Corona, Home Office und Kinder: Wie wir den neuen Alltag in den Griff bekommen

Wir haben fünf Leute gefragt, wie sie in Zeiten von Corona Home Office und Kinderbetreuung unter einen Hut bekommen. Vieles ist anders als bisher, doch mit einigen Strategien haben sie sich mit der neuen Lebenssituation vorerst arrangiert.

Noch vor ein paar Wochen überstanden unseren Arbeitsalltag, brachten unsere Kinder in die Kita oder ließen sie zur Schule gehen, trafen uns mit Freunden, saßen in Cafés oder Restaurants, besuchten Museen, Spielplätze, Einkaufscenter. Die Corona-Krise ändert unseren liebgewonnenen Rhythmus, wir müssen uns an die neuen Gegebenheiten erst gewöhnen. Das ist gar nicht mal so leicht, gerade wenn wir Job und Familie vereinbaren wollen.

Wie machen dies eigentlich andere Leute? Bekommen sie den Alltag besser als man selbst in den Griff? Vermutlich nicht. Ich hakte bei fünf völlig verschiedenen Personen nach und ließ mir von ihren neuen Tagesabläufen berichten. Allen wurde die gleiche Frage gestellt: „Wie funktioniert für dich Home-Office & Kinder gerade?“

„Home Office funktioniert für mich nicht“

Name: Michaela Kaspari
Alter: 37 Jahre
Beruf: Mitarbeiterin in der Behindertenhilfe

Michaela Kaspari benötigt eine Kinderbetreuung. Home Office funktioniert für sie nicht.

Michaela Kaspari benötigt eine Kinderbetreuung. Home Office funktioniert für sie nicht.

Ich bin alleinerziehend und habe Zwillinge, die in den Kindergarten gehen. Zwei Wochen waren die Kinder auch daheim, ein fester Tagesrhythmus war in der Zeit für uns das A und O. Statt den Spielplatz besuchten wir täglich den Rhein und waren im Wald. Dort fehlte den Kindern weder Rutsche noch Sandkasten (Hütte aus Stöcken bauen, Naturkunde, Steinchen in den Rhein werfen).

Home Office funktioniert für mich allerdings nicht.

Ich arbeite in der Behindertenhilfe. Da ich hier eine Schlüsselposition einnehme, werden die Kinder im Kindergarten notbetreut. Vor Corona wurden sie in der Woche 3x von der Oma abgeholt, sodass ich eine Vollzeitstelle ausüben konnte. Diese Option ist aktuell nicht verfügbar.

„Ein technisches Gerät ist Gold wert: sein Tonie-Hörspielgerät“

Name: Dominic Mai
Alter: 32 Jahre
Beruf: EURONICS Online Marketing Manager

Bei Dominic Mai läuft es derzeit gut, auch weil das Kind auch alleine spielen kann.

Bei Dominic Mai läuft es derzeit gut, auch weil das Kind auch alleine spielen kann.

Grundsätzlich funktioniert das bei uns ganz gut, da sich unser Sohn (6 Jahre alt) auf der einen Seite selbst beschäftigen kann und meine Frau (arbeitet halbtags) immer mal wieder mit ihm auf dem direkt in der Nähe befindlichen Feldweg spazieren geht. Da kann dann auch mal das Fahrrad ausgepackt werden. Dies klappt natürlich nur, weil man hier auf relativ wenige Menschen trifft und somit Social Distancing draußen gewährleistet ist.

Abgesehen davon, dass sich unser Sohn sehr gut und kreativ mit seinem Spielzeug auseinandersetzt, ist allerdings ein technisches Gerät Gold wert: Sein Tonie-Hörspielgerät. Er besitzt bereits einige Figuren und Geschichten, setzt seinen speziellen Kinder-Kopfhörer (lautstärkebegrenzt) auf und hört sich die Geschichten auch gerne mehrmals ohne Klagen an. Des Weiteren schaut er mal einen Cartoon an, dafür haben wir jetzt Disney+ abonniert (tolle Filme und Serien für Kinder!). Generell schaut er aber kontrolliert und relativ wenig fern. Meine Frau hat sich zudem viele kreative Spiele für unseren Sohn ausgedacht (Basteln, Schreiben, Malen usw.), womit er dauerhaft unterhalten wird.

„Wir haben einen Wochenplan aufgestellt“

Name: Meike Eisold
Alter: 42
Beruf: PR-Referentin

Struktur ist Meike Eisold wichtig - beim Alltag hilft ein Kalender.

Struktur ist Meike Eisold wichtig – beim Alltag hilft ein Kalender.

