Bluetooth 4.0, 4.1 und 4.2: Was bringen die kleineren Updates und lohnt sich dafür neue Hardware?

Bluetooth 4.0 ebnete den Weg für schnelles Pairing und das Internet der Dinge. Bluetooth 4.1 und 4.2 verbessern die Technik gar noch. Wir sagen euch, wo die Unterschiede sind und worauf ihr beim Kauf achten müsst.

Einst galt Bluetooth als schrecklich komplizierte und dazu noch eher langsame Möglichkeit der kabellosen Datenübertragung – offen zur Schau gestellt von obercoolen Handelsvertretern mit Bluetooth-Headsets und von Normalsterblichen nur selten genutzt. Das hat sich komplett gewandelt, denn seit dem Boom des Internets der Dinge (IoT) und kleinen vernetzten Gadgets für Haushalt, Büro oder unterwegs ist Bluetooth spätestens seit der Version 4.0 heute wieder très chic. Mittlerweile bieten einige Hersteller bereits Geräte mit Bluetooth 4.1 oder 4.2 an. Was es damit auf sich hat und ob sich das Upgrade lohnt, erklärt dieser Beitrag.

Bluetooth 4.0 machte aus dem etwas störrischen und batteriehungrigen Protokoll endlich eins, das man heute auch im täglichen Einsatz gerne verwendet. Vor allem Fitness-Armbänder und Smartwatches oder kleine Hardware-Startups auf Kickstarter erlebten mit der energiesparenden Technik einen wahren Boom – begünstigt auch davon, dass Apple die Version 4.0 frühzeitig im Oktober 2011 im iPhone 4S aufnahm und damit kreative Apps ermöglichte. Google zog leider erst zwei Jahre später ab Android 4.3 nach.

Bluetooth 4.0: Nicht schneller, aber herrlich energiesparend

In der Version 4.0 erhöhte die Bluetooth Special Interest Group zwar nicht die Übertragungsgeschwindigkeit, die weiterhin bis zu 24 Mbit/s beträgt. Aber sie fügte ein Protokoll hinzu, das die energiesparende Kommunikation mit Clients ermöglichte: Bluetooth Low Energy (LE), das als „Bluetooth Smart“ vermarktet wird. Das Bluetooth-Konsortium hat damit praktisch nichts weiter gemacht, als Bluetooth 3.0 mit dem vom Nokia entwickelten Funkstandard Wibree zu vermählen. Wibree ermöglichte die energiesparende Kommunikation mit externen Clients. In Bluetooth 4.0 wurde diese Technik mit aufgenommen.

Bluetooth 4.0 ist damit nicht schneller als Bluetooth 3.0. Im Falle von Bluetooth Low Energy ist sogar das Gegenteil der Fall: Mehr als 220 kbit/s werden nicht erreicht. Dafür ist der Standard dafür ausgelegt, in schneller Abfolge kleine Datenpakete zu übertragen. Dafür reicht die geringere Übertragungsrate aus. Prädestiniert ist Bluetooth LE damit für die Kommunikation mit kleinen technischen Geräten, die aufgrund ihrer geringen Größe nur eine kleine Batterie vorhalten können und dennoch häufig und viel kommunizieren. Sprich: Das Internet der Dinge (oder Internet of Things, IoT). Egal ob Fitness-Tracker, Benachrichtigungen auf Smartwatches, intelligente Glühbirnen, Türschlösser, Wetter- oder Pflanzensensoren. All diese Sensoren können dank Bluetooth 4.0 LE energie- und platzsparend umgesetzt werden.

Und was kann Bluetooth 4.1?

Zwei Jahre nach Bluetooth 4.0 veröffentlichte die Bluetooth Special Interest Group bereits Bluetooth 4.1. Die Veränderungen sind überschaubar, aber clever. So kann mit Bluetooth 4.1 jedes Gerät sowohl als Client als auch als Server dienen. So könnten Fitnessarmbänder, die unter Bluetooth 4.0 nur passiv und damit etwa von einem Smartphone abhängig waren, unter Bluetooth 4.1 auch selbst mit anderen Bluetooth 4.0-Geräten wie einem Pulsmesser oder einer intelligenten Matratze kommunizieren. Ferner können Bluetooth-4.1-Geräte so designt werden, dass eine einmal unterbrochene Verbindung automatisch wieder aufgenommen wird.

