Goodbye, geschätztes Billig-Smartphone, ich mache mit dir Schluss!

Smartphone-Fan und Trendblog-Redaktionsleiter Jürgen Vielmeier war der Meinung, dass er auch mit einem Billig-Smartphone glücklich werden könnte. Ein paar Monate lang ging das gut, dann begannen die Probleme. Schuld für die Trennung war am Ende maßgeblich eine App.

Hach, geschätztes ZTE Blade A512! Schön weiß glänztest du, als ich dich zum ersten Mal sah. Nicht wenige hielten dich für ein viel teureres, altes iPhone 6 oder sogar eins der hochgelobten Google Pixel Phones. Vielleicht auch, weil sie dachten, mit etwas Schlechterem würde sich ein Smartphone-Freak wie ich nie zufrieden geben. Doch, würde ich, weil ich dachte, die äußeren Werte ließen mich über so manches Detail hinweg sehen. Und die inneren Werte: so schlecht doch auch wieder nicht! Listenpreis: 159 Euro, geschossen in einem Euronics-Angebot für 135! Was sollte schon schief gehen?

Damit begannen die Probleme

Vielleicht hätte es mir eine Warnung sein sollen, als ich mir eine zusätzliche Speicherkarte besorgte und du direkt meldest, sie sei nicht schnell genug. Ich ignorierte die Beschwerden, auch weil ich es nicht einsah, 80 oder mehr Euro für eine taugliche Karte auszugeben, also mehr als die Hälfte dessen, was ich für dich überhaupt auf den Tresen gelegt hatte.

Schon nicht hässlich! Ein ZTE Blade A512 für mittlerweile kaum mehr als 100 Euro.

Schon nicht hässlich! Ein ZTE Blade A512 für mittlerweile kaum mehr als 100 Euro.

Alles andere aber stimmte eigentlich ziemlich lange: Schön hell das Display. Spiele und Videos flutschten. Dass nur eine HD-Ready-Auflösung mit 720p im Display steckte – ich merkte keinen Qualitätsunterschied. Nach ein paar Anpassungen entpupptest du dich als wahres Akkuwunder. Meist zwei Tage kam ich ohne Steckdose aus. Auch weil mir durch den Neustart mit dir nach und nach endlich klar wurde, dass ich so ein Smartphone-Freak gar nicht mehr war. Facebook, Twitter und andere Social Networks besuchte ich immer seltener. Messenger wie WhatsApp oder Wire nutze ich mittlerweile lieber auf dem Laptop, wo sich besser tippen lässt.

Spotify hat uns entzweit

Ja, du hattest Macken, aber ich dachte, ich würde schon darüber hinweg sehen. Wie, dass deine Frontkamera wesentlich bessere Fotos schießt als die Hauptkamera. Sollte es nicht eigentlich anders herum sein? Egal, dachte ich lange. Ein guter Fotograf, der ich ja sein wollte, kann auch mit einfachstem Equipment tolle Fotos knippsen, wenn er nur weiß wie. Das half aber nicht über die Tatsache hinweg, dass dein so genannter Autofokus auch bei besten Lichtverhältnissen in einigen Metern Entfernung nicht scharf stellen wollte. Egal worauf. Einfachste Schnappschüsse nur mit Mühen aufzunehmen – es nervte irgendwann.

Wurde für mich zum Symbolbild auf dem Budget-Smartphone: Die Spotify-App hängt. Beim Start und beim Laden der offline gespeicherten Playlists. Jedes Mal. Etliche Sekunden lang.

Wurde für mich zum Symbolbild auf dem Budget-Smartphone: Die Spotify-App hängt. Beim Start und beim Laden der offline gespeicherten Playlists. Jedes Mal. Etliche Sekunden lang.

Und dann kam Spotify. Ich liebe den Service, bin Fan und zahlender Kunde seit der ersten Stunde, verteidige das Modell Streaming an allen Ecken und Enden gegen Downloader, CD- und Vinly-Liebhaber, habe mehr Musik über den Service entdeckt, als ich je zu träumen wagte. Aber die App! Welch ein Graus sie ist, offenbart sich erst bei einem leistungsschwachen Telefon wie eben dir, liebes Blade A512! Dafür kannst du allenfalls ein bisschen was, es ist maßgeblich Spotifys Schuld. Aber wenn ich meinem liebsten Hobby Spazierengehen mit schöner Musik und dabei ein paar Fotos schießen nicht mehr nachgehen kann, dann läuft etwas grundlegend schief.

