NAS-Vergleich günstig vs teuer: Was macht den Unterschied?

Ein NAS macht dich unabhängig von Cloud-Services im Netz. Dabei überzeugt uns ein preiswertes Synology-Gerät genauso wie ein teures – fast.

NAS-Vergleich günstig vs teuer: Was macht den Unterschied?

Muss die Hoheit über unsere eigenen Dateien wirklich teuer sein? Wir haben zwei Synology-NAS am unteren und oberen Ende der Preisskala verglichen. Die Unterschiede liegen in den Details der Kategorien Ausstattung, Sicherheit, Software und Leistung. Entscheidend ist, worauf es dir am meisten ankommt.

Günstiges vs. preisintensives NAS

Das Synology-Duo in unserem Vergleich ist durchaus repräsentativ für die Preisspanne im NAS-Bereich: Für etwa 250 Euro kriegst du die Synology DS218. Das kompakte Gerät besitzt zwei Festplattenschächte und drei USB-Anschlüsse sowie einen LAN-Port mit einem GBit-Datendurchsatz. Solche 2-Bay-Geräte sind die beliebtesten Modelle für den „Heimanwenderbereich“ – was darunter zu verstehen ist, klären wir noch.

NAS mit zwei Festplatteneinschüben gehören zu den beliebtesten Netzwerkspeichern.

Wuchtiger kommt das zweite Synology-NAS daher. Die DS920+ für knapp 570 Euro hat Platz für vier Festplatten und zwei M2-Erweiterungsslots, eine Arbeitsspeicher-Erweiterung und ein Schwung zusätzlicher Anschlüsse verlangen nach einem größeren Gehäuse. Anders als die Konkurrenz von QNAP besitzt dieses Modell jedoch keinen PCIe-Slot für weitere Hardware wie Grafik- oder WLAN-Karten.

Trotz dieses Malus geht das höherpreisige NAS DS920+ als eines für „anspruchsvolle Anwendungen“ durch. Wieder eine Vokabel, die wir später klären müssen.

Die DS920+ besitzt vier Festplatteneinschübe, kann dank Erweiterungskit aber bis zu 9 Platten verwalten.

Ob DS218 oder DS920+: Beide NAS kannst du locker in ein Kallax-Regal stellen oder unauffällig ins Wohnmobiliar integrieren. Bis hierher sind Formfaktor und Slots bzw. Festplattenschächte sowie die anderen Anschlüsse die augenscheinlichsten Unterscheidungsmerkmale.

Synology DS218Synology DS920+
Maße: 16,5 x 10,8 x 23,3 cm / Gewicht (ohne Festplatten): 1,3 kg Maße: 16,6 x 19,9 x 22,3 cm / Gewicht (ohne Festplatten): 2,24 kg
Prozessor: Realtek RTD1296 (1,4 GHz) / Arbeitsspeicher: 2 GB DDR4Prozessor: Intel Celeron J4125 (2,0 GHz Standardtakt, 2,7 GHz Boost) / Arbeitsspeicher: 4 GB DDR4 (erweiterbar auf 8 GB)
Festplatteneinschübe: 2 – nicht erweiterbar / maximaler Speicher pro Platte: 16 TBFestplatteneinschübe: 4 – erweiterbar auf 9 Festplatten via Erweiterung DX517; SSD-Caching über zwei M.2-Einschübe / maximaler Speicher pro Platte: 16 TB
Anschlüsse: 1 x USB 2.0, 2 x USB 3.0, 1 x 1 Gb-Ethernet (RJ-45)Anschlüsse: 2 x USB 3.2, 2 x 1 Gb-Ethernet (RJ-45), 1 x eSata-Anschluss
Betriebssystem: DSM 7.0Betriebssystem: DSM 7.0
Funktionen (Auswahl): Dateibrowser inkl. globaler Suche, FTP-Server, Cloud-Backup, VPN-Server, Mail-Server, Video- und Foto-VerwaltungFunktionen (Auswahl): Dateibrowser inkl. globaler Suche, FTP-Server, Cloud-Backup, VPN-Server, Mail-Server, Video- und Foto-Verwaltung

Synology-NAS: Gleicher Lieferumfang

Synology liefert beide NAS mit allen Anschlusskabeln und einer Referenzanleitung aus. Die illustriert den Aufbau und gibt wichtige Links an die Hand. Die Druckbeilage ist kein Ersatz für eine umfangreiche Dokumentation.

