Einfachstes Video-Setup: Euer Smartphone

Ihr könnt Tausende für ein professionelles Video-Setup ausgeben. Oder gar nichts. Unsere Einsteigertipps lauten: Fenster, ruhige Kamera – Kaffeemaschine.

Einfachstes Video-Setup: Euer Smartphone

Keine Frage: YouTube-Stars mit makellosen Videos lassen es spartanisch aussehen, aber im Hintergrund werkelt eine Menge Technik. Ihr wollt auch etwas vor der Kamera präsentieren, das gut aussieht? Prima, dann kauft euch – erst einmal nichts. Nehmt euer Smartphone und beherzigt unsere Tipps, hier im Text und im Video:

5 einfache Tipps

Unser Video oben ist keinesfalls perfekt. Das liegt auch daran, dass dem Erzähler noch Erfahrung vor der Kamera fehlt. Aber es sieht präsentabel aus, und es klingt auch so. Wir haben dafür eigentlich nur unsere wichtigsten fünf Regeln selbst beherzigt:

  1. Filmt euch selbst mit der Frontkamera eures Smartphones.
  2. Filmt am Tag, setzt euch vor ein Fenster und schaut raus.
  3. Haltet das Smartphone mit beiden Händen fest.
  4. Räumt hinter euch auf und tragt dezente Kleidung.
  5. Probiert, probiert, probiert.

Die meisten modernen Smartphones der Ober- und Mittelklasse haben heute ausgezeichnete Frontkameras mit guter Lichtstärke und hoher Auflösung. Wählt in den Einstellungen mindestens Full HD (1080p) und 30 fps (Bilder pro Sekunde). Mehr schadet natürlich nicht. 60 oder gar 120 fps machen das Bild flüssiger, eine höhere Auflösung wie 4K-UHD sorgt dafür, dass euer Video auch auf großen Bildschirmen scharf aussieht.

Ein Fenster könnt ihr mit einem großen Studio-Scheinwerfer vergleichen. Beide werfen breites, weiches Licht auf euch. Hässliche Schatten vermeidet ihr dadurch. Draußen ist es aber bewölkt und grau? Umso besser! Desto gleichmäßiger und weicher ist das Licht.

Ein Fenster – die perfekte Lampe!

Kein Stativ? Kein Problem!

Haltet ihr die Kamera ruhig und mit zwei Händen fest, wackelt ihr dabei weniger. Eine ruhige Kamera wirkt professioneller. Stützt ihr zusätzlich eure Ellenbogen auf dem Tisch vor euch auf, bewegt ihr das Smartphone kaum noch. Ihr ersetzt damit ein Stativ. Wenn jetzt noch eure Smartphone-Kamera zufällig einen optischen Bildstabilisator hat, bemerken die Zuschauenden kaum noch Erschütterungen.

Ohne Stativ seid ihr außerdem flexibler, könnt euch also während der Aufnahme ein wenig bewegen und seid trotzdem immer im Bild.

Euch wäre es trotzdem lieber, die Kamera stünde völlig ruhig? Dann funktioniert etwas zum Stativ um! Zum Beispiel eine Vase, ein Bügelbrett, einen Karton oder eine Kaffeemaschine:

Auch wenn der Hintergrund meist etwas unscharf erscheint: Wer euer Video sieht, erkennt natürlich trotzdem, was dort zu sehen ist. Beseitigt also Unordnung oder hässliche Flecken. Räumt auf und platziert Deko-Objekte wie Ikea-Plastikpflanzen oder Action-Figuren sparsam.

Tragt Kleidung, die zu eurem Stil passt. Ihr wollt knallig und laut rüberkommen wie Rezo? Dann passen bunte Kleidung oder gefärbte Haare gut. Ihr wollt lieber, dass sich die Zuschauer:innen auf eure Inhalte konzentrieren oder wollt, dass sie sich auf ein bestimmtes Produkt fokussieren? Dann nehmt euch selbst zurück. Tragt dezente Kleidung und nicht zu viele Accessoires.

