Corona-Warn-App Android

Corona-Warn-App: Das müsst ihr dazu wissen

Die Bundesregierung hat die Corona-Warn-App für Android und iOS veröffentlicht. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten dazu für euch zusammengetragen.

„Unterstützt uns im Kampf gegen Corona“ – in ungewöhnlich familiärem Ton hat die Bundesregierung heute die mit Spannung erwartete Corona-Warn-App vorgestellt. Starten wir direkt mit der wohl wichtigsten Frage dazu:

Wo gibt es es die Corona-Warn-App?

Die App gibt es für Android- und iOS-Geräte auf Google Play und im iOS App-Store. Sie heißt „Corona-Warn-App“, der Herausgeber ist das Robert-Koch-Institut. Folgt ihr unseren Links, solltet ihr in den jeweiligen Store gelangen. Direkte Links dorthin findet ihr auch auf der Info-Webseite der Bundesregierung.

Datenschützer warnen vor Trittbrettfahrer-Apps, die nur eure Daten abfischen wollen. Gerade wenn ihr in den App-Stores nach „Corona“ oder „Corona App“ sucht, erhaltet ihr einen ganzen Reigen teils zwielichtiger Apps. Achtet also genau darauf, die richtige App herunterzuladen. Wenn ihr sichergehen wollt, nutzt unsere Links oben oder die offiziellen Links der Bundesregierung!

Welche Systemvoraussetzungen fordert die Corona-Warn-App?

Für Android-Geräte läuft die Corona-Warn-App ab Android 6.0. Das ist die Android-Version, die seit Oktober 2015 auf dem Markt und auf den meisten Neugeräten im Jahr 2016 bis hin zur ersten Jahreshälfte 2017 erschienen ist. Um zu überprüfen, welche Android-Version ihr verwendet, besucht das Einstellungs-Menü eures Smartphones, scrollt ganz nach unten und öffnet das Menü, das „Telefoninfo“, „Info zu Gerät“ oder ähnlich heißt. Hier sollte unter „Android-Version“ nun „6“ oder etwas Höheres stehen. Eventuell müsst ihr zunächst in ein weiteres Untermenü gehen, das „Software-Version“ oder ähnlich heißt.

Familiärer Ton der Bundesregierung im Aufruf zur Nutzung der Corona-Warn-App

Familiärer Ton der Bundesregierung im Aufruf zur Nutzung der Corona-Warn-App

Für iOS-Geräte läuft die Corona-Warn-App ab der Version 13.5, und ihr braucht mindestens ein iPhone 6S (oder 6S Plus). Das ist das iPhone, das im Herbst 2015 auf den Markt kam. Um herauszufinden, welches iPhone und welche iOS-Version ihr habt, geht auf Einstellungen -> Allgemein -> Info. Hier sollte stehen, welche iOS-Version installiert ist und welches iPhone ihr verwendet.

Das wäre übrigens der einzige Punkt, den wir an der App kritisieren würden. Gerade bei jüngeren Menschen dürften noch viele ältere iPhones im Umlauf sein. Dass ihr damit die App nicht nutzen könnt, ist ungünstig.

Wie funktioniert die Corona-Warn-App?

Für die Warn-App schlägt Bluetooths große Stunde. Denn die App nutzt den kabellosen Funkstandard in der Version 4.0 (Low Energy), um sich mit anderen Smartphones auszutauschen, die Abstände zu ihnen und die Zeitspanne der Verbindung zu messen. Die App speichert die zufällig generierten Bluetooth-Codes der Smartphones der Menschen, mit denen ihr in Kontakt tretet. Rückschlüsse auf eure Identität und euren Standort sollen dabei weder möglich noch notwendig sein. Die App speichert die Daten auch nur für zwei Wochen und löscht sie anschließend.

Zeigt jemand Symptome der Krankheit und wird positiv auf eine Corona-Infektion getestet, kann er oder sie über die App eine Warnung verschicken. Die erhalten alle Menschen, die mit der Person (bzw. ihrem Smartphone) in Kontakt standen. Die App informiert den Empfänger über ein niedriges oder ein hohes Infektionsrisiko. Wer die Person war, die sich infiziert hat, verrät die App dabei natürlich nicht.

Was stuft die App als mögliches Infektionsrisiko ein?

Die App ermittelt nach aktuellem Stand, ob eine Person (bzw. ihr Handy) über einen längeren Zeitraum einen bestimmten Abstand zu einer anderen Person unterschritten hat. Diese Metriken können die Anbieter der App allerdings verändern, sollte sich etwa herausstellen, dass auch ein kürzerer Kontakt über eine größere Entfernung für eine Infektion ausreichen kann.

Was tun, wenn die App über ein mögliches Infektionsrisiko warnt?

Im Falle einer möglichen Infektion warnt die App euch mit einem „erhöhten Infektionsrisiko“ per Push-Nachricht. Offizielle Lesart ist, dass ihr danach den Kontakt zu anderen Menschen meidet, euch direkt nach Hause begebt und entweder euren Hausarzt, das für euch zuständige Gesundsheitsamt oder unter der Telefonnummer 116117 den ärztlichen Bereitschaftsdienst anruft. Mit dem stimmt ihr das weitere Vorgehen ab.

Lässt sich die Corona-Warn-App missbrauchen?

