Pedelec Cooper E S

Pedelecs: Unsere Tipps vor einem Kauf

Auch beim Kauf eines Pedelecs kommt es auf die Details an. Wir zeigen euch, was andere Käufer vielfach vergessen und worauf ihr neben einer starken Motorleistung noch achten solltet.

Pedelecs gelten als das perfekte Fortbewegungsmittel in Zeiten verstopfter Innenstädte. Wenn ihr mit einem Kauf liebäugelt, geben wir euch hier ein paar Tipps, die ihr vorher beherzigen solltet. Und gehen mit euch durch, ob ein Pedelec überhaupt das richtige für euch ist.

1. Pedelecs sind nicht immer das beste Verkehrsmittel

Die Frage sollte gleich zu Anfang stehen: Wofür wollt ihr ein Pedelec? Und ist es für den geplanten Einsatzzweck wirklich das beste Verkehrsmittel?

Pedelecs (häufig auch nicht ganz korrekt als E-Bike beizeichnet) gibt es in verschiedenen Typen vom City-E-Bike bis zum Mountainbike. Gerade wenn ihr viel im ebenen Stadtverkehr unterwegs seid, seid ihr mitunter erstaunt, wie wenig eigentlich 25 km/h sind. Und mehr darf ein Standard-Pedelec nicht leisten. Bei Geschwindigkeiten darüber schaltet sich der Motor aus.

Der britische Hersteller Cooper baut wunderschöne E-Rennräder im Retro-Stil.

Der britische Hersteller Cooper baut wunderschöne E-Rennräder im Retro-Stil.

Gerade Anfänger unterschätzen das. Fahren sie mit hoher Unterstützung des Motors und erreichen dann 26 km/h, dann kann das Abschalten des Motors wie eine Bremse wirken. Wenn ihr gerne schneller fahrt, kann ein motorisiertes Renn- oder Trekkingrad vielleicht sogar besser für euch sein. Ihr wollt ganz sicher unverschwitzt und schnell am Zielort ankommen? Vielleicht ist dann ein E-Moped sogar besser für euch.

Pedelecs sind ideal für weniger gut trainierte Personen oder Menschen, die einfach gerne gemütlich von A nach B fahren wollen. Bergauf haltet ihr leichter eine höhere Geschwindigkeit, bergab ist es natürlich auch mit einem E-Bike kein Problem, schneller als 25 km/h zu fahren. Für weniger gut trainierte Menschen kann ein E-Bike auch auf der Langstrecke hilfreich sein. Dann haltet ihr auch bei Wind, Wetter und Gegenwind leicht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 bis 20 km/h.

2. Ein Pedelec hat seinen Preis

Ein gutes E-Bike bekommt ihr nicht (weit) unter 2.000 Euro, mal abgesehen vielleicht von Klapprädern. Rechnet mal zusammen: Für ein gutes Fahrrad zahlt ihr schon an die 1.000 Euro. Dazu kommen noch ein mehrere hundert Euro teurer Akku und natürlich der Motor und kräftigere Bremsen.

Elegant, wenn sich der Akku im Unterrohr versteckt, wie hier im Nilox Doc X2+.

Elegant, wenn sich der Akku im Unterrohr versteckt, wie hier im Nilox Doc X2+.

Je besser die Bauteile, umso teurer wird es natürlich. Generell zahlt ihr für einen Akku im Unterrohr, einen Riemenantrieb statt Kette, einen stärkeren Akku oder eine automatische Schaltung mehr.

3. Pedelecs sind schwer

Pedelecs wiegen etwa 4 bis 12 Kilogramm mehr als ein normales Fahrrad. Das sind Extrakilos, die die Aufprallenergie vor allem auf abschüssigen Strecken deutlich erhöhen. Ihr braucht also leistungsfähigere Bremsen als bei einem normalen Fahrrad.

Denkt an das höhere Gewicht aber auch beim Transport, zum Beispiel in euren Keller und wieder hinauf, oder bei der Mitnahme im Auto oder einem öffentlichen Verkehrsmittel. Die Schweizer Bundesbahn etwa erlaubt die Mitnahme von E-Bikes nur bis 25kg. Stärker motorisierte S-Pedelecs (bis 45 km/h) sind häufig von der Mitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln ganz ausgeschlossen.

4. Achtet auf gute Bremsen

Das ist eure Lebensversicherung: Auf starke Bremsen müsst ihr euch verlassen können. Bei einem E-Bike wirken durch höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und mehr Gesamtgewicht insgesamt deutlich größere Kräfte als bei einem nicht motorisierten Fahrrad.

Hydraulische Scheibenbremsen im VanMoof S3

Hydraulische Scheibenbremsen im VanMoof S3

Bei auffällig günstigen E-Bikes sparen die Hersteller oft am Bremssystem. Dann habt ihr vielleicht nur Trommelbremsen oder einfache Felgenbremsen. Das Optimimum für E-Bikes sind hydraulisch unterstützte Schreibenbremsen.

