iPhone: Mit Live-Fotos Videos, GIFs und Langzeitbelichtungen erstellen

Live-Fotos auf dem iPhone sind mehr als nur ein hübscher Galerie-Effekt. Mit ein paar Handgriffen ahmt ihr damit Profi-Effekte nach oder macht aus Bildern Videos.

iPhone: Mit Live-Fotos Videos, GIFs und Langzeitbelichtungen erstellen

Ich hatte Live-Fotos auf dem iPhone früher immer deaktiviert. Ist zwar ganz nett, die Spielerei. Aber als mehr habe ich die Funktion nie verstanden. Bis ich mal gesehen habe, dass damit viel mehr möglich ist:

Gleich vorweg: Livefotos am iPhone erstellt ihr, indem ihr in der Kamera-App das Livesymbol in Form mehrerer konzentrischer Kreise einschaltet. Die hier genannten Effekte wählt ihr dann nach der Aufnahme in der Fotos-App aus.

Wahl des Live-Effekts in der Galerie

Tippt dazu das Bild an, klickt oben links auf „Live“ und wählt den gewünschten Effekt. Das iPhone braucht dann einen kleinen Moment, um das Bild neu zu bearbeiten. Ihr könnt danach immer noch einen anderen Effekt wählen, aus einer Endlosschleife also etwa noch einen Abpraller machen und umgekehrt.

Langzeitbelichtungen mit Live-Fotos

Eine der spannendsten Möglichkeiten, die Live-Fotos bietet, ist: Langzeitbelichtungen. Das sind Effekte wie Verwischung oder Bewegungsunschärfe, für die ihr ansonsten eigentlich eine Spiegelreflex- oder Systemkamera mit manueller Verschlusszeitwahl bräuchtet. Der Effekt zeigt sich am schönsten an unseren Beispielfotos eines Riesenrads auf dem Bonner Weihnachtsmarkt:

Ihr könnt damit aber auch noch mehr machen, wie etwa die Kamera auf ein fahrendes Auto halten, damit der Hintergrund verwischt („mitgezogene Kamera“).

Der Grund ist, dass die künstliche Intelligenz in einem iPhone bei einem Live-Foto schon 1,5 Sekunden vor und nach dem Auslösen beginnt, eine Bilderreihe zu erstellen. Ihr erzeugt also einen 3-sekündigen Effekt. Das lohnt sich auch für eine Langzeitbelichtung, um etwa einen Fluss oder Wasserfall weich darzustellen:

Die Livefoto-Langzeitbelichtung taucht die See in mystische Unschärfe. Haltet dazu das iPhone möglichst ruhig.

Profis setzen diesen Effekt auch für Skylines, Nachtbilder oder Nordlicht-Fotos ein. Langzeitbelichtungen können mit entsprechenden Equipment mehrere Minuten dauern. Dazu sind allerdings professionelle Kameras und ein Stativ oder zumindest eine stabile Unterlage nötig. Mit Live-Fotos auf dem iPhone könnt ihr das nun immerhin nachahmen.

Extra: Gewitterfotos

Bei Blitzen wisst ihr nicht, wann genau sie auftreten, und einen Sekundenbruchteil später sind sie schon wieder weg. Bilder, auf denen ihr Blitze seht, sind deswegen für gewöhnlich Langzeitaufnahmen, in denen der/die Fotograf/in einfach durch eine lange Verschlusszeit die Chance erhöht hat, einen einzufangen. Mit einem Live-Foto könnt ihr diese Zeit verkürzen. Weil das iPhone bereits 1,5 Sekunden vor dem Auslösen mit dem Fotografieren beginnt, könnt ihr praktisch warten, bis ihr den Blitz seht, und dann erst auslösen. Das klappte in unserem Test auch halbwegs anständig:

iPhone-Live-Foto mit Blitz und – ich schwöre – keinerlei Photoshop oder Nachbearbeitung

Endlosschleife/Loop

Auch das ist ein schöner Effekt, der sich vor allem für Aufnahmen sich bewegender Elemente eignet. Ihr könnt mit Live-Fotos eine Endlosschleife erzeugen und die dann als Video und animiertes GIF wiedergeben. Auch hier etwa von einem Riesenrad, bei dem es aussieht, als würde es sich drehen und drehen…

Wählt ihr die Live-Funktion „Endlosschleife“, erstellt das iPhone daraus eine Video-Datei und ein animiertes GIF. Das Video findet ihr am Platz des Live-Fotos in der Galerie (es erscheint als Video-Datei, wenn ihr es euch etwa per AirDrop auf einen Mac schickt). Für das animierte GIF geht ihr in die Galerie > Alben, scrollt runter zu Medienarten und wählt Animiert:

Wenn ihr das als Endlosschleife formatierte Livebild als E-Mail verschickt, erstellt iOS daraus automatisch ein animiertes GIF.

