Name weg, Zukunft ungewiss – aus CyanogenMod wird Lineage OS

Neue Smartphones mit dem alternativen Android Cyanogen OS wird es nicht mehr geben. Das Unternehmen Cyanogen Inc. stellt seine diesbezüglichen Dienste zum Jahresende ein. Der Open-Source-Zweig CyanogenMod jedoch wagt unter dem Namen Lineage OS einen Neustart. Google hat wohl nichts zu befürchten.

Meine Einschätzung war schlichtweg falsch! Vor einem knappen Jahr habe ich die Hoffnung geäußert, Cyanogen OS könne die Alternative zu Google Android und Apples iOS werden. Windows 10 Mobile und Blackberry 10 hatten damals schon den Anschluss verloren, ich sah die einzige Möglichkeit, Google und Apple weitgehend vom eigenen Smartphone fernzuhalten, in einem Custom-ROM. Caynogen OS war zumindest auf einigen Smartphones schon vorinstalliert, doch das Unternehmen dahinter, Cyanogen Inc., stellt zum Jahresdienste die Weiterentwicklung ein. Damit wird es für Oneplus One, BQ Aquaris X5, Lenovo ZUK Z1 und alle Wileyfox-Smartphones voraussichtlich keine Updates mehr geben. Aus der Open-Source-Variante CyanogenMod wird nun Lineage OS. Vielleicht kommt von dort Abhilfe.

Zurück zur Basisdemokratie

Das neue Lineage OS (auch schon Lineage Android genannt) wird ein Fork von CyanogenMod sein, also eine eigenständige Weiterentwicklung auf Grundlage einer vollständigen Kopie des Open-Source-Projekts. Es geht hierbei nicht um neue Funktionen, sondern um eine organisatorische Eigenständigkeit. Bei Lineage OS sollen Entscheidungen wieder demokratisch im Team getroffen werden. So eine Abspaltung kann durchaus erfolgreich sein. In der Vergangenheit haben schon einige Forks nach der Trennung das ursprüngliche Projekt in der Entwicklung rasch überholt – bei Linux-Distributionen zum Beispiel oder bei alternativen Office-Paketen. Doch ganz so einfach ist das nicht.

Bislang konnte CyanogenMod die Infrastruktur von Cyanogen Inc. nutzen, zum Beispiel die Server. Das fällt nun weg. Um einen klaren Schnitt zu setzen, war aus Sicht der Community auch eine Umbenennung notwendig. Der CyanogenMod-Gründer Steve Kondik hatte bei Gründung von Cyanogen Inc. die Namensrechte dem Unternehmen übertragen. Es wird befürchtet, diese könnten nun verkauft werden, um Kasse zu machen. Der Bruch wird aber auch als Chance für einen Neuanfang gesehen, denn Cyanogen stand für viele zuletzt auch für Trägheit und mangelnde Innovation. Ob dies allerdings mit einer basisdemokratischen Organisation besser gelingen wird, bleibt abzuwarten.

Bessere Einbindung von Skype, OneNote und Cortana

CyanogenMod entwickelte für viele Smartphones Android-Versionen, die zwar auf dem Open-Source-Android (AOSP) basierten, aber ohne Google-Dienste auskommen konnten. Dadurch erhielten ältere Smartphones eine aktuelle Android-Version, die von den Herstellern nicht mehr geliefert wurde. Auf neueren Geräten kam die neue Version in der Regel schneller an, da offizielle Updates erst vom Geräte-Hersteller angepasst und dann meist auch noch vom Netzbetreiber freigegeben werden müssen. Das Problem dabei war jedoch, dass CyanogenMod vom Nutzer selbst installiert werden musste. Das war mit Risiko verbunden, denn es setzte technische Fähigkeiten voraus und ließ die Herstellergarantie erlöschen. Und schließlich bestand die Gefahr, dass das Gerät unbrauchbar wurde und nicht mehr startete.

Aufs falsche Pferd gesetzt. Wileyfox stattete alle Smartphones mit Cyanogen OS aus (Bild: Wileyfox)

Aufs falsche Pferd gesetzt. Wileyfox stattete alle Smartphones mit Cyanogen OS aus (Bild: Wileyfox)

Cyanogen OS wurde von Cyanogen Inc. entwickelt, damit Smartphones bereits damit ausgeliefert werden. Deren Hersteller konnten Cyanogen OS mit und ohne Googles App Store anbieten. Darüber hinaus ließ sich das alternative Betriebssytem aber auch weiter konfigurieren und hatte den Anspruch, sicherer zu sein. Das Scheitern wurde Personen im Unternehmen zugeschrieben, sodass zum Oktober eine erste Umstrukturierung erfolgte. Cyanogen OS sollte modular werden, sodass die Smartphone-Hersteller nicht mehr das gesamte Betriebssystem auf ihre Geräte spielen müssen, sondern nur noch einzelne Komponenen übernehmen und ihre bestehende Software integrieren können. Das Unternehmen spricht von Sicherheitsfunktionen und einer Technik zur Wortvorhersage bei Bildschirm-Tastaturen, also um Artificial Intelligence. Tatsächlich geht aber wohl um eine bessere Integration von Microsoft-Diensten wie Skype, OneNote und Cortana. Das Unternehmen hat vor Jahren eine Beteiligung an Cyanogen Inc. erworben.

Worin liegt also nun die Alternative zu Google und Apple auf dem Smartphone? Auch wenn ich schon einmal falsch lag, möchte ich dennoch eine Prognose wagen. Lineage OS wird einige der ehemaligen CyanogenMod-Nutzer ansprechen. Doch viele werden sich auch damit abgegeben haben, dass sie an Google nicht mehr vorbeikommen – so wie viele nach Jahren auf dem Desktop/Laptop zu Windows zurückgekehrt sind. Das Betriebssytem dort dient vor allem dazu, um im Browser Cloud-Dienste laufen zu lassen. Und auf dem Smartphone wird es bald nicht mehr wichtig sein, die eigene App in den Google Play Store oder den Apple App Store zu bekommen, sondern als Chatbot oder in einer anderen Form bei Facebook oder anderen Messengern vertreten zu sein. Wer sich 2017 für Alternativen in der mobilen Welt begeistert, sucht diese nicht in der Hardware oder in einem Betriebssystem, sondern in einer Alternative zu Facebook.

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