Bundesliga-Streaming: Glücklich im Ausland

Der Sportstreamingdienst Dazn torpediert den eigenen Kultstatus. Die Frage, wie viel Bundesliga jetzt eigentlich noch sein muss, zeigt ein Blick ins Ausland.

Bundesliga-Streaming: Glücklich im Ausland

In den Niederlanden müssten man wohnen – das dürfte sich trotz astronomischer Corona-Zahlen dort der eine oder andere Fußballfan dieser Tage gedacht haben. Denn nicht nur hat die dortige Ehredivisie zumindest hin und wieder mal einen anderen Meister zu vermelden als Ajax Amsterdam. Man konnte im vergangenen Herbst obendrein noch den Eindruck gewinnen, auch die Qualität der dortigen Liga hätte der Bundesliga mittlerweile den Rang abgelaufen. Man denke nur an die aktuelle Championsleague-Spielzeit, in der Borussia Dortmund gegen Ajax Amsterdam gleich zweimal unter die Räder geriet.

Vor allem aber bekommen die Niederländer im Moment in den Genuss von etwas, wovon der deutsche Fan nur träumen kann: kostenlose Bundesliga-Spiele live gestreamt. Auch ihr könntet zumindest theoretisch noch im Februar kurz mit dem Laptop über die Grenze hüpfen, euch dort in eine Frituur setzen und Bayern gegen Leipzig streamen.

DAZN hebt die Preise an – und jetzt?

Das Ganze ist auch in den Niederlanden nur vorübergehend und nur durch eine besondere Konstellation möglich – der neue Rechteinhaber Nordic Entertainment Group startet im März ein neues Angebot und lässt die Spiele bis dahin frei über den Bundesliga-Auslandskanal auf YouTube streamen. Für Bundesliga-Fans in Deutschland muss das dennoch wie Hohn klingen, nachdem der einst beliebte Sportstreaming-Dienst DAZN den Monatspreis ab Februar auf 29,99 Euro drastisch anhebt.

Weil ein DAZN-Abo immer noch nicht reicht, um alle Spiele der Bundesliga und Championsleague zu sehen, müsste jeder Fan bald zusammen mit Sky über 50 Euro im Monat bezahlen. Ganz schön happig und für viele zu viel. Zumal die Spannung seit Jahren begrenzt ist. Dass Bayern München zum zehnten Mal in Folge Meister wird, bezweifeln wohl nur noch wenige.

Das Spannendste ist in dieser Spielzeit wohl zu sehen, ob der abgeschlagene Letzte, Greuther Fürth, es vielleicht doch noch irgendwie schafft. Oder ob es einen der in dieser Saison schwächelnden Klubs mit weit höheren Ansprüchen, wie Gladbach, Hertha, Wolfsburg oder Stuttgart, noch zerreißt.

Sport1-Journalist Christopher Michel bringt es auf Twitter auf den Punkt:

„Fans der Bundesliga müssen rund 57 Euro an Sky und DAZN überweisen, wenn sie ab Sommer 2022 weiterhin Bundesliga schauen wollen. Das gibt die Attraktivität der Liga aktuell einfach nicht her…“

Wenn aber die Liga nicht attraktiv genug ist, ein Live-Streaming der Spiele zu teuer. Was ist dann die Lösung?

Bundesliga auf Englisch ist richtig gut

Um noch einmal auf die Niederlande zurückzukommen: Vergangenen Herbst verbrachte ich ein paar Wochen dort am Meer. Es tut immer gut, mal ein Weilchen aus Deutschland raus zu kommen. Aber trotz (oder gerade wegen) der aktuell mäßig spannenden Bundesliga-Saison wollte ich Ausschnitte der Spiele sehen.

Und die fand ich schließlich im Bundesliga-YouTube-Kanal – auf Englisch. Die DFL vermarktet ihre Spiele international auch auf diese Weise. Mit englischsprachigen Kommentatoren erreicht sie ein größtmögliches Publikum.

Titelbild eines Trailers für den internationalen Bundesliga-Kanal der DFL. In Deutschland funktioniert der leider nicht.

Und was soll ich sagen? Bundesliga-Snippets auf Englisch sind ein großes Vergnügen:

  • Die Kommentatoren sind englische Muttersprachler, die aber auch die Aussprache deutscher Spieler und Bundesliga-Vereine beherrschen
  • Die Kommentare sind munter und angenehm zu verfolgen
  • Die Ausschnitte dauern meist nur 2 Minuten, mehr nicht
  • Es gibt nur die besten Spielszenen zu sehen, keine Interviews (ist nicht für jeden, aber ich mag das)
  • Kurz nach den Spielen gibt es oft auch nur kürzere 1-Minuten-Zusammenschnitte der Torszenen
  • Zusätzlich gibt es Zusammenfassungen der Spiele der 2. Liga

Ich war überrascht, nicht nur, wie gut mir das gefiel, sondern wie sehr mir das auch ausreichte. Klar, man wird älter. Die Zeiten, in denen ich jeden Samstag zur Bundesliga-Konferenz in der Kneipe saß oder mich abends mit Freunden zu Bier und Championsleague traf, sind nicht nur wegen Covid lange vorbei. Mir geht es wie vielen Fans derzeit: Die Bundesliga übt einfach nicht mehr die gleiche Sogwirkung aus wie noch vor einigen Jahren. Und man hat längst realisiert, dass man in der Freizeit auch viele andere schöne Dinge machen kann.

Was ist die Lösung?

Wenn englische Kommentare nicht euer Ding sind, könnt euch Zusammenfassungen der Bundesliga-Spiele im Ausland übrigens auch auf Deutsch anschauen – auf der offiziellen Bundesliga.com-Webseite. Das fand ich erst etwas später heraus, aber da wollte ich „meine“ englischsprachigen Kommentatoren, die übrigens von Köln aus arbeiten, schon nicht mehr missen.

Moral von der Geschicht? Die Bundesliga steckt in einem Dilemma. Den Klubs fehlen die Zuschauer-Einnahmen, was sich auch auf die sportliche Qualität auswirkt. Teure Transfers bleiben aus. Auf der Einnahmeseite sind hohe Fernsehgelder für die Vereine also notwendig. Den Fans sind so hohe Preise aber nicht zu vermitteln, wenn gleichzeitig die Qualität nicht da ist. Auswandern ins Ausland ist derweil nicht für jeden die Lösung.

Ich kann also nur hoffen, dass die Pandemie bald ein Ende hat und die Stadien dann wieder voll sind. Dann kommt wieder mehr Geld in die Kassen der Vereine und vielleicht auch irgendwann der Spaß zurück.

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