Xiaomi Mi 6

Xiaomi Mi 6: Besser als iPhone 7 und Samsung S8 – doch nicht in Deutschland

Tolles Design und technisch absolut spitze: Das Xiaomi Mi 6 wäre das ideale Smartphone (Snapdragon 835 inside und Dual-Kamera auf der Rückseite), wenn nicht zwei No-Gos wären.

Alle Welt blickt auf China, wenn Xiaomi sein neues Spitzen-Smartphone präsentiert. Gestern war es wieder soweit, das Xiaomi Mi 6 wurde vorgestellt. Mit einem Display, das zu allen vier Seiten hin abgerundet ist (Samsung belässt es bei zweien). Mit dem Prozessor Snapdragon 835, der gerüchteweise nur Samsung vorbehalten sein sollte. Und mit einer Kamera, die über zwei Linsen mit unterschiedlichen Brennweiten verfügt und dem Aufbau im iPhone 7 Plus verdammt ähneln soll. Das wäre doch das beste aus beiden Welten, oder? Ich werde aber auch dieses Jahr wieder nicht zugreifen. Trotz alledem fehlt mir etwas.

Tolles Display, schnelle Technik

Das Display ist relativ klein ausgefallen, es misst 5,15 Zoll in der Diagonalen und zeigt 1.920 x 1.080 Pixel an. Auch wenn die Smartphones von Apple und Samsung immer größer werden, so wird in meinem Umfeld oft nach einem handlichen Gerät gesucht, das dennoch Spitzenwerte liefert. Und das kann Xiaomi: Die Helligkeit lässt sich auf maximal 600 cd/qm einstellen, so dass auch bei Sonnenlicht noch etwas zu erkennen ist. In den Abendstunden kann das blaue Licht herausgefiltert werden, um nachts besser schlafen zu können. Vor allem sieht es aber schön aus: Xiaomi spricht von Curved 3D Glass, obwohl noch abzuwarten ist, ob es sich nicht doch nur um ein 2,5D-Display handelt. Es ist zu allen vier Seiten abgerundet und geht ersten Hands-ons zufolge nahtlos in den umlaufenden Rahmen aus Edelstahl über.

Der Qualcomm-Prozessor Snapdragon 835 taktet mit bis zu 2,4 GHz schnell – ergänzt vom Grafikchip Adreno 540, 6 GB RAM und wahlweise 64 oder 128 GB internem Speicher, der sich über eine Micro-SD-Karte sogar noch erweitern lässt. Das ist üppig. Mir ist kein Smartphone bekannt, das auf dem Papier so viel hermacht. Dennoch bleibt auch hier abzuwarten, ob das Xiaomi Mi 6 die Konkurrenz überflügeln kann, insbesondere das iPhone 7 oder das Samsung Galaxy S8. Spitzenwerte werden auf jeden Fall herauskommen.

Verbindungsschwierigkeiten in deutschen Netzen

Jetzt zum ersten großen Manko: Das Xiaomi Mi 6 ist nicht für den europäischen Markt gemacht, sondern hauptsächlich für China. Nicht unterstützt wird das LTE-Band 20, das hierzulande für einen Großteil der LTE-Verbindungen genutzt wird. Wer sich ein Xiaomi Mi 6 zulegt, wird einen langsameren Datenverkehr über Mobilfunk erhalten. In den eigenen vier Wänden allerdings dürfte es über WLAN ac 2×2 MIMO mit dem passenden Router recht fix gehen, das neue und datensparsame Bluetooth 5.0 ist auch schon an Bord. Hinzu kommen GPS, NFC, Dual-SIM, USB-C, Android 7.1 mit MIUI und ein 3.350 mAh großer Akku, der sich zudem schnell laden lassen soll (wohl über QuickCharge).

Xiaomi Mi 6 mit Dual-Kamera und zu allen Seiten rund geschliffener Glasrückseite (Bild: Xiaomi)

Xiaomi Mi 6 mit Dual-Kamera und zu allen Seiten rund geschliffener Glasrückseite (Bild: Xiaomi)

Auf der Rückseite befindet sich eine Dual-Kamera ohne Buckel, beide mit 12 Megapixel. Das weitwinklige Hauptobjektiv verfügt über eine Brennweite von 27 mm, eine Anfangsblende von f/1.8, 1,25 µm große Sensorpixel und einen optischen Vier-Achsen-Bildstabilisator. Das zweite Objektiv mit 52-mm-Brennweite und 1 µm großen Pixeln ist für Porträtaufnahmen gedacht. Ein ähnlicher Aufbau findet sich im iPhone 7 Plus. Beim digitalen Zoom wird automatisch von einer Linse auf die andere umgeschaltet. Xiaomi bezeichnet dies als zweifachen optischen Zoom, es fährt allerdings keine Linse aus dem Smartphone heraus. Die Frontkamera löst mit 8 Megapixeln auf.

Keine Klinkenbuchse

Noch einen Blick zurück auf das Design: Da das Display zu allen vier Seiten abgerundet ist, findet sich im Rahmen kein Platz für eine Klinkenbuchse, über den ein Kopfhörer per Kabel angeschlossen werden könnte. Der soll per Bluetooth verbunden werden, per USB-C-Adapter geht es notfalls aber auch. Der Fingerabdrucksensor befindet sich im Homebutton, aber unter Glas. Dieses Design hatte Samsung beim S8 noch verworfen, da es wohl unzuverlässig funktionierte. Auch die Stereolautsprecher befinden sich unter Glas. Gegen Spritzwasser ist das Xiaomi Mi 6 geschützt, nicht aber offiziell nach IP67. Alternativ zur Rückseite aus Glas gibt es noch eine Version mit Keramik und zusätzlich einem Objektivrand aus 18 karätigem Gold. Wer es mag.

Xiaomi Mi 6 in drei Farben (Bild: Xiaomi)

Xiaomi Mi 6 in drei Farben (Bild: Xiaomi)

In China wird das Xiaomi Mi 6 für umgerechnet ab 340 Euro angeboten. Wer es hierzulande kaufen möchte, muss es importieren oder importieren lassen. Das ist immer mit einem Risiko verbunden. Zu den höheren Versandkosten können immer noch Zollgebühren hinzukommen. Zusätzlich stellt sich die Frage, was im Garantiefall passiert: Muss das Smartphone zurück nach China geschickt werden? Wer übernimmt die Kosten? Wie lässt sich der Rechtsweg beschreiten? Es gibt zwar Shops, die das ganze Prozedere für einen übernehmen, doch auch dort würde ich mich nicht so sicher fühlen wie bei einem Händler, den ich kenne und dem ich vertraue. Das ist aus meiner Sicht das zweite große Manko und der Grund, weshalb ich mir wohl nie ein Smartphone von Xiaomi kaufen werde.

Dennoch schaue ich mir jedes der neuen Geräte mit großem Interesse an. Das Design gefällt mir außerordentlich. Aber in der Regel wird es bald auch bei anderen Herstellern zu finden sein. Schaut euch einfach mal das Xiaomi Mi Mix im Vergleich mit dem Samsung S8 an. Ich will nicht sagen, dass einer vom anderen abgekupfert hat. Aber gutes Design setzt sich letztlich durch.

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