Das 68-seitige Synology NAS-Benutzerhandbuch kannst du bequem als PDF herunterladen, du solltest aber bereits Vorkenntnisse mitbringen. Einsteigern empfehlen wir separate Lektüre, die alles erklärt – auch zu anderen Herstellern gibt es derartige Zusammenstellungen.

NAS: Wie leistungsfähig muss die Hardware sein?

NAS haben ihr tristes Dasein als reine Backup-Speicher längst hinter sich gelassen. Mittlerweile kannst du sie als Mail- oder WordPress-Server nutzen oder mit ihnen Bild- und Videodatenbanken verwalten. Mit wenigen Klicks sind sie als günstiges Videoüberwachungssystem einsatzbereit oder streamen Musik und Video auf deinen smarten Fernseher, das Smartphone oder Tablet. Die Anwendungsmöglichkeiten eines NAS wirken beinahe unbegrenzt.

Vorausgesetzt, die Hardware ist potent genug – sagen die Hersteller. Das Einsteiger-NAS DS218 setzt auf eine Kombination aus dem ARM-Prozessor Realtek RTD1296 und 2 GB Arbeitsspeicher. Die 64-Bit-CPU mit vier Kernen à 1,4 GHz ist ein vergleichsweise leistungsschwacher Mobilprozessor. In einem aktuellen Android-Smartphone würde ihn kein Hersteller einsetzen.

Dass Synology dennoch auf die betagte Hardware setzt, hat viele Gründe. Zum einen hat die Realtek-CPU einen geringen Energieverbrauch. Das drückt die Stromrechnung, selbst wenn das NAS rund um die Uhr läuft. Zum anderen ist die Rechenleistung ausreichend genug, um mehrere Datenzugriffe parallel zu verarbeiten oder einfache Server-Aufgaben zu erfüllen. Die Echtzeit-Encodierung und Weitergabe von Audio und Video an smarte Geräte und Apps wie Plex beherrscht der Realtek-Prozessor ebenfalls.

NAS-Prozessoren: Schwächer als ein Smartphone-Chip

Dennoch würde man nicht davon sprechen, dass die Synology DS218 höheren Ansprüchen genügt. Das NAS ist vor allem durch die 2 Gigabyte Arbeitsspeicher limitiert. Für die eben erwähnten Aufgaben reichen die zwar locker.

Hast du aber vor, das NAS als Server zu nutzen, nebenher Mediendateien zu streamen und zig Backups gleichzeitig laufen zu lassen, stößt das System laut Herstellerangaben an seine Hardware-Grenzen. Denn den NAS-Arbeitsspeicher kannst du nicht erweitern und Apps nicht gesondert auslagern. Heimanwender reizen das Gerät aber zumeist nicht aus.

Von einem anderen Kaliber ist da die DS920+. Deren Prozessor ist ein Intel Celeron J4125 mitsamt der Intel UHD 600 als Grafikeinheit. Das NAS-Herzstück greift auf vier Gigabyte Arbeitsspeicher zu, den du mit einem RAM-Riegel auf 8 GB verdoppeln kannst. Auf der Unterseite findest du zwei M.2-Steckplätze für flotten NVMe-Speicher. Den nutzt die DS920+, um speicherhungrige Apps und viele parallele Zugriffe auszulagern.

Ein cleverer Trick, der dafür sorgt, dass die DS920+ selbst unter Volllast ohne Beschränkungen läuft. Wenn überhaupt, sind es die zwei 1-GBit-LAN-Anschlüsse, die einen Flaschenhals darstellen. QNAP zum Beispiel bietet im TS-473A einen Ethernet-Port mit 10 GBit Datendurchsatz.

Davon abgesehen ist die DS920+ eindeutig für anspruchsvolle Aufgaben ausgestattet. Und das meint nicht mehr, als ganz viele Apps, Prozesse und Zugriffe gleichzeitig bearbeiten zu können. Daheim ist das eher unwichtig, in einer kleinen Firma sind höhere Rechenleistung und extra Arbeitsspeicher sowie Cache ein Garant für flüssiges Arbeiten auch unter Volllast.

Wie viel Festplattenspeicher passt in ein NAS?

Wenngleich die Netzwerkspeicher Alleskönner sind, sollte die Hauptaufgabe sein, große Datenmengen zu speichern. Die Wahl der NAS-Festplatten ist abhängig von deinem Datenschatz, den der Speicher perspektivisch verwalten soll. Größere Festplatten sind pro Gigabyte gerechnet günstiger als ihre kleinen Pendants. Zwar kannst du ein NAS nachträglich mit größeren Festplatten aufrüsten. Dann liegen die Kosten wegen der Doppelanschaffung erheblich höher, als wenn du das NAS gleich mit größeren Kapazitäten bestückt hättest.