Außerdem erlaubt Bluetooth 4.1 eine Unterstützung von IPv6. Dieses Protokoll bietet einen größeren Adressraum und gibt jedem IoT-Gerät eine eigene IP-Adresse, so dass es sich aus aus dem Internet direkt ansteuern lässt. Wichtig für Konsumenten: Bluetooth 4.1 lässt sich vom Hersteller aus über ein Software-Update realisieren. Neue Hardware ist nicht notwendig, wenn schon Bluetooth-4.0-fähige Hardware vorhanden ist. Es hängt aber vom Hersteller ab, ob er ein solches Update zur Verfügung stellt oder nicht.

Bluetooth 4.2

Etwas anders gestaltet sich der Fall bei der erst Ende 2014 eingeführten neuen Version Bluetooth 4.2. Hierfür ist praktisch neue Hardware nötig, Clients sind aber in der Regel abwärtskompatibel. Wichtigste Änderung: Datenpakete werden unter Bluetooth 4.2 verkleinert, so dass sie sich schneller zwischen Server und Client austauschen lassen. Angeblich ist dadurch eine 2,5-mal so hohe Geschwindigkeit möglich wie die Low-Energy-Variante von Bluetooth 4.0 und 4.1 und auch die Akkulaufzeit soll sich noch einmal deutlich erhöhen. Durch Beschränkung auf das ECC- und AES-CMAC-Verfahren soll außerdem die Sicherheit erhöht werden.

Bislang ist Bluetooth 4.2 allerdings noch auf kaum einem Gerät erschienen. Die aktuelle Smartphone-Generation wie das Samsung Galaxy S6, das HTC One M9 oder das LG G4 verwendet ausnahmslos Bluetooth 4.1.

Was die Zukunft bringt

In Zukunft wird es für das Bluetooth-Konsortium darum gehen, das Zusammenspiel einzelner Bluetooth-Empfänger untereinander zu verbessern. Noch sind Bluetooth-Geräte nicht mesh-fähig, sie können nur einzeln angesteuert werden und kein Netz bilden. Und auch die Software-Anbieter sind gefragt. Zwar ist es längst möglich, etwa ein Smartphone mit mehreren Bluetooth-Geräten gleichzeitig zu betreiben. Das Management dieser Geräte ist allerdings meist nicht gerade nutzerfreundlich, oft tief im Einstellungsmenü des Betriebssystems vergraben, die Steuermöglichkeit mit den Geräten beschränkt sich auf das Ein- oder Ausschalten.

In einigen Jahren sollte es möglich sein, von einem Smartphone aus direkt Funktionen auf einem verbundenen Bluetooth-Gerät auszuführen, und auch ein besseres Gerätemanagement dürfte kommen. Das alles ist noch Zukunftsmusik, aber dass uns Bluetooth in Zukunft auf Schritt und Tritt begleiten wird, das ist sicher.

Update: Mittlerweile sich auch die Details zum Nachfolger Bluetooth 5 bekannt. Im Stromsparmodus können mehr Daten übermittelt werden und das sogar über längere Strecken. Davon wird vor allem die Vernetzung von Sensoren im Smart Home profitieren, aber auch der Einsatz von Beacons in großen Einkaufszentren oder im Museum.

Wie gefällt Dir dieser Beitrag?
Bewertung wird geladen …
Nichts mehr verpassen!

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unserem Newsletter! Täglich um 17:00 Uhr frisch in deinem Postfach.

Newsletter abonnierenRSS-Feed abonnieren
10 Kommentare zu “Bluetooth 4.0, 4.1 und 4.2: Was bringen die kleineren Updates und lohnt sich dafür neue Hardware?
  1. hallo, ich habe ein Tastenhandy – Swisstone mit Bluetooth 2,0

    lässt sich dort das Profil PBAP ( zum übertragen des Telfonbuches zum Navi )
    nachrüsten? also updaten?

    mfg. f.ernst

  2. Wenn Swisstone das Update nicht anbietet, gibt es meines Wissens auch keine andere Möglichkeit. Daher sollten Sie Swisstone am besten direkt ansprechen.

