Moviepass

Moviepass: Welche alternativen Kinoflatrates gibt es in Deutschland?

Moviepass ist eine in den USA sehr beliebte Flatrate für Kinos, besonders seit der Preis auf Netflix-ähnliche 10 Dollar gesunken ist. Das Modell wäre wohl auch für deutsche Filmliebhaber interessant, Probleme hat der Anbieter allerdings mit der Finanzierung.

Es gibt wohl kaum jemanden, der Netflix nicht mag. Tolle Serien, Filme, Eigenproduktionen und das alles für um die 10 Euro im Monat. Etwa so viel also, wie man in einem Cineplex für einen einzigen Kinobesuch bezahlt – Popcorn und Getränke noch nicht mitgerechnet. In den USA wollte der Anbieter Moviepass dieses starre Modell mit einem Kampfpreis durchbrechen: 10 Dollar im Monat für eine Kinoflatrate. Wie konnte das funktionieren?

Kampfansage, Kampfpreis: Kinoflatrate für nur 10 Dollar im Monat von Moviepass

Kampfansage, Kampfpreis: Kinoflatrate für nur 10 Dollar im Monat von Moviepass

Kurze Antwort: Es konnte nicht. Am 2011 gegründeten Moviepass ist der frühere Netflix-Manager Mitch Lowe beteiligt, ein Mann also mit Erfahrung in dem Geschäft. Zunächst war die Kinoflatrate deutlich teurer und schwankte von US-Stadt zu US-Stadt zwischen 15 und 45 US-Dollar. Ende 2016 senkte Moviepass den Preis auf 15 bis 25 Dollar und zuletzt, im August 2017, auf ganze 10 Dollar. Zahlte man den Betrag 1 Jahr im Voraus, ließen sich sogar noch ein paar Dollar sparen. Eine Kampfansage!

Jeden Tag 1 Film für 10 Dollar im Monat

Noch einmal zum Mitschreiben: 10 Dollar im Monat und dafür auf Wunsch jeden Tag 1 Kinobesuch. Bei der Auswahl der Filme hilft eine App, die Kinos und Spielzeiten in der Nähe anzeigt und vielfach auch mobil buchen lässt. Ausgenommen sind nur 3D-Blockbuster und IMAX-Vorführungen. 91 Prozent der US-Kinos nehmen am Projekt Moviepass teil.

10 Dollar für fast beliebig viele Filme, und Moviepass zahlte den Kinos den vollen Preis für jedes Ticket. Klarer Fall: Da zahlte der Anbieter kräftig drauf. Und zwar so sehr, dass Moviepass in diesem Sommer kurz vor dem finanziellen Ruin stand. 3 Millionen Kunden hatte der Dienst inzwischen gewonnen, zehnmal so viel wie ein Jahr zuvor.

91 Prozent aller US-Kinos, 3 Millionen Kunden: Moviepass mit einem sehr attraktiven Angebot.

91 Prozent aller US-Kinos, 3 Millionen Kunden: Moviepass mit einem sehr attraktiven Angebot.

Und das kostet: 45 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln fehlten Moviepass temporär. Der Aktienkurs der Muttergesellschaft Helios & Matheson Analytics Inc. stand noch im Februar bei rund 2.000 US-Dollar. Anfang August war er auf ganze 0,10 Dollar zusammengebrochen. Ein Totalverlust.

Moviepass kurz vor dem Ruin

Der Kahn war schon fast auf Grund gelaufen. Moviepass kündigte zunächst eine Preiserhöhung auf 15 Dollar an, um sie Tage später direkt wieder zu kassieren. Die Rettung soll nun ein reduziertes Angebot bringen. Seit Mitte August sind für die 10 Dollar nur noch 3 statt 30 Filme im Monat drin.
Mehr würden 85 Prozent der Kunden ohnehin nicht sehen, argumentiert Lowe. Wer dennoch weitere Filme schauen möchte, bekäme pro Besuch einen Rabatt von 2 bis 5 Dollar pro Kinokarte.

Retten wird das den Dienst so schnell nicht. Und man stellt sich die Frage, ob die Moviepass-Bosse bei dem ruinösen Geschäftsmodell nicht mit Finanzsorgen hätten rechnen müssen. Aber immerhin: 3 Millionen Kunden stehen jetzt auf der Habenseite, der Dienst ist in aller Munde und die Aktie kaum noch etwas wert. So macht man sich attraktiv für Übernahmen durch ein Branchenschwergewicht.

Das Prinzip erinnert an die Disruptoren anderer Branchen, etwa Spotify für Musik, Netflix für Video oder, nun ja, auch Ryanair für die Passagierluftfahrt. Erst im zähen Ringen mit Industrie und Verwertungsgesellschaften hat etwa Spotify die Tantiemen für Labels und Künstler reduziert. Der Vorteil für die Plattenfirmen auf der anderen Seite: Piraterie ist heute kaum noch ein Thema. Zumindest das Problem hat man damit gelöst.

Geplante Expansion nach UK – und danach Deutschland? Moviepass-Ableger cPass

Geplante Expansion nach UK – und danach Deutschland? Moviepass-Ableger cPass

Expansion nach Europa geplant

Und natürlich kommt dabei eine Debatte in Gange: Sind 10 Dollar/Euro oder mehr für einen Kinobesuch nicht sowieso etwas viel? Profitieren Kinos nicht sogar eher von einer viel bessere Auslastung für jeden Saal, wenn durch Moviepass wieder mehr Menschen ins Kino gehen?

