Google Pixel 4: Fünf Funktionen, die nicht jedes Smartphone hat

Es ist unscheinbar, dezent und doch vollgestopft mit guten Ideen: Das Google Pixel 4 macht vieles besser als so mancher Smartphone-Platzhirsch.

Im Oktober 2019 erschien mit dem Google Pixel 4 und dem Pixel 4 XL die neueste Ausgabe der Google-eigenen Smartphone-Reihe. Für größtes Aufsehen sorgten die Geräte nicht, subjektiv betrachtet fällt es dem Konzern immer etwas schwer, sich gegenüber Samsung oder Apple zu behaupten. Aber warum eigentlich? Nach einigen Wochen mit dem Pixel 4 bin ich doch sehr angetan von den großen und kleinen Ideen…

Das ist das Google Pixel 4

Doch der Reihe nach: Das Google Pixel 4 ist auf den ersten Blick ein Highend-Smartphone aus dem Jahr 2019, was bedeutet: Qualcomm Snapdragon 855 Octacore-Prozessor und 6GB RAM sorgen für mehr als ordentlich Tempo. Doch das geht im Jahr 2020 beispielsweise mit dem Snapdragon 865 und mehr Arbeitsspeicher flotter.

ProzessorQualcomm Snapdragon 855
Hauptbildschirm5,7 Zoll OLED-Bildschirm (FHD+, HDR, 90Hz, Gorilla Glass 5)
Speicher6 GB Arbeitsspeicher, 64/128GB interner Speicher
BetriebssystemAndroid 10
Akku2.800 mAh
Hauptkamera- 16MP (f/2.4, 52°)
- 12,2MP (f/1.7, 77°)
Frontkamera8MP (f/2.0, 90°)
USB-AnschlussUSB Typ-C
Extras- Bluetooth 5.0 + LE (HD codecs: AptX, AptX HD, LDAC)
- Wi-Fi 2,4 GHz + 5 GHz 802.11 a/b/g/n/ac 2x2 MIMO
- Soli Radar Sensor
- NFC
- Google Cast
- Qi - schnurloses Laden

Andererseits ist sogar Google bereits von der unverbindlichen Preisempfehlung abgerückt, sodass ihr das Pixel 4 mit allen seinen Stärken zu einem mittlerweile attraktiven Sümmchen erhaltet. Dabei bezieht sich „attraktiv“ auch auf weitere Aspekte, die die meisten Smartphones in dieser Form nicht bieten. Meine persönlichen Highlights…

1. Das Design

Die Optik des Pixel 4 gehört sicherlich zu den größten Streitpunkten. Für manche mag sie altbacken oder langweilig sein. Ich persönlich sehe das ganz anders, was vielleicht auch daran liegt, dass es meinem geliebten Samsung Galaxy S8 doch erstaunlich ähnlich sieht. Google verzichtet auf große Experimente wie Notch oder Aussparungen im Display für die Kamera. Das Pixel 4 fühlt sich klassisch, aufgeräumt und doch edel an – gerade dann, wenn ihr es in den Händen haltet.

Das Telefon fühlt sich wertig an und hinterlässt einen klassischen Eindruck. (Foto: Sven Wernicke)

Das Telefon fühlt sich wertig an und hinterlässt einen klassischen Eindruck. (Foto: Sven Wernicke)

Zum Design gehört für mich auch das Display. Der 5,7 Zoll große Bildschirm im 19:9-Format verfügt über die „Smooth Display“-Funktion. Oder anders gesagt: Wenn Apps dies unterstützen, schaltet das Telefon auf einen 90-Hz-Modus, der zu einer flüssigeren Darstellung führt. Und ja, das könnt ihr sehr wohl erkennen. Zum Beispiel beim Scrollen. Gorilla Glass 5 schützt euer Telefon, HDR unterstützt das Google Pixel 4 außerdem.