Obwohl ich regulär auch immer einen Tag pro Woche im Home-Office arbeite, ist die aktuelle Situation schon eine andere. Da mein Sohn zu Hause ist, fällt ein stringentes Arbeiten schwer. Schließlich kann man nicht den ganzen (Arbeits-)Tag auf Interaktion verzichten. 🙂

Damit das Kind auch neben den Schulaufgaben möglichst sinnvoll beschäftigt wird, haben wir einen Wochenplan aufgestellt. Hier gibt es neben einer Sporteinheit – digital mit den Handballern der SC DHfK oder analog mit Federball im Garten – immer eine Tagesaufgabe.

Ich wechsele mich mit meinem Mann im Home Office ab. Arbeitet er zu Hause, bin ich im Büro.

„Ohne Kompromisse geht das nicht“

Name: Robert Morawitz-Meytaurina
Alter: 43 Jahre
Beruf: Freiberuflicher IT-Berater

Es geht auch im Home Office recht gut für Robert Morawitz-Meytaurina

Es geht auch im Home Office recht gut für Robert Morawitz-Meytaurina

Spätestens 7 Uhr früh fange mit der Arbeit an, sodass ich schon einmal zwei Stunden erledigt habe, bevor mein Sohn aufwacht. Den restlichen Tag planen wir so, dass ich zwischen Wohnzimmer und Schlafzimmer wechsle, da wir kein separates Arbeitszimmer haben. Nachmittags versuche ich gegen 16 Uhr mit allen Aufgaben fertig zu sein, sodass auch noch Zeit für meinen Sohn bleibt. Während der Arbeit sind das oft nur 15 Minuten zwischendurch, wo ich mich mit ihm beschäftigen kann.

Meine Frau ist momentan noch zu Hause, um sich ums Kind zu kümmern. Sie versucht genügend Abwechslung zu bieten, geht also beispielsweise spazieren oder spielt mit ihm in einem anderen Raum. Er merkt natürlich, dass ich plötzlich den ganzen Tag zu Hause bin, aber nicht immer für ihn verfügbar. Es ist auf jeden Fall eine Umstellung, weil ich vorher höchstens einen Tag pro Woche Home Office gemacht habe. Man versucht die aktuelle Situation einfach so gut es geht zu managen. Ohne Kompromisse geht das nicht. Das ist auch meinem Kunden bewusst. Es kann also passieren, dass während einer Telefonkonferenz im Hintergrund das Kind zu hören ist.

„Mein Mann ist damit eingespannt, seine Firma zu retten“

Name Anja Bohländer
Alter 40
Beruf: Lehrerin, Seiteneinstieg

Für Anja Boländer ist die aktuelle Situation herausfordernd.

Für Anja Boländer ist die aktuelle Situation herausfordernd.

Da ich ein Einzelkind (9 Jahre, 3 Klasse) habe, spielt die Beschäftigung natürlich eine besonders große Rolle. Wir haben via E-Mail Aufgaben für Mathe, Deutsch sowie Sachkunde bekommen und können die ganz gut gemeinsam bewältigen. Meist vormittags. Die Motivation sinkt allerdings täglich. Es fehlt ganz klar die soziale Ordnung und die soziale Interaktion im Klassenzimmer. Zu Hause ist der Unterricht nicht besonders gut imitierbar – mit den Rahmenbedingungen, die es dafür braucht.

Die Beschäftigung gegen Langeweile ist allerdings die viel größere Herausforderung. Im Haus gibt es keinen Kontakt zu den anderen beiden Kindern der Nachbarn, da große Sorgen hinsichtlich einer Infektion mit Corona bestehen. Das macht die Sache nicht einfacher. Wir leben zum Glück direkt am Wald, können also rausgehen. ABER: Natürlich macht der Sohn das nicht alleine. Also bin ich gerade stark gefordert, seine Zeit zu gestalten. Das ist einerseits schön, andererseits in diesem Zeitumfang echt schwierig.

Da ich mich selbst seit März in der Pädagogik/Didaktik-Ausbildung gemeinsam mit den grundständig ausgebildeten LehrerInnen befinde, stehe ich vor einer weiteren Hürde: Obwohl die Ausbildung ausgesetzt wurde, bekommen wir über die Maßen „Hausaufgaben“ mit wissenschaftlichem Anspruch. Da geht schonmal die ein oder andere Nachtschicht drauf. Mein Mann ist wiederum damit eingespannt, seine Firma zu retten. Da bleibt wenig Zeit für die Kinderbetreuung, denn das hat natürlich absoluten Vorrang.

Homeoffice: So richtet ihr euch ein Corona-kompatibles Büro ein

Wie könnt ihr Kinderbetreuung und Home Office vereinbaren? Ich freue mich über Kommentare unter diesen Zeilen.

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