Cinemagramme

Ihr sehr sie manchmal auf Websites oder auch Kunstausstellungen. Videos, die still zu stehen scheinen, in denen sich wie von magischer Hand im Vorder- oder Hintergrund aber doch eine Kleinigkeit bewegt:

Der Effekt nennt sich Cinemagramm, Cinemagraph, Motion Still oder auch Moving-Picture-Effekt. Den erzielt ihr mit Live-Fotos auf dem iPhone folgendermaßen:

  • Schaltet in der iPhone-Kamera-App die Live-Fotos-Funktion ein.
  • Nehmt ein sich bewegendes Objekt vor einem statischen Hintergrund auf.
  • Haltet die Kamera dabei besonders ruhig.
  • Geht nach der Aufnahme in die Fotos-App, wählt euer Live-Foto aus und tippt hier unter „Live“ auf „Endlosschleife“.

Denn eigentlich handelt es sich bei einem Cinemagramm auch nur um eine Endlosschleife, die auf eine einzelne Bewegung reduziert ist.

Abpraller

Abpraller (Boomerangs) kennt ihr wahrscheinlich von Stories auf Instagram, Snapchat oder ähnlichen Social-Media-Apps. Animierte Objekte bewegen sich hin und her und das quasi endlos. So etwas könnt ihr auch mit iPhone-Livefotos erstellen:

Interessanter Nebeneffekt: Hier bewegt sich nicht nur das Riesenrad hin und zurück, auch die Personen im Vordergrund scheinen von einem Bein auf das andere zu tanzen.

Das iPhone erstellt aus dieser Live-Sequenz ein Video und ein animiertes GIF, das ihr in der Galerie unter Medienarten > Animiert findet. Verschickt ihr das Bild per AirDrop an einen Mac, findet ihr es dort als Video-Datei wieder. Verschickt ihr es per E-Mail, erstellt iOS daraus ein animiertes GIF.

Videos

Um ein Livefoto als Video zu speichern, habt ihr zwei Möglichkeiten:

  1. Geht in die Galerie, wählt das Live-Foto aus, klickt auf das Teilen-Symbol und wählt hier in den Optionen „als Video sichern“ aus. Das Live-Bild erscheint dann in der Galerie im Ordner Videos.
  2. Ihr geht in die Galerie, tippt das Foto an und entscheidet euch für die Effekte Endlosschleife oder Abpraller. Schickt ihr euch nun das Foto per AirDrop auf einen Mac, ist es automatisch als Video formatiert.

Ihr könnt sogar mehrere Live-Bilder zu einem Video kombinieren. Geht dazu in die Galerie, wählt die gewünschten Live-Bilder aus, tippt auf das Teilen-Symbol und wählt dann „als Video sichern“ aus.

Ziemlich cool: Erstellt ihr aus einem oder mehreren Live-Bildern ein Video über die Möglichkeit „als Video sichern“, hat dieses plötzlich sogar Ton:

Animierte GIFs aus Live-Fotos

Wenn ihr ein animiertes GIF aus einem Live-Foto erstellen wollt, ist der Weg dahin denkbar einfach:

  • Geht in die Galerie, wählt das Livebild aus und wählt unter dem Reiter „Live“ die Möglichkeiten Endlosschleife oder Abpraller. Wartet kurz, bis das iPhone die Einstellungen übernommen hat.
  • Das war’s schon. Euer animiertes GIF findet ihr in der Galerie unter Alben > Medienarten > Animiert.

Übertragt ihr die Bilddatei auf euren Mac oder an andere Geräte, ist sie eventuell trotzdem als Video formatiert. Hier könnt ihr einen kostenlosen Online Video-to-GIF-Konverter verwenden – oder euch das Video selbst als E-Mail zuschicken. iOS macht dann daraus ein animiertes GIF.