Gewiss liegt es daran, dass ich privat nach wie vor ein Samsung Galaxy S8 besitze, das für mich tatsächlich bezogen auf die Gesamtgröße das Optimum darstellt. Das Pixel 4 ist allerdings etwas dünner und liegt minimal besser in der Hand. Tja, und es ist kein Smartphone, das durch seine Optik für Aufsehen sorgt, aber sowas brauche ich nicht. Ich möchte ein aufgeräumtes Design und kompakte Ausmaße ohne Schnickschnack. Genau in diesem Bereich begeistert mich das Gerät sehr.

2. Motion Sense (und Gestensteuerung)

Zugegeben: Ich stehe auf neckische Ideen wie zum Beispiel „Always on“-Displays mit Uhr- und Benachrichtungs-Anzeigen. Mit Motion Sense spinnt Google das noch etwas weiter. Während bei anderen Smartphone-Produzenten der Lichtsensor dafür sorgt, dass sich die Uhr ohne das Entsperren des Telefons zeigt, ist es bei dem Google Pixel 4 der Soli genannte Radar-Chip. Ihr müsst nur in der Nähe sein, schon leuchtet euer Telefon auf und wartet auf eine Verwendung. Das sieht schon ganz cool aus.

Nach sechs Monaten lieferte Google endlich ein Update für die korrekte Verwendung von Face Unlock nach. (Screenshot)

Nach sechs Monaten lieferte Google endlich ein Update für die korrekte Verwendung von Face Unlock nach. (Screenshot)

Soli bietet darüber hinaus noch Gestensteuerung, die sich derzeit auf das Pausieren von Musik oder Überspringen von Tracks reduziert. Das ist ganz nett und funktioniert, da ist allerdings noch Luft nach oben. Das gilt nicht mehr für die Gesichtserkennung, bei der Soli auch Verwendung findet. Die ist rasend schnell und funktioniert so, wie ich mir das wünsche. Ärgerlich ist nur, dass Google rund ein halbes Jahr benötigte, um einen Fehler via Patch (Release Anfang April 2020) zu beheben: Ihr konntet euer Smartphone mit geschlossenen Augen entsperren. Das lässt sich jetzt in den Einstellungen konfigurieren – zum Glück.

3. Natürlich. Die Kamera des Google Pixel 4

Umso mehr Kameras, desto besser das Smartphone? Diese ohnehin nicht ganz korrekte Annahme machte Google bislang nicht mit. Doch im Google Pixel 4 steckt erstmals eine Dual-Kamera mit 16 Megapixeln (f/2.4, 52 Grad Erfassungswinkel) und 12,2 Megapixel (f/1,7, 77 Grad Erfassungswinkel). Tiefensensor oder Ultraweitwinkel gibt’s zwar nicht, aber dennoch gehört das Google Pixel 4 derzeit zu den Smartphones mit den besten Kameras. Der schnelle Autofokus fällt euch sofort auf, im Alltag wisst ihr aber auch den (teils optischen) Zoom zu schätzen. Der überrascht durch gute Kontraste und möglichst wenig „Pixelbrei“ – auch bei achtfacher Vergrößerung. Danke, Machine Learning! Natürlich ist der Qualitätsverlust nicht zu übersehen, aber die Resultate sind trotzdem beachtlich.

Die Bokeh-Simulation, die Google softwareseitig löst, führte bei meinen Tests zu faszinierenden Ergebnissen – klasse, wie das Telefon Personen und Hintergründe so präzise unterscheiden kann. Der Nachtmodus ist ebenfalls stark, gerade im Vergleich zu meinem Galaxy S8. In diesem kommt wieder KI zum Einsatz.

Selfie mit Bokeh-Effekt. KI macht es möglich. (Foto: Sven Wernicke)

Selfie mit Bokeh-Effekt. KI macht es möglich. (Foto: Sven Wernicke)

Mir persönlich fehlt zu meinem Glück nur ein Pro-Modus zum manuellen Ändern aller Einstellungen. Aufnahmen im RAW-Format für eine spätere Bearbeitungen sind dafür kein Problem.

