Was sind eigentlich Dashcams?

Dashcams filmen nicht einfach nur eure Autofahrt, sie können unter Umständen auch als Beweismittel bei Unfällen dienen. Doch ganz so einfach ist das nicht. Das müsst ihr über die kleinen Kameras wissen.

Sie sehen ein wenig wie typische Actioncams sind, sind teils schon für deutlich unter 100 Euro zu haben und dienen in der Regel nur einem Zweck: eure Autofahrt aufnehmen. Wieso, weshalb, warum? Es gibt gute Gründe, die für Dashcams sprechen…

Was sind Dashcams?

Dashcams werden via Saugnapf oder Klebepad direkt am Armaturenbrett oder auf der Innenseite der Windschutzscheibe eures Fahrzeugs befestigt. Die Energieversorgung erfolgt über einen integrierten Akku und/oder den Zigarettenanzünder. Die gesamte Fahrt filmt die Kamera kontinuierlich, nach einer bestimmten Zeit wird das Aufgenommene mit aktuellen Szenen überschrieben. Genau dieser „Loop“ ist typisch für eine solche Autokamera.

Sie werden ähnlich wie Navigationsgeräte im Auto befestigt. (Foto: König)

Sie werden ähnlich wie Navigationsgeräte im Auto befestigt. (Foto: König)

Abhängig vom Modell und der Qualität der Dashcam bekommt ihr weitere Funktionen. Beispielsweise sorgt die sogenannte WDR-Technologie (Wide Dynamic Range) für qualitativ zufriedenstellende Ergebnisse bei Nachtfahrten, ein GPS-Modul nimmt Koordinaten wahr und ein Beschleunigungssensor erkennt starke Erschütterungen, auf die die Dashcam reagieren kann. Dann wird das potentielle Überschreiben von Videos geblockt, sodass Szenen in dem Moment nicht verlorengehen können.

Manche Geräte sind auch mit Hilfselementen versehen, darunter Abstandserkennung und Spurassistenten. Denn stets gibt’s einen kleinen Bildschirm, der für die Bedienung und Darstellung aktueller Ereignisse oder gar der derzeitigen Geschwindigkeit gedacht ist.

Wozu benötige ich eine Dashcam?

Ihr könnt es euch sicher denken: Eine Dashcam ist besonders dann sinnvoll, wenn es zu einem Unfall kommt. Sie reagiert auf ungewünschte Ereignisse und filmt das Geschehen pausenlos – meist mit einem Weitwinkel-Objektiv, das Großteile der Fahrbahn abdeckt. Aber natürlich nicht das, was hinter euch geschieht – logo.

Dashcams - für jede Preisklasse was dabei. (Foto: iconbit)

Dashcams – für jede Preisklasse was dabei. (Foto: iconbit)

Vor allem für Vielfahrer könnte eine Dashcam praktisch sein, werden schließlich alle Aktivitäten mit dem eigenen Mobil gesichert. Kommt es zu einem Unfall, existiert ein Videobeweis – mit der Anzeige von Nummernschilder der Beteiligten, des Ortes und der Zeit. Das alles kann sehr aufschlussreich sein, auch um das eigene Fahrverhalten zu analysieren.

Aber: Videos zum Spaß bei YouTube hochladen oder gar davon ausgehen, dass diese bei einem Unfall auch vor einem deutschen Gericht als Beweis akzeptiert werden – hier wird es potentiell problematisch.

Dashcams in Deutschland

Vielleicht erinnert ihr euch noch an die teils sehr spektakulären Dashcam-Aufnahmen vor fünf Jahren? In Russland wurde der Flug eines Meteors von vielen Autofahrern gefilmt und ins Netz gestellt. Das ist nach wie vor imposant…

Hierzulande wäre das nicht ganz so einfach, denn werden fremde Verkehrsteilnehmer mit ihrem Fahrzeug und Kennzeichen ohne deren Wissen gefilmt sowie öffentlich präsentiert, könnte man damit gegen den Datenschutz verstoßen. Für private Zwecke ist das sicherlich etwas ganz anderes – zum Beispiel, wenn die Videos eurer persönlichen Unterhaltung dienen.

Schwieriger wird es, wenn ihr darauf hofft, eine Dashcam als potentielles Beweismittel vor Gericht einsetzen zu können. In Russland ist dies längst möglich, in anderen Ländern dagegen führt allein schon der normale Einsatz zu einer Geldstrafe. In Österreich oder in Portugal zum Beispiel. In Deutschland wiederum könnt ihr Dashcams problemlos installieren sowie benutzen, sofern ihr die Ergebnisse mit klar zu erkennenden Personen und Autokennzeichen nicht ins Internet stellt. Es gelten eben die gleichen Datenschutz-Bestimmungen wie bei jedem Smartphone-Foto.

Sind Dashcam-Aufnahmen als Beweismittel vor Gericht gültig?

Derzeit existiert noch keine klare Entscheidung darüber, ob Dashcam-Aufzeichnungen nach Unfällen in Deutschland als Beweismittel dienen können. In der Vergangenheit kamen Gerichte zu unterschiedlichen Entscheidungen. Zuletzt wurde ein Video zugelassen (Aktenzeichen 343 C 4445/13), bei einem anderen dagegen hieß es, dass gegen datenschutzrechtliche Bestimmungen verstoßen wurde und solche Dashcam-Filme als Beweismittel nicht herangezogen werden können.

Durchaus auch für Motorradfahrer geeignet. (Foto: Rollei)

Durchaus auch für Motorradfahrer geeignet. (Foto: Rollei)

Oder anders ausgedrückt: Das deutsche Recht ist noch etwas schwammig und nimmt nicht klar Stellung. Das dürfte sich bald ändern, denn am 15. Mai 2018 wird vom Bundesgerichtshof ein Urteil erwartet, das als künftige Grundsatzentscheidung diesbezüglich gelten könnte. (Update:  Das Gerichtsurteil wurde zugunsten der Dashcams entschieden – weitere Informationen hier im Trendblog.)

Sollten Inhalte von Dashcams bald bei Gerichtsverhandlungen akzeptiert werden, müsst ihr euch ebenfalls bewusst sein: Auch eure eigenen Aufnahmen können gegen euch verwendet werden. Schon jetzt kann die Polizei eure Kamera einziehen und das Material auswerten.

Dashcams für die eigene Sicherheit

Unabhängig davon, was die nächsten Wochen an Urteilen bringen werden: Da sie in Deutschland erlaubt sind und Dashcams zum Beispiel auch bei Euronics gekauft werden können, spricht nichts gegen den Erwerb. Ganz im Gegenteil: Sie können euch zu einem besseren, vorsichtigeren und vorausschauenden Fahrer machen. Ihr erhaltet Informationen über eure Aktivitäten auf der Straße, seht ggf. die Fehler anderer und könnt darauf künftig besonnener reagieren.

Eine Dashcam führt bei sachgemäßer Nutzung damit zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Und dadurch schützt ihr euch und andere Verkehrsteilnehmer.

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