Next-Gen-Medium: Wie stehen die Erfolgsaussichten der Ultra HD Blu-ray?

Lange war sie angekündigt, seit einigen Monaten ist sie nun endlich auf dem Markt: Die Ultra HD Blu-ray. Von einem Hype ist das neue System aber noch weit entfernt. Wie also geht es weiter mit der UHD-Disc?

UHD-Fernseher sind heiß begehrt. Die Geräte mit der vierfachen Full HD-Auflösung haben sich fest im Markt etabliert und sind inzwischen auch erschwinglich geworden. Von einem Überangebot an nativen 4k-Inhalten kann man aber noch immer nicht wirklich sprechen. TV-Sender mit ultrahochauflösender Bildqualität stehen erst am Anfang, und so konnte man sich bis vor ein paar Monaten lediglich über UHD-Streaming die faszinierenden ultrascharfen Bilder ins Haus holen. Dann aber fiel endlich der Startschuss für das lang erwartete physische Next-Gen-Medium: Die Ultra HD Blu-ray. Nachdem die Markteinführung im April 2016 nun schon wieder rund ein viertel Jahr zurückliegt, wäre es Zeit für einen ersten Kassensturz: Wie steht es um die bisherige Marktdurchdringung, die aktuelle Titelauswahl, die Kundenzufriedenheit und die Erfolgsaussichten des neuen Systems?

Die Titel- und Player-Auswahl ist noch bescheiden

Noch ist die Ultra HD Blu-ray ein sehr junges Format. Nach wie vor lediglich zwei Ultra HD Blu-ray-Player sind in Deutschland bislang auf dem Markt. In den ersten Monaten nach Launch des Systems gab es zudem zunächst Engpässe bei der Auslieferung der beiden Player, vor allem der DMP-UB900 von Panasonic war lange Zeit nicht erhältlich. Aktuell sind jedoch beide Geräte bei EURONICS sofort lieferbar. Der Samsung UBD-K8500 kann hier direkt bestellt werden, der Luxus-Player DMP-UB900 von Panasonic über diesen Link. Die Titelauswahl ist mit aktuell etwa 30 deutschsprachigen Discs noch auf einem quantitativ eher bescheidenen Niveau. Immerhin haben bereits mehrere Majors und Independents noch eine ganze Reihe von weiteren Titeln bis Jahresende auch für den deutschen Markt angekündigt. Die bislang veröffentlichten oder angekündigten UHD-Titel bestehen größtenteils aus aktuellen Blockbustern, aber auch einige Katalogtitel sind darunter.

Der DMP-UB900 von Panasonic (unten) und der UBD-K8500 von Samsung (oben) sind die bislang einzigen regulär erhältlichen Ultra HD Blu-ray-Player auf dem deutschen Markt.

Der DMP-UB900 von Panasonic (unten) und der UBD-K8500 von Samsung (oben) sind die bislang einzigen regulär erhältlichen Ultra HD Blu-ray-Player auf dem deutschen Markt.

Kinderkrankheiten hat das System bislang (fast) keine

Von größeren Abspielproblemen, also den üblichen Kinderkrankheiten bei Einführung eines neuen Formats, war bislang bei der Ultra HD Blu-ray kaum etwas zu hören. Lediglich beim Horrorklassiker „The Texas Chainsaw Massacre“ berichten verschiedene User des Panasonic UHD-Players DMP-UB900 von Bugs bei der Tonwiedergabe. Ein Disc-Exemplar liegt Panasonic in Japan bereits vor um den prinzipiellen Fehler zu finden. Vermutlich wird ein Software-Update die Problematik beheben. Beim ersten Ultra HD Blu-ray-Player von Samsung, dem UBD-K8500, tritt der Fehler übrigens nicht auf. Andere Systemeinsteiger wiederum berichteten von einer mangelnden Kompatibilität der Player mit den Fernsehern bei der HDR-Wiedergabe. Auch hierbei ist die Industrie um schnelle Lösungen bemüht. Insgesamt halten sich die kaum vermeidbaren Kinderkrankheiten aber durchaus in sehr überschaubaren Grenzen.

Panasonic sucht derzeit nach den Ursachen für den Ton-Bug, der bei der Wiedergabe der Ultra HD Blu-ray von „The Texas Chainsaw Massacre“ auf dem DMP-UB900 auftritt.

Panasonic sucht derzeit nach den Ursachen für den Ton-Bug, der bei der Wiedergabe der Ultra HD Blu-ray von „The Texas Chainsaw Massacre“ auf dem DMP-UB900 auftritt.

Gerade Early Adopter vermissen die 3D-Option

Wer sich für das neue System entscheidet, erhält in jedem Fall die aktuell bestmögliche Bildqualität fürs Heimkino. Die Verbesserung der visuellen Darstellung ist zwar im Vergleich zu bereits gut remasterten Standard-Blu-rays teilweise nur marginal (zumindest bei der Wiedergabe auf kleineren Bildschirmdiagonalen), bei manchen Titeln ist das Upgrade durch die 4k-Technik, primär beim Einsatz von High Dynamic Range, aber auch wieder signifikant. Da ein Großteil der bislang auf Ultra HD Blu-ray erschienenen Filme im Original in 3D gedreht (oder nachkonvertiert) wurde, hadern manche potenzielle Käufer noch mit dem Fehlen der stereoskopischen Wiedergabemöglichkeit beim Ultra HD Blu-ray-System. Auch wenn das 3D-System im Heimkino bereits für tot erklärt wird, gibt es dennoch, gerade unter Early Adoptern, eine große Fangemeinde, die sich aufgrund der nicht vorhandenen 3D-Option bei der Ultra HD Blu-ray noch nicht so hundertprozentig mit dem neuen Format anfreunden kann.

Durchbruch oder Strohfeuer?

Im Moment dürfte kaum jemand eine seriöse Prognose wagen, wie sich das System entwickeln wird. Die Industrie setzt auf einen zeitlich mittelfristigen Durchbruch des Formats, manche Experten aber prognostizieren der UHD-Disc auf Dauer ein ähnliches Nischendasein wie der 3D-Blu-ray. Mit der Verfügbarkeit von mehr Titeln und Preissenkungen bei den Discs dürfte die Verbreitung aber Fahrt aufnehmen und die Ultra HD Blu-ray sukzessive in immer mehr Haushalte einziehen – und damit das vielleicht letzte physische Video-Wiedergabesystem.

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