Mit Schott Ceran Miradur (fast) keine Kratzer mehr auf dem Ceranfeld

Schott hat ein Spezialglas für Kochfelder entwickelt, das keine Kratzer mehr zulässt. Naja, fast. Damit könnte Schott Ceran Miradur zu dem werden, was Gorilla Glass für das Smartphone ist: ein Kaufargument für alle, die nicht aufpassen können oder wollen.

Wie sieht dieser Herd denn aus? – In puncto Design wird diese Frage bereits im Laden gestellt. Doch nach einigen Monaten stellt sie sich dem Käufer ein weiteres Mal, wenn Kratzer und eingebrannte Speisereste auf der Oberfläche aus Glaskeramik das schöne Bild trüben. Glas ist eben nicht Glas. Daran denkt jeder, der ein Smartphone kauft, aber kaum jemand bei der Anschaffung eines Herdes. Mit dem neuen Spezialglas Ceran Miradur möchte das Schott nun ändern.

Sandkörner zwischen Topf und Glas

Schott ist aus der Küche nicht wegzudenken: Als ich noch klein war, hat meine Mutter Obst eingeweckt, natürlich in Gläsern von Schott. Heute muss das Material mehr aushalten als bloß Hitze. Auf den Ceranfeldern brennt ein, was beim Kochen überläuft. Anschließend wird mit Metallgegenständen herumgekratzt oder mit Putzschwämmen zweifelhafter Herkunft.

Das wirkt dann manchmal wie Schmirgelpapier. Daher greift auch der Vergleich mit dem Gorilla Glass von Corning zu kurz. Dort sollen zwar auch Kratzer vermieden werden. Die größere Gefahr für das Smartphone geht jedoch davon aus, dass es fallen gelassen wird. Auf das Kochfeld fällt vielleicht mal eine Kelle, manchmal setzt auch ein schwerer Topf mit einem Wumms auf. Brechen wird es dadurch nicht, aber Kratzer könnten entstehen.

Bei der Glaskeramik Schott Ceran Miradur wird deshalb eine zusätzliche Beschichtung aufgetragen, die die Oberfläche eines Kochfelds in besonderer Weise schützt. Schott bewirbt sie als „weltweit erste kratzfeste Glaskeramik-Kochfläche“, in den FAQs wird dies aber zugleich wieder eingeschränkt: „Unter normalen Umständen sollte nichts passieren. Es kann jedoch sein, dass z.B. auch ein sehr scharfkantiges Sandkorn unter einem sehr schweren Topf zu einem Kratzer führen kann“.

Wer hebt denn heutzutage den Topf noch an? Meist wird er einfach zur Seite geschoben. Aber vollmundige Versprechungen kennt ihr ja bereits vom Smartphone. Auch Gorilla Glass ist nicht hundertprozentig kratz- oder bruchsicher.

Fast so hart wie ein Diamant

Schott Ceran Miradur soll jedoch über einen Härtegrad verfügen, der dem eines Diamanten sehr nahe kommt. Auf der Mohs-Skala liegt Miradur demnach zwischen Korundum (9) und Diamant (10). Herkömmliche Glaskeramiken liegen etwa bei 6. Um sich das etwas besser vorstellen zu können: Auf der neuen Oberfläche sollen 95 Prozent weniger Kratzer durch Sand sowie 70 Prozent weniger Kratzer durch abrasive Schwämme verursacht werden. Ebenfalls laut Hersteller ist sie die einzige Beschichtung, die alle thermischen, mechanischen und chemischen Eigenschaften besitzt, um für alle Heizarten geeignet zu sein – also auch für Induktion.

Fast so hart wie ein Diamant: Schott Ceran Miradur auf der Mohsskala (Bild: Schott)

Fast so hart wie ein Diamant: Schott Ceran Miradur auf der Mohsskala (Bild: Schott)

Wenn 2017 die ersten Kochfelder mit Schott Ceran Miradur als Oberfläche erscheinen, wird die Glaskeramik nur in Schwarz erhältlich sein. Das entspricht den aktuellen Designvorlieben. Doch Schott hat auch schon eine transparente Glaskeramik entwickelt, die praktisch über die gleichen Eigenschaften wie die herkömmliche schwarze Glaskeramik verfügen soll. Kochfelder in verschiedenen Farben und Mustern sind bereits jetzt mit einer entsprechenden Beschichtung auf der Rückseite möglich. Schott bezweckt etwas anderes.

Lichtspiele auf dem Kochfeld

Anzeigen auf Kochfeldern leuchten derzeit meist in Rot. Die schwarze Glaskeramik beherrscht bereits ein ganzes Farbspektrum von Rot über Blau bis Weiß. Später sollen die Anzeigen auch an jeder Stelle auf dem Kochfeld erscheinen können. Die neue Lichtdurchlässigkeit ermöglicht es, dass beim Einschalten das Kochfeld farbig umrandet wird, wenn Bewegungssensoren registrieren, dass sich ein Topf nähert – sogar in wechselnden Farben abhängig von der Temperatur des Topfes oder der Restwärme auf dem Ceranfeld. Das ist insbesondere auf einem Induktionsfeld praktisch, das über keine fest definierten Kochzonen mehr verfügt.

Doch damit nicht genug: In das Kochfeld könnte auch eine Waage eingebaut werden, die die Biegung des Glases erkennt und daraus auf das Gewicht der nachgefüllten Menge schließt. Die Herde könnten dann so intelligent werden, dass beim Kochen auf die Grammangabe verzichtet werden kann. Es würde nur noch die Anweisung erfolgt: mehr hinzugeben. In diesem Fall könnte auch das Feedback über die Farbe des Lichtrings erfolgen. Wenn beim Hinzufügen der Nudeln die richtige Menge erreicht ist, wechselt der Ring auf dem Kochfeld einfach die Farbe. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Ceranfeld: Praktische Tipps für die Reinigung der Glaskeramik

Schott hat die neue Kochfeld-Oberfläche Ceran Miradur im Rahmen der IFA 2016 bereits vorgestellt, im Jahr 2017 soll dann das erste Kochfeld mit dem neuen Glas erscheinen – vermutlich in hochwertigen Kochfeldern, also vor allem in Kochfeldern mit Induktion.

Beitragsbild: Schott

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2 Kommentare zu “Mit Schott Ceran Miradur (fast) keine Kratzer mehr auf dem Ceranfeld
  1. Ist der Kratzer erst einmal drin, ist es leider schon zu spät. Deshalb bemüht sich Schott ja auch, eine Glaskeramik zu entwickeln, die besonders hart ist — damit die Kratzer erst gar nicht hineinkommen.

    Für das Smartphone-Display gibt es zwar kleine Pasten, die die Kratzer wieder füllen oder schließen sollen. Meines Wissens taugen die aber nicht. Was sich dort durchgesetzt hat, sind Schutzfolien, die sich aufkleben, aber auch wechseln lassen, wenn ein Kratzer sichtbar geworden ist. Beim Ceranfeld gilt wohl: besser beim Kauf aufpassen.

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