Dinge, die ihr (erst einmal) nicht braucht

Ihr müsst nicht mit einer Videokamera oder auch nur einer Systemkamera filmen. Zumindest am Anfang verwirren deren zahlreiche Einstellungen auch eher. Ihr könnt viel falsch machen, was euch demotiviert. Smartphone-Kameras filmen mit einer Automatik und einer weiten Schärfentiefe, und sie sind lichtstark. Für den Anfang ist das perfekt.

Aufwändige Beleuchtung braucht ihr ebenfalls nicht – zumindest wenn ihr am Tag filmt und nah ans Fenster geht. Abends lautet die Devise: Geht nah an die Lichtquelle heran – zum Beispiel die Wohnzimmerlampe, oder noch besser: die weiße Wand, die ihr Licht reflektiert. Das gibt eine größere Lichtfläche und damit weicheres Licht mit weniger starken Schatten:

Und Mikrofone? Gute machen den Ton entsprechend besser. Schlechte Mikros oder gute Mikros falsch eingesetzt, machen alles nur noch schlimmer. Für den Anfang reicht es deswegen, wenn ihr in möglichst ruhiger Umgebung filmt und einfach nah ans Smartphone und damit das Mikro herangeht.

Das Video bearbeiten wollt ihr natürlich auch noch. Einfache Schnitte gehen meist schon mit den integrierten Foto-Apps eurer Smartphones. Öffnet euer Video in der Galerie, klickt auf „Bearbeiten“ und benutzt die mitgelieferten Funktionen.

Genug jetzt, ich will Geld ausgeben!

Na gut, na gut. Wir haben ja auch nicht gesagt, dass das Videofilmen nur mit dem Smartphone die beste Möglichkeit ist. Sinnvolle Erweiterungen gerade für den Anfang sind (verlinkte Produkte als Beispiele) ein Richtmikrofon, ein Ansteckmikrofon, ein Reflektorset, ein Ringlicht oder LED-Videolicht, eine oder mehrere Softboxen, ein Tischstativ, eine professionelle Kamera-App für genauere Einstellungen wie den Weißabgleich und eine ordentliche Videoschnittsoftware für das Smartphone oder euren Rechner.

Sinnvolles Accessoire: Ein einfaches Einsteck-Mikrofon für das Smartphone

Wenn ihr dann einen Schritt weiter gehen wollt, hat mein Kollege Sven Wernicke die besten Vlogkameras für euch aufgelistet. Profis greifen meist zu noch deutlich teureren Systemkameras und Spiegelreflexkameras oder gleich Videokameras.

Wie haben zugegebenermaßen ein wenig suchen müssen, aber es gibt sie: YouTube-Stars, die mit der Smartphone-Kamera angefangen haben oder sie auch heute noch benutzen. Darunter sind die Vanliferin Jennelle Eliana Long, Beauty-Vloggerin Shelby Church und die Produktivitäts-Expertin Sunny Lenarduzzi:

Warum die allermeisten Profis am Ende doch zu einer „echten“ Kamera greifen? Weil ihr mit denen natürlich bessere Fotos machen könnt, sobald ihr wisst, wie das geht.

Video-Profi nur mit dem Smartphone?

Eine Faustregel gilt fürs Videofilmen ebenso wie fürs Fotografieren: Wenn ihr nicht wisst, was ihr mit einem Zubehörteil machen sollt und wie ihr es bedient, dann braucht ihr es auch nicht. Videofilmen heißt immer auch ein Stück weit improvisieren. Zumindest solange, bis ihr wisst, wie und womit ihr eure Bilder verbessert.

„Du brauchst keine Kamera“, sagt etwas provokant der österreichische Profifotograf Christian Anderl. Was er damit meint, ist: Lerne erst einmal Bildsprache, Licht und Komposition, bevor du dir eine teure Kamera kaufst. Ehe du dich damit nicht auskennst, macht eine 5000-Euro-Kamera auch keine besseren Bilder als eine 500-Euro-Kamera.

Unser Tipp ist deswegen: Startet klein, macht viele Versuche, schaut euch jedes eurer Videos nachher auf einem großen Bildschirm an und entscheidet dann, was ihr beim nächsten Mal noch besser machen könnt. Wenn ihr dann merkt, dass ihr mit der Beleuchtung, dem Ton oder dem ganzen Bild unzufrieden seid – und wenn ihr wisst, wie und womit ihr das sicher verbessert, dann investiert in etwas Besseres.

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