Nach einem halben Jahr schon Altersschwäche?

Es sind weder du noch ich. Wir können uns darauf einigen, Spotify die Schuld zu geben. Wer immer Minuten braucht, wenn man die App einschalten will, wer ewig lädt, obwohl man Playlists offline gespeichert hat, wer Songs spielt und sie nicht pausieren oder skippen lässt oder nur mit 30 Sekunden Verzögerung, den mag man irgendwann nicht mehr. Ja, Spotify hat uns entzweit, liebes Blade. Aber auch die Kamera, der Prozessor – und gar nicht so viel sonst.

Ein auf dir vorinstalliertes Tool namens CleanMaster meldete kürzlich, nich weniger als 3,5 GB Speicher ließe sich auf dir wieder freiräumen. 1,5 GB davon waren Cache. Du lieber Himmel, was hatte sich denn da alles aufgestaut? Deine einst zweiminütige Boot-Zeit habe ich durch Abschalten aller automatischer App-Starts und das Leeren der Cache auf eine Minute runtergedrückt. Aber auch das ist noch zu lange, eigentlich. Immer länger musste ich warten, immer weniger machtest du aus dir selbst. Unsere Beziehung steuerte schon nach einem halben Jahr auf das Ende zu.

Goodbye Budget-Phone, es geht nicht mehr!

Und natürlich gehe ich mit einem weinenden Auge. Denn um ein paar deiner Eigenschaften haben mich andere beneidet! Sei es diese schöne Kamera-App mit Goldener-Schnitt-Spirale und manuellen Einstellungsmöglichkeiten wie ISO und Weißabgleich. Wenn doch nur deine Kamera auch so gut gewesen wäre…

ZTE Blade A512

ZTE Blade A512

Dann dein wirklich schönes Design und vor allem deine Netzqualität in geschlossenen Räumen! Selbst in den meisten Kellerkneipen hatte ich noch LTE-Empfang, während Freunde mit ihren teureren Smartphones beim gleichen Anbieter völlig ins Leere guckten. Ein Detail, das nicht hoch genug bewertet werden kann und doch gegen elementare Eigenschaften wie Geschwindigkeit und Kamera nicht ankommt.

Schade, liebes Blade A512. Ich werde dich in Kürze weiterverkaufen. Dann am besten an jemanden, der auch ohne Spotify und gute Kamera auskommen kann. Denn dann kann man mit dir durchaus glücklich werden!

Habe ich alle Warnungen in den Wind geschlagen?

Und was für mich als nächstes kommt? Ich weiß es noch nicht. Ich werde mich ein wenig durch Testgeräte durchprobieren. Aber ich weiß, dass ich in Zukunft auf jeden Fall beides möchte: tolle Technik und ein gutes Design. Bei dir, liebes Blade, und deinem Vorgänger hat eins von beidem leider immer gefehlt. Vielleicht finde ich ein bald ein Telefon, das beides kann. Aber die kurze Zeit mit dir werde ich trotzdem nicht in schlechter Erinnerung behalten. Goodbye, geschätztes Blade A512! Ich hoffe, wir bleiben Freunde!

Wer es dennoch einmal mit einem Budget-Phone versuchen möchte: Bei Euronics gibt es immer wieder Angebote für das ZTE Blade A512, meist nicht oberhalb der 100-Euro-Marke. Kollege Peter Giesecke hatte mich übrigens schon kurz nach dem Erwerb gewarnt, dass ein Billig-Smartphone nur eine tickende Zeitbombe sei. Dass er aber auch immer Recht behalten muss! 😉

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2 Kommentare zu “Goodbye, geschätztes Billig-Smartphone, ich mache mit dir Schluss!
  1. Moin Jürgen, wieder mal ein schöner Vielmeier-Artikel 🙂 Ich empfehle zum Test das BB Priv, schönes, außergewöhnliches Design, gute Technik, einige Besonderheiten, schnelle Sicherheitsupdates jeden Monat, bald ein Update auf A7 und derzeit schon für wenig Geld zu haben.
    Habe es nun seit 2 Monaten privat, neben Q10 für die Arbeit…

    • Danke Boris. 🙂

      Und schön auch, dass du Blackberry die Treue hältst. Aus irgendeinem Grund bleibe ich mit deren Smartphones verbunden, aber meine Wahl würde derzeit auf andere Geräte fallen. Ich liebäugle mit dem Huawei P10…

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