5. Ein gutes E-Bike lässt sich auch ohne Motor gut fahren

Beim E-Bike-Kauf achtet ihr wahrscheinlich zunächst auf die Motorisierung, ob der Akku außen oder im Unterrohr untergebracht ist. Und natürlich auch aufs Aussehen, denn das sollte euch ansprechen. Aber was ist mit den Fahreigenschaften und den Bauteilen?

Sind gute, „unplattbare“ Reifen drin, taugen die Bremshebel etwas, die Schaltung, die Kette, die Federung, das Licht? Wirkt der Rahmen stabil, hängen viele Kabel lose herum? Wichtig auch: Könnt ihr mit dem E-Bike auch ohne Antriebshilfe gut fahren? Denn das werdet ihr bei Zeiten müssen. Unser Tipp also: Achtet auf Qualität und Verarbeitung auch der nicht-elektrischen Teile und auf die Fahreigenschaften.

6. Ein Motor muss nicht nur stark sein

Natürlich schön, wenn euch ein Motor tatkräftig unterstützt, vielleicht mit 300 oder sogar 400 Prozent Übersetzungsverhältnis. Mindestens genauso wichtig sind aber auch die weiteren Eigenschaften des Motors: Wie, wie schnell und mit welcher Sensorik reagiert er auf euer Fahrverhalten? Einige Motoren unterstützen euch auch mit einer Automatik.

Mittelmotor im Technibike S

Mittelmotor im Technibike S

Ist der Motor dazu noch besonders leicht und leise, macht es das Fahren und Transportieren eures E-Bikes angenehmer.

7. Die Platzierung des Motors hat einen Einfluss

Der Motor eines Pedelecs ist entweder in seinem Getriebe, in der Vorder- oder der Hinterradnabe untergebracht. Alle Platzierungen haben Vor- und Nachteile. Bei einem Mittelmotor ist der Schwerpunkt am besten ausbalanciert. Außerdem kann der Motor hier direkt und damit am besten auf das Drehmoment reagieren, das ihr vorgebt. Ein Vorderradmotor ist am leichtesten nachzurüsten, dafür übersteuert das Rad, was sich in einer schlechteren Kurvenlage äußert.

Sieht aus wie eine Trommelbremse, ist aber der Motor. Der versteckt sich im VanMoof S3 tatsächlich im Vorderrad.

Sieht aus wie eine Trommelbremse, ist aber der Motor. Der versteckt sich im VanMoof S3 tatsächlich im Vorderrad.

Viele Hersteller verbauen den Motor in der Hinterradnabe. Das Rad untersteuert in der Kurve, dafür lässt sich ein solcher Motor für Energierückgewinnung (Rekuperation) nutzen, wozu ein Mittelmotor nicht in der Lage ist.

In der Praxis hängt es davon ab, wo ihr das Rad am häufigsten einsetzen wollt. Die Über- oder Untersteuerung von Hinter- oder Vorderradmotor ist Gewöhnungssache und bei City-Bikes etwa weniger dramatisch als bei Mountainbikes.

8. Ihr braucht immer noch eure Muskelkraft

Es sieht oft nach nichts aus: Bisschen leicht in die Padele treten, und der Motor macht den Rest. Je nach Stärke und Übersetzung kann der euch wirklich enorm behilflich sein, zumindest bis 25 km/h. Bei sehr starken Steigungen seid ihr dennoch gefragt.

E-Scooter im Straßenverkehr: Diese Modelle sind zugelassen

Und ihr werdet trotzdem schwitzen und am Ende eure Beine spüren. Vielleicht ist das auch ganz gut so: Ein E-Bike ist trotz der Motorisierung immer noch Bewegungs- und Trainingsgerät. Wollt ihr ganz sicher unverschwitzt am Ziel ankommen, sind E-Scooter oder E-Mopeds vielleicht die bessere Wahl für euch.

9. Ein guter Motor ersetzt keine gute Schaltung

Noch ein Anfängerfehler: Zu glauben, die Motorisierung bringe das E-Bike schon über den Berg, und ihr müsstet gar nichts dafür tun. Doch, müsst ihr. Und (nicht nur) dafür ist eine gute Schaltung sehr wichtig. Gut heißt hier: Nicht nur granular einstellbar (11 Gänge wären da etwa besser als 7), sondern auch schnell und zuverlässig.

Sehr elegant: Das Cooper Belt Disc verwendet einen Riemen statt einer Kette. Motor und Akku verstecken sich in der Hinterradnabe.

Sehr elegant: Das Cooper Belt Disc verwendet einen Riemen statt einer Kette. Motor und Akku verstecken sich in der Hinterradnabe.

