Fitbit-Sense mit EDA-Sensor

EDA-Sensor: So hilft er gegen Stress

Die neue Fitbit Sense ist die erste Smartwatch mit einem EDA-Sensor. Der soll dabei helfen, unser Wohlbefinden zu stärken, Stress und schädliche Umwelteinflüsse zu enttarnen. Wie macht er das?

Drei neue Produkte hat Fitbit in dieser Woche vorgestellt. Darunter ragt die neue Smartwatch Fitbit Sense hervor. Mit einem optischen Mehrwege-Herzfrequenzsensor, einem Hauttemperatursensor und vor allem einem EDA-Sensor platziert Fitbit die Sense als derzeit vielseitigste Gesundheits-Smartwatch.

EDA misst Veränderungen der Hautleitfähigkeit

Verfügen unter anderem auch die Apple Watch Series 5 und die Samsung Galaxy Watch 3 über einen Herzfrequenzsensor, so ist die Fitbit Sense die erste mit einem aktivierten Hauttemperatursensor und dem EDA-Sensor. Die Abkürzung steht für elektrodermische Aktivität, einer Veränderung der Leitfähigkeit eurer Haut als Reaktion auf emotionalen Stress.

EDA-Sensoren messen die Hautleitfähigkeit über Elektroden, die Einheit hier ist das Siemens (Ampere/Volt). Bei einer angelegten, gleichbleibenden Stromstärke misst der Sensor also schlicht eine sich verändernde Spannung. Viel genutzte Punkte für die Hautleitfähigkeitsreaktion sind etwa die Fingerkuppen, Thenar oder Hypothenar an der Innenseite der Handfläche. Dieses kurze Video zeigt ein Experiment, in dem das „Opfer“ bei angelegten Elektroden an der Handinnenseite erschreckt wurde:

Zusammen mit der Hauttemperatur und einer passenden EDA-Scan-App soll die Fitbit Sense euch Rückschlüsse über euer Wohlbefinden ermöglichen. Die Methode an sich ist wissenschaftlich durchaus anerkannt und wird von Forschenden sogar begrüßt. Denn auf die Frage: „Wie geht es dir?“ erhält der oder die Fragende meist keine objektive Antwort. Denkmuster wie „Ich darf jetzt keine Schwäche zeigen“ oder „Das bisschen Flugzeuglärm haut mich nicht um“ beeinflussen die Antworten und geben oft das Gegenteil des tatsächlichen Zustands wieder. Eine Messung des EDA-Werts wäre hingegen unbeeinflusst.

Fitbits EDA-Sensor sitzt oben am Display

Die Fitbit-Sense nutzt den integrierten EDA-Sensor für eine App, die den Stress protokollieren und direkt für Abhilfe sorgen möchte. Zunächst einmal weist sie TrägerInnen der Uhr bei ermitteltem Stress darauf hin. Abhilfe schaffen können dann Tipps zur Entspannung, Bewegung, Meditation oder schlicht, sich der Stressquelle zu entziehen. Noch hat Fitbit die App hierzu aber noch nicht offiziell vorgestellt.

Scott Stein von CNet hat bereits ein Vorserienmodell der Fitbit Sense erhalten, und sein Video dazu zeigt etwas Unerwartetes. So misst die Uhr den EDA-Wert nicht am Handgelenk, wo sich auf der Rückseite der Smartwatch der optische Herzfrequenzsensor und der Temperatursensor befinden. Statt dessen legt ihr eure Handfläche auf das Display, oder ihr fasst dessen metallischen Rahmen mit zwei Fingern an. Dann ermittelt die Uhr auf diese Weise die Spannung.

Der EDA-Sensor in der Fitbit Sense befindet sich nicht auf der Rückseite, sondern hier, oben am metallenen Rahmen des Displays.

Der EDA-Sensor in der Fitbit Sense befindet sich nicht auf der Rückseite, sondern hier, oben am metallenen Rahmen des Displays.

Neu ist die Technik freilich nicht. Mit einfachen Elektroden und einem Aufzeichnungsgerät lässt sich die elektrodermische Aktivität mit der einfachen Formel Stromstärke dividiert durch Spannung ermitteln. Passende Elektroden samt App findet ihr im Netz auch für das Smartphone oder das Arduino-Board. Auch fertigte Produkte, die ebenfalls am Handgelenk messen, gibt es bereits. Zu nennen wäre hier das Movisens EdaMove 4, das mit einer passenden App zusammen arbeitet. Neu und praktischer an der Fitbit Sense ist die Auswertung und grafische Anzeige an Ort und Stelle auf dem Display der Smartwatch.

EDA-Sensor als Teil des Gesundheitsmonitorings

Aufzeichnungen der Werte ergeben für gewöhnlich eine regelmäßige Schwingung. Unregelmäßigkeiten dieser Schwingung sind Anzeichen für eine Veränderung der Hautleitfähigkeit. Ein Auslöser dafür kann eine Aktivität der Schweißdrüsen sein, die damit auf Stress reagieren.

EDA-Sensoren sind eine vergleichsweise leicht zu realisierende, weitere Funktion, um Smartwatches zu Gesundheitsuhren zu machen. Gerade das Zusammenspiel mehrerer Sensoren könnte es künftig auch möglich machen, auf Krankheiten zu schließen. Noch sind Fitbit und andere Hersteller aber nicht so weit.

Und auch die Platzierung des EDA-Sensors in der Uhr macht eine kontiniuerliche Messung über den Tag nicht möglich. Ihr könnt nur bewusst und aktiv messen, wenn ihr eine Hand auf das Display haltet. Rückschlüsse über euer normales Stresslevel kann die App dann nur über die Differenz zu vorher aufgezeichneten Messwerten ziehen.

Fitbits neues Line-up

Die Fitbit Sense wirkt wie eine erweiterte Version der Smartwatch Fitbit Versa. Hier hat Fibit zeitgleich die dritte Version vorgestellt, die Fitbit Versa 3, die unter anderem mit der Sprachsteuerung Google Assisant ausgestattet sein soll (die Sense aber auch). Das Fitbit Inspire 2 ist ein neues Fitness-Armband. Auffällig: Fitbit hat keine neue Version der Ionic vorgestellt, dem einstigen ersten Versuch einer Smartwatch aus eigenem Hause. Hier scheint der Hersteller sich dazu entschieden zu haben, dass Versa und Sense als Smartwatch-Linien ausreichen.

Fitbits neues Herbst-Lineup mit der Sense (unten), der Versa 2 (links), der Charge 4 (oben) und der Inspire 2 (rechts).

Fitbits neues Herbst-Lineup mit der Sense (unten), der Versa 2 (links), der Charge 4 (oben) und der Inspire 2 (rechts).

Alle drei neuen Geräte soll es ab Ende September auch in Deutschland zu kaufen geben. Die Fitbit Sense mit dem EDA-Sensor UVP für 329,95 Euro, die Fitbit Versa 3 für 229,95 und die Inspire 2 für 99,95 Euro.

Apple Watch: Unsere Lieblings-Apps

Spannend wird jetzt zu sehen sein, ob andere Hersteller folgen und ihre Smartwatches ebenfalls mit einem EDA-Sensor ausstatten. Oder auch, welche weiteren Sensoren als nächstes folgen. Apple etwa könnte eine Apple Watch Series 6 noch in diesem Herbst vorstellen.

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