Instagram-Stories

Wählt ihr in der Instagram-App ein Live-Foto für eine Story aus, bietet euch Instagram mehrere Möglichkeiten an, das Bild entsprechend einzubinden:

  • Klassisch (entspricht der Endlosschleife)
  • Zeitlupe (Endlosschleife verlangsamt)
  • Echo (Abpraller)
  • Duo (Kombination aus Endlosschleife und Abpraller)
Instagram-Story mit iPhone-Livebild: Wählt hier die gewünschte Präsentationsart und kürzt die Animation auf Wunsch zusammen.

Um hierhin zu kommen, geht ihr am besten folgenden Weg:

  • Öffnet die Instagram-App
  • Klickt oben auf das +-Symbol und wählt „Story“ aus
  • Wählt nun das gewünschte Live-Bild
  • Klickt auf das Bumerang-/Unendlichkeitssymbol und wählt den gewünschten Effekt
  • Kürzt den Clip eventuell unten noch leicht zusammen
  • Veröffentlicht die Story, indem ihr auf „Deine Story“ klickt

Weniger empfehlenswert ist der Weg, das Live-Bild in der Galerie auszuwählen und dort über „Teilen“ > Instagram zur Story zu machen. Da hatte Instagram bei einigen unserer Versuche die Animation nicht übernommen und nur ein statisches Bild angezeigt.

Geht auch, ist aber nicht empfehlenswert: Instagram-Story über die Teilen-Funktion erstellen

Tipps für bessere Live-Fotos

Je ruhiger ihr das iPhone haltet, desto besser werden eure Live-Fotos. Stützt euch ab, nehmt das iPhone in zwei Hände und haltet es schon vor und nach dem Auslösen eine Weile ruhig. Das iPhone beginnt mit der Live-„Aufnahme“ bereits 1,5 Sekunden vor dem Auslösen und nimmt noch 1,5 Sekunden danach auf.

Langzeitbelichtung mit Live-Fotos

Verlasst euch nicht alleine auf einen schönen Effekt. Die Bildkomposition (Farben, Textur, goldener Schnitt etc.) sind genauso wichtig.

Live-Fotos verbrauchen deutlich mehr Speicherplatz auf eurem iPhone. Zum Start der Funktion auf dem iPhone 6S im September 2015 bemaßen die Bilder etwa doppelt so viel Speicherplatz wie normale Fotos. Fotografiert ihr mit HEIC und HEIF, könnt ihr mit Live-Fotos allerdings inzwischen eine Menge Speicherplatz sparen. Trotzdem: Wenn euer Speicher knapp ist, fotografiert besser nicht jedes Bild mit der Live-Funktion. Oder tut das und löscht misslungene Bilder sofort nach jeder Fotosession.

Android-Smartphones und Live-Fotos

Das wollen wir keinesfalls verschweigen: Die Live-Fotos-Funktion ist natürlich nicht auf iPhones oder auf iPhone-Bordmittel beschränkt. Ihr könnt dafür auch andere Apps verwenden, wie etwa Motion Stills von Google.

„Momente“ auf einem Huawei-Smartphone sind eine ähnliche Funktion wie Live-Fotos auf dem iPhone.

Auch einige Android-Smartphones verfügen über eine vergleichbare Funktion. Bei Samsung-Smartphones heißt sie etwa „Bewegungsaufnahme“, bei Motorola-Phones „Active Photos“, bei Huawei „bewegte Bilder“ oder „Momente“, bei Google-Pixel-Phones „Bewegung“. Ob euer Android-Phone die Funktion hat, was sie kann und wie sie dort heißt, schaut ihr am besten in euer Photo-App nach.

Fazit

Mit Live-Bildern auf dem iPhone könnt ihr eine ganze Menge machen. Am spannendsten finde ich selbst die Funktionen Endlosschleife bei einem Riesenrad. Überrascht hat mich derweil, dass bei der Konvertierung in ein Video plötzlich auch Ton zu hören ist. Wenn Apple irgendwann noch längere Clips darüber erstellen lässt, würde das der Kreativität mancher Zeitgenossen sicher dienlich sein.

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