Vorausgesetzt, Moviepass überlebt die finanzielle Schieflage, plant Chef Lowe in absehbarer Zeit auch einen Start des Dienstes in Europa und dann auch Deutschland. Im Vereinigten Königreich können sich Nutzer bereits unter dem Ableger cPass vorab registrieren. Der Preis liegt dort bei 9,95 Pfund. Gut möglich, dass Moviepass/cPass in Deutschland danach ebenfalls für 9,95 Euro angeboten wird.

Kinoflatrates in Deutschland: Das gibt es bis jetzt

Die größten Kinoketten in Deutschland sind davon freilich wenig begeistert, denn auch ihr Geschäft läuft längst nicht mehr von selbst. Vergleichbare Angebote wie Moviepass gibt es nur von einigen Ketten. Cinestar, Cineplex und Kinopolis (drei der größten fünf) sind nicht dabei. Nur drei Ketten bieten im August 2018 eine Kinoflatrate an:

Cinemaxx

Cinemaxx-Goldcard: Vielseitig aber teuer

Cinemaxx-Goldcard: Vielseitig aber teuer

Cinemaxx bietet eine Kinoflatrate für ein ganzes Jahr (Goldcard, 399 Euro = 33,25 Euro/Monat) oder ein halbes Jahr an (Silvercard, 249 Euro = 41,50 Euro/Monat). Das ist jeweils deutlich teurer als Moviepass. Dafür kann man damit so oft man will ins Kino gehen (also auch mehrmals am Tag) und auch 3D-Filme sehen und einige Special Events wahrnehmen.

UCI Kinowelt

UCI-Unlimited-Card: Für Cineasten ein Fest, für Couchpotatos noch zu teuer.

UCI-Unlimited-Card: Für Cineasten ein Fest, für Couchpotatos noch zu teuer.

UCI Kinowelt bietet mit der Unlimited Card ein noch etwas besseres Preis-Leistungsverhältnis als Cinemaxx. Für 23,40 im Monat bei einjähriger Laufzeit kann man in beliebig viele Filme der Kette gehen (auch UCI luxe-Säle). Lediglich IMAX-Vorstellungen sind nicht im Preis inbegriffen.

Yorck

Preis-Leistungs-Sieger für Deutschland: Jahreskarte für alle Berliner Yorck-Kinos für 18,90 Euro im Monat

Preis-Leistungs-Sieger für Deutschland: Jahreskarte für alle Berliner Yorck-Kinos für 18,90 Euro im Monat

Eine Kinoflatrate gibt es ansonsten noch von der Berliner Yorck-Gruppe. Für 18,90 Euro im Monat bei mindestens einjähriger Laufzeit kann man mit der Yorck-Jahreskarte in allen Kinos der Kette beliebig viele Filme sehen. Kinos der Gruppe gibt es allerdings nur in Berlin. Dort aber derer immerhin 15.

Potenzial für Moviepass in Deutschland?

Ein echtes Killerangebot für eine Kinoflatrate gibt es in Deutschland bisher nicht. Die Preise klingen zwar fair – vor allem das Angebot der Yorck-Gruppe. Allerdings belohnen sie in erster Linie Cineasten. Mit diesen Preisen wird man kaum einen Couchpotato dafür begeistern können, häufiger als sonst ins Kino zu gehen.

Preise von 10 Euro im Monat oder noch darunter klingen indes ruinös. An den Beispielen Spotify und Netflix hat sich gezeigt, dass dies genau der Preis ist, den Kunden bereit sind, für eine Flatrate zu zahlen. Das ist allerdings mit Nachteilen erkauft. Bei Musikflatrates hat ein knochenharter Wettbewerb eingesetzt, der nicht mehr viele Player übrig gelassen hat. Selbst Branchenschwergewichte wie Microsoft haben ihre Musikflats mittlerweile wieder eingestellt. Netflix ist der einzige Videoflat-Anbieter von Relevanz und auch unbedingt auf Wachstum angewiesen.

Netflix offline schauen: So geht es

Täten sich deutsche Kinos einen Gefallen damit, wenn sie sich mit Moviepass oder ähnlichem der 10-Euro-Rabattschlacht aussetzten? Sicher nicht. Und doch hat die Idee auch etwas für sich. Es gingen wieder mehr Menschen in die Kinos, neue Kunden würden in die Säle strömen. Vielleicht lohnt es sich also für deutsche Kinoketten, einmal den Schulterschluss zu wagen und auf ein gemeinsames Abomodell zu setzen, bevor wieder ein Dienst aus dem Ausland ihnen zuvor kommt. Es müssen ja nicht gleich 10 Euro im Monat sein.

Moviepass versucht unterdessen, wieder Positivschlagzeilen zu schreiben. Der Dienst plant nun, den ersten eigenen Film zu produzieren – mit Bruce Willis in der Hauptrolle. Auf die gleiche Art – und mit Hollywood-Größe Kevin Spacey – begann auch Netflix vor fünf Jahren seinen Siegeszug.

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