Die NAS von Synology sind kompatibel mit Festplatten, die eine Kapazität von maximal 14 Terabyte haben. Je nachdem, ob du die Platten im RAID betreibst oder ohne „doppelten Boden“ den maximalen Speicher ausreizt, vervielfacht sich die Kapazität mit jeder weiteren Platte.

Spezielle NAS-Festplatten bieten bis zu 14 Terabyte Speicherplatz.

Wie viele Festplatten du ins NAS packen kannst, ist nicht nur von der Anzahl der Einschübe abhängig. So bieten QNAP und Synology Erweiterungskits an, die zusätzliche Speicherbuchten bereitstellen.

Ein solches Zusatzmodul funktioniert nur, wenn das NAS dies verwalten kann. Je nach Hersteller sind die Kompatibilitätsinfos auf der offiziellen Webseite, im Handbuch oder der Modellbezeichnung zu finden. Die Synology-NAS DS218 und DS920+ tragen diese Information in ihrer Nomenklatur hinter den ersten beiden Buchstaben. Die DS218 verwaltet ein Festplatten-Duo – erkennbar an der 2.

Mit der Synology DX517 erweiterst du die DS920+ um fünf weitere Festplatteneinschübe.

Die DS920+ kann mit bis zu neun Festplatten umgehen. Vier davon finden im Gehäuse Platz, fünf weitere HDDs hängst du übers Zusatzgehäuse DX517 ein. Das höherpreisige Modell ist demnach flexibler für Speichererweiterungen, während die DS218 hierin limitiert ist.

Geht es dir um eine größtmögliche Flexibilität bei der Speicherausstattung, wäre der Griff zur DS920+ richtig. Für absehbare „kleinere“ Datensammlungen von maximal 28 Terabyte ist die DS218 eine gute und preiswerte Alternative.

NAS: Leichte Hardware-Installation, schwieriges Setup

Bis dato verwende ich ein QNAP TS-453D als Netzwerkspeicher. Die Installation der Festplatten ging damals nur mit einem Schraubendreher. Mittlerweile haben alle namhaften NAS-Hersteller umgerüstet und bieten ein einfaches System ein, welches ganz ohne zusätzliches Werkzeug auskommt.

Die Festplatten-Installation ist kinderleicht.

Ob Synology DS218, DS920+ oder ein modernes QNAP-Gerät: Du ziehst den Festplattenschlitten heraus, entfernst die Seitenteile, packst die HDD rein, setzt die Seitenteile wieder an und versenkst den bestückten Schlitten im Gehäuse. Das dauert mit etwas Übung keine Minute und ist selbst für Laien nachvollziehbar.

Zeit solltest du dir beim Aufsetzen des NAS im heimischen Netzwerk nehmen. LAN-Kabel und Netzstecker sind schnell verbunden, doch die Konfiguration über den Browser ist zeitaufwendig und bedarf höchster Konzentration. Wir raten deshalb, ruhig das Handbuch oder die Dokumentation zu wälzen.

Während die HDD-Installation mittlerweile ein Kinderspiel ist, ist das Netzwerk-Setup komplizierter. Hierin nehmen sich die beiden Modelle nichts und selbst unter den Herstellern gibt es keinen, der das Prädikat „Installation für alle Laien verständlich“ verdiente.

DSM 7.0: Das gleiche Betriebssystem für die Synology-NAS

Ob Einstiegsmodell oder preisintensives NAS: Synology setzt auf das eigene Betriebssystem Diskstation Manager – kurz: DSM. Dahingehend unterscheidet sich Synology von Erzkonkurrent QNAP. Der bietet mit QTS und QuTS zwei unterschiedliche NAS-Betriebssysteme für private bzw. geschäftliche Belange an.

Egal, für welchen der Hersteller du dich entscheidest, das Prinzip hinter DSM oder QTS/QuTS ist identisch: Du loggst dich auf PC oder Mobilgerät über deinen Browser ins NAS ein. Dort findest du eine Desktop-Umgebung, die macOS, Windows oder Linux ähnlich ist.

DS218 und DS920+ setzen auf Synologys aktuelles DSM 7.0. Die Programmierer haben für diese Version die Sicherheit erhöht und Apps neu gestaltet bzw. zusammengelegt.