    Da Ihr Handy aber vermutlich schon recht alt ist und dazu auch kein Smartphone, sondern höchstens ein sogenanntes Feature Phone, wird es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein solches Update nicht geben.

    Falls Sie sich entscheiden sollten, ein neues Gerät zu kaufen, würde das wohl auch weitere technische Neuerungen bringen. Einen besseren Empfang zum Beispiel oder eine bessere Sprachqualität – und eben auch aktuelle Bluetooth-Profile.

  3. Ich habe am Tablet Bluetooth 4.1 und möchte Ohrhörer über Bluetooth anschließen,die haben Bluetooth 4.2. Funktioniert das trotzdemmodrr geht das nicht?

    • Normalerweise sollte das funktionieren, denn Bluetooth ist abwärtskompatibel. Einfach mal ausprobieren.

      Das Tablet kann lediglich nicht die Funktionen nutzen, die in der Version 4.2 hinzugekommenen sind. Aber das wird im Alltag nicht auffallen, das waren nur kleine Verbesserungen.

    • Smartphones erhalten eine neuere Bluetooth-Version nur, wenn der Hersteller ein entsprechendes Update zur Verfügung stellt.

      Da es mehrere Archos-55-Modelle gibt und ich auch nicht alle im Blick behalten kann, kann ich an dieser Stelle nur den Tipp geben, das System zu aktualisieren. Und da das Archos 55 schon recht alt ist, lohnt es sich wohl auch nicht, auf eine neuere Bluetooth-Version zu warten.

  4. Guten Tag.
    Welche Kopfhörer arbeiten mit Bluetooth 4.2 und mit welchen Bluetooth -Transmitter kann ich sie ans TV anschließen?

    Freundliche Grüße
    Harald Peters

    • Eine kurze und präzise Frage, doch eine Antwort mit Auflistung einzelner Modelle würde wohl hier den Rahmen sprengen. Daher nur, wie ich vorgehen würde.

      Zuerst würde ich mir einen Transmitter suchen, der mit dem Fernseher kompatibel ist. Davon gibt es schließlich viel weniger als Kopfhörer. Warum muss es denn Bluetooth 4.2 sein? Viele Transmitter werden nur einen älteren Standard unterstützen. Erst danach würde ich den passenden Kopfhörer suchen. Und da gibt es dann weitere Kriterien, die beim Kauf berücksichtigt werden sollten: In-ear, On-ear oder Over-ear? Und noch einiges mehr.

  5. Hallo,

    es ist schade, dass auch in diesem Bluetooth-Artikel das Wort „Reichweite“ gar nicht erst erscheint. Ich nutze derzeit Bluetooth-2-Akkulautsprecher, durch die ich Dank „Alexa“ kabellos im gesamten Haus und Garten meine Musik mitnehmen kann. Ich vermute, dass dies bei Bluetooth 4.** nicht mehr möglich wäre. Irre ich mich?

    • In der Bluetoothklasse 1 können Geräte bis zu 100 Meter funken, in der Klasse 2 nur bis zu 10 Meter. Ob diese Wert überhaupt erreicht werden, hängt noch von weiteren Faktoren ab wie z.B. der Beschaffenheit der Wände.

      Umgekehrt ließen sich diese Faktoren auch positiv beeinflussen – z.B. durch besonders gute Antennen, die vom Haus in den Garten gerichtet sind. Aber das ist dann schon mit Bastelarbeit verbunden.

      Das Problem vor Bluetooth 4.x war, dass das alles sehr viel Energie gekostet hat und der Akku dann schnell leer war. BT 4.x ist deshalb energiesparend konzipiert worden. Low Energy heißt dann eigentlich immer auch eine Reichweite von maximal 10 Metern.

Schreibe einen Kommentar

Hinterlasse hier deinen persönlichen Kommentar. Wir freuen uns über deine Meinung.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind markiert *

*