20 Jahre Handy-Fotografie: Ich möchte nichts Anderes mehr

Die Idee, das Handy mit einer Kamera zu kreuzen, war genial. Nach massiven Entwicklungssprüngen haben die besten Smartphone-Kameras von heute kaum noch Schwächen.

20 Jahre Handy-Fotografie: Ich möchte nichts Anderes mehr

Kürzlich fielen mir ein paar Bilder von 2010 wieder in die Hände. Eine Reise nach New York. Was ich sah, sah gar nicht so schlecht aus, und ich dachte: Mit welcher Kamera hast du die wohl geschossen? Ein Blick in die EXIF-Daten verriet: Es war das iPhone 3GS.

Über zehn Jahre ist das also jetzt schon her. Damals habe ich noch viel mit Reisekameras fotografiert. Das iPhone 3GS war dann mein erstes Smartphone, und die Bilder waren – okay. Schaut ihr genau hin, seht ihr, dass die Ergebnisse schon am Tag rauschen, dass die Kamera offenbar Schwierigkeiten mit Kontrasten hatte – die dunklen Bereiche zu dunkel, die hellen zu hell. Und die – bei Dunkelheit eigentlich samt und sonders – verwackelten Bilder erspare ich euch hier sowieso.

Schwierigkeiten mit Kontrasten: Dass da Menschen hinter dem Zebrastreifen warten, seht ihr erst auf den zweiten Blick.

Worauf ich also hinaus will? Schon damals habe ich als passionierter Fotograf lieber mit dem Handy fotografiert, als mein Gepäck mit einer Kamera zu belasten. Schon damals hätte eine digitale Spiegelreflex, Reisekamera oder eine der noch jungen spiegellosen Systemkameras bessere Fotos gemacht. Brauchbar sind die Ergebnisse dennoch. Und schlechter sind Smartphone-Kameras seitdem bekanntlich auch nicht geworden.

Nachtbild von New York. Entstanden: 2010 mit dem iPhone 3GS.

2010, der Wendepunkt in der Digitalfotografie?

Mein erstes Smartphone markierte für mich damit einen Wendepunkt. Davor hatte ich eigentlich hauptsächlich mit digitalen Komptaktkameras fotografiert. Mit meinen damaligen Handys nur hin und wieder, wenn nichts anderes dabei war. Aber da war die Bildqualität noch arg bescheiden. Die Bilder hier etwa stammen aus dem Jahr 2007 von meinen damaligen Handys Sony-Ericsson K750i und – sein Nachfolger – Nokia 5700. Am Tag noch durchaus brauchbar, hier das Sony…

Am Abend drehten die Sensoren die Empfindlichkeit voll hoch. Damit gab es dann zwar keine schlimmen Verwackler, aber extremes Rauschen, hier ein Bild vom Nokia 5700:

Die damaligen Hersteller verpartnerten Handys und Digitalkameras erstmals im Jahr 2000. 2002 kamen die ersten Kamerahandys auch auf den deutschen Markt. Etwa zur gleichen Zeit also, als auch die Digitalfotografie sich langsam anschickte, die Analogfotografie abzulösen. Richtig tolle Bilder lieferten anfangs weder die einen, noch die anderen.

Ab 2010 Smartphone-Kameras für die große Masse

Es ist nicht so, dass gute Handys nicht auch um das Jahr 2005 herum brauchbare Bilder geschossen hätten. Damals wäre aber kaum jemand auf die Idee gekommen, sein Handy zur Erstkamera zu machen und die herkömmliche Kamera zu Hause zu lassen. Das dürfte sich für die meisten Menschen tatsächlich erst mit dem Erwerb ihres ersten Smartphones geändert haben. Anfangs noch sehr teuer, nahm der Massenmarkt hier ab 2010 rasant Fahrt auf. Und die Kameras waren mittlerweile nicht schlecht.

Knapp drei Jahre nach dem iPhone 3GS schoss ich Ende 2013 und Anfang 2014 diese Bilder mit dem Google Nexus 4:

Die Bilder weisen nur deutlich mehr Schärfe auf als drei, vier Jahre vorher das iPhone 3GS. Und sogar bei schlechten Lichtverhältnissen ist nun halbwegs etwas zu erkennen:

Noch einmal drei Jahre später, 2016, war meine Smartphone-Kamera das bereits Ende 2014 veröffentlichte OnePlus One. Hohe Schärfe, kaum noch Rauschen, allenfalls noch ein paar Schwierigkeiten mit Kontrasten:

2018, Bilder mit dem Samsung Galaxy S9+. Es war die erste Smartphone-Kamera, die ich testete, bei der er es so etwas wie zu dunkle Bilder plötzlich nicht mehr gab:

Gute Kontraste lieferte sie auch:

Und heute? Heute schieße ich Bilder wie diese mit dem aktuellen iPhone 12 Pro Max am Abend, nicht am Tag. Zu dunkle Bilder gibt es praktisch nicht mehr, allenfalls noch in dunkelster Nacht:

Und tagsüber sind harte Kontraste kein Problem mehr:

Das Spannende: Smartphone-Kameras werden besser und besser

Dreht das Rad der Zeit gedanklich noch einmal drei Jahre weiter. Etwaiges Bildrauschen, Verwacklungen, nachlassende Schärfe an den Bildrändern? Dürften in Smartphone-Kameras 2024 nicht mehr vorkommen. Wer weiß, vielleicht gibt es sogar so etwas wie Dunkelheit dann, zumindest auf Bildern, schlicht nicht mehr.

Worauf ich hinaus will? Der Spruch ist bekannt: Die beste Kamera ist die, die ihr dabei habt. Und das ist nun einmal das Smartphone. Die Geräte werden ja für Jahr besser und sie sind inzwischen so gut, dass sich manch einer fragt, warum er eine andere Kamera überhaupt noch mitnehmen soll. Zumindest für Reise-, Straßen- oder Schnappschussfotografie wüsste ich mittlerweile nicht mehr wieso.

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