Auf dem Energielabel (unterer Teil) steht viel mehr als nur ein Buchstabe (Bild: commons.wikimedia.org)

Kritik am Energielabel: Hohe Stromkosten nicht ausgeschlossen

Die Angaben zu Strom- und Wasserverbrauch bei Haushaltsgeräten entsprechen nicht immer dem, was tatsächlich verbraucht wird. Das belastet die Umwelt und kann ins Geld gehen.

Achtet ihr auf das Energielabel, wenn ihr einen Kühlschrank kauft? Auf die Verbrauchswerte, die der Hersteller angibt? Dabei kann es recht abenteuerlich sein, wie diese Werte zustande kommen. Teils wird der Stromverbrauch gemessen, ohne dass sich Lebensmittel im Kühlschrank befinden. Oder dass auch nur einmal zwischendurch die Tür geöffnet wird und Kälte entweichen kann. Einer realistischen Nutzung entspricht das sicherlich nicht. Was euch dann genannt wird, liegt bis zu 32 Prozent unter dem, was Forscher gemessen haben, wenn sie versuchten, den Alltag abzubilden. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der europäischen Umweltschutzorganisationen Clasp, Ecos, EEB und Topten.

Worauf beziehen sich denn die Verbrauchswerte?

Die 43 Seiten sind eine Generalabrechnung mit den Testverfahren, die sich teils seit Jahren nicht geändert haben. Auch wenn sie nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, wurde weiterhin an ihnen festgehalten. So lief auf Fernsehgeräten mit 4K-Auflösung und HDR bei der Messung der Verbrauchswerte ein Referenzvideo, das aus dem Jahr 2007 stammte. Die Forscher erstellten deshalb ein neues Video, das weniger Sequenzen und mehr Formate enthielt, was einer realistischen Nutzung entsprechen soll. Bei einem Modell stieg daraufhin der angenommene durchschnittliche Stromverbrauch um 47 Prozent.

Doch damit nicht genug: Die Forscher kritisieren auch, dass die angegebenen Werte kaum zu verstehen seien. Bezieht sich der Wasser- und Stromverbrauch auf das Referenzprogramm oder auf das sparsamste? Für den Nutzer ist das nicht ersichtlich. Hilfreich wären auch Angaben, wie sich der Verbrauch ändert, wenn Funktionen zugeschaltet werden – besondere Schnell- oder Flecken-raus-Programme bei Waschmaschinen. Die Hersteller werben schließlich damit und wollen auch, dass diese genutzt werden.

Informieren und selbst messen

In einigen Fällen ließen sich die Angaben zum Verbrauch auch gar nicht erst reproduzieren, da die Verfahren nicht ausreichend standardisiert waren. Die Forscher fordern in ihrer Studie, dass die Testverfahren zur Ermittlung des Strom- und Wasserverbrauchs von Haushaltsgeräten die tatsächliche Nutzung im Alltag besser abbilden sollen. Hilfestellung sollen Umwelt- und Verbraucherschutzverbände geben. Aber auch eine stärkere Kontrolle der staatlichen Aufsichtsbehörden wird gefordert.

Ich halte es nicht für sehr wahrscheinlich, dass die Vorschläge der Umweltschützer sofort umgesetzt werden (schade eigentlich). Erst einmal werden neue Energielabels auf EU-Ebene eingeführt. Statt der Energieeffizienzklassen D, C, B, A, A+, A++, A+++ wird es zukünftig nur noch G, F, E, D, C, B, A geben – ohne A+++ oder Anhängseln wie -30%. Das sind also keine neuen Testverfahren, sondern lediglich neue Namen.

Doch was tun, wenn ihr euch auf die Angaben nicht verlassen wollt? Jemanden fragen, der sich damit auskennt! Den findet ihr im Fachhandel, der im besten Fall nicht nur die Geräte verkauft, sondern auch noch selbst repariert. Denn so entstehen erst Erfahrungswerte. Die könnt ihr natürlich auch selbst sammeln, allerdings erst nach dem Kauf. Die klassische Methode ist das Energiekostenmessgerät, das zwischen Steckdose und Stecker gesetzt wird. Aber auch die Funksteckdosen im Smart Home messen den Energieverbrauch. Auf diese Weise ermittelt ihr immerhin, mit welchem Programm ihr wieviel Energie verbraucht.

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Ein Kommentar zu “Kritik am Energielabel: Hohe Stromkosten nicht ausgeschlossen
  1. Die Geschirr-Spülmaschine als Einbau-Toplader gab es schon in Austria von Eumenia/Eudora.
    Ich habe sie seit den 80er Jahren – jetzt tut sie es nicht mehr.
    Das Patent wurde angeblich in die Schweiz verkauft /Eudora-Auskunft: ein feines Maschienchen.
    Mir unverständlich hatte die Maschine keinen ökonomischen Erfolg.
    Da das in die Spüle eingehängte Becken gut überschaubar ist,
    braucht es keinen Aufzug, Der würde auch gegen mein Küchenregal stoßen.
    Man kann ja öfter Geschirr spülen.
    Schauen sie sich das Patent an!
    Ich suche die gleich Maschine. Aussichtslose Suche?
    Marlis Grüterich

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