Ich stelle mir folgendes Szenario vor: Jemand begibt sich zum „Scherz“ unter viele Menschen, etwa bei einer Demonstration, und lässt anschließend „aus Spaß“ eine Warnung an hunderte Menschen los, die er dabei getroffen hat. Ist das möglich?

Laut den Anbietern der App zum Glück so einfach nicht. Wer sich auf das Corona-Virus testen lässt, kann (sollte) den Test in der App registrieren, indem er oder sie den QR-Code des Tests mit der App einscannt. Die App informiert dann, sobald das Testergebnis vorliegt. Erst wer als Testergebnis die Meldung erhält, positiv auf das Corona-Virus getestet worden zu sein, erhält in der App die Möglichkeit, das Ergebnis zu teilen, um andere Nutzer zu warnen. Mithilfe eines Tokens stellt die App sicher, dass ein Testergebnis nur ein einziges Mal vorkommt, Nutzer es also nicht etwa vervielfältigen können, und auch eine Warnung nur einmal herausgeben können. Alle Daten sind anonymisiert.

Ist die Corona-Warn-App Pflicht?

Das freut Datenschützer: Die Corona-Warn-App ist keine Pflicht. Auch die Betreiber von Gaststätten oder einer anderen privaten oder öffentlichen Einrichtung dürfen euch nicht dazu zwingen, sie zu benutzen. In dem Falle wird das Personal euch aber weiterhin bitten, die bisher dort gängigen Hygienezettel auszufüllen, um eure Kontaktdaten dort zu hinterlegen.

Sinnvoll ist eine weite Verbreitung und Nutzung der App natürlich schon, um die Pandemie weiterhin sinnvoll zu bekämpfen und weitere Lockerungen der Schutzmaßnahmen zu ermöglichen. Deswegen ruft die Bundesregierung dazu auf, dass möglichst viele Menschen mitmachen.

Warum verlangt die App eine Standortermittlung unter Android?

Android-Geräte finden andere Bluetooth-Geräte in der Nähe nur, wenn auf ihnen die Standortermittlung aktiviert ist. Das verunsichert gerade viele Nutzer. Die App-Entwickler schreiben in den FAQ zur App, dass es sich dabei um eine Besonderheit von Android-Geräten handelt. Android-Nutzer müssen die Standortermittlung also einschalten, wenn sie die App benutzen wollen. Und auch, wenn es paradox klingt, schreiben die Entwickler, dass die App „zu keiner Zeit Deinen Standort erfassen oder GPS verwenden“ werde.

Von wem stammt die Corona-Warn-App?

Mit der Entwicklung der App hat die Bundesregierung die Software-Konzerne SAP und T-Systems beauftragt, die die App in den vergangenen Wochen entwickelt und den Code aus Transparenzgründen veröffentlicht hat. Offizieller Herausgeber ist das staatliche Robert-Koch-Institut.

Wie steht es um Datenschutz und Sicherheit mit der Corona-Warn-App?

Die Entwickler der App haben besonderen Wert auf eine Anonymität der Daten gelegt und dass niemand eure persönlichen Daten oder euren Aufenthaltsort (s.u.) ermitteln kann. Die Entwickler schreiben dazu:

Über Bluetooth werden konstant wechselnde Zufallskennungen versendet und von den Geräten gesammelt, die die App installiert haben. Es erfolgt kein Versand und keine Speicherung von personenbezogenen Daten sowie von Geolokations- oder sonstigen ortsbezogenen Daten.

Und weiter:

Mit Hilfe der Exposure Notification API von Google und Apple verbleiben die Zufallskennungen in einem gesicherten Bereich des Betriebssystems des Handys. Der Abgleich, ob man einer infizierten Person begegnet ist, geschieht lokal auf dem Handy. Es verlassen keine Daten zum „Matching“ (Abgleich) das Handy.

Auch Datenschützer haben zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wenig zu beklagen. Die Bundesregierung war nach anfänglicher Kritik unter anderem vom Chaos Computer Club (CCC) umgeschwenkt auf einen dezentralen Ansatz, den die Entwickler nun maßgeblich erfüllt haben. Der Bundesdatenschutzbeauftrage Ulrich Kelber (SPD) sieht aus Sicht des Datenschutzes „keinen Grund, der gegen eine Installation spricht“, allerdings noch leichte Schwachstellen, etwa bei der Übermittlung positiver Testergebnisse nur nach telefonischer Übermittlung einer TAN.

Anke Domscheit-Berg, Netzaktivistin und Mitglied des Bundestages für die Linkspartei, hat die App nach eigenen Angaben installiert, weil sie sie für datensparsam und hinreichend sicher halte:

Müssen Nutzer mindestens 16 Jahre alt sein, um die App zu benutzen?

So heißt es zumindest in der Beschreibung zur App. Dabei handelt es sich um rechtliche Vorgaben. Die Einwilligung in die Nutzung der App können sich nur Menschen ab 16 Jahren selbst erteilen. Für jüngere Menschen ist eine Erlaubnis eines Elternteils notwendig. Sinnvoll ist die Nutzung der App natürlich auch für Unter-16-Jährige.

Die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts funktioniert derzeit nur in Deutschland, und sie ist aktuell nicht mit ähnlichen Apps aus anderen Ländern kompatibel. Abstandsregeln gelten natürlich trotzdem weiterhin. Die App bedeutet keine Entwarnung und soll nicht als Freibrief für einen zu sorglosen Umgang mit der nach wie vor bestehenden Corona-Pandemie gesehen werden.

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