Einige ganz teure Modelle kommen mit einer stufenlosen Nabenschaltung daher, das VanMoof S3 mit einer automatischen Schaltung, allerdings nur vier Gängen. Plant ihr, viel in den Bergen unterwegs zu sein, ist eine Kettenschaltung mit 21 oder mehr Gängen besser für euer E-Bike geeignet als eine Nabenschaltung. Letztere empfiehlt sich eher für den Stadtverkehr.

10. Vor- und Nachteile von S-Pedelecs

Normale Pedelecs haben den Nachteil, dass ihre Motoren euch vorschriftsgemäß nur bis 25 km/h unterstützen dürfen. Dann sind sie rechtlichen „normalen“ Fahrrädern gleichgestellt, und ihr dürft sie ohne Führerschein fahren. Das ist bei S-Pedelecs anders (das S steht für Speed). Sie sind mit stärkeren Motoren ausgestattet und sollen eine Unterstützung bis 45 km/h liefern. Das klingt enorm.

S-Pedelec Haibike Sduro Trekking

S-Pedelec Haibike Sduro Trekking

Dafür braucht ihr allerdings ein Versicherungskennzeichen, denn S-Pedelecs fallen in die Klasse Kleinkraftrad, also vergleichbar mit einem E-Moped. Ihr dürft sie in vielen öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mitnehmen und nicht auf einem Radweg damit fahren; ihr müsst auf die Straße damit. Dort gilt die gleiche Promillegrenze wie im Auto: 0,5. Im Ganzen könnt ihr mit S-Pedelecs mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 bis 35 km/h rechnen.

11. Ganze Tagestouren auf höchster Stufe? Eher nicht

Noch ein beliebter Anfängerfehler: Zu glauben, ihr könntet den ganzen Tag lang munter mit dem E-Bike Berge erklimmen und müsstet euch dabei dank starker Motor-Unterstützung kaum abmühen. Dann sollte eure Tour aber besser nicht all zu weit sein, denn der Akku geht bei Steigungen sehr schnell in die Knie.

Hügeliges Terrain. Wenn ihr von eurem Pedelec-Akku lange etwas haben wollt, bewältigt das meiste auf kleiner Stufe und maßgeblich mit Muskelkraft.

Hügeliges Terrain. Wenn ihr von eurem Pedelec-Akku lange etwas haben wollt, bewältigt das meiste auf kleiner Stufe und maßgeblich mit Muskelkraft.

Seht Pedelecs besser als ganz normale Fahrräder an, die euch in manchen Lebenslagen etwas unterstützen können. Setzt bei langen Touren aber hauptsächlich auf Muskelkraft und geht sparsam mit dem Akku um. Schaut euch schon vor der Tour ein Profil der Strecke an und dann teilt die Kraft gut ein. Nichts ist schlimmer, als wenn ihr am Ende eurer Kräfte seid, ihr noch eine Stunde Fahrt vor euch habt, aber auch der Akku schlapp macht. Besser ihr lasst euch für das Ende eine großzügige Reserve.

12. Investiert auch in Apps

Der Autor dieser Zeilen hielt es für eine gute Idee, für eine Tour Google Maps als Fahrradnavi einzusetzen. Mit dem Ergebnis, dass Maps drauf bestand, kilometerweit über eine Bundesstraße ohne Fahrradspur zu navigieren, obwohl es ganz sicher radtauglichere Alternativen gegeben hätte.

Outdoor-App Komoot

Outdoor-App Komoot

Moral der kurzen Geschicht: Wenn ihr schon tausende Euro für ein E-Bike samt Ausrüstung ausgebt, dann sollte es auf ein paar Euro für eine gescheite Fahrradnavigation nicht mehr ankommen. Smartphone-Apps wie Komoot, Naviki oder Strava eignen sich deutlich besser für Radtouren. Die Apps sind grundsätzlich kostenlos, hin und wieder müsst ihr für einzelnes Kartenmaterial etwas bezahlen, was sich aber fast immer lohnt.

Fazit: Schaut genau hin

Wie so oft, so kommt es auch bei Pedelecs auf die Details an. Lasst euch nicht von einem hübschen Aussehen blenden, sondern lest das Datenblatt genau. Was für ein Motor ist drin und wo sitzt er, wie gut ist die Übersetzung, wie ausdauernd der Akku, wie viele Gänge hat die Schaltung? Wie gut sind die Bauteile und die Fahreigenschaften ohne Motor? Und nicht zuletzt: Ist ein Pedelec wirktlich das, was ihr wollt, oder eignet sich eine andere Art von Fahrzeug nicht vielleicht besser? Wenn alles stimmt, steht eurem Fahrvergnügen nichts mehr im Wege.

Einzelne E-Bikes findet ihr auch bei Euronics.

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