4. Active Edge: Praktische „Spielerei“

In der Vergangenheit versuchte sich HTC an einem solchen Feature, Google zieht dies bereits seit dem Pixel 2 durch. Auch das Pixel 4 verfügt über Active Edge. Das sind am unteren Rand des Displays integrierte Drucksensoren. Haltet das Smartphone in der Hand, drückt den Bildschirm „zusammen“ und aktiviert so den Google Assistant oder schaltet alternativ euer Telefon in den Stumm-Modus.

Nicht von außen zu erkennen - am unteren Rand sind Drucksensoren integriert. Sie geben auch haptisches Feedback. (Foto: Sven Wernicke)

Nicht von außen zu erkennen – am unteren Rand sind Drucksensoren integriert. Sie geben auch haptisches Feedback. (Foto: Sven Wernicke)

Ehrlich: Irgendwie ist dieses kleine Element sehr nett. Sofern ihr den Sprachassistenten häufiger nutzt, zum Beispiel zur Steuerung eures Smart Home, ist er durch Active Edge schnell aufgerufen. Bedauerlich ist höchstens, dass Google nach wie vor keine Option anbietet, Active Edge so zu konfigurieren, dass ich andere Apps starten kann. Oder zumindest die Kamera. Das könnten die Entwickler gerne durch ein Update nachreichen.

5. Drei Jahre das neueste Android mit dem Google Pixel 4

Apropos Update. Es ist klar, dass Google seine eigenen Smartphones vorbildlich unterstützt. Mindestens drei Jahre verspricht das Unternehmen Updates, also: Neueste Android-Versionen, Bugfixes und Sicherheits-Aktualisierungen. Darüber müsst ihr euch also eine angenehm lange Zeit keinerlei Gedanken machen.

Viel Zubehör gibt es beim Kauf des Google Pixel 4 nicht. (Foto: Sven Wernicke)

Viel Zubehör gibt es beim Kauf des Google Pixel 4 nicht. (Foto: Sven Wernicke)

Was mir aber auch gefällt: Während andere Hersteller ständig Updates versprechen und diese, gerade bei den neuen Android-Versionen, teils viele Monate auf sich warten lassen, gibt es bei Google kaum Verzögerungen. Das Pixel 4 kam bereits mit Android 10 in den Handel, seitdem erschienen schon einige Verbesserungen. Das April-2020-Sicherheitsupdate war beispielsweise am 5. April erhältlich – schneller geht’s kaum.

Alles hat seinen Preis…

Ich könnte noch ein paar weitere Stärken nennen. Bei „Now Playing“ erkennt euer Google Pixel 4 selbständig, was gerade für Musik läuft. Eine Offline-Datenbank ist direkt auf dem Smartphone gespeichert, sodass es keine Daten an Google oder ins Internet überträgt. Klasse, aber freilich auch nicht mehr neu. Das führte Google schon beim Pixel 2 ein. Auch die Stereo-Lautsprecher sind kein Novum, aber sehr ordentlich.

Eine Weitwinkel-Kamera könnten manche Foto-Liebhaber vermissen. (Foto: Sven Wernicke)

Eine Weitwinkel-Kamera könnten manche Foto-Liebhaber vermissen. (Foto: Sven Wernicke)

Womit ich dagegen nicht zufrieden bin, das ist die Akkulaufzeit. Schaltet ihr die hier genannten „Spielereien“ an und nutzt euer Smartphone intensiv, könnt ihr nur hoffen, dass ihr bequem über den Tag kommt. Ihr entschärft das Problem, indem ihr das Display von 90Hz zurück auf 60 Hz stellt, auf Motion Sense und den Always on-Display verzichtet. Aber dann würde das Pixel 4 auch weniger Spaß bereiten.

Ja, der Akku ist etwas schwach für das, was das Pixel 4 bietet. Abgesehen davon bin ich nach meinem mehrwöchigen Test des Smartphones erstaunt und begeistert. Google-Smartphones hatte ich – warum auch immer – kaum auf dem Schirm. Aber wieso eigentlich? Der Hersteller integriert clevere, unterhaltsame und praktische Ideen, bietet stets das neueste Android, liefert eine starke Kamera und ein unaufgeregtes, schnörkelloses Design. Ja, mit dem Google Pixel 4 könnte ich glücklich werden.

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