Nordlichter fotografieren: So geht’s

Nachdem ich kürzlich in Norwegen auf die Jagd nach Nordlichtern gegangen bin, wurde ich gefragt, wie man sie am besten fotografieren kann. Deswegen hierzu eine kurze Anleitung, solltet ihr auch einmal in den Genuss kommen, sie zu sehen.

Gleich vorweg: Ich bin Amateurfotograf und gerade mal ein durchschnittlicher. Ich kenne mich ganz okay mit der Technik aus und hin und wieder gelingt mir ein ordentlicher Schnappschuss. (Zum Beispiel dieser hier ;). Warum also gerade ich hier jetzt Tipps geben soll, wie ihr die Nordlichter fotografieren könnt? Weil ich mir ein wenig Hilfe eingeholt habe. Und weil meine Polarlichtfotos ganz brauchbar geworden sind. Und bei denen, die nichts geworden sind, weiß ich wenigstens warum nicht.

Deswegen hier die „Anleitung“. Das macht ihr, um Nordlichter zu fotografieren:

1. Ihr packt die richtigen Sachen ein

Unbedingt mitnehmen für die Jagd nach Nordlichtfotos: Ein Stativ, einen Reserveakku (bei Minusgraden entleert sich ein Akku im Betrieb sehr schnell), Ladegerät, ein Tuch oder etwas Ähnliches, um die Kamera gegen Wind und Schnee zu schützen. Ein Objektiv mit Normalbrennweite, ein Weitwinkelobjektiv, um das ganze Spektrum einzufangen. Beide möglichst lichtstark. Und natürlich eine Kamera.

2. Ihr nehmt die richtige Kamera mit

Welche Art von Kamera ihr nehmt, um die Nordlichter zu fotografieren ist im Prinzip zweitrangig. Wichtig ist, was sie kann. Es kann eine Spiegelreflexkamera, eine Systemkamera, Zoom- oder Kompaktkamera sein. Unabdingbar für die Wahl der Kamera ist: Sie muss sich manuell einstellen lassen und Langzeitbelichtung beherrschen. Blende, Verschlusszeit und Lichtempfindlichkeit (ISO) sollten sich frei wählen lassen.

Besser auch, wenn ihr die Schärfe am Objektiv von Hand einstellen könnt. Eine einfache Kompaktknipse, die nur Automatikprogramme beherrscht, bringt euch hier nichts. Schön wäre natürlich, wenn eure Kamera auch bei hohen ISO-Zahlen wenig rauscht. Wählt also nicht unbedingt die allereinfachste Kamera, um die Nordlichter zu fotografieren.

3. Ihr fahrt dorthin, wo es Nordlichter zu sehen gibt

Logisch, ne? Gute Chancen hat man dafür im ganz hohen Norden. Island, der Norden Skandinaviens oder gar Spitzbergen. Ich selber war im nordnorwegischen Tromsø auf Nordlichter-Jagd. Am besten kann man Nordlichter außerdem abseits von Siedlungen (Stichwort „Lichtverschmutzung“) und bei klarem Himmel fotografieren.

4. Ihr benutzt ein Stativ

Um die Nordlichter ansprechend zu fotografieren, müsst ihr eure Kamera auf Langzeitbelichtung stellen. Damit die Bilder da nicht verwackeln, ist ein Stativ (oder zumindest eine feste Unterlage, wenn vorhanden) unerlässlich.

5. Ihr stellt die Kamera entsprechend ein

Fotoprofis vor Ort rieten mir zu folgenden Einstellungen:

  • ISO: 1.600 -> hohe Lichtempfindlichkeit
  • Niedrigstmögliche Blendenzahl: 5,6, 3,5 oder noch kleiner, wenn euer Objektiv das hergibt. Die Blende wird also voll geöffnet, um möglichst viel Licht auf den Sensor zu lassen.
  • Verschlusszeit: 20 Sekunden -> ebenfalls, um möglichst lange zu belichten und damit viel Licht auf das Bild zu lassen.
  • Autofokus aus, manueller Fokus ein
  • Auslösemodus: 2 Sekunden Selbstauslöser
  • Bilddateityp: RAW oder, wenn vorhanden, RAW und JPG gleichzeitig -> RAW speichert das Bild unkomprimiert und erleichtert es euch, die Aufnahmen später noch zu bearbeiten. Benötigt allerdings viel Speicherplatz auf der Karte.
  • Weißabgleich auf Leuchtstoffröhre/Neon-Licht

Die Schärfe stellt ihr von Hand am Objektivring ein. Schärfenbereich auf nahezu unendlich. Viele moderne Kameras besitzen eine Funktion, die den Digitalzoom auslöst und euch das Objekt im Sucher vergrößert anzeigt, wenn ihr am Objektivring dreht. Damit könnt ihr selbst in dunkler Nacht sehen, was ihr scharf stellt.

Mit Hilfe des 2-Sekunden-Selbstauslösers stellt ihr sicher, dass die Kamera nicht erschüttert wird, wenn ihr den Auslöseknopf betätigt. Die Kamera wartet also kurz, bis ihr gedrückt und euch entfernt habt, bevor die Aufnahme beginnt.

6. Ihr experimentiert mit den Einstellungen

Hohe ISO-Zahlen bedeuten auch: viel Bildrauschen. Eine sehr lange Belichtungszeit erhöht die Gefahr, dass die Kamera durch Wind erschüttert wird und das Bild verwackelt. Testet doch mal, ob ihr nicht auch mit ISO 800 oder 400 gute Ergebnisse erzielt oder mit 5 oder 10 Sekunden Verschlusszeit (oder auch mal 30 als Experiment). Macht viele Aufnahmen, um die perfekten Einstellungen für eure Nordlicht-Fotos herauszufinden!

7. Ihr legt die Kamera auch mal beiseite

… und genießt die Nordlichter einfach so. Denn so etwas werdet ihr sicher nicht oft im Leben sehen.

Die beste Reisezeit um die Nordlichter zu fotografieren, ist übrigens – grob gesagt – die dunkle Jahreszeit. Es muss dunkel sein, damit ihr die Nordlichter sehen könnt. Ein Guide in Tromsø erzählte mir, dass die Nordlichter im vergangenen Jahr auch Ende August schon sichtbar waren. Es muss nur Nacht werden, und das tut es im hohen Norden im Sommer bekanntlich für ein paar Wochen nicht.

Wichtig ist das Wetter: Wenn ihr die Nordlichter fotografieren wollt, sollte klare Sicht vorherrschen. Sucht euch also am besten einen Ort, an dem es gleichzeitig dunkel ist und während der Dauer eures Aufenthalts eher selten bewölkt ist. An einschlägigen Urlaubsorten werden übrigens nicht selten Fototouren angeboten, die euch zu den Nordlichtern bringen und euch bei den Einstellungen helfen. Vielleicht eine Alternative, wenn ihr euch unsicher seid.

Auf meinem Privatblog habe ich unlängst von meiner Nordlicht-Tour im nordnorwegischen Tromsø berichtet. Weitere Infos über Digitalkameras findet ihr in der Euronics Beratungswelt, sowie bei Euronics natürlich haufenweise Kameras + Zubehör nach eurem Geschmack.

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