Programme und Apps fügst du über das DSM-Paket-Zentrum mit wenigen Klicks hinzu. Das ist fein säuberlich in unterschiedliche Anwendungsbereiche eingeteilt. Positiv: Für die meisten Zwecke hat Synology eine hochwertige, kostenfreie App im Aufgebot. Negativ: Manch populäre Software eines Drittherstellers findest du in der Übersicht nicht. Darunter fällt die Multimedia-Suite Plex.

Die – und viele andere Anwendungen – musst du über den Button „manuelle Installation“ aus einer externen Quelle installieren. Das klappt dann auch bequem und zuverlässig, du gehst hier aber ein paar Schritte mehr als mit Hilfe des Paket-Zentrums.

Apps installierst du über das Paket-Zentrum – Synology-Apps findest du sofort, Dritt-Anwendungen wie Plex rüstest du manuell nach.

Bei Multimedia mag das Upgrade einleuchten – aber warum sich mit Büro-Apps und Datenverwaltung auf DSM rumschlagen? Aus guten Gründen: Du kannst du Dateien über den Explorer deines Betriebssystems ans NAS schicken, kopieren, verschieben, löschen, spiegeln.

NAS-Stresstest: Bricht das günstige Gerät zusammen?

Doch unter DSM ist die Verwaltung von Office-Dokumenten, Videos, Fotos, Installationsdateien oder Datenbank-Backups wesentlich effizienter und komfortabler. Zudem ist der DSM-Zugriff bei entsprechender Konfiguration von jedem Endgerät aus möglich – im Heimnetzwerk wie im Internet.

Auf beiden Geräten läuft DSM 7.0 einwandfrei. Nun bin ich „nur“ semiprofessioneller Anwender mit üppigem Datenarchiv und nicht für die IT eines (Klein-)Unternehmens verantwortlich. Mit automatisierter Datensynchronisation, einem parallel durchgeführten Medien-Stream und dem externen Zugriff über mehrere Telefone versuche ich das Einsteigermodell DS218 unter Stress zu setzen. Wider meinen Erwartungen bleibt es dabei cool und bewältigt alle Tasks ohne Tadel. Dass die DS218 mit einem schwachbrüstigeren Prozessor und wenig RAM ausgestattet ist, tut da offenbar nix zur Sache.

Was alles auf dem NAS passiert, protokolliert dessen Betriebssystem.

Die DS920+ absolviert den gleichen Stresstest ebenfalls mit Bravour. Es gab und gäbe für mich aber keinen Grund, dem teureren Gerät den Vorzug gegenüber der DS218 zu geben. Wenn nicht, tja…

Fazit

Einstiegsmodell oder Premium-Gerät? DS218 oder DS920+? Als Privatanwender hätte ich mir die DS218 zugelegt – und im direkten Vergleich mit dem preisintensiven Pendant wären die Ausstattung passabel, die Leistung wirklich okay und die Flexibilität im Rahmen dessen, was eine Dateien- und Mediensammlung bräuchten.

Schaue ich auf meinen Arbeitsalltag und meine Freizeit, würde ich dennoch eher zur DS920+ neigen. Das liegt vor allem an wichtigen sensiblen Dateien, einem riesigen Archiv für meine Doktorarbeit in Geschichte und den vielen Terabytes, die sich im Laufe eines Redaktionslebens ansammeln. Vieles davon ist für mich und meine Arbeit unersetzlich und entsprechend kostbar.

Die DS920+ sichert mich für den Worst Case eines Festplattenausfalls/Datenverlusts dank umfangreicher RAID-Optionen ab und spiegelt die Sammlungen mehrmals. Sollte der Platz eines Tages nicht mehr ausreichen, kaufe ich einfach eine Erweiterung dazu und hänge weitere Festplatten ein. Die Multimedia-Funktionen nehme ich gerne mit und freue mich über das komfortable NAS-Betriebssystem.

Aber eben diese Media-Features beherrschen beide Modelle und deshalb ist der Aufpreis für die DS920+ nicht gerechtfertigt. Und das ist durchaus stellvertretend für die gesamte NAS-Landschaft. Ein kleiner, flotter Netzwerkspeicher kann heute so viel mehr als nur Daten hin und her zu schubsen. Wenn es aber darum geht, sich gegen Datenverlust langfristig abzusichern, flexibel bei der Backupgröße zu sein und wirklich unzählige gleichzeitige Anfragen zu verarbeiten, dann ist der Griff zu preisintensiveren Modellen durchaus gerechtfertigt.

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