relativ hohe Abo-Kosten, antiquierte Oberfläche

MAM Baby Phone

Nicht perfekt, aber für den gelegentlichen Einsatz ist die kostenlose App ausreichend. Die gemeinsame Verwendung von einem iPhone und einem Android-Smartphone für Baby- beziehungsweise Elternstation ist kein Problem. Videofunktion, Gegensprechanlage, Verbindung via WLAN oder Handynetz, ein paar Individualisierungsoptionen – eigentlich alles vorhanden, was ihr braucht.

Kostenlos und wirklich solide. (Foto: MAM)

Kostenlos und wirklich solide. (Foto: MAM)

Gelegentlich verlor die Babystation die Anbindung zum Elternteil, sonst aber funktionierte MAM Baby Phone weitgehend zuverlässig. Letztlich solltet ihr nicht vergessen, dass es sich um ein Werbeprodukt des Herstellers MAM handelt. Stört euch das nicht, braucht ihr womöglich wirklich keine andere App.

Name: MAM Baby Phone
Erhältlich für: Android (ab Android Version 4.3; kostenlos) und iOS (ab Version 8; kostenlos)
Vorteil: Komplett kostenlos, einfache Bedienung, hübsche Gestaltung
Nachteile: Werbe-App von MAM Baby, kaum Komfortfunktionen, sporadisch Verbindungsabbrüche

Fazit: Apps sind kein vollwertiger Ersatz

Ehrlich gesagt bin ich immer etwas skeptisch, wenn sich ein Smartphone im Schlafzimmer befinden soll. Im Fall der Babyphone-Apps ist es sogar kontinuierlich eingeschaltet und „strahlt“. Ebenfalls nimmt es dauerhaft Audio und ggf. Video auf. Abgesehen davon überraschte mich mein Test auch positiv: Gerade Babyphone 3G und Dormi machen einen guten Job.

Aufgrund der Smartphone-Technik kommen allerdings alle Apps an ihre Grenzen. Nämlich dann, wenn sie unabhängig von WLAN oder Handynetz funktionieren sollen und ihr euch eine gute Nachtsicht wünscht.

Mein Tipp lautet daher: Sucht ihr eine permanente Lösung, die euch einige Monate oder vielleicht mehrere Jahre begleiten und helfen soll, wählt ein „klassisches“ Babyphone. Mit oder ohne Kamera – das ist euch überlassen. Die Apps wiederum spielen ihren Trumpf aus, wenn ihr spontan eine Babyschlaf-Überwachung braucht. Bei Freunden, im Urlaub, im Hotel und immer dann, wenn ihr das Mitnehmen eines Babyphones nicht planen könnt. Denn fast immer sind Smartphones dabei, die im Notfall mit der richtigen App eine echt solide Babyphone-Alternative sein können.

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